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Grünlandreifeprüfung - 6. Mitteilung

Die Grünlandbestände haben die Silierreife erreicht. Vereinzelt wurden Grünlandflächen bereits geerntet. Die Schlechtwetterphase zwingt nun dazu, die Silierarbeit vorerst zu vertagen. Ob nun auf Masse bei Ernte unter Schönwetterbedingungen oder doch auf Klasse bei Mahd mit Regenrisiken gesetzt werden soll, lesen Sie nachfolgend. 

Grünland – auf Ertrag ausrichten?

Zum Stand der Feldgrasbestände
Die Situation zur Mahd des Ackergrases stellt sich unterschiedlich dar. Vor allem auf den leichten Standorten wurden die Bestände bereits geerntet. Nicht alle hatten dabei das Glück, kurze regenfreie Wetterphasen nutzen zu können, wie beispielsweise den Zeitraum zwischen Christi Himmelfahrt und Wochenende. Die aktuellen Witterungsbedingungen waren und sind für ein ausreichendes Anwelken des massereichen Gutes unsicher. Das zeigt auch die Sickersaftbildung bei einem Teil der bislang gefüllten Silos. Die nassen Silagen müssen nicht zwangsläufig von schlechter Gärqualität sein. Hier ist der Laborbefund nach mindestens 4-wöchiger Reifezeit der Silage abzuwarten. 
Dort, wo sowohl die Flächenbefahrbarkeit als auch die Anwelkbedingungen seit geraumer Zeit nicht gegeben waren, muss die Ernte weiterhin vertagt werden. 
Die Mahd des ersten Grünlandschnittes steht vor einer vergleichbaren Situation. 

Entwicklungsstand des Grünlandes  
In Tabelle 1 sind die Untersuchungsdaten aller Einzelflächen vom 19. Mai aufgeführt. Der besondere Schwerpunkt gilt hier dem Rohfasergehalt. Die Werte liegen zwischen 22,2 bis 26,9 % XF i.d.TM. Damit ist eindeutig das optimale Erntezeitfenster erreicht und in einem Fall gar deutlich überschritten. Der höchste Rohfaserwert wurde in der Region Hannover Braunschweig eines Grasbestandes mit Rohrschwingel ermittelt. Der Rohrschwingel  befand sich in der zweiten Maidekade bereits in der Schossphase. Er hat sich nun deutlich schneller entwickelt als das später reifende Weidelgras im selben Bestand. Dieses Beispiel verdeutlicht damit, dass die Reife des Grünlandes von vielen Faktoren beeinflusst wird.
Im Vergleich zur Vorwoche nahm der Ertrag im Durchschnitt der 16 Praxisflächen um 8 dt TM/ha zu. Es bestand hier allerdings eine recht große Streubreite. Erwartungsgemäß war die Ertragszunahme dort am größten, wo bislang der Grasbestand noch nicht sehr weit entwickelt war. 
Die Rohproteingehalte hatten am 19. Mai auf den 16 Untersuchungsflächen mit 16 % XP i.d. TM exakt den Zielwert für Grassilagen erreicht. Hier war nur ein leichter Rückgang im Vergleich zur Vorwoche zu verzeichnen. Hingegen kam es zu einer deutlichen Abnahme im Zuckergehalt der Grasbestände. Dennoch: das Niveau wies am 19. Mai noch Gehaltswerte zwischen 9,8 % und 19,5 % auf, was für die Silierung als weiterhin günstig zu werten ist.

Prognostizierte Entwicklung des Grünlandes
Tabelle 2 zeigt sowohl die Reifeentwicklung der Grünlandbestände für die Klimaregionen im Verlauf der letzten fünf Wochen als auch das vom Deutschen Wetterdienst prognostizierte Wachstum. Demzufolge ist mit einer ertragreichen Grasernte zu rechnen. Gemäß den Prognosedaten des Deutschen Wetterdienstes erreichen die von uns untersuchten Grünlandbestände im Weser-Leine Bergland in der letzten Maiwoche Erträge um die 60 dt TM/ha. Für alle  anderen Untersuchungsflächen werden Erträge oberhalb von 40 dt (41 bis 46,1 dt TM/ha) prognostiziert. Erwartungsgemäß steigen die Rohfasergehalte weiter an. Mit Werten um die 25 % XF i.d. TM wird um den 27. Mai in etwa der obere Bereich der optimalen Schnittzeitspanne erreicht sein. Noch fallen die Energiegehalte nicht zu stark ab. Die Grundfutterqualitäten sind auf Weidelgras betontem Dauergrünland auch nach Pfingsten durchaus noch zufriedenstellend. 
Somit sprechen sowohl die Fakten der Untersuchungsergebnisse als auch die Prognose für die Woche nach Pfingsten für eine Mahd des Grünlandaufwuchses. Sind Untergräser und Weißklee im Bestand mit nennenswerten Anteilen präsent, darf eine gewisse Nutzungselastizität einkalkuliert werden. Doch auch hier wird der Spielraum mit jedem weiteren Tag in Richtung Juni geringer und die Bestände überständiger.   

Masse statt Klasse?
Was aber tun, wenn die Wetterbedingungen absolut nicht passen, das Anwelken nicht gelingen kann und die Flächen zu einem Teil nicht befahrbar sind? 
Bei Nässe zu ernten, ist nicht zielführend. Aus Sicht der Grassilagequalität besteht die Gefahr von Fehlgärungen, schlechter Futterakzeptanz sowie hohen Gär- sowie Sickersaftverlusten. Aus dem Blickwinkel des Grünlandes muss bei Erntebedingungen unter fragwürdigen Umständen mit langwierigen Schäden gerechnet werden.  Fahrspuren führen zu Narbenlücken, unerwünschten Pflanzenbestandesveränderungen und Bodenverdichtungen.
Da die Grundfuttersituation in den vergangenen zwei bis drei Jahren sehr angespannt war und nach extremen Mäuseschäden viele Grünlandflächen frisch hergerichtet sind, ist es jetzt umso wichtiger, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und notfalls Kompromisse in Sachen Futterqualität einzugehen. Bislang ist es bei anhaltender Schlechtwetterlage für den ersten Grasaufwuchs ratsamer, die Silos dann eher mit Masse unter guten Anwelkbedingungen zu füllen und dabei Einbußen im Futterwert der Silagen in Kauf zu nehmen.  Was bei der Silierung im Falle von Altgrasbeständen zu beachten ist, kann dem Kasten entnommen werden. 
Mit diesem Bericht endet die Untersuchungsserie der Grünlandreifeprüfung. Wir wünschen allen Futterbauern, dass sich die Wetterlage rasch ändert und damit ein sicheres Silieren gelingen kann. 


Altgrasbestände silieren – worauf zu achten ist
Viel Masse ist auf dem Grünland herangewachsen. Einige Bestände sind bereits ins Lager gegangen. Die unteren Blattetagen des Grases sind seit einiger Zeit dem Stress von Licht- und Luftmangel ausgesetzt.  Das Vergilben der Pflanzenteile ist ein Indiz dafür. Derartige Bestände weisen vor dem Hintergrund auch einen ungünstigen Keimbesatz auf. Hinzu kommt, dass es sich bei Altgrasbeständen um sehr Rohfaser reiches Futter handelt. Achten Sie bei der Mahd zunächst auf eine Schnitthöhe von mindestens 7 cm. Damit wird nicht nur der Wiederaustrieb des zweiten Grasaufwuchses gefördert, sondern zugleich der Schmutzanteil des Futters reduziert. Eine möglichst kurze Feldliegezeit und damit ein effizientes Anwelken unter Schönwetterbedingungen mindern die Blatt- und Atmungsverluste auf dem Feld und sichern zu einem Teil die Gärqualität. Damit die Verdichtungsarbeit auf dem Silo gut gelingen kann, ist für kurze Häcksel- bzw. Schnittlängen zu sorgen. Aufgrund der hohen Strukturanteile des Futters sind theoretische Schnittlängen von 3 bis 4 cm oder kürzer von Vorteil. Legen Sie das Silo von Anfang so an, dass ein hinreichender Futtervorschub während der Verfütterungsphase gegeben ist, denn Altgrassilagen neigen bevorzugt zu Nacherwärmungen und Verpilzungen. Silierzusätze in der Wirkungsrichtung 2 (Verbesserung der aeroben Stabilität) verzögern Verderbprozesse dieser Art und dienen damit der Risikoabsicherung. Eine Verschlussphase des Silos von mindestens 8 Wochen bei sorgfältiger Siloabdeckung kann hilfreich sein,  um Schimmelpilze durch die Kohlendioxidbildung nachhaltiger zu unterbinden. Stören Sie daher nicht die Gärgashaube, denn sie ist sowohl für die Silierung als auch die Keimhemmung wichtig. 


 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 23.05.2021