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1. Grünlandtag DIGITAL 2021 -Nachlese-

„Klimawandel im Fokus von Futterbaubetrieben “ lautete das Motto des diesjährigen Grünlandtages, der in 2021 das erste Mal digital durchgeführt wurde. 
 

Mit 402 Gästen im virtuellen Raum übertraf die Resonanz auf das digitale Angebot die Erwartungen. Letztendlich wurde damit nahezu die Teilnehmerzahl erreicht, die ansonsten im Durchschnitt von zwei Präsenzveranstaltungen erwartet wird. Die hohe Teilnehmerzahl verdeutlicht sowohl das Interesse der Futterbauern an der Thematik als auch den in der Zwischenzeit gelernten Umgang mit der digitalen Welt sowie den Wunsch nach Gedanken- bzw. Informationsaustausch.
Kleine technische Wackler der EDV-Technik wurden durch die informativen Vorträge von Prof. Dr. Heinz Flessa, Herrn Reinhard Resch und Herrn Ansgar Lasar wettgemacht. 

Bereits im Chat kamen Nachfragen nach den Präsentationen der Referenten, die Sie hiermit nachträglich ansehen können.


Wesentliche Aussagen des Kammerpräsidenten 
Das aus technischen Gründen ausgefallene Grußwort des Kammerpräsidenten wird hier nachgeholt.
Zunächst möchte ich allen 17 Sponsoren unseren herzlichen Dank zum Ausdruck bringen, denn in bewährter Art und Weise wird diese kostenfreie Veranstaltung durch sie unterstützt. Zudem sind sie Preisstifter für den Silagewettbewerb. Die Ergebnisvorstellung des Silagewettbewerbes wird am 16. Februar als Webseminar (Webcode 33005723) stattfinden. Zu der Abkoppelung der Siegerehrung des Silagewettbewerbes vom Grünlandtag mussten wir uns entscheiden, um den Zeitrahmen dieser digitalen Veranstaltungen überschaubar zu halten. 

Meine Damen und Herren, 
im Futterbau waren die letzten Jahre besonders schwierig. Die Wetterextreme nehmen spürbar zu. Erinnern Sie sich, dass wir das Programm des Grünlandtages im letzten Jahr spontan ändern mussten, da die Futternot andere Schwerpunkte setzte? Nicht nur Hitzeperioden und Dürre schränkten das Ertragsergebnis im Futterbau ein, sondern auch enorme Grünlandschäden durch Mäuse und durch die Tipula-Larve. Das Jahr 2020 war gleichfalls mit einem Wechselspiel aus langen Trockenheitsphasen und kurzzeitigen Niederschlagsperioden verbunden. Aber immerhin, in den intensiv wirtschaftenden Grünlandregionen im Norden des Landes fielen die Niederschläge glücklicherweise noch im rechten Moment. Die Erntemengen waren zwar nicht üppig, doch kommt man zumindest ohne zusätzlichen Futterzukauf über die Winterfütterungsperiode. In den südöstlichen Regionen Niedersachsens stellt sich die Situation anders dar, erneut war es ein Jahr mit unterdurchschnittlicher Futterproduktion. 
Wie die Aussichten für gefüllte Silos in diesem Jahr sind, bleibt ungewiss. Mit größerer Gewissheit aber müssen wir mit Wetterkapriolen in den nächsten Jahren rechnen. Der Trend der Klimaerwärmung ist eindeutig und  hinterlässt Spuren. 
Es ist deshalb an der Zeit, dass wir uns mit dieser Thematik intensiver beschäftigen. 
Alle drei Beiträge, die Sie gleich hören, stellen Ihnen aus verschiedenen Blickwinkeln den Beitrag der Landwirtschaft für den Klimaschutz dar. Ganz konkret werden Stellschrauben gezeigt, wie künftig Futterproduktion im Einklang mit Klimaschutz zu bringen ist.


Wesentliche Aussagen von Professor Dr. Heinz Flessa   
Herausforderungen der Landwirtschaft im Kontext des Klimaschutzes  
Aus Sicht des Klimawandels befindet sich die Landwirtschaft bildlich gesprochen in einer Zwitterstellung: von den Auswirkungen des Klimawandels ist die Landwirtschaft zum einen betroffen; andererseits aber zugleich Ursache des Klimawandels. Beides sind Gründe, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Es gilt, sich einem Spagat zu stellen zwischen den Anpassungsstrategien an den Klimawandel sowie der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel und Rohstoffe  auf der einen Seite sowie der Umsetzung des 
Klimaschutzplanes 2050 der Bundesregierung durch nennenswerte Minderung klima- und umweltbelastender Emissionen auf der anderen Seite.
Lachgas  (N2O), Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) sind die wesentlichen Treibhausgasquellen in der Landwirtschaft. Die Emissionen dieser drei Gase  werden vor allem durch das N-Management, die Tierhaltung und die Moorböden verursacht. 
Durch die Düngung ist die Landwirtschaft der Hauptemittent des N-haltigen Lachgases. Eine wesentliche Stellschraube zur Minderung des Lachgasaufkommens besteht in einer Verbesserung der N-Produktivität  sowie in einer Minderung der N-Überschüsse.  
Die Methanemission hat sich in Deutschland seit 1990 mehr als halbiert. Die begrüßenswerte Entwicklung ist allerdings bevorzugt entsprechenden Maßnahmen der Energie- und Abfallwirtschaft zu verdanken. Systembedingt ist die Landwirtschaft aktuell mit rund 61 % der größte CH4 –Emittent. Innerhalb der Landwirtschaft kann mit nachfolgenden Maßnahmen Einfluss auf eine Minderung des Methanausstoßes genommen werden: der Biogasproduktion aus tierischen Wirtschaftsdüngern, der Stärkung der Tiergesundheit und Leistungsfähigkeit und der Verringerung der Lebensmittelverluste aber auch der Tierzahl.
Wesentliche Stellschrauben zur Minderung von Kohlendioxidemissionen sind ein  konsequenter Moorschutz und der Humusaufbau durch resiliente Fruchtfolgesysteme.
Im dritten Vortrag des Grünlandtages wird vertiefender auf die hier benannten Punkte eingegangen.


Wesentliche Aussagen von Reinhard Resch  
Klimawandelfolgen und Anpassungsstrategien für Futterbau und Futterkonservierung 
Gemäß den Einschätzungen von Klimaexperten (IPCC) ist bis 2050 mit einer globalen Temperaturerhöhung um +2°C zu rechnen.  Für den Futterbau wirkt sich das im Allgemeinen wie folgt aus. Es kommt zu: 1) einer Verlängerung der Vegetationsperiode um 9 - 16 Tage, 2) einem Rückgang der Gräser und Vermehrung der Kräuter im Grünland, 3) einer reduzierten Taubildung, 4) geringeren Niederschlägen in der Hauptwachstumszeit, 5) zu geringeren Erträgen, 6) einer Zunahme von Dürreereignissen, 7) einer Zunahme an Tropentagen und 8) einem häufigeren Auftreten von Schädlingen und Krankheiten.
Von dem Klimawandel profitieren lediglich kühle und feuchte Lagen, währende warme und trockene Lagen die Verlierer dieser Situation sind.
Zunehmend kommt es auf das  Augenmerk von Pflegemaßnahmen auf dem Grünland an und darauf, ob die Regeneration von geschädigtem Grünland gelingt.

Die Zunahme der Häufigkeit von Wetterextremen führt zu erhöhten wirtschaftlichen Schäden landwirtschaftlicher Betriebe. Da sich Dauergrünland an Veränderungen nicht so schnell anpassen kann wie der Ackerfutterbau, sind Regionen mit Dauergrünland nach Schädigungen durch Wetterextreme stärker betroffen. Deshalb gilt es künftig auch Versicherungsmodelle mit maßgeschneiderten Produkten für viehhaltende Betriebe zu entwickeln. In Österreich ermöglichte beispielsweise die Entschädigung im Fall von Dürre auf Grünlandflächen den Futterzukauf und die Grünlandsanierung.
Zu möglichen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel gehören der Einsatz von trockentoleranten Arten und Sorten, die auf die Fläche bezogene,  kleinräumige Risikoabschätzung, die technische Optimierung im Bereich der Futterkonservierung und  ggf. auch die Grünlandbewässerung. Wichtig ist zudem, Wissen zu generieren und in die Praxis zu transferieren!

Wesentliche Aussagen von Ansgar Laser
Stellschrauben zur Reduktion von Treibhausgasen im Futterbaubetrieb
Im Futterbaubetrieb werden Treibhausgase in erster Linie durch die Futtermittelerzeugung und die anfallenden Wirtschaftsdünger verursacht. Speziell bei Wiederkäuern spielen darüber hinaus die Methanemissionen aus der enterischen Fermentation, vereinfacht gesagt aus der Verdauung, eine große Rolle.
Stellschrauben für eine klimaschonende Futtermittelerzeugung sind beim Anbau beispielsweise ein effizienter Stickstoffeinsatz, eine positive Humusbilanz und die Ertragssicherung sowohl hinsichtlich der Menge als auch der Qualität. Weiterhin sind die bekannten Stellschrauben zur Minimierung der Futterverluste von der Ernte über die Lagerung bis zum Futtertisch von Bedeutung.
Bisherige Maßnahmen zur Minderung von Emissionen aus Ställen und Wirtschaftsdüngerlagerstätten zielen vorrangig auf Ammoniak ab. So ist zum Beispiel die Abdeckung eines Güllebehälters eine sehr wirksame Maßnahme zur Minderung der Ammoniakemissionen, sie mindert aber nicht die Methanemissionen. Zur Reduktion der Treibhausgasemissionen aus dem Wirtschaftsdüngerlager kommt es aber vor allem auf die Minderung der Methanemissionen an. Dazu gibt es bisher zur relativ kostspieligen gasdichten Lagerung keine praxistaugliche Alternative.   
Maßnahmen zur Minderung der Methanemissionen aus der Verdauung von Wiederkäuer werden schon seit langem untersucht. Sowohl zur Bestimmung der Methanemissionen zum Beispiel über die Milchuntersuchung als auch zur Minderung der Methanemissionen durch die Auswahl der Futtermittel oder die Verabreichung von Zusatzstoffen gibt es eine Reihe von Ansätzen, aber noch keinen Durchbruch. 
Der Energieverbrauch macht an den Treibhausgasemissionen eines Futterbaubetriebes nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus. Allerdings gibt es gesicherte Reduktionsmöglichkeiten. Stellschrauben für geringe Energieverbräuche in der Milcherzeugung sind beispielsweise die Milchvorkühlung und eine frequenzgesteuerte Vakuumpumpe. Durch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien können die Treibhausgasemissionen nicht nur ganz erheblich gesenkt werden, sondern es wird zusätzlich ein deutliches Zeichen für mehr Klimaschutz gesetzt. Im Strombereich ist die Umstellung heute schon ganz einfach. Bei Kraftstoffen ist zunächst der Maschinenbau gefordert, den Fokus auf neue Antriebstechniken zu legen. Mit Dieselmotoren sind die Klimaziele nicht zu erreichen.
Durch eine lange Nutzungsdauer der Milchkühe können die Treibhausgasemissionen für die Bestandsergänzung reduziert werden. 

Fazit: 
Bei vielen Stellschrauben für eine Reduktion von Treibhausgasen geht der Klimaschutz mit den wirtschaftlichen Interessen der Landwirte einher. Wirtschaftlich erfolgreiche Futterbaubetriebe haben deshalb bereits regelmäßig eine gute Klimabilanz. Bei anderen Stellschrauben, die sich nicht unbedingt rechnen, wie zum Beispiel Investitionen in die emissionsarme Wirtschaftsdüngerlagerung oder in energiesparende Techniken, sollten die Fördermöglichkeiten ausgebaut und auch genutzt werden. 


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 08.02.2021