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Düngung auf dem Grünland gut planen

Für die Ermittlung des Düngebedarfs sieht die neue Düngeverordnung insgesamt enge Grenzen vor. Die Aufteilung der Düngergaben zu den einzelnen Grünlandaufwüchsen ist dabei nicht geregelt und lässt Spielräume für die Düngeberatung zu. Empfehlungen für die Praxis mit Bezug zur Düngeverordnung sind dem Beitrag zu entnehmen.

 

Das Verfahren zur Berechnung des Nährstoffvergleichs (Bilanzsaldo) für Stickstoff und Phosphor wurde mit Einführung der plausibilisierten Feld-Stallbilanz geändert und wirkt sich für viehhaltende Betriebe damit deutlich schärfer aus, indirekt auch bei der Düngung. Umso wichtiger ist es, die Verteilung der Düngegaben im Jahresverlauf auf dem Grünland gut zu planen und ggf. anzupassen.

Zu beachten ist, dass die Entzugswerte (Tabelle: N-Bruttobedarf) nicht mit dem Düngebedarf übereinstimmen. Je nach Nutzungssystem, Standort und weiteren Kriterien sind Bodenanalysen, rückgeführte Nährstoffe bei der Weidehaltung, die mögliche Nachlieferung aus dem Bodenvorrat sowie die N-Bindung durch Leguminosen zu berücksichtigen.

Grunddüngung

Hohe Futtererträge und gute Futterqualität setzen eine ausreichende Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P2O5), Kalium (K2O), Magnesium (Mg), Calcium (CaO) und Schwefel (S) voraus. Zudem ist auf die Versorgung mit Spuren­elementen zu achten. Bei reduzierter N-Düngung kann eine gezielte Grundnährstoffversorgung umso wichtiger werden. Die Gehalte der Wirtschaftsdünger sind voll anzurechnen. Kalium kann im Grünland neben Stickstoff das entscheidende Element für die Ertragsbildung der Gräser sein. Eine gezielte mineralische Ergänzung der Kaliumdüngung istauch deshalb sinnvoll, weil in der Rindergülle häufig weniger Kalium enthalten ist, als dies in den Richtwerten angegeben wird. Mit 170 kg N aus der Rindergülle werden etwa 85 kg P2O5 und nur 200 kg K2O gedüngt. Während der Phosphorbedarf für 4-5 Schnitte damit gedeckt ist, besteht beim Kalium ein deutlicher Ergänzungsbedarf.

Je nach Versorgungsstufe und Kaliumdüngeempfehlung für das Vegetationsjahr ist eine zweite Kaliumgabe sinnvoll, wenn der Kaliumergänzungsbedarf 150 kg K2O/ha übersteigt oder bereits mehr als 100 kg K2O /ha (ca. 20 m3) mit der organischen Düngung im 1. Aufwuchs gedüngt wurden. Der pflanzliche Luxuskonsum bei Kali ist allerdings zu vermeiden und die empfohlenen Werte sollten eingehalten werden.

Wirtschaftsdünger effizienter nutzen

Oberstes Ziel einer zeitgemäßen Düngung muss neben der Pflanzenernährung eine möglichst hohe Nährstoffeffizienz sein. Dies gilt insbesondere für die Stickstoffdüngung. In intensiv viehhaltenden Betrieben kommt der N-Effizienz aus Wirtschaftsdüngern dabei eine besondere Bedeutung zu. Bei Rindergülle sind nach den Vorgaben der Düngeverordnung mindestens 50 % des mit der Gülle gedüngten Stickstoffs im Jahr der Ausbringung und zusätzlich 10 % davon im Folgejahr zu berücksichtigen. Für den Bilanzwert der plausibilisierten Feld-Stall Bilanz ist bei Gülle und Gärresten eine deutlich höhere Nährstoffverwertung für Stickstoff aus der Tierhaltung vorgesehen, nämlich 70 % (ab 1.2020 sogar 75 %) des insgesamt ausgeschiednen Stickstoffs aus diesen Quellen. Für die Düngeplanung im Betrieb muss das Ziel deshalb ebenfalls eine mindestens 70 %ige N-Wirksamkeit sein.

Neben der Ausbringungsart (Technik) und der Witterung beeinflussen vor allem die Ausbringungszeitpunkte die N-Effizienz wesentlich. Der Schwerpunkt der Güllegaben sollte zum ersten Schnitt bzw. im Frühsommer liegen. Bei den späteren Folgeschnitten lässt die N-Effizienz organischer Düngung deutlich nach, da einerseits die Zuwachsraten im Vegetationsverlauf abnehmen. Außerdem wird die Mineralisation der organisch gebundenen Stickstoffanteile aus den Wirtschaftsdüngern in der verbleibenden Vegetationszeit nicht mehr voll ausgeschöpft. Durch eine frühjahrsbetonte organische (Gülle-) Düngung lässt sich die N-Effizienz also insgesamt optimieren (Gülle-N-wirkung). Voraussetzung ist, dass die Gülle günstige Fließeigenschaften aufweist und bei geringer Sonnenstrahlung und möglichst bodennaher Ausbringung rasch in den aufnahmefähigen Oberboden einsickern kann. Nur so können hohe Ammoniakverluste vermieden werden. Unter diesen Voraussetzungen sind 70-75 % N-Wirksamkeit wahrscheinlich, so dass Handelsdünger eingespart werden kann.

N-Ergänzungsdüngung

Bei einer aus Gründen der Narbenverträglichkeit (Ätzschäden, etc.) max. Güllegabe von 25 m3 je Hektar kann unter sehr günstigen Bedingungen (niedrige Lufttemperatur, Niederschläge, bodennahe Ausbringung und wüchsige Grasnarbe) von einer 75 % N-Wirksamkeit während der gesamten Jahresvegetation ausgegangen werden. Die mineralische Ergänzungsdüngung zum ersten und zweiten Schnitt sollte sich an einer aktuellen 50 % Wirkung im ersten Aufwuchs orientieren, da dies dem sofort verfügbaren NH4-Anteil in der Gülle entspricht. Die verbleibende Nachwirkung von 20-25 % des Gesamtstickstoff wird in den Folgeaufwüchsen mit einkalkuliert. So können die Vorgaben, besonders hinsichtlich der Nährstoffsalden eingehalten werden, ohne auf Ertragspotenzial in den wichtigen ersten Schnitten im Mai und Juni zu verzichten.

Nmin Methode nicht geeignet

Die Aufteilung des Stickstoff-Düngebedarfs soll sich an dem jeweils aktuellen Bedarf des Aufwuchses (Vegetation) und der Menge des aus anderen Quellen (Leguminosen, Bodenvorrat) mineralisch verfügbaren Stickstoff orientieren. Dieses Gleichgewicht ist eine wesentliche Voraussetzung um Nitratauswaschung in das Grundwasser zu vermeiden und Erträge zu sichern. Da die Nmin-Methode für Dauergrünland nicht geeignet ist, wurde das standortbezogene N-Nachlieferungsvermögen aus dem Bodenvorrat in der Düngeverordnung als pauschaler Richtwert für Mineralböden (In Abhängigkeit von der Höhe der organischen Substanz) sowie für Niedermoor- und Hochmoorstandorte definiert. Dementsprechend sind Abschläge vom N-Düngebedarf einzuplanen.

Die Tabellen 3-5 (N-Düngeempfehlungen) zeigen Beispiele für die empfohlene Aufteilung der N-Düngung innerhalb dieser Grenzen. Die empfohlene Aufteilung berücksichtigt, dass mit abnehmender Wachstumskraft der Vegetation und zunehmender Mineralisationsrate der organischen Bodenanteile (Humus, Torf) die Düngergaben im Jahresverlauf reduziert werden sollten. Weitere notwendige Zu- und Abschläge der N-Zufuhr sind auf Mineralstandorten in Abhängigkeit der Humusgehalte sowie allgemein vom mittleren Leguminosenanteil im Bestand und ggf. abweichender Erträge und Rohproteingehalte zu berücksichtigen (vgl. Vorgaben der Düngeverordnung).

Herausforderung Moorstandorte

Die größten Herausforderungen ergeben sich auf vielen Betrieben durch die Vorgaben zur N-Düngebedarfsermittlung bei der N-Düngung auf Moorstandorten. Der niedrige standortspezifische N-Düngebedarf für diese Standorte erfordert eine sehr strikte Aufteilung der N-Gaben nach den bereits beschriebenen Kriterien.

Ein hoher Abschlag zur Berücksichtigung der N-Nachlieferung aus dem Boden (-50 kg N/ha auf Hochmoor bzw. -80 kg N/ha auf Niedermoor) erfordert den gezielten Einsatz der mineralischen Ergänzungsdüngung im Frühjahr.  Neben der Befahrbarkeit der Flächen ist ausreichender Lagerraum unbedingt Voraussetzung, um die organische Düngung auch zeitlich möglichst optimal an den Bedarf der Pflanzen anzupassen.

Eine frühjahrsbetonte N-Düngung auf Moorstandorten war schon immer empfohlen worden, weil die deutlich später sich erwärmenden Moorgrünlandstandorte dies besonders honorieren und die N-Mineralisation im Sommer (Niedermoor) regelmäßig ausreicht, um gute Erträge zu erzielen und Düngeverzicht zu kompensieren. Um die Grünlandbestände auch im Sommer konkurrenzstark gegenüber Krankheiten (z.B. Roste) und Verkrautung zu halten, sollte aber auch zu den Folgeaufwüchsen 3-4 gezielt gedüngt werden können (Stichwort Bestandsführung), insbesondere bei intensiver Schnittnutzung.

Als Faustregel für Moorstandorte kann gelten, 40-50 % der mineralischen N-Ergänzung im ersten Aufwuchs und jeweils 20-25% (mindestens 20 kg N/ha) in den Folgeaufwüchsen 2-3-4 zu verteilen, soweit dies anhand der gesamten Aufwandmenge sinnvoll ist. Betriebe mit hohem Gülleanfall werden zwischen 30-50 kg N/ha anrechenbar (60-100 kg N gesamt) im ersten Aufwuchs düngen, so dass auf diesen Standorten nach den Tabellen 2-3 kaum noch ein N-Ergänzungsbedarf besteht. Die mineralische N-Ergänzung auf Moorstandorten mit intensiver Schnittnutzung sollte in Ergänzung zur Gülledüngung aber grundsätzlich mit 30-50 kg N/ha zum ersten Aufwuchs eingeplant werden, um das Risiko einer zu schwachen Entwicklung im Frühjahr abzumildern. In einer 4-schnittigen Niedermoorwiese lautet die Düngeempfehlung danach in Abhängigkeit vom N-Gehalt (hier 2 kg NH4/m3) der Rindergülle:

15 m3 Rindergülle = 30 kg NH4          Ergänzung 40 kg N mineralisch         70 kg N/ha gesamt

(4,0 kg N/m3 entsprechend 2 kg N anzurechnen)

 

20 m3 Rindergülle = 40 kg NH4          Ergänzung 30 kg N mineralisch         70 kg N/ha gesamt

(4,0 kg N/m3 entsprechend 2 kg N anzurechnen)

 

25 m3 Rindergülle = 50 kg NH4          Ergänzung 20 kg N/mineralisch         70 kg N/ha gesamt

(4,0 kg N/m3 entsprechend 2 kg N anzurechnen)

 

Diese Ergänzungsdüngung kann bei geplanter 5 Schnittnutzung um 10-20 kg N/ha erhöht werden, so dass bei 60-100 kg Ngesamt aus Gülle im ersten Aufwuchs 80-90 kg N/ha insgesamt zur Verfügung stehen (incl. mineralischer Ergänzung) und etwa 30-50 kg N aus der Gülle für Folgeaufwüchse eingeplant werden können.

Als geeignete N-Düngeformen für die mineralische Stickstoffergänzungsdüngung auf Moorstandorten sind im ersten Aufwuchs schnell verfügbare Stickstoffformen zu bevorzugen. Harnstoff- und amidhaltige Düngemittel ermöglichen in Kombination mit hoher organischer Düngung nicht die notwendige Sofortwirkung.

Auf mineralischen Grünlandstandorten sind N-Düngemittel mit verzögerter Stickstoffwirkung durchaus einsetzbar, um bei hoher Nutzungsintensität und Düngung (5-6 Schnitte) Verlustrisiken durch Auswaschung zu reduzieren.

Mit der Düngeverordnung sind einige Neuerungen bei der Düngung des Grünlands zu beachten. Insbesondere die humusreichen Standorte, anmoorige sowie Moorböden werden beim Stickstoffdüngebedarf stark reglementiert. Um die geforderte N-Nachlieferung aus den Böden zu realisieren, ist eine intelligente und gute Düngeplanung erforderlich.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 27.02.2018



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