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Grünlandreifeprüfung – Flächen werden geräumt

Die Eisheiligen waren in diesem Jahr sehr zuverlässig und haben mit kühlen Temperaturen und teilweise frostigen Nächten bis Mitte Mai eine deutliche Verzögerung der physiologischen Entwicklung der Gräser bewirkt. Trotz dieser verhaltenen Temperaturen wurden in der 20. Kalenderwoche (11. - 17. Mai) deutliche Ertragszuwächse in den Regionen erzielt.

Die ersten Grünlandflächen konnten bereits bei sehr günstiger Wetterlage und mit hoher Energiedichte einsiliert werden. Dringend benötigtes Grundfutter in den Milchviehbetrieben für die nächsten Monate. Mit den hilfreichen Niederschlägen und nach deutlicher Abkühlung in der letzten Woche verzögerte sich die Ernte zunächst. Wie sich der aktuelle Witterungsverlauf auf die Entwicklung der Bestände auswirkt, berichten wir in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst in Braunschweig wöchentlich.

Weiter hohe Energiedichte

Die Eisheiligen waren in diesem Jahr sehr zuverlässig und haben mit kühlen Temperaturen und teilweise frostigen Nächten bis Mitte Mai eine deutliche Verzögerung der physiologischen Entwicklung der Gräser bewirkt. Trotz dieser verhaltenen Temperaturen wurden in der 20. Kalenderwoche (11. – 17. Mai) wurden deutliche Ertragszuwächse in den Regionen erzielt. Die hilfreichen Niederschläge konnten bei geringer Globalstrahlung und ungewöhnlich kühler Witterung für ein kompensatorisches Wachstum genutzt werden, ohne dass die Rohfasergehalte durch die Decke gegangen wären. Diese stagnierten an einigen Standorten sogar. Die erwarteten qualitativen Einbußen hinsichtlich der Energiedichte blieben weitgehend aus. Allerdings kommen bei weiterhin sonniger Witterung nun die frühen Weidelgräser in Schwung und schieben ihre Ähren.

Ertragszuwachs nutzen

Das Ertragsniveau in den niedersächsischen Regionen lag bis Mitte Mai in einer Spanne von etwa 35 bis 45 dt TM/ha. Im Vergleich zur Vorwoche wurde ein mittlerer Zuwachs von 8,9 dt TM/ha erzielt.

An der Küste wurden lediglich 36,5 dt TM/ha im Mittel der Standorte mit geringen Rohfasergehalten zwischen 19,3 bis 20,8 % XF i.TM erreicht. Der Ertragszuwachs gegenüber der Vorwoche betrug dabei immerhin 9,9 dt TM/ha. Die geringen täglichen Rohfaserzunahmen von unter 0,1% XF i.TM und ein gegenüber der Vorwoche nahezu identischer mittlerer Rohproteingehalt (18,3 % XP i.TM) zeigen die stagnierende physiologische Entwicklung der Pflanzen in dieser Region.

Ähnlich war die Entwicklung auch im Klimaraum II, Nördlichen Niedersachsen, wo aber eine größere Standortdifferenzierung vorliegt. Die Erträge schwanken hier zwischen 34,2 dt TM/ha auf den leichteren Böden und 45,1 dt TM/ha auf günstig entwickelten Hochmoor und Marschstandorten. Die Rohfaserwerte lagen bei 21,4 % XF i.TM (Marsch) und 22,5 % (Moor) XF i.TM bzw. nur 19,3 bis 20,6 % XF i.TM auf den humosen Sandböden.

Um immerhin 6,8 dt TM/ha konnten die Standorte in der Klimaregion VI, Westliches Niedersachsen, das Ertragsniveau gegenüber der Vorwoche (28,9 dt TM/ha) auf 35,7 dt TM/ha steigern. Dabei stagnierte der Rohfasergehalt in den sehr vom ausdauernden Dt. Weidelgras betonten Beständen bis 12. Mai bei19,8 % XF i.TM. Die Energiedichte war daher mit 6,7 MJ NEL noch sehr hoch.

Im Gegensatz dazu sind die Standorte in der Region Weser-Leine Bergland weit voraus und erreichten mit 23,8 % XF i.TM die volle Silierreife bereits zu Beginn der 20. Woche. Dabei wurden gute Erträge von durchschnittlich 44,9 dt TM/ha mit günstigen Eiweißgehalten um 15-16 % XP i.TM geerntet werden.

Auch in der Klimaregion Hannover-Braunschweig haben sich die Standorte deutlich weiter entwickelt. Allerdings konnten auf dem lehmigen Sand in Obershagen nur die Prognosewerte der Vorwoche genutzt werden. Der Hochmoorstandort in Neustadt hat sich sehr gut entwickelt und erreichte mit 25,1 % XF i.TM (+ 3,6 %) einen Ertrag von 46,5 dt TM/ha.  Im Mittel werden die Prognosewerte der für 14. Mai mit 23,1 % XF i.TM und 15,2 % XP i.TM etwas früher und mit um 10 % höherem Ertrag (44 dt TM/ha) erreicht.

Der Standort Wittingen in der Klimaregion Nordöstliches Niedersachsen hatte bisher sehr geringe Rohfaserwerte und auch der Ertragszuwachs war bis 5. Mai noch sehr gering. Mit 34,8 dt TM/ha entspricht das aktuelle Ergebnis vom 12. Mai der Prognose (36,4 dt TM/ha). Der Rohfasergehalt von 22,2 % und die sehr deutliche Zunahme der Eiweißkonzentration auf 16,7 % XP i.TM lassen jedoch vermuten, dass hier durch die Niederschläge der Vorwoche die zunächst unwirksame, späte Stickstoffgabe noch sehr gut vom wachsenden Untergrasbestand aufgenommen und umgesetzt wurde.

Weitere Entwicklung

Wolkig bis stark bewölkt, aber trocken geht es am Wochenende und bis Montag meist niederschlagsfrei weiter. Ab Dienstag gibt es einen Mix aus Sonne und Wolken. Es können dann auch wieder Temperaturen um 20 Grad am Tage und 5-10 Grad in den Nächten erreicht werden. Die Sonnenstunden werden zunehmen und die physiologische Entwicklung der Grasbestände unter diesen Bedingungen deutlich vorantreiben, so dass auch alle bisher nicht geernteten Grünlandflächen für die Silagebereitung des ersten Aufwuchs zur Milchviehfütterung in den Klimaregionen in der 21. Kalenderwoche geerntet werden sollten. Die Prognose des Deutschen Wetterdienstes in Braunschweig bis zum 21. Mai 2020 sowie die Bestandentwicklung der letzten Wochen sind in Tabelle 2 übersichtlich dargestellt.

Die Standorte in den Klimaregionen erreichen bis 21. Mai die volle Siloreife mit 24, 3 % XF i.TM bei einem guten Ertragsniveau um 45 dt TM/ha. Die mittlere Energiedichte beträgt günstige 6,4 MJ NEL/kg TM, jedoch bei nur 13,6 % XP i.TM. 

Die Differenzierung der Regionen ist jedoch erheblich. Die günstigen Mittelwerte resultieren aus den noch in der mittleren Siloreife stehenden Standorten im Bereich der Küste und im westlichen Niedersachsen mit geringen Rohfasergehalten bis 21. Mai (22,4-22,5 % XF i.TM) bis 21. Mai.

Für Standorte im nördlichen Niedersachsen besteht größerer Handlungsbedarf, um hohe Energiegehalte zu erzielen, denn es werden für die 21. KW bereits Rohfaserwerte über 23 % XF i.TM vom Deutschen Wetterdienst Braunschweig (DWD) prognostiziert. Auf den gut wasserführenden Marsch- und Moorstandorten sollten die ersten Schnitte dann bereits erfolgt sein (vgl. Ergebnisse der Einzelstandorte vom 12. Mai), während die leichteren, zur Trockenheit neigenden Grünlandbestände bislang blattreicher waren.

In den weiteren Klimaregionen III bis V sind die bis 21. Mai zu erwartenden Rohfasergehalte mit 24,9 % (Nordöstliches Niedersachsen), 25,8 % (Hannover-Braunschweig) und 26,3 % (Weser-Leine Bergland) deutlich über den Zielbereich für die Silagenutzung zur Milchviehfütterung hinaus. Die Energiegehalte liegen dann bei nur noch 6,1-6,2 MJ NEL/kg TM (Regionen IV-V) bzw. bei noch günstigen 6,5 MJ NEL/kg TM im nordöstlichen Niedersachsen (Region III).

Wir beenden mit diesem Beitrag unsere aktuelle Berichterstattung zur „Reifeprüfung Grünland“. Ohne die stets rasche Bearbeitung und Prognose durch den Deutschen Wetterdienst in Braunschweig hätte dieser Service nur den Charakter einer Dokumentation. Dank gilt auch den mitwirkenden Landwirten und den Probenehmern für die Bereitschaft mitzumachen und für die geleistete Arbeit in einer schwierigen Zeit, aber auch bei den vielen Interessenten unserer Berichte.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 18.05.2020



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