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Pflanzkartoffelanmeldung 2021

In Niedersachsen sind in diesem Jahr insgesamt 7.866 ha Pflanzkartoffeln zur Vermehrung angemeldet. Damit hat die Vermehrungsfläche um 131 ha bzw. 1,6% zugenommen gegenüber dem Vorjahr mit 7.735 ha. In den vergangenen Jahren hat die Pflanzkartoffelvermehrung alljährlich zugenommen: seit 2014 mit 5.503 ha Vermehrung wurde sie um 43% erhöht.

Bis weit in den Juni hinein verzögerte sich aufgrund der Nässe vielerorts für rund 400 Hektar die Auspflanzung der Pflanzkartoffeln. Die Anmeldungen zur Pflanzkartoffel-Vermehrung liegen bei der Anerkennungsstelle nun vor. Demnach werden in Niedersachsen 252 Sorten der in Deutschland insgesamt 530 zugelassenen Sorten vermehrt, wobei allein auf die 12 größten Sorten ein Drittel (32,6%) der Vermehrungsfläche entfällt. 77 Sorten davon werden in nur sehr geringem Umfang vermehrt: 46 Sorten mit nur einem einzigen sowie weitere 31 Sorten mit nur 2 Vermehrungsvorhaben. Dieses insgesamt breit gefächerte Sortenspektrum stellt für alle Beteiligten, angefangen bei den die Bestände hegenden und pflegenden – und oftmals die geerntete Ware selbst einlagernden - Vermehrern, den aufbereitenden Vertriebsfirmen und den Züchtern sowie die Anerkennungsstelle fachlich, logistisch und administrativ eine große Herausforderung dar.

Die frühe Speisesorte Belana ist mittlerweile im 13. Jahr in Folge mit 406 ha bzw. einem Anteil von 5,2 % an der Fläche unangefochten bedeutendste Sorte. Mit Abstand folgen die mittelfrühe Chipssorte Verdi mit 281 ha (3,6 %), die mittelfrühe Verarbeitungssorte Agria mit 276 ha (3,5 %), die mittelspäte Speisesorte Jelly mit 257 ha (3,3 %) und die späte Stärkesorte Euroviva mit 233 ha (3,0 %). In der Tabelle sind die 131 Sorten mit einer (in 2021 vorläufigen) Vermehrungsfläche von 10 ha oder mehr namentlich genannt; zum Vergleich sind die Flächen dieser Sorten der beiden Vorjahre dargestellt. Auf diese 131 Sorten entfallen 7.424 ha bzw. 94,4 % der Vermehrungsfläche. Alle anderen Sorten sind bei jeder Reife- und Sortengruppe jeweils unter „Andere Sorten“ zusammengefasst. Die Vermehrungen von noch nicht zugelassenen Sorten („Stämme“) in kleinen Einheiten in Gewächshäusern bzw. Tunneln oder in Freilandparzellen kommen noch hinzu. Bei den in Niedersachsen vermehrten 252 Sorten handelt es sich mittlerweile nur noch bei 107 Sorten um national geprüfte Sorten; hier existiert noch die klassische Einteilung in Reife- und Sortengruppen. Die anderen 145 Sorten sind so genannte EU-Sorten, auf die eine immer größere Vermehrungsfläche entfällt, mittlerweile mit 3.327 ha also 42,3 %. EU-Sorten wurden ursprünglich in irgendeinem anderen Staat der Union zugelassen und wurden daraufhin ohne weitere Prüfung auch in Deutschland zugelassen. In Deutschland sind auch 7 Erhaltungssorten gelistet; hier geht es um alte Pflanzensorten, bei denen der Gesetzgeber bereits 2009 fokussierte, dass diese zur biologischen Vielfalt beitrügen. In Niedersachsen findet seitdem eine marginale Vermehrung von Erhaltungssorten statt: in 2021 wird eine Sorte auf weniger als einem Morgen vermehrt.

 

Pflanzkartoffeln der vermehrten Sorten werden in den einzelnen Kategorien (Vorstufen-, Basis- und Zertifiziertes Pflanzgut) und Klassen (V/PB und V/PBTC bzw. B/S, B/SE und B/E bzw. Z/A und Z/B) in verschiedenen Anteilen zur Anerkennung angemeldet. Die 3.481 in Niedersachsen angemeldeten Vermehrungsvorhaben (zum Vergleich im Vorjahr: 3.431 Vorhaben) teilen sich folgendermaßen auf. Zur Produktion von Basispflanzgut sind 1.742 Schläge entsprechend 3.938 ha bzw. 50,1 % der Gesamtfläche vorgesehen. Damit hat der Anteil der Produktion von Basispflanzgut weiter zugenommen. Des Weiteren sind 460 Vermehrungsvorhaben vorgesehen zur Erzeugung von Vorstufenpflanzgut (Klassen PBTC und PB). Zur Erzeugung Zertifizierten Pflanzgutes sind 1.279 Schläge entsprechend 3.544 ha bzw. 45,1 % angemeldet. Der Anteil der Vermehrungen von Zertifiziertem Pflanzgut zu abermals Zertifiziertem Pflanzgut findet auf 105 Schlägen entsprechend 263 ha von 51 Sorten statt. Die Vermehrung innerhalb der Kategorie Z (bis 2015 die ehemalige „Z2-Vermehrung“) ist bei Kartoffeln nur möglich, wenn sie in demselben Betrieb erfolgt, der im Vorjahr das Z-Ausgangsmaterial erzeugt hat; sie ist von Produktion und Ökonomie her aber nur bedingt sinnvoll.

 

Vermehrung von Pflanzkartoffeln findet in hochspezialisierten landwirtschaftlichen Betrieben statt. In diesem Jahr vermehren 367 Betriebe Pflanzkartoffeln, damit haben 40 Betriebe die Vermehrung eingestellt, wohingegen 43 Vermehrer neu hinzugekommen sind. Dabei nimmt die Spezialisierung weiter zu: erzeugte 2019 bzw. 2020 jeder Vermehrer - über alle Stufen hinweg – 20,37 ha bzw. 21,25 ha Pflanzkartoffeln, sind es 2021 bereits 21,43 ha.

Betreut werden die Vermehrer durch die Vertriebsfirmen wie z.B. Genossenschaften oder Landhandelsfirmen; insgesamt handelt es sich um 30 kleine und große Firmen, die Pflanzkartoffeln erzeugen lassen, um sie später zu handeln.

 

Dieselbe Kartoffelsorte in zwei verschiedenen Kategorien bzw. Klassen kann ein Vermehrer produzieren, wenn er die saubere Trennung der Stufen gewährleisten kann - vom Pflanzen übers Roden und Lagern bis zur Aufbereitung und Verladung. Konsumkartoffeln von derselben Sorte, die auch in einem Betrieb vermehrt wird, existieren in 436 Fällen und damit bei knapp 13% der Vermehrungsvorhaben. In der Pflanzkartoffelproduktion dürfen auf dem Vorgewende Kartoffeln nur ausnahmsweise angebaut werden: auf einem Teil der zur Vermehrung angemeldeten Flächen existieren so genannte vorgelagerte Schlagteile, die jeweils Bestandteil des betreffenden Vermehrungsvorhabens sind. Hier ist ein mindestens 3 m breiter, von Streubewuchs freier Trennstreifen unbedingt einzuhalten. Auf 707 Vorhaben (rund 20%) existieren derartige vorgelagerte Schlagteile. Der Feldbesichtiger kontrolliert während der Wachstumsphase der Kartoffeln auch, ob Kartoffeldämme auf Vermehrungsschlägen überfahren worden sind. Wurde ein Damm überfahren, müssen die betroffenen Kartoffeln aus dem Boden entfernt werden. Zur Erleichterung des Einfahrens in die Fahrspuren hat sich die Anlage von „Einfahr-Trichtern“ bewährt: hier werden die Stauden links und rechts neben der Fahrspur auf einigen Metern entfernt.

 

Bereits seit 2016 gelten veränderte Anforderungen an den Feldbestand und die Beschaffenheitsprüfung bei Pflanzkartoffeln. Beispielsweise wird das Auftreten von Virus nur noch als solches bewertet; es gibt keine Unterscheidung der Virussymptome in leichte und schwere Ausprägung mehr. Die maximal zulässige Virusnorm beträgt für die Stufe Z/A 1% und die für Z/B 2%. Seit 2020 müssen zusätzlich die RNQPs, d. h. „Regulated Non Quarantine Pests“, zu Deutsch: Unionsgeregelte Nicht-Quarantäneschädlinge, berücksichtigt werden. Hierzu zählen im Hinblick auf die Feldbestandsprüfung Ditylenchus destructor, Kartoffel-Spindelknollenviroid (Potato spindle tuber viroid, PSTVd), Zebra-Chip-Krankheit (Candidatus Liberibacter solanacearum) und Stolbur (Candidatus Phytoplasma solani). Im Hinblick auf die einzelnen Anforderungen an den Feldbestand wird auf die aktuell gültigen „Richtlinien für die Feldbesichtigung“ der LWK Niedersachsen verwiesen.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 01.07.2021