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Aktuelles zu Zwischenfrüchten

Der Anbauumfang an Zwischenfrüchten hat in den letzten Jahren vor allem durch die Anerkennung als Greening-Komponente deutlich zugenommen. Zwischenfrüchte liefern zudem einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität und sind bekanntlich aus Sicht der Erosionsvermeidung unverzichtbar. Auch bei der Diskussion um Nitratverlagerung im Rahmen der Düngeverordnung wird der Zwischenfrucht eine große Bedeutung beigemessen.

 

Der Entwurf zur neuen Düngeverordnung sieht vor, dass in den Roten Gebieten mit mehr als 650 mm Niederschlag im Jahr eine Zwischenfrucht vor einer Sommerung angebaut werden muss. Anderenfalls wäre eine Düngung der Sommerung verboten. Darüber hinaus dürfen Zwischenfrüchte in den Roten Gebieten – außer bei einer Futternutzung im Herbst – nicht mehr mit Stickstoff gedüngt werden. Viele Versuche der letzten Jahre belegen jedoch, dass der Zwischenfruchtanbau in Hinblick auf eine Verbesserung der Erträge vor allem auf den Lehmböden keine Vorteile bringt. Lediglich auf Sandböden sind kleine Ertragseffekte erkennbar. Gleichzeitig liefert die Zwischenfrucht, trotz der nachgewiesenen Nährstoffbindung über Winter, für die nachfolgende Sommerung keine Nährstoffe zurück. Dementsprechend muss bei der Ermittlung des Bedarfswertes nach DVO von Sommerungen beim Anbau von abfrierenden Zwischenfrüchte, wie u.a. Senf, Phacelia oder Ölrettich, kein Abschlag beim Stickstoff vorgenommen werden.

Heterogene Entwicklung der Bestände im Herbst

Die Entwicklung der Zwischenfruchtbestände ist je nach Saattermin und Niederschlagsverteilung sehr unterschiedlich. Aufgrund der Trockenheit im August und September waren viele Bestände zunächst nur sehr schlecht aufgelaufen. In verzettelt aufgelaufenen Beständen ist häufig viel Ausfallgetreide vorzufinden. Trotz geringer Entwicklung haben die Bestände teilweise sehr früh mit der (Not-) Blüte begonnen und mussten daher vielfach bereits im Herbst geschlegelt werden. In Folge der Niederschläge ab Oktober und aufgrund der milden Witterung im Herbst haben sich auch die Spätsaaten noch gut entwickelt. Durch den milden Winter haben inzwischen auch später bestellte Bestände teilweise mit der Blüte begonnen. Frühe Bestände haben bereits Samenreife erreicht. Das Aussamen der Bestände muss jedoch unbedingt vermieden werden, da sich einige Arten in den Folgekulturen auch chemisch nur schlecht bekämpfen lassen. Aufgrund der Niederschläge im Dezember sowie zu Beginn des Jahres und durch das Ausbleiben von Bodenfrösten konnten jedoch bislang noch keine Pflegemaßnahmen durchgeführt werden. Daher muss in nächster Zeit jede Gelegenheit genutzt werden, ein Aussamen zu verhindern. Welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden können, hängt jedoch auch vom Status der Zwischenfrucht bzw. dem Förderrahmen ab. Vielfach werden Zwischenfrüchte neben Greening auch durch NAU-Maßnahmen oder freiwillige Vereinbarungen finanziell gefördert. Die jeweiligen Auflagen müssen jedoch beachtet werden, um Sanktionen zu vermeiden.

Bei Förderung Auflagen beachten

1. Zwischenfrüchte ohne Greening und ohne NAU-Programm:

Hier gibt es in Hinblick auf den Umbruch keine speziellen Vorgaben, an die man sich halten muss. Sofern die Bestände gedüngt wurden, muss lediglich eine Standzeit von 8 Wochen eingehalten werden. Eine mögliche Beseitigung liegt danach im Ermessen des Landwirts. Der Aufwuchs kann bereits im Herbst geschlegelt, gewalzt, bearbeitet oder abgehütet werden.

2. Zwischenfrüchte mit Greeninganrechnung:

Zwischenfrüchte, die im Rahmen des Greenings angebaut wurden, dürfen zur Verhinderung der Samenreife hoch geschlegelt oder gewalzt werden. Ein Datum dazu ist nicht festgelegt. Wichtig ist jedoch, dass beim Schlegeln sichtbare Stoppeln von ca. 20-25 cm stehen bleiben, damit die Prüfer noch erkennen können, dass dort Zwischenfrüchte gestanden haben. Der Umbruch der Zwischenfrüchte darf in Niedersachsen erst nach dem 15. Februar erfolgen.

3. Zwischenfrüchte im Rahmen eines NAU-Programms:

AL 21 (abfrierende ZF):

Ein Umbruch darf erst ab dem 15. Februar erfolgen. Der Umbruch muss zunächst mechanisch erfolgen. Erst danach darf ein nichtselektives Herbizid angewendet werden.

AL 22 (winterharte ZF):

Beweidung ist nur im Rahmen der Hüteschafhaltung („Wanderschäfer“) zulässig. Eine Schnittnutzung mit Abfuhr des Aufwuchses ist möglich. Ein Umbruch darf erst ab dem 01. März erfolgen. Grundsätzlich muss bis zum 01.03. deutlich erkennbar bleiben, dass eine Zwischenfrucht oder Untersaat angebaut wurde. Keine Düngung vor dem 1. März.

4. Zwischenfrüchte in Wasserschutzgebieten:

Beim Zwischenfruchtanbau im Rahmen der freiwilligen Vereinbarungen sind ebenfalls Auflagen einzuhalten. Hierzu sollten Sie vor geplanten Maßnahmen Rücksprache mit Ihrem jeweiligen Wasserschutzberater halten.

Bei Greening darf nur geschlegelt werden

Blühende Bestände sollten auf Schoten- bzw. Samenbildung kontrolliert und bei drohender Samenreife bearbeitet bzw. abgeschlegelt werden. Ein Schlegeln, besonders von Ölrettichbeständen, trägt darüber hinaus dazu bei, dass die Bestände bei hoffentlich noch kommenden Nachtfrösten leichter abfrieren. Wenn es sich um eine Zwischenfrucht ohne weitere Auflagen handelt, gibt es nahezu keine Einschränkungen bei den Möglichkeiten der Bearbeitung sowie in Hinblick auf den Umbruchtermin. Zu berücksichtigen ist ausschließlich, dass eine Standzeit von mindestens acht Wochen einzuhalten ist, wenn eine N-Düngung im Herbst erfolgte. Greeningflächen sowie Flächen, die durch eine Agrarumweltauflage gefördert wurden, dürfen frühestens ab dem 15. Februar umgebrochen werden (AL 22 erst ab 01. März). Zur Verhinderung der Samenreife ist hier jedoch ein hohes Schlegeln oder Walzen ohne Bodeneingriff (keine Messerwalze) erlaubt, damit ein Wiederaustrieb möglich ist und die Zwischenfrucht hinsichtlich der ausgesäten Arten noch erkennbar bleibt.

Früher Umbruch auf Lehmböden vorteilhaft

In der Praxis werden Zwischenfrüchte in vielen Fällen erst im März kurz vor der angestrebten Aussaat der Folgefrucht mechanisch eingearbeitet. Nur auf schweren Tonböden wird die Zwischenfrucht – wenn möglich – bereits im Herbst umgebrochen, da eine tiefere Bodenbearbeitung im Frühjahr kaum möglich ist. Bei normaler Witterung sterben die Sommerzwischenfrüchte meist bereits vor Weihnachten in Folge von Frosteinwirkung sicher ab. In Jahren ohne nennenswerten Frost – wie 2019 und vermutlich auch 2020 – bleiben jedoch die Zwischenfrüchte bis ins Frühjahr grün. Aus Sicht der Nährstoffbindung scheint dies vordergründig auch vorteilhaft, denn erst nach dem Abfrieren setzt in der Regel die Umsetzung der Nährstoffe ein. Allerdings wurde bereits 2019 diskutiert, welche Folgen das Grünbleiben für den Wasserverbrauch hat. Um dieser Frage nachzugehen, wurden im Herbst 2019 drei Versuche angelegt, an denen Zwischenfrüchte zu verschiedenen Terminen umgebrochen wurden.

Früher Umbruch kann Nmin zur Aussaat steigern

In den Versuchen wurden die Zwischenfrüchte – in der Regel Greening-Mischungen mit hohen Senfanteilen Ende November, Mitte Februar und Mitte März mechanisch eingearbeitet. Die betriebsübliche Einarbeitung erfolgte in allen Betrieben im März kurz vor der Aussaat. Die Bearbeitung konnte zu allen Terminen aufgrund der Trockenheit unter günstigen Bedingungen durchgeführt werden. Nmin Begleituntersuchungen zeigten, dass durch das Umbrechen im Spätherbst bereits im Januar und Februar ein Anstieg der Mineralisation messbar wurde. Im Vergleich zur betriebsüblichen Variante mit Umbruch im März stiegen die Nmin Gehalte Mitte Februar um etwa 20-40 kg/ha an (Tab.1). Weitere Nmin Untersuchungen Mitte Mai bestätigten die bessere Nährstofffreisetzung in Folge des früheren Umbruches im Spätherbst. Auf allen Standorten stieg der Nmin Gehalt deutlich an – von 40 kg/ha in Koldingen (ohne N im Frühjahr) auf 80 bis mehr als 100 kg/ha in Hameln und Groß Munzel. Der Umbruch im Februar führte hingegen im Mai nur zu einer sehr geringen Steigerung der Nmin Gehalte. Dies bestätigten auch Nitratanalysen im September. Auch hier zeigten sich deutlich höhere Nitratgehalte in den Zuckerrüben bei Herbstumbruch. Die bessere Versorgung der Zuckerrüben wurde zudem in der Blattfärbung sichtbar. Ertragsmessungen belegen auch eine positive Ertragswirkung des früheren Umbruchs. Der Versuch wird auch durch aktuelle Ergebnisse aus Systemversuchen in Zuckerrüben auf Lehmstandorten in Südhannover bestätigt, wo bei Umbruch im März keine positive Wirkung des Zwischenfruchtanbaus beobachtet werden konnte. Versuche auf leichten Böden zeigen hingegen geringe positive Effekte der Zwischenfrüchte.

Witterung schränkt Maßnahmen ein

Die Witterung der nächsten Wochen gibt den Handlungsrahmen beim Umgang mit den Zwischenfrüchten vor. Sobald Nachtfröste ein Befahren und eine Bearbeitung erlauben, muss in Abhängigkeit von Standort und Förderrahmen agiert werden. In jedem Fall sollte durch ein hohes Schlegeln das Aussamen der Bestände vermieden werden. Massenwüchsige Bestände – insbesondere mit Ölrettichanteilen - sollten ebenfalls geschlegelt werden, um ein Absterben durch Frost zu erleichtern. Auf Lehmstandorten kann bei Frost eine frühe Einarbeitung mit Scheibenegge oder Grubber ebenfalls sinnvoll sein. Hier müssen jedoch noch weitere Erkenntnisse gesammelt werden. Insbesondere in Hinblick auf den Verzicht auf Glyphosat vor der Aussaat von Sommerungen muss in Zukunft ohnehin eine mehrmalige Bearbeitung erfolgen. Ansonsten lassen sich pfluglose Anbausysteme auf Dauer nicht erhalten. Dazu muss der Gesetzgeber allerdings auch zeitlich mehr Möglichkeiten einräumen. Ein Festhalten am Umbruchtermin nach dem 15. Februar beim Greening und NAU ist daher nicht dazu geeignet. Wie in den roten Gebieten vorgesehen, wäre zumindest ein Umbruch ab dem 15. Januar hilfreich, um flexibler auf Standortgegebenheiten und Witterung reagieren zu können. Auch in Hinblick auf die Reduktion der Düngung muss die Bodenbearbeitung in Zukunft zielgerichteter eingesetzt werden. Im Frühjahr könnte dies durch eine frühere und intensivere Bodenlockerung erreicht werden.

Tab.1: Einfluss des Umbruchzeitpunktes der Zwischenfrucht auf die Stickstoffnachlieferung

  Umbruch November Umbruch Februar Umbruch März
Nmin kg/ha Mitte Februar
Groß Munzel 80 54 54
Koldingen 118 76 76
Hameln 42 19 19
  Nmin kg/ha Mitte Mai
Groß Munzel 445 263 285
Koldingen* 196 156 154
Hameln 228 188 139
  Nitratanalyse September ppm
Groß Munzel 2200 1000 850
Koldingen 900 800 750
Hameln 1800 1150 1000
* ungedüngte Variante

 


Kontakt:
Dr. Ulrich Lehrke
Berater Pflanzenbau
Telefon: 0511 4005-2251
Telefax: 0511 4005-2245
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Stand: 22.01.2020