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Reifeprüfung Ackergras und Grünland beginnt - 2. Mitteilung

Für die Winterzwischenfrüchte wie den Grünroggen und das Ackergras bewegt sich die Entwicklung auf den Mahdzeitpunkt zu. Den Kulturen sollten jetzt alle Aufmerksamkeit gewidmet werden. Vor allem der Grünroggen kann vielerorts Ende der Woche und mit Maibeginn das Erntezeitfenster erreicht haben, je nach Saattermin, Sorte und Standort. Durch die kühlen Temperaturen ist die Entwicklung des Welsche Weidelgrases scheinbar verhaltener. Die Situation kann sich aber mit warmer Witterung schnell verändern und zu einem sprunghaften Wachstumsschub kommen.

Feldgras - trotz Zuwachs stark verzögerte Ernte

Feldgrasbestände aus den Regionen leiden an der Kälte

Mit der Reifeprüfung für Grünland- und Futtergräser überprüfen wir die aktuelle Entwicklung ausgewählter und gut etablierter Pflanzenbestände auf Praxisflächen. Die wöchentlich erscheinenden Berichte dienen als Entscheidungshilfe zur Planung des optimalen Schnitttermins. 
Nach dem relativ späten Vegetationsbeginn in der letzten Märzdekade war auch die bisherige Entwicklung der Grasbestände aufgrund der ungewöhnlich kühlen Witterung im April stark verzögert. In der 15. Kalenderwoche wurden die Feldgrasbestände auf den Praxisschlägen in diesem Jahr erstmals untersucht. Diese  Ergebnisse stellen wir nachfolgend als Orientierung für den Entwicklungsstand vor. Im Rahmen des Anbaus von Winterzwischenfrüchten nimmt seit einigen Jahren der Anbau von Grünroggen zur Futtergewinnung zu. Als Orientierung wurde daher ein solcher Bestand (Sorte: Protector, Aussaat 07. September) in die Beprobung integriert, wenn auch nur auf einem Standort. Hierbei steht der Grünroggen direkt neben dem Feldgras (Welsches Weidelgras, Aussaat 22. August) eines Futterbaubetriebes im Landkreis Diepholz. Das erlaubt es, beide Kulturen in ihrem Entwicklungsverlauf zu vergleichen.

Wie aus Tabelle 1 erkennbar, wurden in der Region Hannover Aufwuchshöhen von 35 cm gemessen, im westlichen Niedersachsen sowie an der Küste geringfügig mehr. Im Allgemeinen nahmen in der 16. Kalenderwoche die Wuchshöhen der Ackergrasbestände um 10-14 cm gegenüber der Vorwoche zu.  Einzig im Weser-Leine Bergland lag die Aufwuchshöhe bei nur 25 cm. Dieser Standort bei Bad Laer litt sehr stark unter sehr niedrigen Tages- und Nachttemperaturen. Damit stagnierte das Wachstum. Die Erträge der Ackergrasbestände lagen in den untersuchten Regionen bis auf eine Ausnahme relativ einheitlich bei etwa 30 dt TM/ha. Wie unterschiedlich die Ertragsbildung in Abhängigkeit von der Triebdichte sein kann, zeigt ein Ergebnisvergleich der Standorte 18 und 20. Bei annähernd gleichen Wuchshöhen unterscheiden sich die Erträge jedoch um 13  dt TM/ha. 
Als Kenngröße für die Silierreife ist der Rohfasergehalt (% XF) in der Trockenmasse entscheidend. Bei Rohfasergehalten zwischen 21% und 23 % liegt ein gutes Verhältnis zwischen dem Nährstoffgehalt auf der einen Seite und der Strukturwirksamkeit auf der anderen Seite vor. Gemäß den Untersuchungen sind die Bestände des Welschen Weidelgrases noch in einem jungen Zustand mit  Rohfasergehalten (XF) in den Bereichen zwischen 14,4 bis 17,0 %. Somit blieb das Niveau der Vorwoche aufgrund der kalten Temperaturen unverändert. Vorteilhaft an dem bislang kühlen April ist aber, dass sich das verzögerte Wachstum positiv auf die Bestockung und damit auf die Ertragsbildung der Bestände auswirken. kann. Für eine fortschreitende Massebildung bedarf es vor allem auf den leichteren Standorten jedoch noch weiterer Niederschläge. 
Die Eiweißgehalte der Feldgrasbestände unterliegen großen Schwankungen (12,4 bis 20,5% XP) und lassen im gewissen Maße Rückschlüsse auf das Düngungsniveau bzw. den Anteil organischer Düngung zu. Niedrige Rohproteingehalte sind ein Indiz für eine zu geringe Stickstoffmobilisierung als direkte Folge der anhaltend kühlen Witterung. Ein hoher Anteil Wirtschaftsdünger kann in einem sehr kalten Frühjahr, wie in diesem Jahr, nicht genügend Stickstoff aus dem organischen Anteil verfügbar machen (mineralisieren). Damit ist unter diesen Umständen eine verzögerte N-Nachlieferung aus dem N-Vorrat des Bodens zu erwarten.

Weitere Entwicklung

Vom Deutschen Wetterdienst wird auf Grundlage der analysierten Daten die weitere Bestandesentwicklung prognostiziert. Das Ergebnis zeigt Tabelle 2.  Demzufolge ist vorerst weiterhin mit einer verzögerten Entwicklung zu rechnen. Die kurzzeitigen Sonnenstunden sind dennoch im Wachstumsimpuls nicht zu unterschätzen. Vor dem Hintergrund gilt der Entwicklung der Winterzwischenfrüchte jetzt die volle Aufmerksamkeit. Je nach Sorte, Saattermin und Standort stehen Grünroggenbestände kurz vor der Mahdreife. Gleiches gilt für das Welsche Weidelgras. Die hier untersuchten Praxisbestände sind einerseits recht jung und ihre Entwicklung kommt gemäß der Prognose nur schleppend voran. Andererseits: Mit warmen Tagen kann es zu recht schnellen Veränderungen der Situation kommen. 
Im Allgemeinen fällt der optimale Erntezeitpunkt für das Welsche Weidelgras (21% bis 23 % XF) in diesem Jahr nicht mehr im April, sondern eher auf die erste Maidekade.
Wo nach der Grasernte Mais folgen soll, ist die Bestellung ohne großen Zeitverzug zu planen. Mulchsaat- und Striptill-Saatverfahren haben sich als effiziente Bestelltechniken bewährt. Sie gewährleisten einen verbesserten Erosions- und Verdunstungsschutz, was das Auflaufen und die Entwicklung des Maises besonders bei Trockenheit begünstigt.

Dauergrünland – noch junge Bestände

Die in den sechs Klimaregionen Niedersachsens untersuchten 16 Standorte sind aufgrund der kühlen Witterung sowohl ertraglich als auch qualitativ noch schwach entwickelt. Eine Zusammenfassung dieser Untersuchungsergebnisse für alle 16 Prüfstandorte zeigt Tabelle 3. Die schwache Entwicklung spiegelt sich sowohl in den Aufwuchshöhen als auch in den Rohfasergehalten wieder. Lediglich im Raum Osnabrück wies der Bestand einen Rohfasergehalt von 17 % i.d. Trockenmasse auf. Dieser Standort ist damit im Vergleich zu den anderen Grünlandstandorten am Weitesten entwickelt.  
Die verzögerte Entwicklung beim Grünland wird, wie beim Feldgras, aufgrund der kommenden kühlen Temperaturen noch anhalten. Für eine gute Ertragsbildung sind  vor allem auf den leichteren Standorten baldige Niederschläge wünschenswert.
 

GPS-Roggen steht vor der Erntereife

Mit der Ernte des Futterroggens als Grünfutterpflanze kann schon bald gerechnet werden. Der Bestand im LK Diepholz wies bereits am 20. April eine Aufwuchshöhe von 62 cm auf und der Rohfasergehalt lag bei 22,4 %. Die optimale Erntereife liegt in dem Zeitraum, wo entweder nach dem Schieben des ersten Fahnenblattes die Ähre spürbar ist oder das Ährenschieben gerade erkennbar wird.  Das weitere Sichtbarwerden der Ähre beschleunigt den Reifeprozess unweigerlich mit der Folge eines verminderten Futterwertes. 

 

 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 04.05.2021



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