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Mit Ackergras effizient Futter produzieren

Viel Futter mit guter Qualität, eine gute Gülleverwertung, Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch Humusaufbau, Auflockerung der Fruchtfolgen und Minderung des Ungrasaufkommens (Ackerfuchsschwanz) – all das sind Aspekte, die für den mehrjährigen Ackerfutterbau sprechen. Mit den Wetterextremen erhöht sich der Stellenwert von robusten bzw. resilienten Anbausystemen. Zudem gilt es, in 2021 weiterhin Futtervorräte aufzubauen. Hier kann das Ackergras einen guten Beitrag leisten.  Mehr Details lesen Sie im Folgenden.

Die Futtersituation bleibt auch in der zweiten Hälfte der Vegetationsperiode angespannt. Bislang sind die Erträge in Jahr 2020 unzureichend. Das Schließen der Futterlücke aus den beiden Dürrejahren wird damit nicht möglich sein, zumal ein Teil von dem diesjährigen Futteraufwuchs schon aufgebraucht wurde. Dem Aufbau von Futterreserven muss weiterhin hohe Priorität eingeräumt werden. Ackergräser können hierfür dienlich.

Der ein- und mehrjährige Ackergrasanbau liefert auf den besseren Böden viel Ertrag bei gleichzeitig guten Qualitäten. Darüber hinaus punkten Ackerfuttergräser durch eine Auflockerung der Fruchtfolge sowie durch eine effiziente Nährstoff- und Gülleverwertung über die gesamte Vegetationsperiode. Zudem tragen sie zur Anbaudiversifizierung bei.

Lediglich die Mehrschnittnutzung könnte als Nachteil diskutiert werden, da damit ein entsprechender Kosten- und Zeitaufwand für Düngungs- und Erntemaßnahmen verbunden sind. Doch die einzelnen Futteraufwüchse bieten auch Vorteile. So lassen sich ungünstige Witterungs- und Ertragssituationen kompensieren. Hinzu kommt, dass mit dem mehrjährigen Ackergrasanbau auf die jährliche Aussaat, Saatbettvorbereitung und Saatgutbeschaffung verzichtet werden kann.

Vor- und Nachteile sind demzufolge stets einzelbetrieblich abzuwägen.

Nutzungsdauer und des Entwicklungsrhythmus beachten

Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, stehen für die Saat bis zum Herbst fünf Ackergrasmischungen zur Auswahl. Hiervon können einige Mischungen nur für ein Jahr genutzt werden, andere hingegen bis zu drei Jahren. Im Allgemeinen ist die Schnittreife für die  Ackergräser im Vergleich zu den Grünlandgräsern früher erreicht. Dieses Kriterium mag für einige Betriebe von Vorteil sein, um die Grünland- und Ackerflächen gestaffelt ernten zu können. Wo diese Situation als Nachteil empfunden wird, kann ein Kompromiss mit Ackergrasmischungen auf Basis des  Deutschen Weidelgrases gefunden werden. 

Diese Beispiele zeigen, dass eine gezielte Auswahl von den in Tabelle 1 aufgeführten Ackergrasmischungen getroffen werden sollte. Die Nutzungsdauer kann ein Auswahlkriterium sein aber auch der Entwicklungsrhythmus.

Spezielle Eigenschaften der Mischungen werden im Folgenden beschrieben.

A1-Mischung

Die  Ackergrasmischung mit der Bezeichnung A1 enthält ausschließlich Welsches Weidelgras, welches vorzugsweise für ein Hauptnutzungsjahr angebaut wird und hierbei außerordentlich hohe Erträge erzielen kann.

Welsches Weidelgras wird in unserer Region im Allgemeinen Anfang bis Mitte September ausgesät. Erst durch den Kältereiz im Winter kann das Gras im Folgejahr in die generative Phase gelangen und damit zur Strukturbildung kommen. Die Bestände erreichen oft schon Ende April die Schnittreife. Insofern fällt die Ernte zeitlich früher an als der erste Schnitt des Grünlandaufwuchses.

Welche Erträge von dem Welschen Weidelgras erzielt werden können, zeigt Abbildung 1. Hier sind die Mittelwerte der Prüfsorten unserer Landessortenversuche mit insgesamt vier Standorten dargestellt. Der Grafik ist zu entnehmen, dass bei guten Bodenbedingungen durchaus Erträge oberhalb von 200 dt TM/ha möglich sind. Ein derart hohes Ertragsniveau erfordert nicht nur entsprechende Nährstoffgaben an Stickstoff, Kalium und Phosphor, sondern auch hinreichende Niederschläge. Das wird anhand des Dürrejahres 2018 deutlich, wo diese hohen Erträge nicht zu erreichen waren. Vor allem auf den leichten Standorten fielen die Erträge in 2018 unterdurchschnittlich aus. Die Schnittanzahl reduzierte sich auf den Standorten Wehnen und Obershagen auf drei anstatt der ansonsten üblichen fünf bis sechs Aufwüchse. Bevorzugst sechs bis gar sieben Aufwüchse können auf den besseren Standorten anfallen. Vor dem Hintergrund lässt sich für das Ackergras auch Gülle sehr effizient verwerten.

Hin und wieder erfolgt eine Futternutzung vom Welschen Weidelgras auch noch in einem zweiten Jahr. Die Ertragsleistung des Vorjahres kann dann aber bedingt durch das Nachlassen der  Triebkraft und einer gewissen Auswinterung nicht mehr erzielt werden. Im Allgemeinen nimmt der Ertrag im Rahmen eines zweiten Nutzungsjahres um etwa 25 % im Vergleich zum Vorjahr ab.

Ob für den Anbau des Welschen Weidelgrases zwingend eine Mischung zu nutzen ist oder auch gezielt Sorten gewählt werden können, wird im Kasten ausführlicher diskutiert.  

A1-WZ-Mischungen

In vielen Fällen wird das Welsche Weidelgras eher als Winterzwischenfrucht mit dem Ziel angebaut, nur einen ersten frühen Schnitt im Frühjahr des Folgejahres zu erzielen.

Für diese klassische Nutzung des Welschen Weidelgrases als Winterzwischenfrucht gibt es eine spezielle Mischung auf dem Markt mit der Bezeichnung „A1- WZ“ (WZ= Winterzwischenfrucht). Bei der Sortenempfehlung für diese Mischung wird besonderer Wert auf Genotypen mit einem sehr hohen Ertrag zum ersten Schnitt gelegt. Folgerichtig unterscheiden sich die Sortenempfehlungen für die A1- und die A1-WZ-Mischung. Die aktuelle Sortenempfehlung des Welschen Weidelgrases ist der Tabelle 2 zu entnehmen. Sowohl in der A1- als auch in der A1-WZ-Mischung sind dem Anteil tetraploider Sorten keine Grenzen gesetzt.

A3- Mischung

Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung „A3“ setzen sich aus drei Grasarten zusammen: dem Bastard-, Welschem - und Deutschem Weidelgras. Diese Mischung sollte vorzugsweise mindestens 2, besser aber 3 Jahre genutzt werden. Da keine Aussaat im jährlichen Turnus erforderlich ist, können die Kosten geringgehalten werden. Dieser Mischung mit drei unterschiedlichen Grasarten ist auch eine gewisse Robustheit (Resilienz) zuzuschreiben, was mit Blick auf die zurückliegenden extremen Witterungsereignisse zunehmend bedeutsam wird.

Das Deutsche Weidelgras fungiert in der Mischung als Untergras, welches die Nutzungselastizität und Futterqualität des Aufwuchses positiv beeinflusst. Zudem trägt es zu einer dichten Grasnarbe bei. Neben der Schnittnutzung ist somit gleichfalls eine Beweidung gut möglich.

A5-Mischung

Die A5-Mischung besteht ausschließlich aus Sorten des Deutschen Weidelgrases. Die Mischung eignet sich sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland.

Von der Ackergrasmischung mit Deutschem Weidelgras gibt es zwei Varianten. Enthält die Mischung Sorten aus allen drei Reifegruppen, handelt es sich um die herkömmliche A5-Mischung.

Besteht die Mischung jedoch aus Sorten mit je 50 % der mittleren und der späten Reifegruppe, wird diese Mischung als „ A5 spät“ bezeichnet.

Für den ersten Eindruck ähneln sich sowohl die  A5- als auch die A5-spät-Mischung in ihrer Zusammensetzung mit den beiden Grünland-Nachsaatmischung GV und GV-spät. Der prinzipielle Unterschied zwischen den Ackergras- und Grünlandmischungen wird erst dann deutlich, wenn man sich mit der Sortenzusammensetzung beschäftigt. Die A5-Mischung enthält nur ertragsstarke Sorten, denn in Ackerfuttermischungen spielt die Ausdauerleistung bei 3-jähriger Nutzung im Gegensatz zum Grünlandsektor eine eher untergeordnete Rolle.

Standorte und Saatvorbereitung

Der mehrjährige Ackerfutterbau gelingt am besten auf tiefgründigen Böden mit guter Wasserversorgung. Sehr leichte, zur Austrocknung neigende oder unter Vernässung leidende Flächen sind hingegen nicht geeignet. In Anbetracht der hohen Nährstoffentzüge ist gleichfalls eine gute Nährstoffversorgung der Pflanzen wesentlich für das Ausschöpfen des Ertragspotentials. So liegt der N-Bedarfswert gemäß DÜV (2017) im Falle einer 5-Schnittnutzung bei 400 kg N/ha und bei 3- bis 4- Schnittnutzung bei 310 kg N/ha.

Für das gleichmäßige Auflaufen der Saat ist nicht nur eine gewisse Bodenfeuchte wichtig, sondern insbesondere ein gut vorbereitetes und feinkrümeliges Saatbett sowie eine flache Ablage der Feinsämereien. Die Keimungsphase wird darüber hinaus durch ein Walzen nach der Saat unterstützt. 

Wir fassen zusammen

Bei guten Standort- und Niederschlagsbedingungen lässt sich mit dem Ackergras nahezu vergleichbar viel Masse produzieren wie mit Silomais.

Vor dem Hintergrund kann auch das Ackergras einen Beitrag leisten, in 2021 wieder vermehrt Futterreserven aufzubauen.

Für die Auswahl stehen Ackergrasmischungen mit unterschiedlich langer Nutzungsdauer zur Verfügung. Wird ein annähernd gleicher Erntezeitpunkt der Ackergrasmischung mit dem des Grünlandes angestrebt, ist vorrangig auf den Anbau des Deutschen Weidelgrases zu setzen.

Die Mehrschnittigkeit des Futters hat mehr Vor- als Nachteile. Eine gute Gülleverwertung und die Minderung von Ertragsrisiken durch witterungsbedingte Einflüsse sind hierbei besonders hervorzuheben.


Gelingt der Anbau des Ackergrases auch mit nur einer Sorte?

In Beratungsgesprächen wird häufig von experimentierfreudigen Landwirten hinterfragt, ob Mischungen noch zeitgemäß sind oder ob es vorteilhafter ist, lediglich eine ertragsstarke Sorte in Reinsaat anzubauen.

Prinzipiell sind Sortenmischungen für den mehrjährigen Futterbau zu bevorzugen.

Auf die unterschiedlichen Witterungs- und Nutzungsbedingungen reagieren die Einzelsorten zum Teil unterschiedlich. Insofern vermindern Sortenmischungen das Anbaurisiko.

Etwas anders stellt es sich für die vorrangig einjährig genutzte A1-Mischung mit Welschem Weidelgras dar. In Betrieben, die in der Zwischenzeit langjährige Erfahrungen und gleichzeitig gute Standortvoraussetzungen für den Ackergrasbau haben, kann im Einzelfall auch mit nur einer Sorte gearbeitet werden. 

Den Mischungen mit mehreren Welsch Weidelgrassorten ist der Vorrang auf leichten Standorten oder bei überjähriger Nutzung weiterhin einzuräumen. Hier gilt der Aspekt einer Minderung von Anbaurisiken durch Mischungen im besonderen Maße. Das haben vor allem die letzten Jahre mit ihren extremen Witterungsbedingungen deutlich gemacht.

Die Wahl für die richtige Sorte zur Reinsaat sollte auf Grundlage der regionalen Sortenempfehlung getroffen werden. Beachten Sie daher auch das Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau 2019/20“ (webcode 01036051)


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 08.10.2020



PDF: 34390 - 209.452148438 KB   I_Tab_Ackergras_Herbst_2020   - 209 KB