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Kleegras – mehr als nur blühend buntes Intermezzo

Kleegras vereint viele Vorteile. Es liefert gutes Futter in Ertrag und Qualität, dient der Auflockerung der Fruchtfolge und dem Humusaufbau. Aktuell zeigt sich der Vorteil von viel Rot- und Weißklee in den Gemengen auch durch die Nutzungselastizität und der Resilienz gegenüber Trockenheitsphasen. Lesen Sie mehr über Praxisergebnisse, Anbauhinweise und empfohlenen Mischungen.

 

Dem Anbau von Kleegras sind viele Vorzüge eigen. Mit Leguminosengrasmischungen lässt sich reichlich gutes Futter mit einer hohen Vorzüglichkeit produzieren. Der gute Futterwert ist auf der einen Seite dem hohen Eiweißgehalt zuzusprechen und auf der anderen Seite der Nutzungselastizität. Diese hatte sich vor allem in diesem Jahr positiv bemerkbar gemacht, da aufgrund der Regenmengen im Frühjahr nicht rechtzeitig geerntet werden konnte. Der Anbau von Leguminosengras fördert zudem die Bodenfruchtbarkeit. Gras und Leguminosen siedeln ihre Wurzeln in unterschiedlichen Ebenen (Bodenzonen) an. Das trägt sowohl zur Humusmehrung bei als auch zur Bodenlockerung. Letzteres lässt eine bessere Wasserinfiltration erwarten. Das Mehrschnittsystem des Ackerfutters verdrängt bei mehrjähriger Nutzung allmählich auch Problemungräser, wie beispielsweise den Ackerfuchsschwanz. Es gibt also viele gute Gründe die Fruchtfolge, durch den Gemengeanbau von Gras und Leguminosen, zu erweitern. Die Vielschnittnutzung über das Jahr ist zwar mit Aufwand verbunden, doch zugleich auch Risikosplittung der Futterproduktion.

Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis

Bereits im Frühjahr haben wir über das bundesweite Demonstrationsprojekt „Klee-Luzerne Plus“ berichtet und Ertragszahlen aus 2020 vorgestellt. Niedersachsen ist mit zwei konventionell wirtschaftenden Betriebe in den LK Ammerland und Ostfriesland in die Projektarbeit eingebunden. Die Leguminosengrasmischungen mit Rotklee und Luzerne wurden dort im Frühjahr 2020 angebaut. Im Rahmen von zwei Schnitten erbrachten sie im Ansaatjahr Erträge von 52 und 78 dt TM/ha.

In 2021 konnte die Ernte des ersten Aufwuchses auf den beiden Demonstrationsflächen aufgrund der vielen Niederschläge nicht zum optimalen Schnittzeitpunkt erfolgen. So war die Vollblüte bei der Ernte in Westerstede und in Wittmund bereits erreicht. Dafür wurden aber sehr gute Erträge erzielt, was aus Abbildung 1 hervorgeht. Das Ertragsniveau fiel für beide Standorte annähernd gleich aus. Gewisse Ertragsvorteile gab es für die Luzernegrasmischungen im Vergleich zum Rotkleegras. Ganz umgekehrt verhielt es sich mit den Leguminosenanteilen im Bestand. Während der Rotklee Hauptbestandesbildner in dem Gemenge war, erreichte die Luzerne kaum Ertragsanteile oberhalb von 10 %. Das wirkte sich erwartungsgemäß auf den Futterwert der Mischungen aus (Tabelle 1). Das Luzernegras entspricht im Futterwert einem Gras betonten Pflanzenbestand. Deutlich wird das insbesondere anhand des geringen Rohproteingehaltes. Der verspätete Erntetermin zeigt sich hier gleichfalls in allen Kenngrößen, die die Rohfaserzusammensetzung beschreiben. Daraus resultiert ein durchschnittlicher Energiegehalt. Das Rotkleegras (hier A7 und A9 mit Rotklee) bewies in diesem Falle, bedingt durch hohe Leguminosenanteile, seine Nutzungselastizität. Trotz des späteren Erntezeitpunktes wurden sehr gute Futterqualitäten mit hohen Rohprotein- und Energiegehalten erzielt. Auch die aktuellen Befunde des zweiten Aufwuchses bestätigen diese Aussagen.

Mit Interesse wird von beiden Landwirten die Entwicklung der Bestände verfolgt und es besteht schon jetzt die Absicht, den Kleegrasanbau weiter zu betreiben.

Saatbettbereitung planen

In Reinsaat sollten Kleegrasmischungen bis Mitte August in ein gut abgesetztes und feinkrümeliges Saatbett gedrillt werden. Es gilt, die Feinsämereien so flach wie möglich in den Boden zu bringen. Im Allgemeinen wird ein Walzgang im Anschluss empfohlen. Wichtig ist auch, den Unkrautdruck im Voraus zu begegnen. Die Saaten entwickeln sich langsam und gegen aufkommendes Unkraut kann keine Behandlung erfolgen. Dem kann im Voraus mit einer gezielten Herbizidbehandlung begegnet werden, was bei hartnäckigen Unkräutern sinnvoll ist. Aber auch ein rechtzeitiges Striegeln bei dem ersten Auflaufen der Unkräuter nach der Bodenbearbeitung bringt gute Effekte. Im ökologischen Landbau kommen prinzipiell diese mechanischen Maßnahmen zur Anwendung. In manchen Fällen lohnt auch das wiederholte Striegeln der Schwarzbrache vor der Saat.

Bereits im Rahmen der Saatbettvorbereitung sind gegebenenfalls notwendige Grunddüngungsmaßnahmen zu planen, je nach Versorgungsstufen. Für beide Leguminosen sollte Kali etwa drei Wochen vor der Saat ausgebracht werden, denn die jungen Keimlinge reagieren empfindlich auf Kalisalze. Vor dem Hintergrund wird für trockene Lagen das Einarbeiteten des PK-Düngers empfohlen.  Gleichfalls ist auf eine ausreichende Magnesiumversorgung zu achten. Von den Mikronährstoffen ist für beide Leguminosen Molybdän von Bedeutung; für die Luzerne kommt in dem Zusammenhang auch Bor hinzu. Einen hohen Stellenwert hat der Boden-pH-Wert für das Gedeihen der Luzerne. Darauf wird später noch eingegangen. 

N-Startgaben sind nur für das Leguminosengras in den nicht mit Nitrat belasteten Gebieten nach Vorfrucht Getreide zulässig (siehe auch Webcode 01039283). Demzufolge greift für die Bemessungshöhe der Herbstdüngung des Feldfutters die „60/30-Regel“, welche besagt, dass eine Düngung nach Bedarf erfolgen kann. Es dürfen jedoch maximal 60 kg Gesamt-N/ha und/oder maximal 30 kg NH4-N/ha (mineralisch + organisch) aufgebracht werden. Als N-Startgaben (N-Düngebedarf zur Saat) sind für das Leguminosengras in aller Regel geringere N-Mengen ausreichend, die im Bereich von 30 bis 50 kg N/ha liegen. Damit werden die Gräser für den Zeitraum der Entwicklung der Knöllchenbakterien nicht zu stark gefördert. Dort, wo eine N-Startgabe im Sommer zur Saat erfolgt, muss allerdings berücksichtigt werden, dass diese N-Düngung vom N-Düngebedarf des Folgejahres abzuziehen ist. Die Höhe des N-Düngebedarfes des Leguminosengrases in den Nutzungsjahren ist vom Leguminosenanteil abhängig. Vertiefende Ausführungen sind dem Webcode 01039036 zu entnehmen.

Die Reinsaaten von Leguminosen benötigen keine N-Startgabe.

Fruchtfolge

Luzerne, Rotklee wie auch die übrigen Kleearten sind mit sich selbst und den meisten anderen Leguminosen unverträglich, denn sie sind gegenüber Krankheiten und Schädlingen höchst anfällig.  Deshalb gilt es, Anbaupausen von 4 bis 5 Jahren für das Gemenge und von 5 bis 6 Jahren für die Reinsaaten einzuhalten. Je enger die Fruchtfolge, desto wichtiger ist die Nutzung von Sorten mit geringer Krankheitsanfälligkeit.

Kleegrasmischungen

In aller Regel ist dem Rotkleegras im Nordwesten von Niedersachsen der Vorzug gegenüber der Luzerne einzuräumen. Rotklee und Rotkleegras gedeiht auf allen Standorten außer auf Moor- und leichten Sandstandorten, wenn die Boden-pH-Werte mindestens bei 5,5 liegen. Im Gegensatz zur Luzerne reagiert Rotklee auch weniger empfindlich auf eine kurzzeitige Staunässe und einen hohen Grundwasserstand.

Wie Tabelle 2 zeigt, stehen fünf mögliche Kleegrasmischungen zur Auswahl. Die höchsten Erträge sind beim Anbau von Klee gemeinsam mit Ackergräsern (Welsches und Bastardweidelgras) zu erwarten. Im Allgemeinen sinkt die  Ertragsleistung der Ackergräser nach zwei Hauptnutzungsjahren aufgrund einer stark nachlassenden Triebkraftleistung. Stabilere Ertragsleistungen in den Einzeljahren aber etwas geringere Erträge erbringen die Mischungen mit Deutschem Weidelgras.

Erfolgt nur eine Schnittnutzung könnte auf den Weißklee in der Mischung verzichtet werden. Die Kriechausläufer des Weißklees machen die Narbe dichter. Sie begünstigen damit die Trittverträglichkeit des Bestandes. Zudem wird dem Risiko der Unkrauteinwanderung begegnet. Im Kasten unten sind weitere Details zu den Mischungen beschrieben.

Luzerne und Luzernegras

Die Luzerne stellt aus agronomischer Sicht die höchsten Ansprüche an den Standort und die Nutzung. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden mit Mindest-pH-Werten von 6,0 auf schwach lehmigen Sand; 6,2 auf stark lehmigen Sand und 6,5 auf sandigen Lehm. 

Mit beimpftem Saatgut von den beim Bundessortenamt zugelassenen Sorten gelingt die Etablierung der Luzerne sicherer und schneller. Aufgrund ihrer langsamen Anfangsentwicklung sollte die Saat möglichst bis Anfang August erfolgen.

Das Anbaurisiko der Reinsaaten von Luzerne lässt sich durch Luzernegrasmischungen mindern. In Mischung mit Gräsern sind für die konkurrenzschwache Luzerne bevorzugt Grünlandgräser mit gemäßigtem Entwicklungstempo eingebunden. Im nordwestdeutschen Raum hat sich die A9-Mischung bewährt, welche sich aus 66 % Gewichtsanteilen der Luzerne neben Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras zusammensetzt (Tabelle 2).  Die beiden Graspartner tragen zur besseren Siliereignung sowie zur weiteren Ertragsabsicherung und einer besseren Bodenbedeckung bei.

Jede Nutzung führt zu einem allmählichen Verlust an Luzernepflanzen im Feld. Um hohe Bestandesdichten für einen möglichst langen Zeitraum zu bewahren, ist sowohl für gute Saat- und Aufgangsbedingungen als auch für eine schonende Nutzung Sorge zu tragen. Pflanzenverluste werden insbesondere bei häufigen Überfahrten auf der Fläche sowie bei einem zu tiefen Schnitt (unterhalb von 8 cm) forciert. Im Allgemeinen erlaubt die Luzerne bei guten Wuchsbedingungen vier Schnitte. Sie benötigt aber zwischen dem vorletzten und letzten Schnitt eine Ruhepause von mindestens 50 Tagen, um in dem Zeitraum Reservestoffe für eine bessere Überwinterung einlagern zu können.

Wo erstmalig der Luzerneanbau als Reinsaat geplant wird, empfiehlt es sich, den Anbauumfang zunächst gering zu halten. So kann die Eignung der Leguminose auf den eigenen Flächen und das notwendige Bewirtschaftungsverfahren getestet werden.   


Wir fassen zusammen

Der Anbau von Leguminosengras erfüllt zahlreiche umweltfreundliche Aspekte und ist zugleich ein guter Futterlieferant.

In den zurückliegenden Dürrejahren erwies es sich zudem als relativ trockenheitstolerant.

Rotkleegras gedeiht im nordwestdeutschen Raum in aller Regel besser als Luzerne. Als Königin der Futterpflanze stellt die Luzerne hohe agronomische Ansprüche. Besonderer Wert ist auf den Boden-pH-Wert zu legen.


Informationen zur Schwefeldüngung erfahren Sie in dem Artikel Schwefelversorgung im Ökolandbau beachten - Leguminosen brauchen Schwefel.


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
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Stand: 02.08.2021