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Silagewettbewerb Niedersachsen 2020 – Ihre Ergebnisse im Überblick

Die Bekanntgabe der Preisträger des Silagewettbewerbes 2020 fand in 2021 digital und  getrennt vom Grünlandtag statt. Mit 54 Teilnehmern nahm die Mehrzahl der Preisträger an der virtuellen Veranstaltung neben Beratern und den Preisstiftern teil.

Ziel des Silagewettbewerbes als öffentlichkeitswirksame Maßnahme ist es, das Bewusstsein und den Sachverstand für die Futtererzeugung zu schärfen, sich im Wettbewerb mit anderen Landwirten der Region zu messen und sich auf diesem Weg aktuelle Tipps zu pflanzenbauliche sowie siliertechnischen Fragen einzuholen.

In dem Bewertungssystem kann eine Silage mit herausragender Analyse mindestens 200 Punkte erlangen. Um diese Punktzahl zu erreichen, müssen die Futterwertkenngrößen in einigen Fällen sogar besser sein als die Empfehlungen zu allgemeinen Zielwerten. Für eine Prämierung der Silagen genügt das Prädikat „sehr gut“ demzufolge nicht, sondern es muss ein „ausgezeichnet“ erreicht werden.

Für herausragende Silagequalitäten war die Ausgangssituation auf dem Grünland in 2020 nicht leicht. Bereits die Vorjahre 2018 und 2019 waren für viele Futterbaubetriebe außergewöhnlich schlechte Ertragsjahre, denn es konnten durch die Dürre keine ausreichenden Futter­vorräte erzeugt werden. Gravierend wirkten sich zusätzlich die in 2019 auftretenden Grünlandschäden durch die extrem hohen Feldmauspopulationen aus.  Es kam vielerorts zu weiteren Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen. Diese Situation war auch noch in 2020 präsent. Eine nachweisliche Eindämmung der Mäusepopulation wurde erst Ende Februar 2020 mit den einsetzenden Niederschlägen registriert. Die notwendigen Neu- oder Nachsaaten erfolgten zwar unmittelbar nach dem Abtrocknen der Flächen, doch blieb der Erfolg dieser Maßnahmen gering. Erneut machte eine längere Trockenheitsphase den Aufgang der jungen Saaten zunichte. Die Keimlinge verdürrten auf vielen Flächen.  Vielerorts kam es erst nach einem zweiten Ausdrillen von Grassaatgut im Juni das Begrünen der Fläche in Gang. Gleiches galt für die mit

Tipulalarven befallenen Grünlandflächen. Der bis Mitte Juni zu erwartende Larvenfraß schädigte zusätzlich besonders viele Grünlandflächen auf organischen Böden. Zur Wiederherstellung der stark geschädig­ten Grasbestände in den durch Mäuse und Tipula betroffenen Flächen mussten erhebliche Geldmittel zur Wiederbegrünung als Neuansaaten oder Nachsaaten von den Betrieben in die Hand genommen werden.

Wo Niederschläge in ausreichender Menge fielen, wurden im dritten Aufwuchs häufig höhere Erträge als mit den ersten beiden Grasschnitten im Frühjahr erzielt. Infolge des milden Herbstes konnte in einigen Regionen sogar noch ein ertragslohnender vierter Aufwuchs geerntet werden.

Auch für den Mais stellten sich die Wuchsbedingungen sehr unterschiedlich dar.

Ins­gesamt betrachtet, war die Situation beim Mais zwar besser als in den beiden Vorjahren, jedoch kam es in einigen Regionen zum dritten Mal in Folge zu schwachen bis kolbenlosen Maisbeständen. Die Erträge wiesen in Abhängigkeit der Niederschlagsverteilung eine hohe Bandbreite auf. Die Gründe lagen nicht nur im knappen Wasserangebot im Frühjahr und Som­mer, sondern auch im zu kalten Frühsommer. Spätfröste aber auch tierische Schaderreger infolge geringerem insektizidem Beizschutz haben in einigen Landesteilen eine zweite Aussaat des Maises erforderlich gemacht.

Trotz der sehr unterschiedlichen Entwicklungsbedingungen für die Gras- und Maisbestände kann die Akzeptanz des Silagewettbewerbes als gut bewertet werden. Es kam zwar aus den oben benannten Gründen zu einem leichten Rückgang der Grassilageproben, doch blieb die Teilnahmezahl bei den Maissilageproben konstant.

Die wesentlichen Ergebnisse des Silagewettbewerbes 2020 lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

Aufgrund eines frühen Schnittzeitpunktes zeichneten sich die Grassilagen des ersten Aufwuchses durch sehr gute Qualitäten mit guter Verdaulichkeit und einem hohen Gehalt an nutzbarem Rohprotein aus. Der Grasbestand des zweiten Aufwuchses ging infolge der Trockenheit schnell in die generative Phase über, während wenig Blattmasse gebildet wurde. Vor dem Hintergrund erklärt sich der hohe Anteil an Silagen mit zu hohen Rohfasergehalten, was sich beeinträchtigend auf die Energiekonzentration auswirkte. Hingegen fielen die Niederschläge für den dritten Aufwuchs im Allgemeinen zum rechten Zeitpunkt, so dass sich dieser in Quantität und Qualität deutlich positiv im  Vergleich zum zweiten Schnitt abhob. Alle Futterwertkenngrößen unterlagen jedoch einer großen Streubreite, was an dieser Stelle betont werden soll.

Aufgrund der trockenen Witterungsbedingungen gab es im Hinblick auf das Bergen von unzureichend angewelktem bzw. zu nassem Gras keine Probleme. Es bestand eher die Gefahr eines zu starken Welkprozesses, da nicht nur die warme Witterung, sondern auch die massearmen Grasbestände die Welkgeschwindigkeit beschleunigten. Ein hoher Anteil der Grasaufwüchse wurde vor dem Hintergrund eher zu trocken geborgen. Das hat oftmals eine zu geringe Verdichtung zur Folge und birgt die Gefahr von Nacherwärmungen der Silagen während des Verfütterungszeitraumes. Die guten Wetterbedingungen wirkten sich lediglich positiv auf das Vermeiden von Fehlgärungen aus.

Mit den Maissilagen gelang es in 2020, sehr gute Qualitäten mit sehr akzeptablen Stärkegehalten, hohen Energiekonzentrationen und guten Verdaulichkeiten zu produzieren. Hervorzuheben ist an dieser Stelle jedoch, dass bei der freiwilligen Teilnahme am Silagewettbewerb im Allgemeinen nur die vom Landwirt vermeintlich besseren Silagen zur Untersuchung eingereicht werden. Der Silagewettbewerb stellt somit eher ein besseres Bild der Futterqualität dar und repräsentiert nicht die Gesamtsituation der Futterbaubetriebe. Lediglich der Besatz an Hefen kann erneut nicht befriedigen. Die Anteile an Maissilagen mit überdurchschnittlich hohen Hefezahlen lagen höher als im Dürrejahr 2018. Ob das im Zusammenhang mit Siliermitteleffekten steht, welche in 2018 häufiger zur Anwendung kamen, lässt sich an dieser Stelle nicht eindeutig klären.

Für einige Landwirte hat sich die Beteiligung am niedersächsischen Silagewettbewerb besonders gelohnt, denn sie wurden nun im Rahmen der digitalen Veranstaltung für ihre sehr guten Silagequalitäten geehrt.

So konnten sowohl Reent Weerda aus Wilhelmshaven und Ingo Bergmann aus Walsrode (LK Heidekreis) mit 200 Punkten die volle Punktzahl bei den Grassilagen des ersten und zweiten Aufwuchses erreichen. Den zweiten Platz in dieser Kategorie „Erster und Zweiter Grasaufwuchs 2020“ teilten sich vier Landwirte mit jeweils 195 Punkten: Hartmut Reil aus Apen (LK FrieslandGrafschaft Bentheim), Wilhelm Wulfmeyer aus Petershagen (LK Minden), Herwig Blankemeyer aus Hude (LK Oldenburg) sowie Hilko und Apke Lindena aus Dornum (LK Aurich). Das Feld der Drittplatzierten folgte mit ebenfalls beachtlichen 190 Punkten. Diese Punktzahl erreichten Enno Hovemann aus Schortens, Diedrich Poppe aus Linsburg (LK Nienburg) sowie Hans und Thies Harms-Janssen aus Wangerland (LK Friesland). Die Auflistung macht das hohe Niveau der Siegersilagen deutlich. Zudem lag das Feld der hier ausgezeichneten Silagen sehr eng zusammen.

Bei den Grassilagen der nachfolgenden Grasaufwüchse (ab 3. Schnitt) errang Cord Heinrich Pröhl aus Walsrode (LK Heidekreis) den ersten Platz mit beachtlichen 180 Punkten. Hendrik Lübben aus Abbehausen (LK Wesermarsch) folgte als Zweitplatzierter mit 160 Punkten. Nur fünf Punkte trennten Jakob und Fokko Spekker aus Moormerland (LK Leer) vom Zweitplatzierten. Dirk Woltermann aus Nordhorn und Wiljan Scholten Meilink aus Hoogstede (beide LK Grafschaft Bentheim) verfehlten gleichfalls nur mit 5 Punkten den Podestplatz.

Bei den Maissilagen ging Bernhard und Daniel Wöste aus Neubörger (LK Emsland) mit 180 Punkten von den maximal zu erzielenden 200 Punkten als Sieger hervor.  Erwin Radloff aus Neuschoo (LK Wittmund) und Friedo Lübkemann aus Westerstede (LK Ammerland) gehören zu den glücklichen Zweitplatzierten mit 175 Punkten. Wilhelm Wulfmeyer aus Petershagen (LK Minden) gehört nicht nur bei den Grassilagen zu den Preisträgern, sondern auch bei den Maissilagen. Mit 170 Punkten teilt er sich den dritten Platz mit Jan Gerd Behrends aus Wilhelmshaven.

Gleichfalls nur knapp darunter folgten mit 165 Punkten sowohl Mechthild Rolfes (LK Cloppenburg), Petra Both aus Wittingen (LK Gifhorn) als auch Ernst Weerts aus Deternerlehe (LK Leer). Aufgrund der regionalen großen Entwicklungsunterschiede für den Mais wurde hier auch der vierte Platz berücksichtigt. 

Alle Gewinner des Silagewettbewerbes legen auf gut gepflegte und gesunde Pflanzenbestände sowie eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung der Grünland- und Maisflächen sehr hohen Wert. Gleichfalls sind die Landwirte trotz der Witterungsgebaren bemüht, den richtigen Erntezeitpunkt möglichst einzuhalten. Viel Obacht kommt zudem einer schmutzarmen Futterwerbung sowie der Sorgfalt beim Silierverfahren zu.

Vertiefende Zahlen und Auswertungen entnehmen Sie den Dateien. Zudem besteht die Möglichkeit, sich den Link zum Online-Seminars herunterzuladen. https://lwk-niedersachsen.edudip.com/mediabox/index/387938


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 02.03.2021



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