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Ackergras- und Kleegrasmischungen für das Frühjahr

Aufgrund der knappen Futterreserven gilt es in diesem Jahr, schnell und nachhaltig Grundfutter zu produzieren. Aus diesem Blickwinkel werden in diesem Beitrag mögliche Optionen zur Futterproduktion dargestellt. 

 

Die für Frühjahressaaten empfohlenen Ackergras- und Kleegrasmischungen wurden in den letzten Jahren regelmäßig vor dem Hintergrund der Anbaudiversifizierung vorgestellt. Aufgrund der knappen Futterreserven gilt es in diesem Jahr, schnell und nachhaltig Grundfutter zu produzieren. Aus diesem Blickwinkel werden in diesem Beitrag mögliche Optionen zur Futterproduktion dargestellt. 

Die Klassiker für Frühjahressaaten

Vor allem mit Einjährigem Weidelgras kann schnell und viel Futter produziert werden. Unter guten Wuchsbedingungen, die im Allgemeinen bei Frühjahressaaten gegeben sind, kann das Einjährige Weidelgras bereits nach etwa 30 Tagen die Weidereife erreichen und ein erster Schnitt könnte bereits nach etwa 45 Tagen möglich sein. Zu ertragreichen Sorten für den Hauptfruchtanbau gehören gemäß der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes 19 Sorten, von denen die Sorten Volubyl, Melworld, und Meljump (t) als besonders ertragsstark aufgeführt sind.

In 2019 ist die Auswahl an Sorten im gesamten Gräsersektor allerdings eingeschränkt, denn das Ertragsgeschehen für die Grassamenvermehrung fiel nach dem Dürrejahr 2018 gleichfalls mager aus. Deshalb sind bei den Sorten und Mischungen in 2019 Kompromisse zu machen bzw. andere Optionen in Betracht kommen. Wie der Tabelle 1 zu entnehmen ist, gehört die Ackergrasmischung A2 gleichfalls zu den Klassikern für Frühjahressaaten, die im Wuchsverhalten mit dem Einjährigen Weidelgras gleichzusetzen ist. Die A2 setzt sich aus zwei Grasarten zusammen: dem Welschem und Einjährigem Weidelgras. Im Hinblick auf den Futterwert ergänzen sich beide Grasarten sehr gut, denn das Welsche Weidelgras bleibt als Obergras bei Frühjahrsaussaat ein blatt- und energiereiches Untergras, während das Einjährige Weidelgras durch die Schoss- und Ährenbildung die für Wiederkäuer wichtige Struktur liefert. Die nicht winterfeste Ackergrasmischung A2 ist vorzugsweise zur Schnittnutzung mit 3 bis 4 Schnitten vorgesehen.

Als Kleegrasmischung zur Frühjahressaat gibt es im Handel auch die einjährige und gleichfalls nicht winterfeste A6-Mischung. In der Wuchsgeschwindigkeit kann sie mit den beiden oben benannten Ackergrasmischungen nicht konkurrieren, wohl aber mit der Futterqualität. Vor allem bei zunehmender Kleeentwicklung kann mit einem wertvollen proteinreichem Grundfutter gerechnet werden.  Unter guten Wachstumsbedingungen sind etwa drei Schnitte möglich. Von der A6- Mischung stehen zwei Varianten zur Auswahl, die entweder Perser- oder Alexandrinerklee enthalten.

Die Mischung mit Alexandrinerklee setzt sich aus jeweils 25 % des Einjährigen und Welschen Weidelgrases sowie 50 % des Alexandrinerklees zusammen. Es wird eine Aussaatstärke von 30 kg je Hektar empfohlen.

Etwas andere Gras- und Kleeanteile sind in der Mischung mit Perserklee enthalten. Das Einjährige- und Welsche Weidelgras machen jeweils 30 % der Mischung aus, der Rest ist mit 40 % dem Perserklee zuzuordnen. Mit 32 kg je Hektar ist die Saatstärke für diese Mischung etwas höher im Vergleich zur Mischung mit Alexandrinerklee zu wählen.

Der N-Düngebedarf des Kleegrases richtet sich nach den Leguminosenanteilen im Bestand. Ausgehend von einem Mischbestand mit 50 % Leguminosenanteil in der Mischung und einer 3- bis 4-Schnittnutzung wird ein theoretischer N-Düngebedarf von 200 kg N/ha und Jahr errechnet. Als Startgabe zur Saat empfiehlt sich eine N-Gabe bis 60 kg N/ha (30 % des Gesamtbedarfes). In dem Zeitraum sind die Knöllchenbakterien noch nicht hinreichend aktiv. So trägt der applizierte Stickstoff anfänglich zur Bestandesentwicklung bei. In den weiteren Aufwüchsen ist eine N-Düngung in Kleegrasbeständen immer von der Bestandsentwicklung selbst abhängig. Bei einem Klee-Ertragsanteil von 10-30 % sollte die vorgesehene N-Düngung um 50 % gegenüber reinen Grasbeständen reduziert, bei mehr als 30 % kann auf N-Gaben ganz verzichtet werden.

Sowohl in der A6- als auch in der A2-Mischung sind beim Einjährigen Weidelgras die im Hauptfruchtanbau bewährten mehrschnittigen Sorten des Einjährigen Weidelgrases zu bevorzugen, die in Tabelle 2 aufgeführt sind.

Nach der Aussaat sind für alle Frühjahressaaten niederschlagsreiche Bedingungen für einen raschen Aufgang und ein schnelles Gedeihen von Vorteil. Das Ertragsgeschehen dieser Kulturen wird gleichfalls maßgebend von den weiteren Niederschlägen beeinflusst. Die grundlegenden Hinweise für die Saatvorbereitung sind dem Kasten „Was vor der Saat für die Entwicklung guter Bestände zu beachten ist“ zu entnehmen.

Mit Untersaaten und Deckfrüchten Futterfläche effizient nutzen

Um den Futtervorrat in diesem Jahr so gut wie möglich zu mehren, bieten sich auch Untersaaten mit den in Tabelle 3 aufgeführten mehrjährigen Ackergras- und Kleegrasmischungen an. Einige Wintergetreidebestände wie Winterroggen, Triticale oder Winterweizen könnten für diese Variante genutzt werden, insbesondere bei Nutzung als Ganzpflanzensilage (GPS), da sie ggf. noch nicht zu üppig in ihrer Entwicklung sind. Gleich nach Ernte der GPS oder des Getreides wächst die Untersaat weiter und liefert bis Herbst noch einen bis zwei weitere Schnitte. Die in Tabelle 3 aufgeführten Ackergras- und Kleegrasmischungen können mindestens ein weiteres Hauptnutzungsjahr genutzt werden. Sie beleben zusätzlich die Fruchtfolge und tragen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei.

Die Einsaat der Gras- oder Kleegrasmischung kann bereits im März bei guter Befahrbarkeit der Böden erfolgen, zum Beispiel kombiniert mit einem leichten Striegel. Nach der Einsaat empfiehlt sich ein Walzgang, um den notwendigen Bodenkontakt herzustellen. Je früher die Saat, desto weniger nachteilig wirken sich die Arbeitsgänge für das Wintergetreide als Hauptfrucht aus. Generell gelingt die Untersaat bei gut gelockerten Böden, einer Saattiefe von 1 bis 2 cm und mit Rückverfestigung des Saatbettes am besten.

Untersaaten mit Acker- oder Kleegras sind auch für den Anbau von Sommergetreide möglich. Das Sommergetreide fungiert bei Saatstärken von 100 kg/ha als Deckfrucht bzw. bei Aussaatstärken im Bereich von 50 – 60 kg/ha als Stützfrucht.

Hierbei hat sich Grünhafer im Vergleich zur Sommergerste besonders bewährt. Beide Sommergetreidearten können als Deckfrucht auch in Mischung mit jeweils 50 kg /ha genutzt werden. Mit geringer Saatstärke von etwa 50 kg Hafer/ha übernimmt der Hafer vorrangig die Funktion einer Stützfrucht, die noch ausreichend Licht für die Untersaat gewährt, gleichzeitig aber vor Frösten schützt und ein gutes Kleinklima für einen sicheren Aufgang schafft. Die Saat des Sommergetreides kann entweder zusammen mit der Untersaat oder auch getrennt erfolgen. Feinsämereien verlangen im Gegensatz zu den meisten Getreidearten jedoch eine flache Ablage, weshalb der getrennte Arbeitsgang bei der Frühjahrsaussaat empfehlenswert ist. Wichtig ist stets auch der anschließende Walzgang, um Bodenschluss zu erzielen. Die Ernte des Grünhafers sollte mit dem Rispenschieben erfolgen. Somit verbleibt für die Entwicklung der (Klee-) Grasuntersaat ausreichend Zeit, um mindestens einen guten Ertrag im selben Jahr noch zu erbringen.

Fazit

Mit Acker- oder Kleegras lässt sich hochwertiges Futter in Ertrag und Qualität produzieren. Einjähriges Weidelgras oder auch die A2-Grasmischung sind besonders frohwüchsig und liefern in kurzem Zeitraum schnittreifes Futter.

Effizient lässt sich die Ackerfutterfläche mit Untersaaten von Gras und Kleegras nutzen, die entweder in bestehendes Wintergetreide oder mit der Aussaat von  Sommergetreide eingedrillt werden können. Für diese Variante steht eine große Vielfalt an Mischungen zur Verfügung, die nicht nur im Spätsommer/ Herbst des Jahres sondern auch im nächsten Jahr viel Masse aber auch Qualität versprechen.

Das aktuelle Faltblatt “Qualitätsstandard Mischungen für den Ackerfutterbau 2018/19 finden Sie ebenfalls auf unserer Homepage, um damit die Gesamtübersicht der Mischungen und Sortenempfehlungen einzusehen und mehr Details zu den jeweiligen Mischungen zu erfahren.


Was vor der Saat für die Entwicklung guter Bestände zu beachten ist

  • Ackergras oder Kleegras gedeihen auf allen ackerfähigen Standorten
  • gute Wasserversorgung ist von Vorteil für sichere Ertragsleistungen im Vegetationsverlauf
  • ungeeignet sind Moorflächen und zur Vernässung neigende Böden
  • bei der Auswahl der Mischung auf die im nordwestdeutschen Raum empfohlenen Sorten oder gezielt auf das rote bzw. magentafarbene Kontrollsiegel zur Freiwilligen Mischungskontrolle achten
  • ein gut abgesetztes, feinkrümeliges Saatbett herrichten
  • die Feinsämereien nur flach ablegen
  • mit einem Walzgang nach der Saat für Bodenschluss sorgen

 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
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Stand: 08.03.2019