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Kleegras punktet mit Futterertrag, Qualität und Bodenfruchtbarkeit

Der mehrjährige Anbau von Leguminosengras oder Leguminosen hat viele Vorteile. Aktuell ist der Vorteil der Tiefwurzler auch darin zu erkennen, dass sie trotz der bestehenden Trockenheit in der Lage sind, Blattmasse und damit einen nennenswerten Ertrag zu bilden. Welche Mischungen für die Saat bis Mitte August in Betracht kommen, orientiert sich an einzelbetrieblichen Produktionszielen.

 

Das zweite Jahr in Folge mangelt es an Niederschlägen. Für die Futterproduktion und hierbei vor allem für das Anlegen von Silagen zur Winterfütterung sind die Aussichten aktuell eher düster. Es bleibt abzuwarten, ob die aktuellen Niederschläge ausreichen, dem Wassermangel im Boden zu begegnen, zumal an einigen Orten von extremen Grundwassertiefständen die Rede ist.

Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor zusätzliche Herausforderungen und viele Fragen. Es ist an der Zeit, über die oftmals sehr spezialisierten, aber einseitigen Anbausysteme nachzudenken und sich wieder auf Vielfalt in Fruchtfolgen zu besinnen.

Klee, Leguminosen oder Leguminosengras punkten mit vielen Vorteilen. Sie lassen sich beispielsweise gut in Fruchtfolgesysteme von Gemischtbetrieben einbauen. Das tiefe Wurzelsystem von Leguminosen bricht auf biologische Art und Weise Bodenverdichtungen auf und trägt zur Humusmehrung ohne zusätzliche N-Düngung bei. Problemunkräuter werden infolge der Mehrschnittnutzung dieser Futterpflanzen zurückgedrängt. Es lassen sich aber auch bekannte Schaderreger des Hackfrucht- und Getreidebaus reduzieren. Vor dem Hintergrund kann der Einschub von Leguminosen oder Leguminosengras in Fruchtfolgesysteme auch als Gesundungsfrucht bezeichnet werden.

Darüber hinaus wird mit dem ein- bzw. mehrjährigem Leguminosenanbau in Reinsaat oder im Gemenge mit Gras ein hochwertiges Raufutter produziert. Die Mehrschnittnutzung ist zwar im Vergleich zum Silomais mit seiner einmaligen Ernte deutlich aufwändiger, doch verteilt sich das Risiko des Ertragsausfalls auf mehrere Aufwüchse.

In Rundballen verpackt, ist das erzeugte Produkt als Gärheu transport- und handelsfähig. Damit könnten diese Kulturen auch auf Problemflächen für Marktfruchtbetriebe interessant werden, wenn es gilt, eine phytosanitäre Bereinigung zu bewirken oder einen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit und zur Biodiversität zu leisten.

Rotkleegras

Für unsere nordwestdeutschen Standort- und Klimaverhältnisse eignet sich Rotklee besonders gut im mehrjährigen Ackerfutterbau. Er stellt an den Boden im Vergleich zur Luzerne geringere Ansprüche und ist auch im Hinblick auf die Nutzung deutlich unempfindlicher.

Im Rahmen der Qualitätsstandardmischungen stehen vier Varianten zur Auswahl, was aus Tabelle 1 hervorgeht.

Bei den Bezeichnungen „A3 plus S“ und „A5 plus S“ handelt es sich um Rotkleegrasmischungen, die für den 2- bis 3-jährigen Anbau mit bevorzugter Schnittnutzung konzipiert sind. Die A3 plus S setzt sich neben dem Rotklee aus drei Grasarten zusammen: Welsches -, Bastard- und Deutsches Weidelgras. Vor allem das Welsche – und Bastardweidelgras sind sehr produktive Ackergräser, was damit auch höchste Erträge verspricht. In der A5 plus S-Mischung wird der Rotklee ausschließlich mit Deutschem Weidelgras kombiniert. Im Ertragsniveau kann das Deutsche Weidelgras im ersten Nutzungsjahr nicht mit dem Welschen- oder Bastardweidelgras Schritt halten. Die Vorteile des Deutschen Weidelgrases liegen jedoch in der ertraglichen Ausgewogenheit bei drei oder mehr Nutzungsjahren.  

In aller Regel sind vom Rotkleegras vier bis fünf Schnitte zu erwarten. Bei mehr als vier Schnitten pro Jahr nimmt der Rotkleeanteil ab dem zweiten Nutzungsjahr allerdings ab.

Ist in den Mischungen zusätzlich Weißklee enthalten (A3 plus W oder A5 plus W) kann der Weißklee den Rückgang des Rotklees über den Nutzungszeitraum im gewissen Maße kompensieren. Der Weißklee schließt durch seine Kriechausläufer die Lücken, was die Fläche zudem trittsicher macht. Rotklee-Weißkleegrasmischungen eignen sich daher nicht nur für die Schnitt-, sondern auch für die Weidenutzung.

Noch mehr Artenvielfalt bietet die Kleegrasmischung mit der Bezeichnung „A7“. Im Vergleich zu den oben aufgeführten Mischungen ist die A7 zwar nicht so ertragsstark, doch punktet sie aufgrund ihrer Ausdauer und Nutzungselastizität. Die Massebildung dieser Mischung lässt sich im gewissen Maße durch besonders ertragsstarke Weidelgrassorten beeinflussen. Es lohnt sich daher vor dem Kauf der Mischungen, nicht nur auf das Artenspektrum zu achten, sondern auch die Sortenzusammensetzung.

Rotklee

Rotklee kann auch als Reinsaat angebaut werden. Aufgrund seiner langsamen Anfangsentwicklung sollte er bei Sommerblanksaat spätestens bis Mitte August gedrillt sein. Unzureichend entwickelte Pflanzen unterliegen leicht der Auswinterung. Saatmengen von 15 bis maximal 20 kg/ha sind bei guten Saatbett- und Keimbedingungen durchaus ausreichend. Für ein gleichmäßiges und zügiges Auflaufen der Saat ist ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbett herzurichten. Kalium sollte bei Bedarf etwa drei Wochen vor der Saat gestreut und eingearbeitet werden, da die Keimlinge empfindlich auf Kalisalze reagieren. Des Weiteren trägt eine ausreichende Versorgung mit Magnesium und Molybdän zum guten Gedeihen von Rotklee bei. 

Da keine Unkrautbehandlung im bestehenden Bestand möglich ist, empfiehlt sich die Bekämpfung von Auflaufgetreide und Unkräuter im Vorfeld der Saatbettbereitung. Auf ökologischen Vorrangflächen kann hierzu lediglich die mechanische Bodenbearbeitung zur Anwendung kommen.

N-Düngung

Der Anbau von Rotklee in Reinsaat bedarf lediglich einer N-Startgabe von 40 – 50 kg N/ha. Danach besteht kein weiterer N-Düngebedarf.

Der notwendige N-Düngebedarf des Kleegrases wird vom Anteil an Leguminosen beeinflusst. Grundsätzlich liegt der N-Düngebedarf deutlich unter dem der Ackergrasmischungen.

Ob zur Saat der Leguminosengrasmischungen aktuell noch eine N-Gabe erfolgen muss, hängt von der Vorfrucht, vom Saatzeitunkt, dem Standort und dem Leguminosenanteil der Mischung ab. In den letzten Ausgaben des Wochenblattes wurde zur N- Düngung nach Getreideernte bereits berichtet. Es sei daher an dieser Stelle nur darauf verwiesen. Prinzipiell besteht bei Leguminosenanteilen über 75 % und damit auch für Leguminosen in Reinsaat kein N-Düngebedarf. Sobald sich die Stickstoff bindenden Bodenbakterien der Leguminosen (Rhizobien) mit der Jungpflanzenentwicklung manifestiert haben, tragen diese zur optimalen N-Versorgung des Bestandes bei. Wenn es gelingt, die Leguminosen relativ gleichmäßig im Bestand zu etablieren, kann Klee- bzw. Leguminosengras nach kurzer Anpassungszeit durchaus das Ertragsniveau von reinen Ackergrasbeständen trotz einer unterlassenen N-Düngung erreichen. Prinzipiell schneidet der Rotklee im Ertragsvergleich auf unseren nordwestdeutschen Standorten besser ab als Luzerne. Die Erträge von Rotklee in Reinsaat und Rotkleegras waren in unseren Versuchen auf vergleichbarem und hohem Niveau.

Futterwert

Der Futterwert vom Rotklee wird in erster Linie vom Schnittzeitpunkt beeinflusst. Bei Mahd in der Knospe (vor der Blüte) kann mit Rohproteingehalten von mindestens 18 bis etwa 25 % i.d. TM und hoher Verdaulichkeit der organischen Substanz gerechnet werden. Bei der Energiekonzentration liegen die Werte mit etwa 6,0 MJ NEL/kg TM auf einem ähnlich geringen Niveau wie für die Luzerne.  Es füttert jedoch im Allgemeinen deutlich besser, was auch für eine gute Verdaulichkeit der Rohfaser in jungen Beständen spricht. Mit Blühbeginn der Bestände wird zunehmend Rohfaser eingelagert, was zu Lasten des Rohprotein- und Energiegehaltes geht.

Der geringe Zuckergehalt des Rotklees lässt sich mit den oben aufgeführten Graspartnern kompensieren. Die Grasanteile beeinflussen aber auch den Futterwert. In aller Regel sind Rotkleegrasbestände im Vergleich zu den Rotkleereinsaaten sowohl durch höhere Zucker- aber auch Rohfasergehalte sowie durch geringere Rohprotein- und Energiegehalte charakterisiert.   

Silierung

Von den Leguminosen ist im Allgemeinen eine schlechte Silierbarkeit aufgrund des hohen Rohprotein- und der geringen Zuckergehalte bekannt. Für den Rotklee gilt das nur bedingt. Zum einen verbessert sich die Silierbarkeit allein durch den Graspartner bei Kleegrasanbau. Zum anderen werden Fehlgärungen in aller Regel durch ein rasches und effizientes Anwelken verhindert. Zudem besitzt der Rotklee noch einen speziellen, sekundären Inhaltsstoff (Polyphenoloxidase), mit welchem die Gärung positiv beeinflusst wird. Gute Silagequalitäten sind demzufolge bei Beachtung wesentlicher Silierregeln möglich. Der gezielte Siliermittelzusatz bringt weitere Sicherheiten für das verlustarme Silieren.

Wir fassen zusammen

  • Dem mehrjährigen Kleegrasanbau können viele Vorteile zugesprochen werden.
  • Leguminosen verbessern die Bodenfruchtbarkeit im Hinblick auf Humusmehrung, Nachfruchtwirkung und Bodenlockerung.
  • Rotklee und Rotkleegras liefern viel hochwertiges, rohproteinreiches Futter.
  • Die Mehrschnittnutzung trägt zur Ertragssicherheit bei.
  • Das tiefe Wurzelsystem der Leguminosen macht die Futterpflanze gegenüber Trockenheitsphasen unempfindlicher.

Was bedeutet das „S“ und „W“ bei den Mischungsbezeichnungen?

Die empfohlenen Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau sind in der Gesamtheit einem Faltblatt zu entnehmen, welches sie ebenfalls auf dieser Seite herunterladen können.

Einige der mehrjährigen Ackerfuttermischungen werden mit dem zusätzlichen Hinweis „plus S“ bzw. „plus W“ ergänzt.

Das „S“ kennzeichnet Mischungen, die bevorzugt bzw. ausschließlich zur Schnittnutzung dienen. Mit dem ergänzenden Hinweis „plus W“ wird verdeutlicht, dass die Ackerfuttermischung auch zur Beweidung genutzt werden kann.

Im Faltblatt sind die Mischungen mit ihren Eigenschaften vertiefender erklärt.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
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Stand: 12.07.2019