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Viel gutes Futter mit Sommerzwischenfrüchten

Mit dem Anbau von Sommerzwischenfrüchten lässt sich in Gemischtbetrieben die Futterproduktion zusätzlich absichern. Von den Ackergräsern kommen hierfür vor allem das Einjährige, aber auch das Welsche Weidelgras in Betracht. Bewährt haben sich zudem ihre Mischungen mit Leguminosen, denn sie punkten zusätzlich mit Energie und Protein.

Nachfolgend lesen Sie, was wesentlich für gute Erträge aber auch für einen hohen Futterwert ist.

Die Futterproduktion hat in 2021 einen guten Start gefunden, wenn auch die Witterungsbedingungen zur Ernte nicht in jedem Fall günstig waren. Zumindest erbrachte der erste Aufwuchs massereiche Bestände auf dem Grünland sowie auf dem Acker. Die regenreichen Zeitabschnitte im Mai sorgten vielerorts nach der Mahd für einen raschen Wiederaustrieb des zweiten Aufwuchses. Nach den Jahren der Futterknappheit füllen sich die Silos damit allmählich wieder. Eine sichere Grundfutterreserve liegt aber erst dann vor, wenn mindestens ein Drittel von dem notwendigen Winterfuttervorrat zusätzlich als Reserve konserviert ist.

Der Anbau von Sommerzwischenfrüchten ist für Gemischtbetriebe eine weitere Möglichkeit zur Absicherung der Futterproduktion.

Aufgrund ihres hohen Futter- und Gebrauchswertes haben sich für die Futtergewinnung im Sommerzwischenfruchtbau in erster Linie Ackergräser und ihre Mischungen mit Leguminosen bewährt, obgleich die Saatgutpreise im Vergleich zu den Kruziferen deutlich höher ausfallen.

Die Vorzüge gegenüber den Kruziferen sind im Kasten aufgeführt.

Um den erhöhten arbeitswirtschaftlichen Aufwand des Zwischenfrucht-Futterbaus effizient zu gestalten, sind hohe Nettoenergieerträge anzustreben. 

Sowohl das nicht winterharte Einjährige Weidelgras als auch das überjährige Welsche Weidelgras haben ein hohes Ertragspotential. Beide schnellwüchsigen Arten sind in der Lage, Trockenmasseerträge um die 30 bis etwa 40 dt / ha bei einem Schnitt und sogar 50 – 60 dt /ha bei zwei Aufwüchsen zu liefern. Berechtigte Hoffnungen auf derartige Ertragsleistungen sind aber nur möglich, wenn wichtige Voraussetzungen aus pflanzenbaulicher Sicht erfüllt und die Witterungsbedingungen vor allem hinsichtlich der Niederschläge passend sind.

Früher Saatzeitpunkt

Die Aussaat sollte möglichst noch im Juli und spätestens bis Anfang August erfolgen. Legt man hierzu eine alte Bauernregel zugrunde, so gilt, dass ein Tag bis Mitte Juli so viel an Ertragszuwachs bringt, wie eine Woche im August. Insbesondere für das Einjährige Weidelgras sind spätere Aussaattermine nicht mehr ratsam, zumal neben den Ertragseinbußen die Gefahr des Fritfliegenbefalls dann noch verstärkt wird. Ist eine Bestellung der Fläche nicht bis zum 15. August möglich, so kann allenfalls bei einem milden und wüchsigen Herbst noch auf einen Beweidungsaufwuchs mit dem überjährigen Welschem Weidelgras spekuliert werden.

Die Räumung der Ackerflächen nach der Getreideernte sowie die Bodenbearbeitung und Bestellung haben demzufolge so zügig wie möglich zu erfolgen. Nachteilig hierbei ist, dass auf eine intensive Unkrautbekämpfung von Samenunkräutern zumeist verzichtet werden muss.

Anbautechnik

Um ein gleichmäßiges Auflaufen der Feinsämereien zu erzielen, benötigen die Ackergräser ein feines sowie gut rückverfestigtes Saatbett. Die Anforderungen für die Saatbettbereitung sind genauso hoch anzusetzen wie bei einer Hauptfrucht. Zu bevorzugen ist eine Pflugfurche, gefolgt von einem intensiven Durcharbeiten und Rückverfestigen des Bodens sowie eine Drillsaat. Die Ablage des Saatgutes sollte äußerst flach erfolgen und keinesfalls mehr als 2 cm betragen. Bewährt hat sich zudem ein zusätzlicher Walzenstrich nach der Aussaat, denn dies fördert den Bodenschluss und die Wasserversorgung.

Düngung

Hohe Ertragsleistungen der frohwüchsigen Ackergräser sind nur bei angemessener N-Düngung erzielbar. Bei einer Aussaat bis zum 15. August und einer Futternutzung im Herbst besteht für Ackergräser gemäß der DüV ein N-Düngebedarf von 80 kg N/ha, unabhängig davon, ob die Fläche in mit Nitrat belasteten oder nicht mit Nitrat belasteten Gebieten liegt. In roten Gebieten ist bei späteren Saaten keine N-Düngung mehr zulässig. In den nicht mit Nitrat belasteten Gebieten darf bei einer Aussaat bis 15. September noch eine N-Düngung (max. 60/30-Regel) erfolgen. Die N-Gabe hat dann bis zum 01. Oktober zu erfolgen. Die N-Düngung „max. 60/30-Regel“ bedeutet, dass eine Düngung mit maximal 60 kg Gesamt-N/ha und/oder maximal 30 kg NH4-N/ha (mineralisch + organisch) erfolgen kann.

Eine Kurzübersicht zu den N-Bedarfswerten von Sommerzwischenfrüchten/ Zweitfrüchten zur Futternutzung ist Tabelle 1 zu entnehmen. Vertiefende Details sind zudem den Web Codes 01032851 und 01039283 zu entnehmen.

Einjähriges Weidelgras

Das Einjährige Weidelgras gehört zu den klassischen Sommerzwischenfrüchten, wenn es gilt, in einem kurzen Zeitraum als Futterlieferant zu dienen. Das ist auch bei der Sortenwahl zu berücksichtigen. Für die Im Sommerzwischenfruchtbau zugelassenen Sorten steht vor allem die Aufwuchsgeschwindigkeit im Fokus. Durch die Züchtung ist es gelungen, mit den sehr frühen Sorten auch im Rahmen einer kurzen Vegetationszeit die Ausbildung der generativen Phase zu ermöglichen. Eine Ernte kann bei wüchsigem Wetter bereits 60 Tage nach der Saat möglich sein. In der Regel zeichnen sich früh reifende Sorten durch hohe Erträge in Verbindung mit einem strukturreichen Aufwuchs aus.

Spätere Sorten punkten durch ein besseres Nachwuchsvermögen. Unter guten Wachstumsbedingungen, d.h. bei regelmäßigen Niederschlägen ist durchaus eine Nachweide und im günstigen Fall auch eine zweite Ernte möglich. Neben den Sorteneigenschaften „Reifegruppe“ und „Ertrag“ kommt der Rostresistenz als drittes Qualitätskriterium Bedeutung zu. Die Gefahr des Rostbefalls besteht insbesondere im Herbst, wenn sich das Wachstum verzögert. In Tabelle 2 sind im Zwischenfruchtbau zugelassenen Sorten und wesentliche Eigenschaften dargestellt.

Das Welsche Weidelgras kommt in erster Linie für den Winterzwischenfruchtbau oder für den Hauptfruchtanbau in Betracht. Bei Saaten im Sommer verharrt es in der Blattmasseentwicklung, da der Kältereiz des Winters für die Ausbildung der Ähren fehlt. Das fehlende Strukturvermögen des Welschen Weidelgrases lässt sich durch den Mischanbau in Kombination mit dem Einjährigen Weidelgras ausgleichen. In der A2-Mischung sind beide Grasarten enthalten. Das Einjährige Weidelgras liefert hierbei die notwendige Struktur und das blattreiche Welsche Weidelgras entsprechend hohe Nähstoffkonzentrationen.

Die A2-Mischung wird allerdings bevorzugt für den Hauptfruchtbau angeboten. Ob diese Mischungen auch für den Sommerzwischenfruchtbau geeignet sind, hängt von der Sortenzusammensetzung des Einjährigen Weidelgrases und dem Saatzeitpunkt ab (Siehe hierzu auch Kasten: Frühe Saat von Einjährigem Weidelgras – was beachten?“)

Mit Leguminosen den Futterwert verbessern

Ein Plus an Rohprotein und Energie bieten die Weidelgräser im Gemengeanbau mit Leguminosen. Sie punkten aus futterbaulicher Sicht zusätzlich durch ihre Nutzungselastizität. Gleichzeitig tragen die Leguminosen sowohl zur Förderung der Insektenwelt und zur Artenvielfalt als auch zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, bedingt durch die organischen Rückstände des tiefen Wurzelwerkes, bei.

Zu speziellen Kleegrasmischungen für die Futternutzung im Sommerzwischenfruchtbau gehören die A10 und A10-spät. In der A10 sind frühe und in der A10-spät mittlere und späte Sorten des Einjährigen Weidelgrases mit Perser- oder Alexandrinerklee kombiniert. Beide Kleearten sind nicht winterhart. Perserklee zeichnet sich durch Schnellwüchsigkeit, ein gutes Nachwuchsvermögen und vor allem durch eine hohe Nutzungselastizität aus. Dem Alexandrinerklee ist gleichfalls eine schnelle Anfangsentwicklung eigen. Lediglich im Nachwuchsverhalten kann er im Vergleich zum Perserklee nicht mit Schritt halten. Entscheidender ist jedoch, dass Alexandrinerklee nach der Knospenbildung schnell verholzt und daher rasch an Futterwert verliert. Deshalb sollten in den Mischungen möglichst die besonders spätblühenden und zugleich ertragsstarken Sorten (z.B. Winner oder Otto) zum Einsatz kommen.

Beide Mischungen sind zur Silierung mit Anwelkgraden oberhalb von 28 % TM gut geeignet.

Die in der Tabelle 3 aufgeführten Kleegrasmischungen können auch als ökologische Vorrangfläche (mit dem Faktor 0,3) angerechnet werden, wenn bei der Sortenwahl das TKG der Mischungspartner berücksichtigt wird. Wegen der großen Unterschiede im TKG der Arten ist es sinnvoll, sich vom Mischungshersteller bestätigen zu lassen, dass die Mischung greeningfähig ist. Bei Anrechnung als ökologische Vorrangfläche darf der Aufwuchs vor Winter allerdings nicht genutzt und nicht gedüngt werden und muss als Gründüngung und als Pollenspender stehen bleiben. Lediglich eine Vorwinternutzung mit Ziegen oder Schafen ist zulässig.

Wir fassen zusammen

Für den Sommerzwischenfrucht-Futterbau haben vor allem das Einjährige und Welsche Weidelgras die höchste Anbaubedeutung. Sie vereinen eine rasche Wuchsleistung sowie eine gute Silierfähigkeit.

Eine gute Saatbettbereitung und Augenmerk bei der Mischungs- bzw. Sortenwahl sind grundlegend für hohe Nettoenergieleistungen.

Perser- oder Alexandrinerklee sind für die Ackergräser geeignete Gemengepartner mit vielfältigem Nutzen: zur Verbesserung des Futterwertes sowie der Humusversorgung und zur Förderung der Artenvielfalt.


Vorzüge von Ackergras und Leguminosengrasmischungen im Vergleich zu Kruziferen

- nehmen in der Fruchtfolge eine neutrale Stellung ein

- vielfältig zur Fütterung einsetzbar: als frisches Stallfutter, zur Beweidung oder zur Konservierung

- bessere Silierbarkeit aufgrund der Möglichkeit des Anwelkens und höherer Z/PK-Quotient (damit besseres Verhältnis zwischen Zucker und Eiweiß)

- In der Futterration mit höheren Anteilen einsetzbar, da im Gegensatz zu den Kruziferen nicht zusätzlich die Senfölanteile zu berücksichtigen sind


Frühe Saat von Einjährigem Weidelgras – was beachten?

Als Sommergras reagiert das Einjährige Weidelgras besonders auf die Tageslichtlänge. Je länger der Tag, desto schneller kommt es nach der Keimung zum Schossen bei gleichzeitig geringer Massebildung. Bei frühen Saaten wird somit das Ertragspotential nicht ausgeschöpft. Doch gibt es hierbei Sortenunterschiede. Für frühe Saaten im Zeitraum von Ende Mai bis zum 15. Juli sollten bevorzugt späte, mehrschnittige Sorten gewählt werden, die speziell für den Hauptfruchtbau gezüchtet sind. Späte Sortentypen haben das Vermögen, mehr Blattmasse aufzubauen, weniger Halme zu bilden und die generative Phase zu verzögern.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 25.06.2021