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Mit Leguminosengras Quantität und Qualität sichern

Klee- und Luzernegras zeigten sich unter dem Hitzestress und der Trockenheit der beiden zurückliegenden Jahre recht robust. Die Vorteile des Mischanbaus von Gräsern mit Leguminosen sind vielfältiger Natur. Für den Futterbaubetrieb stehen verschiedene Mischungen zur Verfügung. Über weitere Details des Anbaus wird nachfolgend berichtet.

Klee- und Luzernegras erlebt allmählich einen Aufwärtstrend. Diese Entwicklung ist begrüßenswert, denn das hiermit erzeugte Futter vereint beim richtigen Schnittzeitpunkt Quantität und Qualität. Diese Mischungen haben sich in den beiden zurückliegenden Dürrejahren bewährt. Das tiefere Wurzelsystem der Leguminosen konnte unter Hitzestress die Flächen im grünen Zustand halten, was die Ackergräser allein nicht leisten konnten. Mit der Anbaudiversifizierung und der Forderung nach Artenvielfalt gibt es weitere gute Argumente für den Mischanbau von Gras mit Leguminosen. Die mehrjährige Bodenbedeckung hat gleichfalls vielerlei Vorteile. Neben positiven Effekten für den Boden-, Erosions- und Klimaschutz lassen sich Ausgaben minimieren, denn jeder Umbruch und jede Neuansaat ist sowohl mit Kosten als auch mit Anbaurisiken verbunden.

Leguminosengras und N-Düngung

In der Praxis wird in den intensiven Futterbauregionen der geringe N-Düngebedarf oft  als Nachteil angesehen und damit meist den reinen Ackergrasmischungen der Vorzug eingeräumt. Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, ist der N-Bedarf von Kleegras- oder Luzernegrasmischungen zwar geringer im Vergleich zu reinen Ackergrasmischungen, aber es sollte auch hier gedüngt werden. Dabei werden organische N-Gaben gar besser von den Knöllchenbakterien toleriert als N-Mineraldünger, vorausgesetzt, dass sich bereits ein guter Mischbestand etabliert hat und zudem eine behutsame, bodennahe Ausbringung erfolgt. Wie viel als N-Ergänzung appliziert werden darf, hängt neben der Ertragserwartung und dem Standort vom Anteil der Leguminosen im Bestand ab, was aus Tabelle 1 hervorgeht. Im Gegensatz zu den Leguminosen in Reinsaat kann der N-Bedarf von Leguminosengras nicht gänzlich durch die symbiontische N-Fixierung der Knöllchenbakterien (Rhizobien) gedeckt werden. Die N-Düngung ist für Leguminosengras als Steuerungsinstrument zu betrachten. Jede ergänzende N-Düngung fördert vorrangig die Gräser zu Lasten der Leguminosen. Geringe N-Gaben sind angebracht, wenn es gilt, die Leguminosen zunächst gut im Bestand anzusiedeln. Im umgekehrten Sinn kann die N-Düngung auch die Gräser wieder stärken, wenn ein zu hoher Anteil an Leguminosen droht oder wenn die Leguminosenanteile über den mehrjährigen Nutzungszeitraum sinken. 

Ob und in welcher Höhe eine N-Startgabe zur Saat im August noch sinnvoll ist, richtet sich nach dem Boden und dem Anteil der Leguminosen in der Mischung. Hierzu sei auf den Webcode 01036961 dieser Internetseite verwiesen. Generell wäre für alle nachfolgend beschriebenen Klee- und Luzernegrasmischungen eine N-Startgabe bis 30 kg N/ha möglich. Diese ist auch für eine Anfangsetablierung sinnvoll, denn die Knöllchenbakterien selbst benötigen eine gewisse Zeit, um mit den Wurzeln der Leguminosen in Symbiose zu gehen.

Grundnährstoffe sichern

Für ein gutes Gedeihen von Leguminosen in Mischungen mit Gras darf die Versorgung mit den Grundnährstoffen Kali, Phosphor und Magnesium auf Basis der Bodenuntersuchung nicht vergessen werden. Kali ist günstigenfalls drei Wochen vor der Saat im Rahmen der Saatbettbereitung einzuarbeiten, denn die jungen Leguminosenkeimlinge reagieren auf Kalisalze empfindlich. Von den Mikronährstoffen besteht bei den Leguminosen vor allem ein Bedarf an Molybdän und speziell für die Luzerne auch an Bor. Der pH-Wert des Bodens ist insbesondere für das Wachsen der Luzerne von Bedeutung. Darauf wird später noch eingegangen. 

Saatbett und Fruchtfolge

Ein unkrautarmes, gut abgesetztes Saatbett bildet die Basis für einen gleichmäßigen Aufgang und eine gute Anfangsentwicklung. Die Saaten entwickeln sich langsam und gegen aufkommendes Unkraut kann keine Behandlung erfolgen. Daher ist dem möglichen Unkrautdruck so gut wie möglich vor der Saat zu begegnen. Neben einer gezielten Herbizidbehandlung bei hartnäckigen Unkräutern bringt auch ein rechtzeitiges Striegeln bei dem ersten Auflaufen der Unkräuter nach der Bodenbearbeitung Effekte. Im ökologischen Landbau wird hierbei häufig auch mehrmals auf der Schwarzbrache vor der Saat gestriegelt.

Gras und Leguminosen gehören zu den Feinsämereien, die bei der Saat nur flach in den Boden zu bringen sind. Zudem empfiehlt sich ein Walzgang nach der Saat, um insbesondere den kapillaren Wasseraufstieg zu fördern.

Aufgrund ihrer langsamen Entwicklung sollte so früh wie möglich im August gesät werden. Entscheidend für eine gute Überwinterung ist, dass die jungen Saaten eine

ausreichende Vorwinterentwicklung erreicht haben.

Luzerne, Rotklee wie auch die übrigen Kleearten sind mit sich selbst und den meisten anderen Leguminosen unverträglich, denn sie sind gegenüber Krankheiten und Schädlingen höchst anfällig.  Deshalb gilt es, Anbaupausen von 4 bis 5 Jahren für das Gemenge und von 5 bis 6 Jahren für die Reinsaaten einzuhalten. Je enger die Fruchtfolge, desto wichtiger ist die Nutzung von Sorten mit geringer Krankheitsanfälligkeit.

Kleegrasmischungen

In aller Regel ist dem Rotkleegras im Nordwesten von Niedersachsen der Vorzug gegenüber der Luzerne einzuräumen. Kleegras gedeiht auf allen Standorten außer auf Moor- und leichten Sandstandorten. Auch für den Rotklee müssen Mindestansprüche an die Kalkversorgung des Bodens  (mindestens pH 5,5) zu beachtet werden. Ansonsten sind die Ansprüche beider Kleearten gering. Im Gegensatz zur Luzerne tolerieren Rot- und Weißklee auch einmal eine gewisse Staunässe und einen hohen Grundwasserstand.

Wie Tabelle 2 zeigt, stehen fünf mögliche Kleegrasmischungen zur Auswahl. Die höchsten Erträge sind beim Anbau von Klee gemeinsam mit Ackergräsern (Welsches und Bastardweidelgras) zu erwarten. Im Allgemeinen sinkt die  Ertragsleistung der Ackergräser nach zwei Hauptnutzungsjahren aufgrund einer stark nachlassenden Triebkraftleistung. Stabilere Ertragsleistungen in den Einzeljahren aber etwas geringer Erträge erbringen die Mischungen mit Deutschem Weidelgras.

Erfolgt nur eine Schnittnutzung könnte auf den Weißklee in der Mischung verzichtet werden. Die Kriechausläufer des Weißklees machen die Narbe dichter. Sie begünstigen damit die Trittverträglichkeit des Bestandes. Zudem wird dem Risiko der Unkrauteinwanderung begegnet. Im Kasten unten sind weitere Details zu den Mischungen beschrieben.

Luzerne und Luzernegras

Die Luzerne stellt aus agronomischer Sicht die höchsten Ansprüche an den Standort und die Nutzung. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden mit Mindest-pH-Werten von 6,0 auf schwach lehmigen Sand; 6,2 auf stark lehmigen Sand und 6,5 auf sandigen Lehm. 

Mit beimpftem Saatgut von den beim Bundessortenamt zugelassenen Sorten gelingt die Etablierung der Luzerne sicherer und schneller. Aufgrund ihrer langsamen Anfangsentwicklung sollte die Saat möglichst bis Anfang August erfolgen.

Das Anbaurisiko der Reinsaaten von Luzerne lässt sich durch Luzernegrasmischungen mindern. In Mischung mit Gräsern sind für die konkurrenzschwache Luzerne bevorzugt Grünlandgräser mit gemäßigtem Entwicklungstempo eingebunden. Im nordwestdeutschen Raum hat sich die A9-Mischung bewährt, welche sich aus 66 % Gewichtsanteilen der Luzerne neben Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras zusammensetzt.  Die beiden Graspartner tragen zur besseren Siliereignung sowie zur weiteren Ertragsabsicherung und einer besseren Bodenbedeckung bei.

Um die in Tabelle 3 dargestellten Bestandesdichten für Luzerne und Luzernegras zu erreichen, bedarf es nicht nur optimalen Saat- und Aufgangsbedingungen, sondern auch einer angepassten und möglichst schonenden Nutzung.

Jede Nutzung trägt zu einem allmählichen Verlust an Luzernepflanzen im Feld bei. Die Pflanzen reagieren auf Überfahrten bei der Ernte sowie auf einen zu tiefen Schnitt (unterhalb von 8 cm) empfindlich und oft sind Fehlstellen die Folge. Im Allgemeinen erlaubt die Luzerne bei guten Wuchsbedingungen vier Schnitte. Sie benötigt aber zwischen dem vorletzten und letztem Schnitt eine Ruhepause von mindestens 50 Tagen, um in dem Zeitraum Reservestoffe für eine bessere Überwinterung einlagern zu können.

Die Beispiele zeigen auf, dass bereits leichte Bewirtschaftungsfehler zum Ausfall einzelner Luzernepflanzen führen können.

Wo der Anbau von Luzerne zum ersten Mal in Erwägung gezogen wird, sollte der Anbauumfang für Reinsaaten zunächst gering bleiben und bevorzugt auf das Leguminosengras gesetzt werden.

Wir fassen zusammen

Leguminosengras erwies sich in den beiden zurückliegenden Dürrejahren als relativ trockenheitstolerant.

Mischungen aus Gras und Leguminosen liefern gutes Futter und sie punkten durch umweltfreundliche Aspekte.

Kleegras passt besser in die nordwestdeutsche Region als Luzerne. Die für die Luzerne benötigten kalkhaltigen Standorte sind bevorzugt im östlichen/ südöstlichen Raum Niedersachsen zu finden.

Als Königin der Futterpflanze stellt die Luzerne hohe agronomische Ansprüche.

 


Kleegrasmischung auf einen Blick

A3 plus S

Basis dieser Mischung zur überwiegenden Schnittnutzung ist die A3-Mischung, welche zusätzlich Rotklee enthält.  Damit der Rotklee im zweiten Nutzungsjahr nicht zu drastisch zurückgedrängt wird, sollte die A3 plus S-Mischung maximal vier Mal pro Jahr geschnitten werden.

A3 plus W

Für die Mähweidenutzung und die Trittfestigkeit ist es sinnvoll, neben dem Rotklee auch den Weißklee zusätzlich in die Mischung einzubringen. Im Vergleich zur A3 plus S zeichnet sich die Mischung „A3 plus W“ durch eine höhere Nutzungselastizität und –intensität aus.

A5-spät plus S

In dieser Mischung wurde die A5-Mischung mit Rotklee ergänzt. Diese Mischung dient vornehmlich der Schnittnutzung. Bei mehr als vier Schnitten pro Jahr nimmt der Rotkleeanteil ab dem zweiten Nutzungsjahr ab. 

A5 spät plus W

Rotklee-Weißkleegrasmischung für den 2- bis 3- jährigen Anbau auf allen Standorten zur vorwiegenden Weidenutzung.

A7

Artenreiche Kleegrasmischung mit hoher Nutzungselastizität, aber geringerem Ertragsniveau als die vorgenannten Mischungen. Da es sich bei den Gräsern um bevorzugte Grasarten des Grünlandes handelt, zeichnet sich die Mischung durch eine hohe Ausdauer aus. Durch die Verwendung von ertragsstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases lässt sich die Massewüchsigkeit der Mischung jedoch verbessern. Der optimale Schnittzeitpunkt dieser Mischung ist dem des Dauergrünlandes ähnlich.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 14.07.2020



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