Webcode: 01036770

GRP 1. Mitteilung - Grünland ist in den Startlöchern

Die ertragliche und auch qualitative Situation weicht in diesem Jahr auf vielen Praxisflächen deutlich von der Norm ab. Die Standorte der Qualitätsreifeprüfung für das Dauergrünland sind ebenfalls nicht immer ohne Mängel durch die trockenen Sommer der letzten Jahre gekommen. Wir geben Hinweise zur Entwicklung und möglichen Schnittterminen.

Die ertragliche und auch qualitative Situation weicht in diesem Jahr auf vielen Praxisflächen deutlich von der Norm ab. Die von uns in den sechs Klimaregionen Niedersachsens untersuchten 16 Standorte sind ebenfalls nicht ohne Mängel durch die trockenen Sommer der letzten Jahre gekommen. Dies zeigt sich in höherer Lückigkeit einzelner Standorte, was die Ertragshöhe beeinflussen kann. Insgesamt beschreibt unsere Qualitätsreifeprüfung für das Grünland die Entwicklung von mehrjährig etablierten Dauergrünlandbeständen mit geringen bis mittleren Mängeln.
Eine Übersicht aller vorgesehenen 16 Prüfstandorte ist in Abbildung 1 (grüne Punkte) dargestellt, in Tabelle 3 werden die Standorte genauer beschrieben.

Entwicklung im Grünland beobachten
Aufgrund der regional sehr unterschiedlichen Vorschädigung der Grünlandflächen sind allgemeine Hinweise zum Stand der Entwicklung kritisch zu überprüfen, das eigene Grünland anzusehen und ggf. durch eigene Frischgrasanalysen zu ergänzen.
Die Probenahme der Standorte in Wittingen und Neustadt wurde ebenfalls von der Bewirtschafterin, dem Bewirtschafter der jeweiligen Grünlandfläche übernommen. 

Dabei wird auf etwa 100 m2   ein repräsentativer, einheitlicher Bestand abgesteckt und an vier Stellen mit einer handelsüblichen Rasenschere in 4-6 cm Schnitthöhe jeweils eine 0,25 m2 große Probe entnommen. Eine vorgefertigte quadratische Schablone mit den Innenmaßen 50 cm ist als Flächenmaß ideal; mit einem Zollstock und dem damit gut abzumessenden Flächenmaß von 40 x 60 werden 0,24 m2 je Messpunkt beprobt. Es kann auch jeweils ein Quadratmeter mit dem Zollstock markiert werden: entscheidend ist, dass die Bezugsgröße bekannt ist, um nach der Einwaage der Frischmasse den Frischmasseertrag bestimmen zu können, denn:
(Frischmasse/m2 x % Trockensubstanzgehalt) / 10 = Ertrag in dt TM/ha.
Zur Ermittlung der Inhaltsstoffe und des TS-Gehaltes wird die Probe mit einem Auftragsformular für die Frischgrasanalyse an ein geeignetes Labor gegeben. 
Die Abholdienste der LUFA bringen die Proben nicht immer direkt zum Futtermittellabor, weshalb die Trocknung einer Teilprobe im eigenen Backofen anzuraten ist.

Stickstoffreserven nutzen
Die von uns beschriebenen Standorte in der Klimaregion Westliches Niedersachsen sind mit 23 cm Aufwuchshöhe bei einem mittleren Ertragsniveau von 25,4 dt TM/ha bereits gut entwickelt.  Vergleichbare Erträge von mindestens 25 dt TM/ha wurde in den Regionen Hannover-Braunschweig (25,4 dt TM/ha) und im Weser-Leine Bergland (27,3 dt TM/ha) erreicht. Die Qualitätsreife ist in den meisten Regionen  nicht erreicht. Als Ausnahme in der Qualitäts-Reifeentwicklung darf die Region V (Weser-Leine-Bergland) mit zwei Standorten bei schon 20 bzw. 21% XF i.TM und mit  relativ hohen Rohproteingehalten (18,9-20,8 % XP i.TM) gelten. Diese Bestände sind einerseits durch höhere Obergrasanteile (Standort 9) bzw. größere  Lücken (Standort 13) im Bestand geprägt. Eine offenbar hohe Stickstoffaufnahme (vgl. Rohprotein) begünstigt die schnellere Entwicklung zusätzlich. Die Rohfaseranteile dieser Bestände erreichen dadurch die 20% XF i.TM früher, sind aber ertraglich noch deutlich unter 30 dt TM/ha. In den anderen Regionen liegen deutlich niedrigere Rohfasergehalte unter 20 % XF i.TM vor. Die Eiweißgehalte sind in diesem frühen Wuchsstadium an diesen Standorten dagegen relativ gering: niedrige Proteingehalte in Gifhorn (Standort 10) mit 13,0 % XP i.TM sowie nur mittlere XP-Gehalte in den Klimaregionen Westliches Niedersachsen (17,3 % XP i.TM) und Hannover Braunschweig (18,3 % XP i.TM) deuten auf eine in diesem Frühjahr geringe N-Verfügbarkeit dieser Standorte hin. Der seit Mitte März einsetzende Wassermangel und eine späte N-Düngung könnten dies bewirkt haben. Es kann beim Eiweißgehalt zu deutlichen Verdünnungseffekten mit der weiteren Qualitätsreife in den nächsten Wochen kommen. Auch wenn die Stickstoffreserven im Boden dem nur begrenzt entgegenwirken, dem Ertragszuwachs dürften sie zu Gute kommen.

Weitere Entwicklung
In den Klimaregionen westliche Niedersachsen und hannover Braunschweig können die ersten Grünlandbestände in der 19. Kalenderwoche bei 21 bis 23 % XF i.TM bereits einsiliert werden. Die Erträge liegen bei 35 dt TM/ha (33,6 bis 36,5 dt TM/ha). In den Klimaregionen Küste (19,5 % XF i.TM) sowie Nördliches Niedersachsen (20,7 % XF i. TM) und Hannover Braunschweig (20, 5 % XF i.TM) sollte noch bis zur 20. Kalenderwoche abgewartet werden, um die aktuellen Niederschläge bis Mitte Mai für die Ertragsbildung zu nutzen. Der Grünlandbestand in der Klimaregion Nordöstliches Niedersachsen konnte bisher nicht an den notwendigen Stickstoff gelangen. Die Düngung am 14. Mai konnte aufgrund der anhaltenden Trockenheit nicht genügend wirksam werden, so dass bei sehr niedrigen Rohproteingehalten und schwacher Entwicklung des Ertrages auch die Einlagerung der Rohfaser stark verzögert wurde. 
Dieser Standort ist daher nicht repräsentativ und in der Region Nordöstliches Niedersachsen sind daher eigene Untersuchungen anzuraten.
Die Reifeprüfung Grünland wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 30.04.2020