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Nachlese vom 68. Grünlandtag 2020

„Düngungsstrategien auf dem Grünland – maßvoll und effizient “ lautete das Motto der Veranstaltung, zu der am 05.02.2020 etwa 235 Besucher nach Harsefeld (LK Stade) und am 06.02.2020 circa 370 Gäste nach Aurich kamen.

Die Anforderungen an die Landwirtschaft mehren sich beträchtlich: Es gilt, die Belange der Gesetzgebung zur Düngung umzusetzen und trotz eines deutlich geminderten Nährstoffinputs auf dem Grünland, gute Erträge mit möglichst besten Qualitäten zu erzielen. Welche Stellschrauben dafür noch genutzt werden können, stand im Fokus der Beiträge.

 

Wesentliche Aussagen des Kammerpräsidenten: Grußwort

Auf dem Grünlandtag haben wir schon immer aktuelle und zukunftsweisende Themen aufgegriffen. Über die mögliche Ausrichtung einer veränderten Düngeverordnung berichteten wir bereits im Jahr 2016, also bereits vor der ersten offiziellen Novellierung in 2017.

In der Zwischenzeit sind weitere Bausteine hinzugekommen. Das Elektronische Nährstoff-Meldesystem (genannt: ENNI) setzt den Paragraph 13 der Düngeverordnung um. Diese niedersächsische Verordnung über die Meldepflichten erscheint allerdings zurzeit eher als ein Randgebiet, denn die Novelle der Düngeverordnung 2017 sieht die Ausweisung von roten und grauen Gebiete mit weitgreifenden Auflagen und Einschränkungen der N- und P-Düngung vor. Diese wirken sich grundlegender auf die Flächennutzung, das Ertragsgeschehen und letztendlich die Wirtschaftlichkeit aus.

Letztendlich geht es bei der Ausweisung der roten und grauen Gebiete darum, dem Grundwasserschutz und damit auch den Forderungen der EU-Kommission Rechnung zu tragen.Derzeitige Verhandlungen zwischen Bund, Ländern und der europäischen Kommission deuten darauf hin, dass es eine deutliche Änderung oder gar ein Zurück an den Vorgaben der Düngeverordnung nicht geben wird. Eher das Gegenteilige ist der Fall. Die EU-Kommission wird an den roten Gebieten festhalten. Lediglich in Bezug auf die Binnendifferenzierung, die ja Ländersache ist, gibt es Handlungsspielräume.

Das Regelwerk der Düngeverordnung ist sehr komplex. Neue Auflagen, die mit den roten und grauen Gebieten dazu gekommen sind, erschweren die Verständlichkeit und die Übersichtlichkeit.

Der heutige Tag dient dazu, sich in erster Linie die Auswirkungen und den künftigen Düngungsstrategien auf dem Grünland zu informieren. Das Ziel muss es sein, den gesetzlichen Regelungen gerecht zu werden, aber auch, trotz der teilweise sehr stark reduzierten Düngung noch Futter in guter Quantität und Qualität zu produzieren.

 

Wesentliche Aussagen von Meike Backes, Gerd Lange und Dirk Albers: Mäuse, Tipula, Futterproduktion – Aktuelle Situation und Handlungsempfehlungen

Viele Futterbaubetriebe hatten sich bereits mit der Futterknappheit des Vorjahres auseinanderzusetzen und es galt, die Tiere über den Winter mittels Futterzukauf und / oder Strohzufütterung satt zu bekommen. Vor dem Hintergrund sehnte man das Frühjahr 2019 und damit auch das Graswachstum herbei. Konnte der erste Grasschnitt noch weitestgehend zufriedenstellende Erträge bringen, so fehlten im weiteren Verlauf wiederum die Niederschläge, die Grundlage für ein gutes Graswachstum sind.

Auf dem Grünland ist der Jahresertrag in 2019 erneut als unterdurchschnittlich einzuordnen. Zu dieser Situation kam ein weiteres erschwerendes Problem auf verschiedenen Grünlandflächen hinzu: die Feldmausschäden.

Die Aktivitäten der Feldmäuse nahm im Verlaufe des Jahres 2019 überdimensional zu. Die Grasnarben wurden zum Teil gänzlich vertilgt und ihre Wühlgänge hinterließen ein stark geschädigtes Grünland. Somit konnte im Spätsommer des Jahres, je nach Schadensausmaß, kaum noch Futter geerntet werden.

Der bislang fehlende Winter verschärft die Situation zusätzlich, da es immer noch nicht zu einem Zusammenbruch der Mäusepopulation, wie es in Normaljahren der Fall wäre, gekommen ist.  Aktuell sind große und zum Teil flächendeckende Schäden in der Wesermarsch, Friesland, Leer, Ostfriesland sowie in Regionen der Landkreise von Cuxhaven, Osterholz, Stade und Rotenburg zu sehen. Das gilt sowohl für das Wirtschaftsgrünland, welches Futterbasis der Kühe und Rinder ist als auch für Naturschutzgrünland. Hierbei stellen sich die Schäden kleinräumlich höchst unterschiedlich dar.  Die Spannweite liegt zwischen leichtem Mäusebefall und Totalschaden.

Für den Landwirt gibt es aktuell nur begrenzte Handlungsspielräume zur Bekämpfung, deren Wirksamkeiten jedoch zum Teil gering, wenn nicht sogar fragwürdig sind.

Bislang zeichnet sich ab, dass im Frühjahr aufgrund der zerstörten und häufig toten Grasnarben auf vielen Flächen kein Futter wächst. 

Aufgrund der Sorgen um die Versorgung der Tiere wurde seitens der Kammerleitung im Januar eine interdisziplinäre Facharbeitsgruppe „Grundfuttermangel- Schäden im Grünland und ihre Folgen“ einberufen. Diese Arbeitsgruppe hat das Ziel, das Ausmaß der Situation sowie die betroffenen Gebiete zu skizzieren, Handlungsfelder zu beschreiben sowie Maßnahmen und Hilfeleistung für die betroffenen Landwirte zu geben. Fachlich sinnvolle Ratschläge werden gebraucht.

Das bezieht insbesondere den Aspekt der Futternot ein, die bereits durch die beiden Trockenjahre besteht und deren Ausmaß vor dem skizzierten Hintergrund größer wird. Der ohnehin schon praktizierte Futterzukauf zwingt zu zusätzlichen Ausgaben. All die Kostenbelastungen in der Summe werden zu weiteren Betriebsaufgaben führen.

Neuer Futteraufwuchs auf dem Grünland ist so schnell nicht zu erwarten, da die Flächen völlig neu angelegt werden müssen. Darüber hinaus ist auch völlig unklar, wann die Plage ein Ende nimmt. Solange die Mäuse aktiv sind, haben Neuansaaten keine Chance. Das zeigen Beispielsflächen, die bereits im letzten Herbst neu angesät wurden. Hinzu kommt auf vielen Flächen ein hoher Befall mit Tipula. Auch dieser Schädling setzt dem Grünland zu.

Ein Antrag auf Grünlandumbruch ist unumgänglich. Frau Backes machte deutlich, dass hierbei zwischen dem Status Dauergrünland im Allgemeinen (DGL) und dem sensiblen Grünland (sDGL), also Grünlandflächen mit Naturschutzauflagen zu unterscheiden ist. Für die herkömmlichen Grünlandflächen (DGL) genügt der vereinfachte Antrag zum Grünlandumbruch aufgrund „höherer Gewalt“. Für das sensible Grünland ist zur Genehmigung neben der Landwirtschaftskammer auch die Untere Naturschutzbehörde (UNB´s) hinzuzuziehen.

Die Schritte der notwendigen Bodenbearbeitungsmaßnahmen zeigte Gerd Lange auf. Es muss nach dem Schadausmaß der Mäuse unterschieden werden, aber auch nach dem möglichen Vorkommen an Tipula.  Haben letztere den Schwellenwert erreicht, gibt es aktuell keine Möglichkeit, diese aktiv zu bekämpfen.

Das Vertreiben der Mäuse gelingt umso besser, je tiefer die Bodenbearbeitung vorgenommen wird. Herr Lange empfiehlt den Umbruch nach der Genehmigung so schnell wie möglich zu praktizieren, denn auch der mögliche Frost, kann die Mortalität der Mäuse forcieren, je tiefer Kälteperioden in den Boden einwirken.  Moorstandorte sollten frühzeitig geschleppt/gestriegelt werden, um die Feldmäuse zu stressen. Um Befahrbarkeit sicherzustellen, sollte die wendende Bodenbearbeitung auf diesen Standorten zeitnah vor der Aussaat im März erfolgen. Langfristig geht es darum, wieder eine quantitativ ausreichende und qualitativ hochwertige Grobfutterreserve aufzubauen. Hierfür ist eine Etablierung von leistungsstarken Grasnarben auf den eigenen Grünlandflächen sowie der Anbau die Nutzung von massenwüchsigen Zwischenfrüchten auf den eigenen Ackerflächen erforderlich. Sofern mit dem eigenen Flächen nicht genügend Reserven aufgebaut werden können, ist ein Vertragsanbau mit Veredlungs- oder Marktfruchtbaubetrieben in der Region abzuklären.

Aus Sicht der Fütterung ergänzte Herr Albers die Ausführungen. Betroffene Betriebe sollten, sofern noch nicht geschehen, verschiedene Maßnahmen ergreifen, damit die Zeiten des Futtermangels besser überstanden werden können. Hierzu gehören kurzfristig beispielsweise die Ermittlung der vorhandenen Futterreserven und deren Qualitäten, um den Fehlbetrag abschätzen und einen Futterplan für den nächsten acht Monate erstellen zu können. Eine weitere kurzfristige Maßnahme ist die Abgabe von Schlachtkühen oder Schlachtfärsen, deren Ausmast sich zumindest mit zugekauften Gruppenfutter nicht lohnt. Des Weiteren können Grobfutterreserven geschont werden, indem Tiere mit hohen Ansprüchen an die Futterqualität (melkende Kühe, Kälber oder Jungrinder) mit mehr Kraftfutter versorgt werden. Allerdings sind die Obergrenzen des Kraftfuttereinsatzes zu beachten, um noch eine wiederkäuergerechte Reaktion zu gewährleisten. Bei anderen Rindern (Trockenstehern, Jungrinder ab 10 Monate, tragende Färsen etc.) können Teile der Gras- oder Maissilage in der Grundfutterration durch Stroh ersetzt werden und der Nähr- und Mineralstofffehlbedarf mit Kraft- und Mineralfutter ausgeglichen werden.

Mittelfristig sollte in den nächsten Wochen über die Beschaffung von Futter nachgedacht werden. Noch ist ausreichend Grobfutter auf dem Markt vorhanden. Es ist aber in den nächsten Monaten davon auszugehen, dass der Markt knapper und vor allem Maissilagen erheblich teurer wird. Betriebe, die selbst Getreide anbauen, sollten Futtermangel über eine Verwertung als Grüngetreidesilage oder einige Wochen später als Getreideganzpflanzensilage nachdenken. Auch der Zukauf von Getreideganzpflanzensilagen aus Marktfruchtbaubetrieben der Region ist in Erwägung zu ziehen.

 

Wesentliche Aussagen von Reno Furmanek: Agrarpolitische Regelungen und Auswirkungen auf die Grünlandbewirtschaftung in Niedersachsen

Auf die landwirtschaftlichen Betriebe als Produzenten kommen vermehrt Anforderungen aus den Bereichen Tierschutz, Klimaschutz, Biodiversität und Wasserschutz zu. Die Zielsetzungen entstammen zunehmend der europäischen Agrar- und Umweltpolitik.

Der Wirtschaftszweig Landwirtschaft ist aufgrund seiner Bodengebundenheit und die Umweltabhängigkeit durch vielfältige Wechselwirkungen mit dem Ökosystem gekennzeichnet. Die landwirtschaftliche Produktion arbeitet nah an und in schutzwürdigen Güter wie kaum eine andere.

Die Urproduktion steht mit ihren Stoffkreisläufen und Umwelt-Effekten mehr denn je im Fokus der Gesellschaft. Problematisch sind die Forderungen zu mehr Umweltleistungen durch die Landwirte stets dann, wenn diese nicht durch marktfähige Produkte zu Einkommen führen, sondern eher zu Mehrbelastungen durch Kostensteigerung.

Die Landwirtschaft und damit auch die Grünlandbewirtschaftung ist eingebettet in ein politisches Mehrebenensystem. Dabei werden über die Europäische Agrarpolitik wesentliche Richtlinien und Verordnungen verabschiedet, die auf nationaler und auch regionaler Ebene umgesetzt werden müssen. Ein Beispiel ist die EG-Nitratrichtlinie.

Am Beispiel der EU-Nitratrichtlinie und der Umsetzung in nationales Düngerecht wird deutlich, dass es nicht nur um die eigentliche Düngung und damit die Ernährung von Nutzpflanzen und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geht, sondern auch um Gefahrenvorbeugung. Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Tieren sowie für den Naturhaushalt können sich durch unsachgemäße Anwendung von Düngemitteln oder durch eine unsachgemäße Düngungspraxis ergeben. Somit gilt es, einen nachhaltigen und ressourceneffizienten Umgang mit Nährstoffen bei der landwirtschaftlichen Erzeugung sicherzustellen. Zudem sind Nährstoffverluste in die Umwelt so weit wie möglich zu vermeiden.

Diese Zweckbestimmung steht bereits im geltenden Düngegesetz von 2017. Allerdings ist die Europäische Kommission mit der nationalstaatlichen Umsetzung in Deutschland nicht einverstanden und hat im Wege von Klageverfahren die Regelungen der Düngeverordnung und damit der „Guten fachlichen Praxis“ einer Überprüfung unterzogen. In der Folge sind auf der Grundlage des sehr weitreichenden Urteils des EUGH aus dem Jahre 2018 und des letzten Aufforderungschreibens vom Juli 2019 sowohl Praktiker als auch Fachleute und Behörden vor die Aufgabe gestellt worden, vor allem den Aspekt der Reduzierung der Nährstoffverluste durch Düngung und die daraus resultierenden Gefährdungen für Gewässer (Oberflächen-/Grundwasser) stärker rechtlich zu ordnen.

Reno Furmanek machte im Vortrag am Beispiel der aktuellen Diskussionspunkte zur Düngeverordnung deutlich, welche Maßnahmen seitens der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt Grünland vorgeschlagen wurden. Hierbei zeigte er die Prozesse der Gesetzestexte und ihren Umsetzung in die Praxis beginnend von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, über die Nitratrichtlinie bis zur aktuellen Düngeverordnung auf.

 

Wesentliche Aussagen von Frerich Wilken: Effizient düngen – Vorgaben der Düngeverordnung und Bilanzen im Blick

Die Niedersächsische Verordnung über düngerechtliche Anforderungen zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat oder Phosphat (NDüngGewNPVO) sog. Landesdüngeverordnung vom 28.11.2019 weist die Gebietskulissen Grundwasser (N-rotes Gebiet) und Oberflächenwasser (P-graues Gebiet) aus. Hinzu kommt aktuell die Novellierung der Bundesdüngeverordnung.  Diese beiden Regelungen werden die Düngung insbesondere in den roten Gebieten stark einschränken.

Die Düngebedarfsermittlung ändert sich außerhalb der roten Gebiete im Grünland nicht. In Niedersachsen lagen die Empfehlungen für die Grünlanddüngung vor der Novelle der Düngeverordnung im Jahre 2017 für die intensive Grünlandnutzung um 50 bis 60 kg N über dem jetzigen Düngebedarfswert. Dies hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Anlass genommen im Jahr 2019 neue N-Steigerungsversuche anzulegen. Das geschah an insgesamt 7 Standorten, neben einem Marschstandort überwiegend auf typischen Hoch- und Niedermoorstandorten. Anhand der zu erwartenden Ergebnisse soll der Stickstoffbedarf speziell abgeleitet werden.

Minus 20 % in den roten Gebieten:

Vom ermittelten Düngebedarf sind in den roten Gebieten 20% abzuziehen. Das bedeutet eine Düngung unterhalb des Bedarfes. Auf Dauer führt das zu geringeren Erträgen. Insbesondere auf Grünland stellt das ein Problem dar. Hier ist die Düngung ohnehin schon zu knapp bemessen.

Gerade die vergangenen Trockenjahre gefolgt von der aktuellen Mäuseplage zeigen, dass Grundfutter sehr knapp werden kann. Ziel vieler Betriebe ist es in Zukunft, möglichst wieder Futterreserven anzulegen. In einem roten Gebiet mit einer 20 % Reduzierung der Düngung wird das schwierig. Das fehlende Futter durch Kraftfutterzukauf zu ersetzen kann nicht gewollt sein. Jeder zusätzliche Kraftfutteraufwand würde zu einer Erhöhung des Nährstoffimportes in den Betrieb führen. Vor allem in Regionen mit hoher Tierdichte gilt es, zusätzliche Nährstoffimporte zu vermeiden. Ziel muss es sein, möglichst viel Milch aus eigenem qualitativ hochwertigem Grundfutter zu erzeugen. Durch die Einschränkungen der Düngung werden das aber zwei nicht zu vereinbarende Ziele.

Zurzeit ist vorgesehen im Rahmen der Länderermächtigungen in der Düngeverordnung den Ländern die Möglichkeit zu geben, das Grünland in den roten Gebieten von der Verpflichtung zum 20 prozentigem Abzug zu befreien. Dies gilt allerdings nur in solchen Gebieten in denen der Grünlandanteil an der Gesamtfläche in dem jeweiligen roten Gebiet 20 % Flächenanteil nicht überschreitet. Somit trifft diese Ausnahme auf die meisten roten Gebiete in Futterbauregionen nicht zu, hier liegt der Grünlandanteil häufig über 20 %.  Wie in der „Land und Forst 4/2020“ berichtet wurde, haben das niedersächsische Landwirtschaftsministerium und Umweltministerium gemeinsam eine Stellungnahme verfasst. In dieser fordern sie u. A. anderem, das Grünland generell aus der Verpflichtung zur 20 % Reduzierung des Düngebedarfs zu nehmen. Dies wäre fachlich absolut richtig. Gerade unter Grünland sind bei bedarfsgerechter Düngung keine Probleme mit Nitratauswaschung zu befürchten. Versuche zeigen eher gegenteilige Effekte. Werden intensiv geführte Grünlandbestände unter Bedarf gedüngt, können sich die Gräser nicht entsprechend etablieren. Somit generieren sie dann nur geringere Erträge mit geringeren Nährstoffentzügen. Es hat fachliche Stellungnahmen der Landwirtschaftskammer hierzu gegeben. Diese sind auch in den genannten niedersächsischen Ministerien gehört und berücksichtigt worden. Den aktuellen Meldungen ist aber immer wieder zu entnehmen, dass es auf Bundes- bzw. EU-Ebene kein Zurück bei der Düngeverordnung geben wird.

 

Wesentliche Aussagen von Dirk Albers: N- und P reduziert füttern – wo sind die Grenzen?

Die Landwirtschaft insbesondere die viehhaltenden Betriebe werden sowohl für hohe Nährstoffeinträge in Grund- und Oberflächengewässer oder für hohe Ammoniak- oder Lachgasemissionen in die Atmosphäre verantwortlich gemacht. Dies hat sich auch in verschärften rechtlichen Regelungen niedergeschlagen, wobei die Düngerverordnung oder die „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ nur zwei Beispiele sind. Um den verschärften Anforderungen Rechnung zu tragen, sind Viehhalter angehalten, den Nährstoffanfall zu reduzieren. Stickstoff und Phosphor stehen aus diesem Blickwinkel besonders im Fokus. Eine deutliche Reduzierung des Tierbestandes kann aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine Option für die Betriebsleiter sein. Es sind vielmehr Konzepte gefragt, die eine Überversorgung mit Protein bzw. Stickstoff und Phosphor vermeiden und die zu einer besseren Ausnutzung des Futterstickstoffs und –phosphors beitragen.

Viele Fütterungsversuche im Rinderbereich haben gezeigt, dass ein Vorhalten von Protein und Phosphor in den Futterrationen nicht zu Steigerungen der Mast- oder Milchleistungen führt. Ein zu viel an Nährstoffen erhöht letztendlich nur die Nährstoffausscheidungen im Kot und Harn. Aus diesem Grund sollten landwirtschaftliche Nutztiere auch entsprechend den wissenschaftlich abgeleiteten Versorgungsempfehlungen gefüttert werden.

Aktuelle Fütterungsversuche machen deutlich, dass sich die Stickstoffausnutzung bzw. die Stickstoffeffizienz aus dem Futter sogar verbessert, wenn die Versorgungsempfehlungen mit Protein leicht unterschritten werden. Eine negative ruminale Stickstoffbilanz, d.h. eine Unterversorgung mit Stickstoff im Pansen, führt zu niedrigeren Harnstoffgehalten in der Milch und zu einer verringerten N-Ausscheidung im Harn. Allerdings sinkt auch die Milchleistung. Hier muss jeder Betrieb selbst entscheiden, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoller ist. Ein weiterer Weg zur Reduktion des Futter-N-Bedarfs ist der Einsatz von pansengeschützten Proteinfuttermitteln. Vor allem für hochleistende Kühe lohnt sich der Einsatz. Bei pansengeschützten Proteinfuttermitteln wird mehr Protein im Dünndarm abgebaut. Damit wird die Versorgung der Kühe mit verfügbarem Protein direkt im Dünndarm verbessert, wodurch höhere Milchleistungen abgesichert werden können.

Gleichfalls hat sich bei der Phosphorversorgung der Milchkühe herausgestellt, dass Überschüsse vermieden werden können, wenn die Versorgungsempfehlungen entsprechend den Leistungen in den Graviditäts- oder Laktationsstadien eingehalten werden.

Auf Grundlage einer breiten Auswertung von Fütterungsversuchen erarbeitet die DLG derzeit Stickstoff- und Phosphor-reduzierte Fütterungsvarianten. Ziel ist es auch hier, die Nährstoffausscheidungen an N und P deutlich im Vergleich zu den Standardverfahren zu reduzieren.

Dirk Albers betonte, dass die Nähr-  und Mineralstoffgehalte der eingesetzten Grobfuttermittel wesentlich für eine bedarfsgerechte Fütterung sind. Leider werden diese noch zu wenig umfassend analysiert. Er empfiehlt jedem Futterbauer, nicht auf umfangreiche Analysen ihrer eigenen Grobfuttermittel zu verzichten. Nur wer den Wert seines Grobfutters kennt, kann eine Unterversorgung oder Überschüsse vermeiden und Geld beim Zukauf von Kraft- und Mineralfutter sparen.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 13.02.2020



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