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Grünlandreifeprüfung - 4. Mitteilung

Die nächsten Tage sind für das Ackergras entscheidend, denn der Endspurt zur Silierreife ist mit den wüchsigen Bedingungen gegeben. Das Grünland profitierte von den Niederschlägen und die Entwicklung schreitet mit beachtlichem Tempo voran.

Ackergras – Silierung startklar machen  

Dauergrünlandbestände – Entwicklung kommt gut voran

Die erste Maiwoche war immer noch zu kalt und bremste die Reifeentwicklung der Gräser weiterhin aus. Die stürmische Wetterlage brachte aber immerhin zum Teil sehr heftige und reichliche Niederschläge, welche dringend notwendig und sehr willkommen waren. Mit unserer Reifeprüfung werden auf Praxisflächen wöchentlich Aufwuchsproben von ausgewählten Ackergras- und Grünlandflächen genommen. Die Beprobung erfolgte am 04. Mai.

Stand der Feldgrasbestände

Zunächst ist der Blick auf das Ackergras von Interesse, denn hier ist die Entwicklung naturgemäß weiter als auf dem Grünland. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Entwicklung aller bisherigen Untersuchungen der Ackergrasbestände. Daraus wird deutlich, dass der Massezugewinn in den Regionen Hannover-Braunschweig, Weser-Leine-Bergland und Westliches Niedersachsen nur verhalten vorangekommen ist. Nahezu unverändert waren die Befunde am Untersuchungsstandort an der Küste. Das betraf hier nicht nur den Ertrag, sondern auch den Rohfasergehalt. Im Allgemeinen zeichnet sich im Rohfasergehalt ein eindeutiger Trend in Form einer allmählichen, aber noch geringen Zunahme ab. Für die Festlegung des Erntetermines wird es vor allem dann interessant, wenn sich der Rohfasergehalt auf die 20 % zubewegt. Dann kann die Entwicklung sehr schnell voranschreiten, insbesondere bei sprunghaftem Temperaturanstieg. Die Ertragserhebungen der zurückliegenden Woche im Vergleich zu den Vorwochen zeigt Tabelle 2 als Zusammenfassung für die jeweiligen Klimaregionen. Der lange Entwicklungszeitraum unter recht kühlen Bedingungen vom Vegetationsbeginn bis Mai wirkte sich auf die Triebkraft des Ackergrases sowie die Massenbildung förderlich aus. Nunmehr sind die Bestände sehr massereich.  Viel Ertrag bedeutet auch, dass es im gewissen Sinne zu einem Verdünnungseffekt des Rohproteingehaltes kommen kann. Das erklärt die recht geringen Rohproteingehalte. Hinzu kommt, darauf wurde in der Vorwoche bereits hingewiesen, dass die Mineralisierung von Stickstoff in den noch kühlen Böden immer noch verhaltenen ist. Stattdessen ist weiterhin viel Zucker in den aktuell untersuchten Ackergräsern zu finden.  Das ist prinzipiell gut für die Silierung.

Prognostizierte Entwicklung des Ackergrases

Tabelle 2 zeigt nicht nur die Entwicklung der Ackergrasbestände über den Zeitraum der letzten Wochen, sondern auch die vom Deutschen Wetterdienst prognostizierten Entwicklungsdaten bis zum Donnerstag, 13. Mai (Himmelfahrt).

Durch kurzzeitig sommerliche Temperaturen werden hohe Ertragszunahmen prognostiziert. Je nach Region gehen diese deutlich über 10 dt TM/ha hinaus. Für unsere Beprobungsflächen sind damit Ertragsleistungen zwischen 57,6 (Küste) bis 64,5 dt TM/ha im Westlichen Niedersachsen zu erwarten. Es wird nun auch zu einer deutlichen Zunahme des Rohfasergehaltes mit Werten oberhalb von 20 % XF i.d. TM kommen. Damit sollten die letzten Vorbereitungen für die Mahd zum Abschluss kommen und der rechte Zeitpunkt der Silierung genutzt werden.

Berücksichtigen Sie, dass wir mit unseren Beprobungsflächen nur einen geringen Flächenanteil von Niedersachsen im Blick haben. Das Wachstum des Ackergrases unterliegt vielfältigen Einflussfaktoren. Die Entwicklung fällt je nach Region, Standort, Saattermin, Sortenzusammensetzung der Mischungen sowie der Düngung unterschiedlich aus. So kann der optimale Schnittzeitpunkt auf Einzelflächen bereits Ende der Woche oder etwas später erreicht sein. Regelmäßig und günstigenfalls täglich die Bestände zu beobachten, macht Sinn, wenn das Augenmerk gezielt auf hohe Futterwertqualitäten liegt.

Futterroggen

Der als Vergleich zum Welschen Weidelgras exemplarisch beprobte Futterroggen im Landkreis Diepholz erreichte mit 73 dt TM/ha einen sehr hohen Ertrag. Trotz des hohen Rohfasergehalts von 31 % i.d.TM wurde ihm noch ein beachtlich guter Energiewert bescheinigt, wohl als Folge von hohen Zuckergehalten (18 % i.d.TM).  Trotz einer Bestandshöhe von etwa 1 Meter und der stürmischen Witterung erwies sich die gewählte Sorte als sehr standfest. Die Ernte erfolgte nunmehr am 08. Mai.  

Entwicklungsstand des Grünlandes  

Die Untersuchungsergebnisse der 16 Grünlandflächen in Niedersachsen vom 04. Mai sind Tabelle 3 zu entnehmen. Demzufolge wurden im nördlichen Niedersachsen teilweise sehr niedrige Erträge unter 22 dt TM/ha auf den humosen Sandböden (14,5 dt TM/ha im Landkreis Rotenburg und 18,5 dt TM/ha im Landkreis Cuxhaven) ermittelt.  Der Marschstandort in Wischhafen (Landkreis Stade) erzielte in dieser Region bereits 28,5 dt TM/ha und auf dem Hochmoor wurden 24,2 dt TM erreicht. In den anderen Klimaregionen lagen die Erträge der Grünlandbestände auf den humosen Sandstandorten mehrheitlich unter 20 dt TM/ha; während die Marsch- und Moorböden Ertragsergebnisse deutlich über 22 bis 27,5 dt TM/ha erreichten.

Eine Zusammenfassung dieser Werte für die jeweiligen Klimaregionen sowie das prognostizierte Wachstum gehen aus Tabelle 4 hervor. Anders als beim Ackergras konnte auf dem Grünland ein akzeptabler Wachstumsschub beobachtet werden. Lagen die Erträge im Durchschnitt aller Untersuchungsflächen am 20. April noch bei 13 dt TM/ha, so wurde mit der Beprobung vom 04. Mai ein Ertrag von 24 dt TM/ha im Mittel der sechs Klimaregionen ermittelt.  Das wirkte sich auch auf die Aufwuchshöhe aus, die von 13 cm auf knapp 22 cm anstieg. Die höchsten Erträge wurden auf den beiden Standorten in der Klimaregion Weser-Leine Bergland ermittelt, gefolgt von der nordöstlichen Region. In beiden Regionen geht der Trend bereits in Richtung 30 dt TM/ha, während die Erträge der anderen Klimaregionen im Durchschnitt Werte zwischen 20,2 und 23,6 dt TM/ha  erreichten.

Dass das Graswachstum auf dem Grünland nun Fahrt aufnimmt, ist auch gut im Rohfasergehalt zu erkennen. Der Durchschnittswert von allen Flächen lag am 04. Mai bei  17,1 % i.d. TM und  in der Vorwoche noch bei 15,4 % i.d. TM.

Die Grünlandbestände im westlichen Niedersachsen sind hierbei in einem jüngeren Stadium im Vergleich zu den Untersuchungsstandorten  im Weser-Leine Bergland. Für alle anderen Klimaregionen wurde ein recht vergleichbares Niveau mit einer Spannbreite zwischen 16,8 und 17,9 % i.d. TM ermittelt.

Prognostizierte Entwicklung des Grünlandes

Der Rohfasergehalt ist ein entscheidendes Kriterium für die Schnittreife. Wie aus den aktuellen Untersuchungen hervorgeht, kommt die Entwicklung auf dem Grünland nach den Niederschlägen nun sehr gut voran. Wer seine Flächen in den letzten Tagen genauer in Augenschein genommen hat, konnte das auch selbst gut beobachten. Das Grünland wirkt vitaler, das Grün ist intensiver geworden und macht deutlich, dass die Gräser jetzt auch von den Düngungsmaßnahmen profitieren. Neuansaaten sind bereits sehr weit entwickelt und auf einigen Flächen ist der Stress frostig kühler Nächte zu erkennen. Das wird sich aber wohl im nächsten Zeitraum egalisieren, denn gemäß der Prognose des DWD werden sehr gute Wuchsbedingungen proklamiert (Tabelle 4). Sowohl im Wachstum als auch in der Rohfaserzunahme kommt die Entwicklung auf dem Grünland gut voran. Bei sehr hohen Temperaturen und erneut trockenen Bedingungen kann sich die Schnittreife nunmehr sehr schnell einstellen. Nach der Prognose des DWD werden bereits für den 13. Mai auf unseren Untersuchungsflächen Rohfasergehalte im Bereich von 19% bis sogar 21% XF erwartet. Bei der vom DWD kalkulierten, täglichen Rohfaserzunahme um 0,3% XF wäre dann mit dem Erreichen der frühen Siloreife in der 20. Kalenderwoche (17. bis 23. Mai) zu rechnen. Im Rahmen unserer Erhebungen fällt aber auch auf, dass es in der Bestandesentwicklung auf dem Grünland eine sehr große Streubreite gibt. Unsere Untersuchungsflächen werden intensiv genutzt und leistungsfähige Grasbestände sind Voraussetzungen für die Erhebung. In der Praxis muss beim Mahdtermin häufig ein Kompromiss gefunden werden, um den unterschiedlichen Entwicklungsstand der einzelnen Schläge gerecht zu werden.

Hierbei ist die Bestandeszusammensetzung als auch der Standort und Düngungsintensität ins Kalkül zu ziehen. So werden Grasbestände mit einem hohen Anteil an Obergräsern wie beispielsweise Fuchsschwanz, Knaulgras und Lieschgras deutlich schneller an Rohfaser zunehmen als Grasbestände mit hohem Untergrasanteil wie dem Deutschen Weidelgras. Auf die Reifeentwicklung hat auch die Nutzungsintensität (extensiv und intensiv geführtes Grünland) und die Nutzungsweise (konventionell oder ökologische wirtschaftend) Einfluss. Vor dem Hintergrund wird sich die Erntezeit wohl auf den Zeitraum der 20. bis gar 22. Kalenderwoche fokussieren.

 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 10.05.2021



PDF: 35927 - 695.756835938 KB   GRP Tabellen 1-4 13.05.2021   - 696 KB