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Viel Futter und gute Qualität – Grundregeln der Silierung beachten

Ein gut gepflegter Grünlandbestand, der richtige Schnittzeitpunkt sowie höchste Sorgfalt bei Futterwerbung und Silierarbeit sind grundlegend für gute Grassilagequalitäten. Planen und besprechen Sie die Vorgehensweise von der Mahd bis zum Siloverschluss mit allen Beteiligten. Die Silierregeln sind Voraussetzung für hohe Wirksamkeiten von Silierzusätzen.

Nach Mäuse- und Dürreschäden wurden viele Grünlandflächen bereits im letzten Jahr mit viel Aufwand wiederhergerichtet. Die Nach- und Neuansaaten waren nicht immer gleich erfolgreich, da es weiterhin zu trocken war. So sind heute noch einige Grasnarben von dem Witterungskapriolen der letzten Jahre gekennzeichnet. Wo es aktuell noch an dichten Grasnarben mangelt und die Lückenanteile weiterhin hoch sind, muss beim Silieren besonders Obacht gegeben werden. Es gilt:
1)     bei der Mahd die Gräser zu schonen, indem ein zu tiefer Schnitt vermieden wird
2)    für wenig Schmutzeintrag bei der Futterwerbung zu sorgen
3)    verlustarm zu bergen und zu silieren
4)    gute Futterqualitäten zu ernten und zu konservieren.

Der Futterwert des Grasaufwuchses hängt vor allem vom Schnittzeitpunkt ab, aber auch von der Pflanzenbestandeszusammensetzung des Grünlandes. Qualitativ hochwertige Grassilagen des ersten Aufwuchses sind durch eine Energiedichte von mindestens 6,5 MJ NEL/kg TM und einer Verdaulichkeit (Gasbildungswert) von mindestens 52 ml/200 mg TM gekennzeichnet. Derartige Futterqualitäten bilden die Basis für hohe Verzehrsleistungen aus dem Grundfutter. Das hat unmittelbaren Einfluss auf die Futterkosten und damit auf den Betriebsgewinn. 

Pflanzenbau als wesentliche Basis für gute Grassilagequalität
Ein hochwertiger Pflanzenbestand des Grünlandes ist Ausgangsbasis für die Futterqualität.  Alle Pflegemaßnahmen im Frühjahr haben Einfluss auf die Bestandeszusammensetzung. Je nach Zustand des Grünlandes gehören das Striegeln, Schleppen und Walzen zu allgemeinen Arbeitstätigkeiten, die aktuell auch weitestgehend schon vorgenommen wurden. Nachsaaten vor dem ersten Aufwuchs sind bei großer Lückigkeit gleichfalls angebracht. Die jungen Keimlinge wirken sich zwar noch nicht auf das Ergebnis des ersten Aufwuchses aus, wohl aber im weiteren Vegetationsverlauf. 
Hochwertige Grasbestände auf dem Grünland zeichnen sich durch einen hohen Anteil an leistungsfähigen Futtergräsern von etwa 70 bis 80 % und einem entsprechenden Vorkommen an Weißklee aus. Auf die Silierfähigkeit des Bestandes wirkt sich vor allem das Deutsche Weidelgras positiv aus, da es natürlicherweise ein zuckerreiches Gras ist, was für die gewünschte Milchsäuregärung förderlich ist. Das Deutsche Weidelgras entstammt aber eher den nährstoffreichen Mineralböden. Auf Moorböden ist die Ausdauer des Deutschen Weidelgrases eingeschränkt und abhängig von der Sortenwahl. Auf Moorgrünland kommt es eher darauf an, die Narben mit höherer Grasartenvielfalt in einem langjährig guten Zustand zu halten. Demzufolge hat die Silierfähigkeit des Gesamtbestandes in diesem Zusammenhang nicht Priorität. Die etwas ungünstigeren Siliereigenschaften bei der Grassilagebereitung sind durch strikte Beachtung wesentlicher Silierregeln wettzumachen. 
Gute Gärqualitäten sind nicht allein das Resultat des Verhältnisses zwischen Zuckergehalt und Pufferkapazität (Z/PK-Quotient), sondern auch des Anwelkgrades, des Nitratgehaltes und der Siliersorgfalt. 
Auf die chemische Zusammensetzung des Grasbestandes kann der Praktiker kurz vor der Mahd kaum noch Einfluss nehmen. Die aktuell größte Stellschraube ist eher in der Beachtung allgemeiner Silierregeln zu sehen. 

Schnittzeitpunkt wesentlich für Futterqualität
Der beste Grünlandbestand nützt wenig, wenn er nicht rechtzeitig geerntet wird. Mit jeder zusätzlichen Rohfasereinlagerung, die mit Ausbildung der generativen Pflanzenteile täglich um etwa 0,3 % bis 0,6 % zunimmt, verliert der Bestand an Futterwert. Das wirkt sich später unmittelbar auf die Grundfutterleistung aus. Im Allgemeinen gilt, dass die Mahd dann erfolgen sollte, wenn die Mehrzahl der Hauptbestandesbildner beginnt, erste Ähren zu schieben. Besser ist es für intensiv wirtschaftende Futterbaubetriebe, das Futter tendenziell etwas früher als zu spät zu ernten. Auch Grasbestände mit einem hohen Anteil von Deutsch Weidelgräsern der späten Reifegruppe bieten nur eine begrenzte Nutzungselastizität. Daher darf mit der Entscheidung für die Mahd auch in diesen Fällen nicht zu lange gezögert werden.  
Die wöchentlichen Berichte der Grünlandreifeprüfung sollen daher die Entscheidungsfindung für den optimalen Erntezeitpunkt unterstützen.

Schnitthöhe und Bearbeitungstiefe der Zinkengeräte beachten
Auch die Schnitthöhe beeinflusst die Futter- und die Gärqualität. Durch einen zu tiefen Schnitt (für Grünland nicht unter 5 cm; für Ackergras nicht unter 7 cm) besteht die Gefahr der Futterverschmutzung. Tiefschnitt bedeutet auch, dass alle Nachfolgegeräte der Futterwerbung recht bodennah arbeiten müssen. Da passiert es schnell, dass beim Zetten, Wenden und Schwaden Erdmaterial, abgestorbenes Pflanzenmaterial oder Güllereste nach oben geholt werden, insbesondere bei unebenen Flächen. Dieses trägt zu einem stärker keimbelastetem Siliergut bei. Die Folgen sind entweder Fehlgärungs- oder Nacherwärmungsprozesse. 

Effizient im kurzen Zeitraum anwelken
Mit dem Anwelken wird dem Erntegut Wasser entzogen. Auf den höheren Trockenmassegehalt im Siliergut reagieren insbesondere Buttersäurebakterien empfindlich. Es schränkt ihre Stoffwechselaktivität ein. Milchsäurebakterien haben dadurch eine größere Chance, sich im Silierprozess erfolgreich einzubringen. Vor dem Hintergrund wird ein Anwelkgrad von 30 bis 40 % empfohlen.
In der Praxis ist das Bergen von unzureichend angewelkten Silagen eher selten. Vielmehr wird das Gegenteilige beobachtet. Auswertungen der LUFA Nord-West über Grassilagebefunde der letzten 15 Jahre verdeutlichen, dass nahezu jede zweite Silage zu hohe Trockenmassegehalte (über 40 % TM) aufweist. Die Hitzestressbedingungen der letzten Jahre und die ertragsschwachen Aufwüchse verschärften diese Situation zusätzlich. 
Zu hoch angewelktes Siliergut mit über 45 % TM erschwert die Verdichtungsarbeit. Das begünstigt wiederum Nacherwärmungsprozesse während des Verfütterungszeitraumes. Bei zu trockenem Siliergut kommt die Gärung nur sehr träge in Gang. Diesen Zeitraum nutzen spezielle Mikroorganismen (wie zum Beispiel Enterobakterien) für den Abbau von Zucker und Rohprotein, was zu Verlusten von Nährstoffen und Energie führt. 
Das Ziel muss demzufolge darin bestehen, die Futterernte von der Mahd bis zur Futterbergung in einem Zeitraum von 20 bis 24 Stunden zu bewältigen und dabei das Futter in Kürze effizient bis zu einem maximalen Trockenmassegehalt von 40% anzuwelken. Die Schlagkraft der Technik steht hierzu prinzipiell zur Verfügung. Es kommt jedoch darauf an, diese Kapazitäten zu nutzen. Das kann beispielsweise dadurch geschehen, dass bereits die Mahd und das Schwaden in Auftrag gegeben werden oder die Schlagkraft durch Nachbarschaftshilfe erhöht wird. Je nach Witterungssituation, Sonnenscheinintensität und der daraus resultierenden Geschwindigkeit des Anwelkens sind ggf. Wendevorgänge flexibler zu gestalten. Dies gilt insbesondere bei geringen Aufwuchsmengen. In diesem Fall muss man auch hinterfragen, ob der Einsatz eines Aufbereiters sinnvoll ist. 

Auf hohe Lagerungsdichte achten
Die Verdichtungsarbeit des Futterstapels stellt in vielen Betrieben eine Schwachstelle dar. Die Ursachen dafür sind vielfältiger Natur. Zum einen steht der hohen Schlagkraft auf dem Feld oftmals nicht eine adäquate Walzkapazität gegenüber. 
Zum anderen wurde die Silogeometrie häufig noch nicht an die Zunahme von Betriebsflächen angepasst. So fällt der Futterstapel bei begrenztem Siloraum häufig zu kurz aus. Auch bei Nutzung eines schweren Walzschleppers kann eine gute Verdichtungsarbeit nur gewährleistet werden, wenn die zu verfestigende Futterschichtdicke von 20 cm nicht überschritten wird und eine ununterbrochenes Festfahren des Futters erfolgt. Im Kasten unten wurde daher zusammenfassend dargestellt, welche Grundregeln wichtig für eine hohe Lagerungsdichte des Siliergutes sind.
Neben der Leistung des Walzschleppers wird der Verdichtungsgrad des Futterstapels auch durch die Beschaffenheit des Siliergutes selbst beeinflusst. Hierbei sind die Schnittlänge, der Trockenmasse- sowie der Rohfasergehalt von Bedeutung. Für Gras sollte eine theoretische Schnitt- oder Häcksellänge von 4 bis 6 cm gewählt werden. Je trockener und rohfaserreicher das Futter ist, desto höher sind die Anforderungen an eine gute Zerkleinerung des Futters. Neben einer Verbesserung der Lagerungsdichte sind die Vorteile von kurzem Schnittgut auch in einem raschen Gärungsbeginn zu sehen, da die Mikroorganismen leichten Zugang zu den Zellinhaltsstoffen haben. Je schneller bei der Silierung ein tiefer pH-Wert erreicht wird, desto geringer sind die Nährstoff- und Trockenmasseverluste.
Das Welkgut tendenziell früher von der Fläche zu holen, damit das zum Schluss geworbene Futter den TM-Gehalt von 40 % nicht übersteigt, kann eine weitere lohnenswerte Maßnahme für die Verdichtungsarbeit auf dem Silo sein.

Sofortige Siloabdeckung
Das Silierverfahren ist erst dann beendet, wenn das Silo durch das Auflegen einer Unterzieh- und Silofolie abgeschlossen ist. Die Abdeckung muß unverzüglich nach dem Festwalzen erfolgen. Die Silokanten sind vollständig mit Sand- oder Kiessäcken auszulegen, so dass die Folie auch bei einer starken Gasbildung im geschlossenen Futterstapel fest verankert bleibt.
Wenn über die beiden Folien zusätzlich ein Siloschutzgitter gelegt wird, trägt es zum Schutz der Folien vor mechanischen Beschädigungen bei. Zudem haben sich Querriegel bewährt. Sie werden in Form von Silosandsäcken aller 4 bis 5 Meter über die Silobreite gelegt. Die Querriegel reduzieren bei kräftiger Gärgashaube ein zu starkes Flattern der Folie. Zudem verhindern die Querriegel das ganzflächige Hochflattern der Folie bei Siloöffnung. 
Sand- und Erdmaterial sind zur ganzflächigen Abdeckung des Silos durchaus als günstig zu betrachten, da es zur Beschwerung der gesamten Oberfläche beiträgt. Doch sind die aufgeführten Materialien im Allgemeinen mit einem höheren Arbeitsaufwand sowohl beim Aufbringen als auch beim Abtragen während des Verfütterungszeitraumes verbunden. 

Zusammenfassung
Die Produktion hochwertiger Grassilagen beginnt mit pflanzenbaulichen Maßnahmen, denn ein leistungsfähiger Grasbestand fördert die Siliereigenschaften des Erntegutes. Aber auch der richtige Schnittzeitpunkt und die Beherrschung der Siliertechnik sind wichtig, um überdurchschnittliche Silagequalitäten zu erzielen. 



Kasten 1: Wie die Verdichtungsarbeit verbessern? 
 
    schwere Walzschlepper für das Verdichten wählen (Radachslast von mindestens 2 t plus weitere Beschwerung des Schleppers) 
    langsam fahren (max. 3 bis 4 km/h), 
    für hohen Punktdruck der Walzschlepper sorgen (wenn möglich: Verzicht auf Zwillingsbereifung und Reifeninnendruck von 2 bar)
    für dünne Schichtdicke des Futters von unter 20 cm, besser noch 15 cm sorgen, durch:
•    entsprechende Silolänge (an Futtervorschub angepasste Silogeometrie)
•    Abstimmung der Erntekette auf Verdichtungsarbeit 
•    Walzschlepper mit Horizontalverteiler 
•    Erntewagen mit Dosierwalzen ausrüsten



 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 15.06.2021