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Rundballenbereitung – das Gärheu in kleinen Packungen

Gras mit guter Qualität in Rundballen zu konservieren, erfordert ein Anwelken oberhalb von 40 %, eine entsprechende Zerkleinerung des Materiales, hinreichende Lagerungsdichten und ein luftdichtes Einwickeln. Worauf beim Silierverfahren zu achten ist, damit jeder Ballen haltbar bleibt, wird nachfolgend beschrieben. 

Vor- und Nachteile des Verfahrens

Ob Grasaufwüchse vorzugsweise in Fahrsilos geborgen oder mittels Rundballenbereitung siliert werden, ist nicht nur einzelbetrieblich, sondern auch situationsbezogen abzuwägen. 

Die Vorteile der Rundballenbereitung kommen dort zum Tragen, wenn es gilt, kleinere Erntemengen zu bergen. Daher wird diese Siliertechnik im Allgemeinen für die Mahd von Sommeraufwüchsen mit geringeren Erntemengen eingesetzt. Darüber hinaus lassen sich mit dem Verfahren aber auch Grasbestände gezielt, je nach ihrer Reifeentwicklung, ernten. Somit kann theoretisch auf den Punkt genau, je nach Pflanzenbestand, ein Optimum an Futterqualität erzeugt werden. Das setzt aber zugleich gute Ernte- bzw. Witterungsbedingungen voraus.

Im Vergleich zum Häcksler oder Ladewagen ist die Rundballenbereitung das Verfahren mit der geringsten Flächenleistung, zudem zeit- und kostenintensiv. Kurzfristig kann durch die Rundballenbereitung die Investition in teure Siloanlagen vertagt werden, aber für die Lagerung der Ballen bedarf es gleichfalls ausreichend Platz. Zudem ist der Folienbedarf bei der Rundballenbereitung größer als bei Silagebereitung in Fahrsilos, was es auch für die spätere Entsorgung zu berücksichtigen gilt. Im gewissen Sinne, ist das Silieren in Rundballen witterungsabhängiger, denn es wird ein höherer Anwelkgrad im Vergleich zu den in Fahrsilos geborgenen Silagen gefordert. Gelingt das Anwelken nicht, muss der aus den Rundballen austretende Sickersaft genauso wie bei Fahrsiloanlagen ordnungsgemäß aufgefangen werden. Zu bedenken ist des Weiteren, dass die Silagequalitäten jedes Rundballens etwas unterschiedlich sind und demzufolge es kein so homogenes Gärfutter darstellt wie Silagen aus Fahrsiloanlagen.

Konservierungsverfahren auf drei Säulen

Im Allgemeinen gelten bei der Rundballenbereitung die gleichen pflanzenbaulichen und siliertechnischen Anforderungen wie bei der Silierung im Fahrsilo:

Ein gut gepflegter und schmutzarm geernteter Pflanzenbestand ist neben dem richtigen Schnittzeitpunkt maßgebend für  den Nährstoff- und Energiegehalt des Futters sowie für die Gärqualität. Das rasche Anwelken, zügige Bergen und die sorgfältige, luftdichte Siloabdeckung gehören zu weiteren wesentlichen Maßnahmen, die den Siliererfolg bestimmen.

Das Verfahren der Rundballenbereitung zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. So wird die Verdichtungsarbeit ausschließlich durch den Pressdruck bestimmt. Die Herstellung von kompakten und formstabilen Ballen gelingt bei Trockenmassegehalten von 40 bis 50 % am besten. In diesem Anwelkbereich siliert das Futter jedoch nur noch schwach. Die geringe Säurebildung trägt deshalb nur noch im geringen Maße zur Konservierung bei. Um mikrobielle Aktivitäten hinreichend zu unterbinden, bedarf es dem oben aufgeführten, relativ hohen Anwelkgrad. Dem gleichmäßigen Anwelken des Futters ist deshalb entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Häufig sind für den Verderb von Rundballen Verschimmelungsprozesse verantwortlich. Um den Stoffwechsel von Schimmelpilzen  hinreichend zu unterbinden, hat auch die Kohlendioxidbildung im Ballen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Nach dem Einwickeln der Rundballen in Folie wird das Kohlendioxid vorrangig durch Atmungsprozesse gebildet. Je länger das Gas im Ballen verbleibt und kein Sauerstoff durch Beschädigungen eindringen kann, desto wirksamer lassen sich auch die besonders hartnäckigen Schimmelpilzarten unterdrücken.

Insofern beruht die Konservierung des Grases im Rundballen auf drei Säulen: der Trocknung, der Kohlendioxidbildung und der Säuerung. Mit siliertechnischen Maßnahmen und dem entsprechenden Augenmerk bei der Lagerung ist es möglich, unterstützend auf eine möglichst verlustarme Rundballenbereitung einzuwirken.

Hohe Lagerungsdichte anstreben

Sind Rundballen kompakt und formstabil, so ist dies ein erster Hinweis für eine hohe Lagerungsdichte. Mit hohen Lagerungsdichten lassen sich der Folienverbrauch, die Anzahl der Ballen und letztendlich auch die Kosten senken. Es lohnt sich demzufolge, auf diese Stellschraube bewusst Einfluss zu nehmen, zumal es sich auch förderlich auf die Qualität auswirkt.

Eine Lagerungsdichte zwischen 150 und 170 kg TM/m³ wird zum einen, wie oben beschrieben, durch das entsprechende Anwelken erreicht. Zum anderen erhöht das Zerkleinern des Futters den Verdichtungsgrad nachweislich um 6 bis 12 %. Für eine gute Arbeit der Rundballenpresse ist des Weiteren ein gleichmäßiger Gutstrom von der Pick-up bis zum Presskanal wichtig. Dies setzt entsprechende Schwadgrößen voraus, welche gleichmäßig und in voller Breite von der Pick up aufgenommen werden können. Massereiche Schwade lassen sich durch den Einsatz der Großschwadertechnik trotz der ertragsschwachen Sommergrasbestände herstellen. Auch mit der Wahl des Pressentypes kann die Lagerungsdichte beeinflusst werden. Mit Vario-Pressen (Pressen mit veränderlicher Wickelraumgröße) wird das Futter durch umlaufende Bänder oder Stabketten kontinuierlich gepresst. Dadurch zeichnet sich diese Pressmethode durch eine bessere Verdichtung im Ballenkern sowie durch eine gleichmäßigere Dichtlagerung des gesamten Ballens aus. Bei  Konstantkammerpressen (Pressen mit konstanter Wickelraumgröße) erfolgt die eigentliche Pressarbeit erst zum Schluss. Damit sind die Außenflächen kompakter, der Kern hingegen lockerer.

Das Bindungsverfahren beeinflusst gleichfalls die Verdichtungsarbeit. Hierbei haben sich vor allem die Netz- aber auch die Folienbindung gegenüber der Kunststoffgarnbindung bewährt, da sie den gesamten Ballen einhüllen und damit dem erneuten Ausdehnen des Futters ein erster Einhalt geboten wird.

Tipps für einen sicheren Luftabschluss

Ein sicherer Luftabschluß ist für das Einsetzen der Gärprozesse als auch für das hinreichende Ausschalten von Schimmelpilzen und anderen Störkeimen wichtig.

Neben den oben aufgeführten Maßnahmen ist der Zeitraum vom Herstellen bis zum Einwickeln des Ballens, die Güte der Stretchfolie sowie die Anzahl der Folienlagen entscheidend für anaerobe Bedingungen.

Rundballen können sich nach dem Pressen und Binden in aller Regel wieder etwas ausdehnen. Damit besteht das Risiko, dass erneut Luft in tiefere Futterschichten eindringen kann. Daher sollten die Ballen möglichst unmittelbar nach der Ballenherstellung eingestretcht werden. Die passende Technik steht mit Press-Wickelkombinationen zur Verfügung. Wo das Ballenpressen und Wickeln jeweils separate Verfahren sind, sollten die Ballen möglichst zügig zum Lagerort gebracht werden, um sie dort innerhalb von 2 Stunden nach dem Pressen mit der Stretchfolie einzuwickeln. Je nach Lagerungsort der Ballen ist hierfür eine entsprechend durchdachte Logistik erforderlich. 

Qualitativ hochwertige Stretchfolien zeichnen sich durch eine hohe UV-Stabilität, eine geringe Gasdurchlässigkeit sowie durch einen hohen Klebeeffekt aus. Achten Sie vor dem Kauf auf wesentliche Eigenschaften oder nutzen Sie gezielt DLG-geprüfte Ware. Einige  Hersteller bieten zudem von vornherein Stretchfolien mit einer mindestens einjährigen UV-Stabilität an. Vorsicht ist vor dem Gebrauch von überlagerten Folien geboten, denn diese weisen meistens eine verminderte UV-Stabilität als auch reduzierte Klebeeigenschaften auf.

Für das Einhüllen der Rundballen mit Stretchfolie werden eine 50-ige Überlappung sowie eine 6-fache Folienlage empfohlen. Die Anzahl der Folienlagen hat Einfluss auf die Gasdurchlässigkeit und damit auf den Besatz an Störkeimen. Insofern sollte man hier nicht am falschen Ende sparen und notfalls bei sehr sperrigem, überständigem Futter eine 8-fache Umwickelung anstreben.

Weiße Folie hat gegenüber dunkler Folie den Vorteil, dass sie das Sonnenlicht reflektiert und sich somit die Randschichten nicht übermäßig erwärmen. Ein zu starkes Aufwärmen des Futters kann ansonsten zur Bildung von Verdunstungs- bzw. Kondensationswasser führen. In einigen Fällen ist dieser Vorgang Ursache für das Verpilzen der Außenschichten.

Tipps zur richtigen Lagerung

Die mit Stretchfolie eingewickelten Rundballen sind sehr beschädigungsempfindlich. So kann die Folienhülle beim Auf- und Abladen sowie bei jedem Umsetzen Schaden nehmen.  Auch die kleinsten Löcher und Risse in der Folie stellen Eintrittspforten für Luft dar und sind Ausgangspunkt für das Verschimmeln und Warmwerden des Futters.

Die Stirnseite der Rundballen enthält durch das Wickeln die meisten Folienschichten und bietet daher den größten Schutz. Insofern sind Rundballen wie Fässer aufzustellen. Schäden durch Nagetiere oder Vögel lassen sich verhindern, wenn man die Rundballen auf festen Untergrund stellt und diese zusätzlich mit einem Schutznetz abdeckt.

Die Sauerstoffdurchlässigkeit der Folie steigt im Allgemeinen mit der Temperatur.  Gewisse Austauschvorgänge sind hierbei normal und nicht beeinflussbar. Die Gasdurchlässigkeit kann dennoch bei hoher Anzahl der Folienschichten und qualitativ hochwertigen Folien gering gehalten werden. Es empfiehlt sich des Weiteren, die Rundballen an einem schattigen Ort zu lagern. 

Eine regelmäßige Kontrolle der Ballen und das sofortige Verschließen der festgestellten Löcher tragen zum Qualitätserhalt des Futters bei.

Die Herstellung von Ballensilagen für die Pferdefütterung erfordert häufig noch weitere, verderbschützende Maßnahmen, da das Futter meist sehr spät geschnitten wird. Die harten Stängel  durchstechen rasch die dünne Folienschicht, zumal Pferdehalter oftmals gänzlich auf den Messereinsatz der Pressen verzichten. Was es zu beachten gilt, um Verderbprozesse zu begrenzen und den notwendigen, hygienischen Ansprüchen gerecht zu werden, ist im Kasten zusammenfassend beschrieben.

 


Besonderheiten für die Bereitung von Heulageballen (Gärheu) für Pferde

Wenn das Silierverfahren perfekt gehandhabt wird, ist die in Rundballen gelagerte Heulage im Vergleich zum Heu deutlich staubärmer.

Folgende Besonderheiten gilt es zu beachten:

1. Das Erntegut ist in aller Regel überständig und lässt sich daher schwerer verdichten. Zudem ist der Keimbesatz von älterem Futter oftmals ungünstig.          

Gegenmaßnahmen:

  • Extrem späten Schnitt (nach der Blüte) und Rohfasergehalte über 30 % vermeiden.
  • Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.
  • Siliergut zumindest so zerkleinern, dass Schnittlängen von unter 20 cm gesichert sind.
  • Rundballen mit mindestens 8-Folienlagen versehen.
  • Gegebenenfalls entsprechende Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 zusetzen.

2. Der Pflanzenbestand von Pferdewiesen und –weiden ist im Allgemeinen mit wenig hochwertigen Gräsern behaftet, was die Silierbarkeit des Futters beeinträchtigt                  

Gegenmaßnahmen:

  • Durch jährliche Nachsaaten und regelmäßige Grünlandpflege Einfluss auf die Grünlandnarbe und ihre Grasartenzusammensetzung nehmen.

3. Durch den Tritt und Bewegungsdrang der Tiere ist die Grünlandnarbe häufig lückig. Das kann den Schmutzeintrag während der Ernte fördern. 

Gegenmaßnahmen:

  • Auf Schnitthöhen von mindestens 7 cm achten.
  • Für schonende Schwadbearbeitung sorgen und Zinkengeräte so einstellen, dass sie wenig Bodenberührung haben.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 25.05.2021