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Grünlandpflege im Herbst

Drei Jahre in Folge sind unsere Grünlandflächen erheblichen Extremen zum einen durch Nässe und zum anderen durch Trockenheit und Hitze ausgesetzt. In diesem Jahr kommen erschwerend die zusätzlichen Schäden der außerordentlich hohen Feldmauspopulation dazu. Wiederum gilt es, den ausgezehrten Grasbeständen wieder auf die Beine zu helfen. Welche Pflegemaßnahmen am Ende der Vegetationsperiode in Betracht kommen, lesen Sie nachfolgend.        

 

Zu einer allgemeinen Pflegemaßnahme zum Vegetationsende gehört es, dass sich der Grünlandbestand in einem kurzen Zustand vor Winterbeginn befindet. Diese Forderung mag vielen Grünlandwirten in diesem Jahr fast zynisch erscheinen, denn nicht nur der Hitzestress, sondern auch die Mäuse haben den ganzen Sommer bereits zu diesem Bild geführt. Entsprechender Futtermangel und erneute Narbenschäden sind die Folgen.

Wie im Vorjahr sollten sich erneut alle Bemühungen darauf konzentrieren, das Grünland nicht nur für den Winter fit zu machen, sondern auch gute Aufwuchsleistungen für das Frühjahr anzustreben. Es gilt insbesondere, auf die Schäden der Mäuse zu reagieren.

Mäuseschäden – was tun

Das Ausmaß der durch Mäuse bedingten Schäden ist von Standort zu Standort sowie regional unterschiedlich. Welche Maßnahmen aktuell zu empfehlen sind, hängt vom Schädigungsgrad ab.

Bei einer Vielzahl von unterirdischen Gängen und großflächigen Fehlstellen kommt man um eine flache Zerstörung der Grasnarbe mittels Kreiselegge, Fräsen oder auch Grubbern wohl nicht umhin, um für Bodenschluss zu sorgen. Für ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbett empfiehlt sich zudem ein Walzgang vor der flachen Drillsaat. Neben den drei möglichen Nachsaatmischungen können für dieses Verfahren sogar bevorzugt artenreichere Grünlandmischungen zur Neuansaat verwendet werden, wie beispielsweise die Qualitätsstandardmischungen GIII oder GII. Im Hinblick auf den Aufwand kommt diese Pflegemaßnahme damit einer Neuansaat gleich. Vorteilhaft kann es hierbei sein, dass durch die intensive Bearbeitung der Fläche die Mäuse vertrieben werden. Die Stresssituation bei der Suche nach neuen Zufluchtsplätzen kann im günstigen Fall zu einer beschleunigten Mortalität führen. Zudem wird mit der neuen Ansaat ein Grundstein für gute Ertragsleistungen im Folgejahr gelegt.

Reduzieren sich die Mäuseschäden vorrangig auf vereinzelte Fehlstellen genügt es, ausschließlich mit Nachsaaten zu reagieren.

Die Saatmenge richtet sich hierbei nach dem Ausmaß der Fehlstellen. Bei geringer Lückigkeit genügen 10 – 15 kg /ha. Höhere Saatmengen von 20 – 30 kg /ha sind bei großflächigen Fehlstellen von Vorteil für das Erreichen einer dichten Narbe.

Der Zeitpunkt der Nach- oder Neuansaat ist zwar Ende September bis Mitte Oktober zwar schon relativ spät, aber aufgrund der Trockenheit machte ein früheres Reagieren keinen Sinn. Zudem ist die notwendige Bodenwärme noch gegeben sowie die Konkurrenzkraft der Altnarbe gering. Bei Frühjahresnachsaaten werden die jungen Keimlinge hingegen schnell überwachsen.

Aktuell ist noch nicht vorhersehbar, ob die hohe Mäusepopulation in der nächsten Zeit abnimmt oder gar zusammenbricht. Vieles darüber wird sich mit der Winterperiode, den Frostgraden und den Niederschlägen erst genauer abzeichnen. Es gibt zwar nur wenige Möglichkeiten, die Nagetiere zu reduzieren, doch diese sind künftig noch gezielter zu nutzen. Dazu gehören:

Das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel sollte künftig vor allem bei großen Schlägen erfolgen. So kann bereits im Winter oder auch im Frühjahr eine gewisse Reduzierung des Mäusebestandes erfolgen.

Unruhe auf der Fläche vertreibt Mäuse des Weiteren. Wo beispielsweise aktuell beweidet werden kann, ist auch diese Art der Nutzung zu empfehlen.

Wo erlaubt, kann das Auslegen von Zinkphosphid haltigen Präparaten in die ersten sichtbaren Löcher des Vorgewendes gleichfalls ein Beitrag sein, das Einwandern in die Fläche zu reduzieren. Hierbei sind die jeweiligen Zulassungsbestimmungen strikt einzuhalten. Prinzipiell sind derartige Produkte mit einer Legeflinte verdeckt in die Löcher einzubringen.

Grünlanddüngung

Ob eine Güllegabe nach der letzten Nutzung noch verabreicht werden darf, hängt von den Mengen ab, die im Rahmen der Düngebedarfsermittlung für das Vegetationsjahr 2019 veranschlagt wurde. Besteht hier noch ein Überhang, da beispielsweise im trockenen Sommer auf die Ausbringung verzichtet wurde, kann eine Güllegabe bis zur Sperrfrist in Höhe von maximal 60 kg N/ha erfolgen. Die Mengenbegrenzung empfiehlt sich auch vor dem Hintergrund, das Wachstum damit nicht unnötig anzuregen. Letztendlich geht es hierbei bevorzugt um einen Beitrag zur Stärkung der Narbe inklusiv der Winterfestigkeit.

Viel wesentlicher kann im Zeitraum der Vegetationsruhe eine Kalkgabe sein. Ob und wie groß der Kalkbedarf ist, weist Ihnen der Befund Ihrer Bodenprobe aus. Einen kritischen Blick auf den richtigen Boden-pH-Wert zu werfen, ist aus Sicht der Nährstoffeffizienz immer lohnenswert. Der Boden-pH-Wert wird künftig zu einer Stellschraube gehören, um akzeptable Erträge auch bei begrenzter N-Ausbringung zu erzielen.

Futter bis zur Winterruhe nutzen

Zurzeit profitieren die Gräser noch von der Bodenwärme und den schnell mineralisierbaren Stickstoffquellen. Auf einigen Flächen wird noch ein erntereifer Herbstaufwuchs erwartet. Auf anderen Flächen kann aktuell beweidet werden, da mit den ersten nennenswerten Niederschlägen wieder Futter zur Verfügung steht. Bei den knappen Winterfuttervorräten sollte die Beweidung so lang wie möglich genutzt werden. Das in der Weidereife angebotene Futter zeichnet sich im Herbst durch eine gute Verdaulichkeit und eine hohe Nährstoffdichte aus. Falls die Weidefutteraufnahme durch ungünstigere Witterungsbedingungen oder durch Zufütterung abnimmt, ist die Besatzdichte auf der Fläche zu erhöhen. Insofern ist auch im Herbst eine intensive Nutzung der Weide möglich. Sie hat das Ziel, möglichst wenig Weidereste zu hinterlassen. Hiervon hängt auch ab, ob ein Mulchen oder Nachmähen nach der Weide erforderlich ist. Wichtig ist, dass die Bestände in einem gleichmäßigen Entwicklungsstand in den Winter gehen und sie für das Frühjahr eine gute Startgrundlage bieten. 

Tritt- und Fahrspurschäden vermeiden

Zwischen der geforderten intensiven Nutzung im Herbst einerseits und der möglichen zunehmenden Bodenvernässung andererseits muss oftmals ein Kompromiss eingegangen werden. Intensive Herbstbeweidung darf nicht um jeden Preis und vor allem nicht ungeachtet der Niederschlagstätigkeit erfolgen. Dies würde unweigerlich zu Trittschäden führen. Die Fehlstellen sind wiederum Ausgangsbasis für das Einwandern von unerwünschten Gräsern und Kräutern und eine allmähliche Bestandesverschlechterung.

Tipula

Aktuell ist auf den Grünlandflächen ein starker Flug von Wiesenschnaken zu beobachten. Es könnte sich daraus ein Problem für das Frühjahr ergeben, da keine direkten Möglichkeiten zur Bekämpfung bestehen. Lediglich indirekt wird Vorsorge mit einer dichten und leistungsfähigen Narbe getroffen, da von ihr stets eine entsprechende Widerstandskraft zu erwarten ist.  All die oben aufgeführten Bodenbearbeitungsmaßnahmen, die zur Behebung der Mäuseschäden dienen, sind indirekt auch zur Reduzierung der Tipula dienlich. Zumindest lässt sich der Schluss ziehen, dass ein gewisser Anteil von schlupffähigen Larven aus den im Boden abgelegten Eiern gemindert wird.

Wir fassen zusammen

Hitze, Trockenheit und Mäuse haben das Grünland stark geschädigt.

Aktuell müssen sich die Pflegemaßnahmen im Herbst darauf konzentrieren, für das nächste Jahr wieder eine leistungsfähige Grasnarbe herzustellen.

In vielen Fällen ist eine intensive Bodenbearbeitung erforderlich, um die Schäden zu beheben und den Aufgang der Saat trotz des relativ späten Zeitpunktes so gut wie möglich zu unterstützen. Für derartige Reparaturmaßnahme eignen sich insbesondere schnellwüchsige Weidelgrasmischungen.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 26.09.2019