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Was bei einer Grünlandneuansaat alles zu beachten ist

Mäuse, Trockenheit, Tipula – es gibt mehrere Faktoren, die dem Grünland besonders in den vergangenen Jahren viel abverlangt haben. Versuche, die Grünlandnarbe durch Nachsaaten zu verbessern, haben oftmals, auch aufgrund von unzureichenden Niederschlägen, nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Fachliches und Rechtliches rund um Grünlandneuansaaten lesen Sie hier.

Nun gilt es, zum Spätsommer erneut einen Blick auf Ihre Grünlandflächen zu richten und gezielt Verbesserungsmaßnahmen zu planen. Wer sein Grünland neu ansät, sollte sehr sorgfältig vorgehen und die Neuansaat immer im Blick behalten.

Nachsaat oder Neuansaat?

Der schnellste Weg zur Narbenverbesserung bleibt die Neuansaat. Diese ist im Vergleich zur Nachsaat bei der Anlage aber auch risikoreicher und kostenintensiver. Neuansaaten sollten daher auf die Fälle beschränkt bleiben, bei denen entartete Grünlandnarben oder leistungsschwache Bestände nicht mehr durch Nachsaaten verbessert werden können oder Bodenunebenheiten eine Einebnung erforderlich machen.

Welche der beiden grundsätzlichen Maßnahmen für die Grünlandverbesserung erforderlich sind, hängt vom Schadbild der Einzelfläche ab und muss vor Ort entschieden werden.

Neuansaaten sind im Allgemeinen dann erforderlich, wenn der Anteil an Kulturgräsern unter 50 % liegt und der Bestand von hartnäckigen Ungräsern und Unkräutern (wie Quecke, Ampfer, Bärenklau, Hahnenfuß und Wiesenkerbel) durchsetzt ist. Nachsaaten haben hier aufgrund des hohen Konkurrenzdruckes wenig Erfolg.

Der Ansaaterfolg bei Neu- und Nachsaaten hängt neben den Vorbereitungen eines feinkrümeligen Saatbettes, einer flachen Saatgutablage und der richten Wahl der Gräsermischung auch von der Witterung ab. Im Spätsommer und im zeitigen Herbst ist die Erfolgsquote häufig höher als im Frühjahr. Die Ursachen sind nicht allein in der besseren Niederschlagsverteilung begründet. Bei Nachsaaten gilt zudem, dass in der zweiten Vegetationshälfte des Jahres auch die Konkurrenzkraft der Altnarbe nachlässt, sodass die Grassaat nicht so schnell überwachsen werden kann und die Keimlinge ausreichend Luft und Licht bekommen.

Saatstärke nicht zu hoch wählen

Bei einem feinkrümeligen und rückverfestigten Saatbett sowie einer flachen Ablage, ist eine Saatstärke von 30 kg/ha für die Qualitätsstandardmischungen GI bis GIV völlig ausreichend. Diese Saatstärke entspricht einer Ausbringung von 3.000 Samen pro Quadratmeter. Wird die Saatstärke höher gewählt, führt dieses zu einem Konkurrenzdruck der Keimlinge untereinander, insbesondere der verschiedenen Grasarten. Arten mit einer schnellen Jugendentwicklung liegen dann deutlich vor den sich langsamer entwickelnden Arten im Vorteil. Schwächen in der Anbautechnik oder verspätete Saattermine lassen sich über eine zu hohe Saatstärke entsprechend nicht kompensieren.

Saatgutkosten und Saatgutqualität

Mit dem Kauf einer hochwertigen Qualitätsstandardmischung werden die Weichen für einen leistungsstarken, ausdauernden Grünlandbestand gestellt. Ob sich wertvolles Dauergrünland oder eine Grünlandnarbe entwickelt, die nach wenigen Jahren wieder erneuerungsbedürftig ist, hängt neben einer guten Grünlandpflege, einer witterungs- und standortangepassten Nutzung, einer ausgewogenen Nährstoffversorgung auch von der Qualität der Mischung ab. Je schneller Fehlstellen als Folge ungeeigneter Sortenwahl, falscher Nutzung und Düngung zu lückigen Narben führen, desto häufiger sind Neuansaaten bzw. Nachsaaten erforderlich. Mit steigender Ausdauer dagegen gehen die anteiligen jährlichen Kosten für die Grünlanderneuerung deutlich zurück (siehe Abb.). Die Ausdauer einer Saatgutmischung ist hierbei abhängig von der Saatgutqualität.

Neuansaaten brauchen Pflege

Für die Bestandesentwicklung der jungen Saat ist es wichtig, dass bereits im ersten Nutzungsjahr eine intensive Nutzung erfolgt, damit die Gräser zur Bestockung angeregt werden und Lücken schnell geschlossen werden. Bei einem zu hohen Unkrautvorkommen ist gegebenenfalls eine chemische Bekämpfung, noch im Herbst, notwendig. Ist dieser Termin durch schlechte Witterungsverhältnisse und Nichtbefahrbarkeit der Flächen nicht wahrzunehmen, sollte im zeitigen Frühjahr unkrautregulierend reagiert werden.

 


Freiwillige Mischungskontrolle Niedersachsen (FMN) - Gräsermischungen mit Kontrollsiegel

Leistungsstarke Ansaatmischungen sind ein wichtiger Bestandteil der Ertrags- und Qualitätssicherung auf dem Dauergrünland und im Ackerfutterbau. Für das hauptsächliche Ziel – die Produktion von qualitativ hochwertigem Grundfutter – ist der Einsatz hochwertiger Ansaat- und Nachsaatmischungen eine wesentliche Voraussetzung.

Das Ziel der 1995 gegründeten Freiwilligen Mischungskontrolle Niedersachsen ist es, dem Landwirt hochwertige Saatgutmischungen im Hinblick auf die Arten- und Sortenzusammensetzung zu garantieren. In der FMN unterziehen sich die wichtigsten Saatgut-Mischungshersteller Niedersachsens freiwillig zusätzlichen und kostenpflichtigen Kontrollen durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Kontrolle erstreckt sich auf die korrekte Einhaltung der Mischungsanteile und den ausschließlichen Einsatz von den, von der Arbeitsgemeinschaft der norddeutschen Landwirtschaftskammern, empfohlenen Sorten sowie die Überprüfung der Sortendeklaration. Die Sortenechtheit wird in Stichproben durch einen Nachkontrollanbau überprüft.

Die Kontrollsiegel gewährleisten dadurch:

• Sortenechtheit für die eingemischten Gräserarten

• den Einsatz aktuell empfohlener Sorten

• eine korrekte Mischungszusammenstellung

Die kontrollierten Mischungen erkennen Sie an zwei Siegel:

Das rote Siegel der FMN kennzeichnet alle Grünlandmischungen mit einem Standardmischungskonzept. Die Artenzusammensetzung dieser Mischungen wird auf der Grundlage langjähriger Versuche und Erfahrungen aus der Praxis weiterentwickelt, ohne bewährte Mischungszusammensetzungen aufgeben zu müssen. Das Grundgerüst der Standardmischungen wird durch den Einsatz empfohlener Sorten vervollständigt und rechtfertigt dadurch den Begriff „Qualitätsstandardmischungen“.

Das magentafarbende Siegel kennzeichnet die firmeneigene Mischungen. Diese beinhalten zu 100 % die von der Arbeitsgemeinschaft der norddeutschen Landwirtschaftskammern empfohlenen Sorten.

Sowohl das rote als auch das magentafarbende Siegel kann somit als schnelle Orientierung für Gräsermischungen mit Qualitätsanspruch betrachtet werden. Es lohnt sich beim Kauf darauf zu achten.

 

 


 


Rechtsgrundlagen für eine Grünlanderneuerung beachten

Die Grünlanderneuerung mit Bodenbearbeitung ist nach geltendem EU-Förderrecht ein Umbruch und muss für Betriebe, die EU-Agrarförderung erhalten, im Regelfall genehmigt werden. Diese Genehmigung (Antrag auf Umwandlung von Dauergrünland zwecks Narbenerneuerung) wird durch die zuständige Bewilligungsstelle der Landwirtschaftskammer in der Regel erteilt, wenn keine wasser- und/oder naturschutzrechtlichen Belange entgegenstehen. Daher ist für den Antrag bei der Bewilligungsstelle zusätzlich eine Bescheinigung der zuständigen Behörden des Landkreises (Untere Naturschutzbehörde (UNB), Untere Wasserbehörde (UWB)) einzuholen, da ansonsten keine Genehmigung erfolgt. Das Verfahren ist allgemein bekannt und wird auch weiterhin in dieser Form beibehalten.

Die Prüfung der Naturschutzbehörde (UNB) kann ergeben, dass bestimmte Rechtsbelange einem Grünlandumbruch entgegenstehen. Bisher waren entgegenstehende Belange des Naturschutzes in intensiv genutztem Dauergrünland eher selten und meist mit dem konkreten Vorkommen von Pflanzenarten (Biotopschutz) oder Wiesenvögeln oder der Lage in einem Schutzgebiet begründet.

Mit dem in Niedersachsen neu seit 1. Januar 2021 geltenden Naturschutzrecht als Ergebnis der „Vereinbarungen zum Niedersächsischen Weg“ wurde der Umbruch von Dauergrünland auf bestimmten Standorten, unabhängig von der Bewirtschaftungsintensität und dem Vorkommen bestimmter Arten, grundsätzlich verboten. Das Umbruchverbot soll dazu beitragen, dass die positiven Schutzfunktionen von Dauergrünland für diese sensiblen Standorte (Bodenschutz) sowie die Umwelt (Wasserschutz) und den Humusanteil (Klimaschutz) erhalten werden.

Das naturschutzrechtliche Umbruchverbot betrifft alle Bewirtschafter von Grünland und insgesamt etwa 42 % der Dauergrünlandkulisse in Niedersachsen. Es gilt für „stark erosionsgefährdete Hänge“ in Südniedersachsen, „Überschwemmungs-gebiete“ in den Flussniederungen (HQ 100), „Feuchtgrünlandstandorte“ (BFK > 9) sowie für die kohlenstoffreichen Standorte mit einem Mindestanteil organischer Masse von 30 % in einer Auflage von mindestens 30 cm („Moore“).

In Niedersachsen sind > 30 % der Dauergrünlandkulisse auf Moorstandorten anzutreffen. Insbesondere sind in den nordwestlichen Regionen von Niedersachsen die Moorstandorte auch prädestinierte Grünlandstandorte. Das Umbruchverbot betrifft die hier wirtschaftenden Grünlandbetriebe nicht selten auf 100 % ihrer Grünlandflächen.

Die Grünlanderneuerung dieser Standorte kann, wie nach dem Dürrejahr 2018 und in der Folge massiver Feldmausplage erlebt, zwingend notwendig sein. Regelmäßig unterliegen diese Standorte auch einem ungleichmäßig auftretenden Höhenverlust durch Sackung oder als Folge von Beweidung (Tritt) und Fahrspuren. Langjährig genutztes Moorgrünland kann außerdem durch kopflastige Nährstoffprofile und flachwurzelnde Grasnarben die Wuchskraft einbüßen und zunehmend von unerwünschten Gräsern (wolliges Honiggras, Rasenschmiele) und Kräutern (Sauerampfer, …) besiedelt werden.  Deshalb wird die Grünlanderneuerung mit Umbruch zur Wiederherstellung einer guten Narbenqualität trotz des Verbotes nach Ablauf von 10 Jahren seit der letzten Grünlanderneuerung ermöglicht (Ausnahme vom Verbot).

Bei einer Versagung der Grünlanderneuerung nach Ablauf von 10 Jahren besteht ein Ausgleichsanspruch der im sogenannten erweiterten Erschwernisausgleich geregelt werden wird. Die Verordnung dazu wird voraussichtlich im Spätsommer von der Landesregierung veröffentlicht, sodass es für Anspruchsberechtigte möglich sein wird, bis Ende Oktober oder sogar noch im November, für das laufende Jahr 2021 einen entsprechenden Antrag auf erweiterten Erschwernisausgleich bei der Bewilligungsstelle einzureichen.

Vor Ablauf der genannten 10-Jahresfrist können zur Verbesserung der Narbenqualität auch bodenlockernde Verfahren bis 10 cm Tiefe (kein Umbruch nach Fachrecht) eingesetzt werden, um ein Saatbett vorzubereiten (vgl. Tabellenübersicht). Insbesondere für die Moorstandorte sind solche Verfahren notwendig, um die Narbenqualität durch effektive Nachsaaten nach leichter Bodenbearbeitung (ohne Umbruch) zu verbessern. In jedem Fall ist das EU-Förderrecht zu beachten. Sollten diese bodenlockernden Verfahren (z. B. Pflügen, Grubbern oder Fräsen) zu einer Zerstörung der bestehenden Grasnarbe führen, so ist  vor Durchführung ein Antrag auf Umwandlung von Dauergrünland zwecks Narbenerneuerung unter Beifügung der notwendigen Bescheinigung der zuständigen Landkreisbehörde (UNB, UWB) zu stellen. Die Genehmigung ist abzuwarten.

Die Naturschutzbehörde kann allerdings auch gegen den Einsatz bodenlockernder Verfahren bis 10 cm Einwände geltend machen, wenn z.B. Wiesenvögel brüten oder ein artenreiches Grünland festgestellt wurde. In diesen Fällen besteht allerdings kein Ausgleichsanspruch für das Umbruchverbot (vor Ablauf von 10 Jahren).


 


Kontakt:
Felicitas Kaemena
DBU Projekt Naturschutzhöfe Ostfriesland, Grünland
Telefon: 0441 801-417
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 22.07.2021