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Grünlandreifeprüfung - 5. Mitteilung

Das Ackergras kann, wenn noch nicht geschehen, geerntet werden. Auf der Zielgeraden zur Schnittreife befindet sich auch das Grünland, allen voran die Obergras reichen Grünlandbestände. Was bei der Schlechtwetterlage für die Silierung zudem berücksichtigen ist, lesen Sie nachfolgend.  

Ackergras und Grünland gemeinsam auf Zielgeraden?
Der Silierauftakt wird aktuell durch die Niederschläge ausgebremst. Die Großwetterlage ist weiterhin wechselhaft. Mit teilweise ergiebigen Niederschlägen ist immer wieder zu rechnen.  Sowohl beim Ackergras als auch bereits bei einigen Grünlandbeständen muss jetzt flexibel reagiert werden, um passende Bedingungen für die Ernte zu finden.
Stand der Feldgrasbestände
Noch einmal wurde für diese Berichtsserie das Ackergras in Niedersachsen untersucht. Allerdings hat sich die Standortzahl in der Zwischenzeit von 6 auf 4 reduziert, denn einige Beerntungen sind nun auch auf den Beprobungsflächen erfolgt. Die Ergebnisse vom 10. Mai zeigt Tabelle 1. Im Durchschnitt aller Untersuchungsflächen liegt der Rohfasergehalt bei 21 % i.d.TM. Die Schwankungsbreite erstreckt sich zwischen 19,1 % und 21,2 %. Demzufolge ist für das Welsche Weidelgras die frühe Silierreife erreicht und es kann allgemein grünes Licht für die Silierung gegeben werden. Die Bestände bringen guten Ertrag. Somit kommt es auch zu einem gewissen Verdünnungseffekt im Rohproteingehalt.  Die Werte zwischen 10,8 – 15,7 % XP i.d. TM sind als normal zu werten und günstig für die Silierung; zumal die Zuckergehalte immer noch auf hohem Niveau sind.  

Entwicklungsstand des Grünlandes  
Als eine Aufholjagd kann nunmehr die Entwicklung auf dem Grünland bezeichnet werden. Die vegetative Phase, also der Zeitraum der Blattmassebildung, erstreckte sich bis Mitte Mai. 
Erst jetzt ist die sogenannte Schossphase zu beobachten, welche mit der Ausbildung der Ähren beim Deutschen Weidelgras einhergeht. Damit kommen die Grünlandbestände nun auch im Rohfasergehalt voran, wie unsere Untersuchungen der 16 Praxisflächen vom 11. Mai zeigen (Tabelle 2). Vor allem im Raum Hannover-Braunschweig wiesen die beiden Untersuchungsflächen am 11. Mai bereits Rohfasergehalte von 20 % bzw. 21 % XF i.d. TM auf. Somit darf dort das Grünland als silierreif bezeichnet werden. Die ertragsstärkste Klimaregion war das Weser-Leine Bergland (2 Einzelstandorte) mit 39,1 dt TM/ha bei 20,4 % XF. Recht hohe Rohfaseranteile wurden trotz geringer Erträge bereits an zwei Standorten mit 22,5% XF (Neustadt, Region Hannover) bzw. 22,0% XF (Butjadingen, LK Wesermarsch) innerhalb der Klimaregionen Küste und Hannover-Braunschweig ermittelt. Beide Standorte weisen aber auch einen recht hohen Anteil an Obergräsern auf.  
Außer dem Weser-Leine Bergland waren die Erträge in allen anderen Regionen noch gering. In aller Regel lagen sie zum Untersuchungszeitpunkt unter 30 dt TM/ha. Diese Untersuchungsproben wiesen in aller Regel zugleich geringe Strukturanteile (19,5 – 21,0 % XF i.d.TM) auf. Die Rohproteingehalte (XP) nahmen weiterhin im Vergleich zur Vorwoche ab. Die Streubreite der Werte lag hier zwischen 15,7 % im westlichen Niedersachsen bis 20,7 % XP i.d.TM in der Küstenregion. 
Aber auch alle anderen Klimaregionen wiesen im Durchschnitt aller Untersuchungsflächen (Tabelle 3) bereits Rohfasergehalte auf, die an die 20 % herankamen. Es bewegt sich somit alles auf die frühe Silierreife zu. 
Ausreichende Rohfaserwerte lagen bei unseren Beprobungen dort vor, wo Wiesenfuchsschwanz oder sonstige früh reifende Obergräser wie Knaulgras, Wiesen- oder Rohrschwingel im Bestand vertreten waren. Dort, wo die Untergräser (Deutsches Weidelgras, Gemeine Rispe) auf unseren Untersuchungsflächen dominieren,  sind die Bestände für eine Mahd noch zu jung. Hier ist auch die Ertragsbildung noch ungenügend. 

Prognostizierte Entwicklung des Grünlandes
Gemäß der Prognose des Deutschen Wetterdienstes (Tabelle 3) bewegt sich die Entwicklung der Grünlandgräser bis zum 20. Mai auf die frühe Silierreife zu. 
Demzufolge werden nach dieser Prognose und auf Grundlage unserer Untersuchungsflächen bereits etwa 40 dt TM/ha im  westlichen Niedersachsen, über 50 dt TM/ha im Weser-Leine Bergland und mindestens 35 dt TM/ha in den anderen Klimaregionen erreicht. Damit ist mit einem guten Ertragsergebnis zu rechnen. Diesem Aspekt sollte für die Entscheidung der Mahd ein hoher Stellenwert eingeräumt werden. Aufgrund der mangelhaften Erträge der letzten Jahre gilt es, den Winterfuttervorrat wieder aufzubauen und Silagen mit guter Akzeptanz zu produzieren. 
Nach aktueller Wetterprognose werden sich wohl niederschlagsfreie Erntebedingungen ab dem Pfingstwochenende einstellen. Der Mahdschwerpunkt wird wohl in der Woche nach Pfingsten liegen. Die frühe Silierreife kann allerdings wohl an einigen Standorten Ende der 20. / Anfang der 21. Kalenderwoche bereits erreicht sein, vor allem bei Obergras reichen Grasbeständen. Allerdings sind die Erntebedingungen nicht optimal. Neben der Mahd zum  optimalen Schnittzeitfenster muss auch das Wetter für das Silieren passen und die Befahrbarkeit der Flächen gegeben sein. Tage ohne ergiebige Niederschläge und die Möglichkeiten für ausreichendes Anwelken des wasserreichen Erntemateriales sollten genutzt bzw. abgewartet werden. Beachten Sie daher auch die Hinweise im Kasten.

 


Witterungs- und Silierbedingungen für die Ernte müssen passen
Das Ährenschieben wird sich nun von Tag zu Tag deutlicher zeigen. Mit der aktuellen Niederschlagstätigkeit und den milden Temperaturen kommt das Gras nun rasch in die generative Phase. In dem Entwicklungsprozess verändern sich zugleich die Inhaltsstoffe. Während zunehmend Rohfaser eingelagert wird, gehen die Gehalte an Rohprotein und Energie allmählich zurück. Vor dem Hintergrund kann die Empfehlung im Allgemeinen nur lauten, gute Wetter- und Silierbedingungen für die Ernte zu nutzen.
Doch wie soll man sich entscheiden, wenn das Wetter seit geraumer Zeit nicht günstig ist? Der Regen in den zurückliegenden Tagen ist zwar für viele unserer Kulturpflanzen zu begrüßen, doch für die aktuelle Grasernte eher eine missliche Situation.
Dort, wo die Böden noch zu nass sind, würde eine unverzügliche Mahd nicht nur dem Boden schaden, sondern letztendlich auch der Gärqualität. Auf nassem Untergrund gelingt kein Anwelken; noch dazu, wenn es an Sonnenstunden mangelt. Das Risiko für fehlvergorene Silagen ist zu groß und hat eine mangelhafte Futteraufnahme zur Folge. Es sollte dann eher auf eine bessere Wetterlage gewartet werden, auch wenn das zu Lasten des Futterwertes geht oder, im Falle von Ackergras, sich die Saat des Maises noch weiter hinauszögert.
Ist die Wetterlage instabil, der Oberboden aber trocken und generell befahrbar, kann das Silieren schon eher ins Kalkül gezogen werden. Wichtig wäre es, dass für mindestens 24, besser noch 36 Stunden kein Niederschlag fällt, der Grasbestand zu Mahdbeginn weitestgehend abgetrocknet und alles für einen effizienten Anwelkprozess in Vorbereitung ist. Hilfreich sind hierbei eine unmittelbare Breitverteilung des gemähten Futters sowie der Einsatz des Aufbereiters. Auch ein Silieren in Etappen kann ins Kalkül genommen werden, um die Schlagkraft auf das zu konzentrieren, was dringend zuerst gemäht werden muss.
Wo ein Anwelken auf TM-Gehalte nur unzureichend gelingt, kann die Gärung mit Siliermitteln unterstützt werden. Bei TM-Gehalten unterhalb von 25 % sind Siliermittel der Wirkungsrichtung 1a (chemische Produkte) anzuwenden. 
Prinzipiell ist das Gras gemäß unseren Untersuchungen zuckerreich. Damit sind für biologische Produkte gute Wirkungschancen auch im schwach angewelktem Siliergut (TM-Gehalt oberhalb von 25 %) gegeben. Wichtig ist, dass sie ausschließlich homofermentative Impfkulturen wählen, zumindest aber ein DLG-Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 1b gegeben ist. 
Wird ein Anwelkgrad des Siliergutes mit TM-Gehalten ≥ 30 % nicht erreicht, ist mit Sickersaftanfall und mit einer kräftigen Gärgashaube zu rechnen. Zur guten fachlichen Praxis gehört es, den Sickersaft ordnungsgemäß entweder in Sickersaftgruben oder in Güllebehälter einzuleiten.  Sind diese Möglichkeiten nicht gegeben, so nutzen Sie zum Auffangen des Sickersaftes absorbierende Materialien wie zum Beispiel Häckselstroh, Trockenschnitzel oder gequetschtes Getreide. 
Das feuchte Siliergut wird intensiv und kräftig silieren. Mit einer starken Gärgashaube kann innerhalb von wenigen Stunden gerechnet werden. Deshalb ist die Folienabdeckung nicht nur unverzüglich aufzubringen, sondern zugleich für ein engmaschiges Auskleiden der Silokanten zu sorgen. Gleichfalls hat sich das Aufbringen von Querriegeln in Form von Kiessäcken aller 4 bis 5 Meter neben dem Siloschutznetz bewährt.


 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 17.05.2021



PDF: 35969 - 331.099609375 KB   Tabellen 1-3 GRP 20-05-2021   - 331 KB