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Grünlandunkräuter gezielt bekämpfen

Die Verunkrautung des Grünlandes ist i.d.R. auf Narbenschäden zurückzuführen. Dazu zählen vor allem Narbenverletzungen durch Erntemaschinen, Fahr- und Trittschäden aber auch eine Narbenabdeckung durch Gülle/Mist, Erntereste oder den Aushub der Grabenreinigung. Darüber hinaus können tierische Schaderreger (Mäuse, Tipualarven, Engerlinge, im Küstenraum auch Gänse), Pilzbefall wie Schneeschimmel und Rost oder Standortmängel (Vernässung, Bodenverdichtung, Baumschatten) bzw. Nährstoffungleichgewichte zu Narbenlücken und in der Folge zum Einwandern unerwünschter Arten führen. Regelmäßige Bestandskontrollen helfen, Narbenentartungen frühzeitig zu erfassen und die Ursachen der Verunkrautung/Verungrasung konsequent auszuschalten. Die Regulierung der Bestandszusammensetzung erfolgt hauptsächlich durch eine sachgerechte Bewirtschaftung und regelmäßige Pflege. Narbenlücken müssen durch eine Nachsaat schnell geschlossen werden. Anzustreben sind ebene, trittfeste, dichte Narben ohne Lücken. Der Grünlandbestand sollte zu mindestens 80-90 % aus wertvollen  Gräsern, zu 10-15 % aus Kräutern und zu 5-10 % aus Weißklee bestehen. Der Grasbestand wiederum sollte zu etwa 60 % aus Deutschem Weidelgras und zu ca. 20 % aus den  Komponenten Wiesenlieschgras, Wiesenrispe bzw. Wiesenschwingel bestehen. Wird auf dem intensiv genutzten Grünland eine Zunahme von unerwünschten Pflanzen festgestellt, sollte man einer Ausbreitung frühzeitig entgegenwirken. Neben vorbeugenden Maßnahmen sind mechanische und chemische Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich, um den Pflanzenbestand wieder zu sanieren.

 

Änderungen bei den Grünlandherbiziden

Die Zulassung für Banvel M lief zum 31.12.2017 aus, die Abverkaufsfrist endet am 30.06.2018, die Aufbrauchfrist am 30.06.2019. Für die wuchsstoffhaltigen Herbizide U 46 D-Fluid und U 46 M-Fluid bzw. Nachahmerprodukte bestehen momentan die in Tab. 3 ausgewiesenen Zulassungen: Dort wo die Zulassung im Jahr 2017 endete, besteht eine 18-monatige Aufbrauchfrist. Beachtenswert sind die Neuerungen bezüglich der Aufwandmenge/ha, den Anwendungsbestimmungen und der Wartezeit. Die Angaben sind der jeweiligen Gebrauchsanweisung zu entnehmen. Für Taipan endet die Aufbrauchfrist am 31.12.2018, eine Wiederzulassung wurde beantragt.   

 

Einzelpflanzenbehandlung

Die Einzelpflanzen- oder Horstbehandlung (Tab. 1) ist eine preiswerte Möglichkeit, eine oft schnelle Ausbreitung von Ampfer, Distel und Brennessel zu verhindern. Geeignete Geräte hierfür sind die Rückenspritze sowie der Streichstab. Zur Vermeidung von Doppelbehandlungen kann der Spritz- bzw. Streichlösung eine Markierfarbe zugefügt werden. Bei bereits größerer Verbreitung einzelner Unkrautarten, wie Löwenzahn, Hahnenfuß und Vogelmiere, ist eine Flächenbehandlung unter Berücksichtigung der Schadschwellenwerte (Tabelle 2) meist unumgänglich. Sie erfolgt mit selektiv wirkenden Herbiziden, deren Wirkungsspektren in Tabelle 3 dargestellt sind. Bei allen selektiven Herbizidmaßnahmen ist nach Herausnahme der Unkräuter die Gefahr einer Neubesiedlung durch die gleichen oder auch andere Unkräuter gegeben. Die entstandenen Lücken müssen daher umgehend im Rahmen einer Nachsaat geschlossen werden, um die Qualität des Grünlandes zu verbessern. Grundsätzlich sind beim Einsatz der Grünlandherbizide die optimalen Einsatztermine (Unkrautgröße, Witterung, zulassungsbedingte Vorgaben), die Abstände zu Gewässern (NW-) und Saumbiotopen (NT-Auflagen) und die festgelegten Wartezeiten zur Vermeidung von Toxizitäten für das Vieh zu beachten. Nach der Behandlung von Giftpflanzen darf eine Folgenutzung der Fläche erst erfolgen, nachdem die Pflanzen vollends abgestorben sind und somit nicht mehr aufgenommen werden können. Ansonsten würde sich das Vieh daran vergiften, da die Giftpflanzen durch die Behandlung ihre repellende Wirkung verlieren. 

 

Stumpfblättriger und Krauser Ampfer verbreiten sich vor allem über die zahlreich gebildeten

Samen. Sie sind langlebig und widerstandsfähig und überdauern den Verdauungstrakt des Rindes sowie ein mehrwöchiges Güllelager recht gut. Im Boden bleiben sie mehrere Jahrzehnte keimfähig. Erhöhte Konzentrationen an Gerbstoffen, Oxalaten und Harzen sind für den geringen Futterwert dieser Pflanzen verantwortlich. Ampfer ist ein Platz- und Nährstoffräuber mit starker Wurzelbildung und siedelt sich als Lichtkeimer schnell in beschädigten Grasnarben an. Bereits einer beginnenden Verunkrautung muss sofort entgegengewirkt werden. Die Samenbildung ist durch eine frühe Mahd oder Nachmahd zu unterbinden. Der optimale Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium (bis 20 % Blütenstängel geschoben). Die Bekämpfung kann bei geringem Besatz als Einzelpflanzenbehandlung mit Simplex, Ranger (nur Streichgerät) oder Glyphosat-haltigen Präparaten erfolgen (Tab. 1). Im Rahmen der Flächenbehandlung können Simplex (2 l/ha), Ranger (2 l/ha) oder Taipan (1,8 l/ha) eingesetzt werden. Die beste Dauerwirkung gegen Ampfer wird im Herbst erreicht, wenn die Pflanzen ihre Assimilate in die Wurzel einlagern. Im Herbst kann auch das Klee-schonende Harmony SX mit 45 g/ha eingesetzt werden (kein Einsatz im ersten Standjahr!). Im Frühjahr sollte Harmony SX nicht angewendet werden, da Weidelgräser zu diesem Zeitpunkt mit einem vorübergehenden Wachstumsstopp reagieren.

 

Ackerkratzdisteln werden mit ihren harten dornigen Blättern vom Weidevieh gemieden und beeinträchtigen die Aufnahme des mit ihnen durchsetzten Futters. Durch häufigen Schnitt kann die Samenbildung verhindert werden. Die Vermehrung der Pflanze wird allerdings stärker durch die vegetativen unterirdischen Triebe (Rhizome) vorangetrieben, die die bekannte Nesterbildung zur Folge hat. Eine sinnvolle Maßnahme ist das Abmähen von Distelbeständen 10 cm über dem Boden während einer längeren Regenperiode. Durch Wassereintritt in den hohlen Stängel setzt ein Fäulnisprozess ein, der zu einem gewissen Bekämpfungserfolg führt. Die chemische Bekämpfung sollte im Spätsommer nach mehrmaligem Schnitt (Erschöpfung der Reserven) bei 20 bis 30 cm Wuchshöhe im Blütenknospenstadium erfolgen. Auf Behandlungen im Frühjahr reagiert die Ackerkratzdistel genauso wie auf ein frühzeitiges Ausmähen nach der ersten Weidenutzung mit vermehrtem Austrieb der Wurzelknospen und Rhizome. Generell sollten Einzelpflanzen frühzeitig mit Simplex oder Glyphosat-haltigen Präparaten ausgeschaltet werden (Tab. 1). Im Rahmen der Flächenbehandlung ist Simplex mit 2 l/ha ausgesprochen leistungsstark. U 46-D-Fluid (2 l/ha) zeichnet sich durch eine gute Dauerwirkung aus. Bei der Behandlung ist wüchsiges Wetter für eine zufriedenstellende Wirkung entscheidend.

 

Brennnesseln treten i.d.R. nur horstweise auf, breiten sich jedoch schnell aus und zerstören die Narbe. Durch häufige Mahd lassen sich Brennnesseln nur teilweise zurückdrängen. Erfolgt der Schnitt bei Nässe, kommt es wie bei Disteln zum Ausfaulen der hohlen Stängel. Bedingt durch das horstweise Auftreten kann sich der Herbizideinsatz auf eine Einzelpflanzenbehandlung mit Simplex (Tab. 1) beschränken. Der beste Bekämpfungserfolg wird nach mehrmaligem Schnitt bei einer Wuchshöhe von 20 bis 30 cm erzielt. Im Rahmen einer Ganzflächenbehandlung lassen sich mit Taipan (1,8 l/ha) oder besser Ranger (2 l/ha) recht gute Wirkungsgrade erzielen. Noch besser wird jedoch Simplex (2 l/ha) beurteilt. Die Anwendungen können unter Beachtung der Anwendungszeiträume (Tab. 3) das ganze Jahr über erfolgen. Bei der Bekämpfung der Brennesselhorste entstehen extrem große Lücken, die zur Vermeidung des Eindringens unerwünschter Arten umgehend über eine Nachsaat geschlossen werden müssen.

 

Löwenzahn wird auf der Weide gerne gefressen und verbessert die Futterqualität, allerdings ist er ertragsschwach und für die Konservierung aufgrund von Bröckelverlusten schlecht geeignet.  Löwenzahn breitet sich über den Samen schnell in lückigen Beständen aus. Pflegemaßnahmen wie eine zeitige Mahd noch vor der Blüte und eine sich anschließende Mähweidenutzung reichen allein oft nicht aus, ihn ausreichend zurückzudrängen. Wichtig gegen Neuanflug von Samen sind alle Maßnahmen, die einen dichten Narbenschluss gewährleisten. Eine Verätzung des Löwenzahns erfolgt mit einer Perlkalkstickstoffgabe von 3 dt/ha auf das taunasse Grünland. Die Blütenknospen sollten dabei noch in den Blattrosetten stecken. Für Herbizideinsätze eignet sich besonders der Spätsommer sowie als Alternative das Frühjahr vor dem ersten Schnitt. Die Behandlung sollte bei vollständiger Blattentwicklung kurz vor dem Aufbrechen der Blütenknospen erfolgen. Empfohlene Präparate sind Taipan (1,4 l/ha), Ranger (1,3 l/ha), Simplex (1,5 l/ha), Banvel M (4 l/ha) oder die Mischung aus U 46 D- und U 46 M-Fluid (je 1 l/ha).

 

Hahnenfußbesatz lässt sich langfristig durch eine Regulierung der Wasserführung (Dräinieren von nassen Flächen, Beseitigung und Verhinderung von Bodenverdichtungen) reduzieren. Rechtzeitiges Ausmähen vor der Blüte verhindert auf Weiden die oft zu beobachtende inselartige Ausbreitung über Samen. Der seltener vorkommende Scharfe Hahnenfuß weist gegenüber dem Kriechenden Hahnenfuß eine größere Giftigkeit auf. Bei der Heugewinnung erfolgt über den Trocknungsprozess eine Entgiftung. In Silagen wird das Gift Protoanemonin innerhalb von zwei Monaten zu unschädlichen Konzentrationen abgebaut. Chemisch kann Hahnenfuß sicher und preiswert mit U 46 M-Fluid (2 l/ha) bekämpft werden. Ein günstiger Zeitpunkt ist im Spätsommer nach mehrmaligem Schnitt vor der Blüte in einer Pflanzenhöhe von 10 bis 15 cm gegeben. Wuchsstoffwetter verbessert die Wirkung.

 

Die Vogelmiere breitet sich dank ihrer polsterbildenden Wuchsform rasch aus und stellt insbesondere in Neuansaaten ein Problem dar. Das Unkraut bleibt auch bei nasskaltem Wetter mit niedrigen Temperaturen noch wachstumsaktiv, selbst dann, wenn sich die Gräser in der Winterruhe befinden. Vor allem in milden Wintern gefährdet die Vogelmiere lückige Grasbestände und gewinnt bis zur Vegetationszeit der Gräser entscheidende Konkurrenzvorteile. Durch Striegeln bzw. scharf gestellte Wieseneggen lässt sich der Vogelmierebesatz mechanisch vermindern. Eine chemische Behandlung gegen Vogelmiere verspricht bei beginnender Polsterbildung den besten Erfolg, oft sind nur Teilflächenbehandlungen erforderlich. Als Präparat kommt Taipan (0,9-1,4 l/ha) in Betracht (Wartezeit: 14 / 21 Tage). Beim Einsatz von Ranger gegen Ampfer wird die Vogelmiere mit bekämpft.

 

Der Sumpfschachtelhalm (Duwock) zählt zu den gefährlichsten Giftpflanzen auf dem Grünland und weist auf feuchte Böden mit Staunässe hin. Wegen der tief liegenden Rhizome (unterirdische Ausläufer) ist diese ausdauernde Pflanze kurzfristig nur schwer zu bekämpfen. Gegen mechanische Schädigung und damit auch gegenüber dem Tritt der Weidetiere ist der Duwock aber empfindlich. Durch die Regelung der Wasserverhältnisse kann die Pflanze in Kombination mit einer mechanischen Bekämpfung zurückgedrängt werden. Die mechanische Bekämpfung erfolgt durch mehrmaliges Walzen (Abknicken der spröden Wedel ab Fingerlänge) im Mai bis Juni sowie frühen und häufigen Schnitt. Alternativ kann eine mechanische Unterschneidung der gesamten Fläche in einer Tiefe von 30-40 cm unter Flur durchgeführte werden, die zum Vertrocknen der Duwocktriebe führt. Mit der Maßnahme wird eine Wirkungsdauer von 30 Tagen je 10 cm Unterschnitttiefe erzielt. Danach erreichen nachgewachsene Vertikalrhizome erneut die Bodenoberfläche. Damit der Aufwuchs nicht unnötig geschädigt wird, sollte die Unterschneidung erfolgen, sobald die ersten Sprosstriebe des Duwock erscheinen. Einmaliges Unterschneiden führt nicht dazu, dass sich der Duwock erschöpft. Ein Absterben des Rhizoms ist auch durch wiederholtes Unterschneiden nicht zu erwarten. Vorbeugend wird der Duwock durch gute Narbenpflege (Düngung, Nachmahd, Nachsaat) zurückgedrängt, da er als lichtliebende Pflanze in einer dichten Grasnarbe nicht konkurrenzfähig ist. Da die chemische Bekämpfung mit 2 l/ha U 46 M-Fluid aufgrund des weit verzweigten und tief reichenden Wurzelsystems keine dauerhafte Lösung darstellt - die ungeschädigten Rhizome treiben immer wieder nach - muss die Maßnahme regelmäßig wiederholt werden. Hierbei ist der günstigste Bekämpfungstermin zum Zeitpunkt der vollen Wedelentfaltung gegeben. Die beste Wirkung wird bei wärmerem Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit erreicht. Auf Wiesen erfolgt die Spritzung 4 Wochen vor der Mahd (28 Tage Wartezeit). Die Wedel vertrocknen innerhalb von 8-10 Tagen und zerbröckeln bei der Heuwerbung. Das Heu kann daher ohne Bedenken verfüttert werden. Wichtig ist, dass die Duwockwedel bei der Spritzung bis unten gut benetzt werden. Auf Weiden kann das Vieh 4 Wochen nach der Spritzung aufgetrieben werden.

 

Das Jakobskreuzkraut breitet sich insbesondere auf extensiv genutzten Weide- und Wiesenflächen weiter aus. Die Pflanzen sind stark giftig und können die Gesundheit von Pferden und Rindern in sehr hohem Maße gefährden. Bei Möglichkeit zur Selektion wird das bitter schmeckende Jakobskreuzkraut auf der Weide zwar meist nicht angenommen, jedoch verliert die Pflanze in Silage oder Heu seine geschmackshemmenden Eigenschaften. Da die Giftwirkung erhalten bleibt, ergeben sich durch das eingelagerte Winterfutter größere Risiken als auf Weideflächen. Auf Weidelfächen geht die größere Gefährdung von jungen im Rosettenstadium befindlichen Pflanzen aus, da diese geringere Bitterstoffkonzentrationen aufweisen als ältere und daher insbesondere von unerfahrenen Jungtieren eher aufgenommen werden. Die zweijährige Pflanze bildet im ersten Jahr eine Rosette mit löwenzahnähnlichen gelappten Blättern aus. Im zweiten Jahr schiebt die Pflanze den Blütenstängel (30-100 cm) mit fiederartigen Blättern. Die goldgelben, margeritenartigen Zungen- und Röhrenblüten befinden sich in ca. 2 cm breiten Körbchen und sind charakteristisch von 13 gelben Blütenblättern umgeben. Ein günstiger Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium, bevor der Stängel schiebt. Blühende Bestände sollten daher zunächst abgemäht (Mähgut verwerfen!) und dann im Nachwuchs behandelt werden. Jakobskreuzkraut wird sehr gut mit 2 l/ha Simplex bekämpft. Die Behandlung mit 6 l/ha Banvel M bzw. je 2 l/ha U 46 M + U 46 D zeigen hingegen einen eingeschränkten Wirkungsgrad. Eine einmalige Bekämpfung wird nicht immer ausreichen. Die kurze Wartezeit von sieben Tagen (Simplex) sollte nicht dazu verleiten, die Fläche im Anschluss direkt abzuweiden, denn das Jakobskreuzkraut ist auch nach der Wartezeit noch giftig und wird dann von den Tieren aufgenommen. Alle Maßnahmen, die zu einer geschlossenen dichten Grasnarbe führen, wirken präventiv einer Ausbreitung dieses Unkrautes entgegen.

 

Wiesenkerbel, Schafgarbe und Bärenklau, kommen hauptsächlich auf Flächen mit starker Gülle- und Jauchedüngung vor. Mechanisch lassen sich diese Kräuter durch zeitiges wiederholtes Mähen bekämpfen. Da sie nicht trittfest sind, verhindert eine intensive Beweidung ihre Ausbreitung (Vermeidung von Samenbildung). Gute Ergebnisse gegen Bärenklau werden mit Ranger 2,0 l/ha erzielt. Ein günstiger Zeitpunkt ist das Stadium der Rosette. Diese Maßnahme sollte in der Hauptvegetationsperiode von Mai bis August erfolgen. Die Anwendung zum zweiten Aufwuchs bringt erfahrungsgemäß bessere Bekämpfungserfolge als Maßnahmen im Frühjahr oder Spätsommer. Die chemische Bekämpfung des Wiesenkerbels stellt ein Problem dar.

 

Binsen charakterisieren einen zu nassen Standort. Der günstigste Spritztermin liegt vor, wenn die Binsen nach einem Schnitt neu ausgetrieben haben und ca. 20-30 cm hoch sind. Mit U 46 M-Fluid (2 l/ha) wird eine gute Wirkung erzielt. Etwa zwei bis drei Wochen nach der Behandlung müssen die Binsen unbedingt gemäht werden, da sonst keine nachhaltige Wirkung zu erwarten ist. Der nachhaltige Effekt der kombinierten Mahd ist darauf zurückzuführen, dass Regenwasser in den Stängel eindringt und ein Fäulnisprozess einsetzt, der auf die Wurzel übergreift. Bei Wiederaustrieb ist eine Wiederholung nötig. Bei starker Vernässung des Bodens sollte die Beweidung unterbleiben, um ein Durchtreten der Narbe zu vermeiden.

 

Die Gemeine Rispe ist ein niedrig wachsendes, flach wurzelndes Gras, das sich über Ausläufer vermehrt, sich schnell in Lücken breitmacht und wertvolle Gräser verdrängt (Platzräuber). Infolge des dichten Wuchses kommt es zu einer Verfilzung der Narbe. Die Gemeine Rispe liefert nur im ersten Aufwuchs einen akzeptablen Ertrag und fällt danach stark ab. Die Futterqualitäten sind unterdurchschnittlich. Durch ihren muffigen Geruch, der durch Fäulnis und Pilzsporen an der Halmbasis hervorgerufen wird, verringert die Gemeine Rispe die Futteraufnahme. Die Ausbreitung des Grases wird in der Praxis häufig nicht erkannt. Erkennungsmerkmale der Gemeinen Rispe: glänzende Blattunterseite, Blätter mit Doppelrille („Skispur“), 1 cm langes und spitz zulaufendes Blatthäutchen, oberirdische Ausläufer, leicht herausreißbar, muffiger Geruch. Nachsaaten auf stark verfilzten Narben können sich i.d.R. nicht etablieren. Durch aggressives Striegeln kann das Ungras herausgekämmt werden. Die beste Wirkung erzielt der Striegel auf trockenem Boden im Sommer, bei hohen Besatzstärken muss die anfallende Grünmasse anschließend geschwadet und abgefahren werden. Entstandene Lücken sind durch Nachsaaten umgehend zu schließen.        

Bei einem Grünmasseanteil der Quecke von mehr als 30 bis 40 % ist eine Flächenbehandlung mit Glyphosat-haltigen Mitteln wie Dominator 480 TF, Roundup Powerflex, Glyphos Supreme u.a.  angebracht. Optimal erfolgt die letzte Schnittnutzung in der ersten Julidekade, so dass im Anschluss bei 10-15 cm gleichmäßiger Aufwuchshöhe des Pflanzenbestandes zur Monatswende Juli/August die Bestandsabtötung erfolgen kann. Etwa zwei bis drei Wochen nach der Behandlung kann dann zeitgerecht eine Neuansaat durchgeführt werden. Eine eventuell notwendig werdende Herbizid-Nachbehandlung gegen auflaufende Unkräuter könnte dann noch im Herbst ab 4- bis 5- Blatt-Stadium der Gräser erfolgen. Wird umgebrochen, sollte nicht gefräst, sondern überkreuz gegrubbert werden. Das schüttelt die Rhizome auf und lässt sie abtrocknen.

 

Die jungen Blätter der Rasenschmiele werden vom Vieh noch gefressen, ältere Blätter hingegen gemieden. Einzelpflanzen lassen sich mit Roundup im Dochtstreichgerät bzw. mit Perlkalkstickstoff (1 Handvoll je Pflanze) recht gut bekämpfen. Wird jedoch erst die Schadschwelle überschritten (Tab. 2), kommt man um eine Verbesserung der Vorflutverhältnisse und den Ganzflächeneinsatz von Glyphosat-haltigen Mitteln, z.B. Roundup Powerflex (3,75 l/ha mit 200 l Wasser), nicht herum. Etwa 14 Tage nach dem Glyphosateinsatz muß die Fläche aggressiv gemulcht werden (Schlegelmulcher). Anschließend werden die Grassoden und Bülten der Rasenschmiele mit der Fräse fein zerschlagen und optimal mit dem Boden vermischt. Eine flache Pflugfurche (nicht auf Moor!) im Anschluss an den Fräsgang vergräbt sowohl organisches Material als auch bodenbürtige Ungras- (Rasenschmiele!) und Unkrautsamen. Nach Saatbettbereitung und Aussaat ist die Folgenutzung so zu gestalten, dass die aus dem Samenvorrat im Boden hervorgehenden Rasenschmiele-Pflanzen weitestgehend unterdrückt werden. D.h. Flächen in der Etablierungsphase durch Beweidung kurzhalten, schnellen Narbenschluß durch jeweils frühzeitige Nutzung anstreben. 

 

Breite Mischverunkrautung in Altnarben

Gegen eine breite Mischverunkrautung können Simplex (2 l/ha) oder die Kombinationen Ranger (2 l/ha) + U 46 M (1,5 l/ha) bzw. Banvel M (3 l/ha) + Ranger (1 l/ha) eingesetzt werden. Auch Banvel M (6 l/ha) ist breit wirksam (vgl. Tab. 3).

 

Unkrautbekämpfung in Neuansaaten

Gegen Sämlingsampfer kann 1,3 l/ha Ranger oder 1,5 l/ha Simplex eingesetzt werden, Vogelmiere, Löwenzahn und Nachtschatten werden dabei mitbekämpft. Bei Mischverunkrautung mit Gänsefuß, Melde und Knötericharten eignet sich die Kombination aus Ranger (1,5 l/ha) + U 46 M (1 l/ha). Simplex (1,5 l/ha) hat darüber hinaus auch noch eine zusätzliche Wirkung auf Kamillearten. Keines der genannten Präparate hat eine Klee-schonende Wirkung. Die Mittel Banvel M und Harmony SX sollten in Nach- und Neuansaaten nicht eingesetzt werden, da es unter ungünstigen Bedingungen zu Wuchshemmungen kommen kann.

 

Auflagen bei Simplex beachten

Simplex ist bekannt für seine überragende Ampfer- und Distelwirkung sowie seine insgesamt sehr große Wirkungsbreite. Zudem weist es mit 7 Tagen die kürzeste Wartezeit unter den Grünlandherbiziden auf. Die in der Gebrauchsanweisung und am Flaschenanhänger aufgeführten Anwendungshinweise sind unbedingt zu beachten, da es in Folgekulturen sonst zu Schäden kommen kann. Aufgrund der Nachbauproblematik ist die Anwendung auf Dauerweiden und nach dem letzten Schnitt begrenzt. Darüber hinaus dürfen die aus dem Grundfutter behandelter Flächen gewonnenen Wirtschaftsdünger sowie das behandelte Grundfutter selber nur im eigenen Betrieb verwendet werden. Der Einsatz darf nur zu Grünland, Mais und Getreide erfolgen. Kleegrasbestände sind von einer Behandlung auszunehmen.

 

Aufzeichnungspflicht

Im Rahmen der Aufzeichnungspflicht nach Pflanzenschutzgesetz müssen der Name des Anwenders, die jeweilige Anwendungsfläche, das Anwendungsdatum, das verwendete Pflanzenschutzmittel, die Kultur und die Aufwandmenge zeitnah aufgezeichnet werden. Seit dem 14.06.2011 ist die Aufzeichnung des Schaderregers (Unkraut) nicht mehr vorgeschrieben. Die Aufbewahrungspflicht der Aufzeichnungen beträgt 3 Jahre. Beanstandungen durch die Prüfdienste der Landwirtschaftskammer im Jahr 2017 betrafen insbesondere das Fehlen und die Unvollständigkeit der Aufzeichnungen. Die in Tab. 3 genannten Anwendungszeiträume sind bei der Ausbringung der Grünlandherbizide zu beachten.

 


Kontakt:
Dr. Jürgen Fisahn
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 0441 34010-141
Telefax: 0441 34010-172
E-Mail:


Stand: 20.02.2018



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