Webcode: 01039594

Mehrjähriges Feldgras – Anbaubasics für gute Erträge

Ackergras belebt die Fruchtfolge, reduziert Problemungräser und erbringt nicht nur auf den besseren Standorten viel Ertrag, wenn die Wasserverhältnisse passend sind.

Die Wahl der Mischungen ist von der speziellen Zielsetzung abhängig. Worin weitere Unterschiede in den Mischungen bestehen und was für eine gute Saat Wesentlich ist, lesen Sie im Folgenden.

Der mehrjährige Feldfutterbau findet wieder mehr Beachtung. Die Vielschnittnutzung des Ackergrases mindert das Witterungsrisiko der Futterproduktion und dient daher der Ertragssicherung. Der Anbau ist gleichfalls als umweltfreundlich einzuordnen, da ein Umbruch in aller Regel nicht jährlich stattfindet. Der Aufwand der Saatbettvorbereitung und die Investition des Saatgutes verteilen sich auf zwei bis fünf Jahre, je nachdem, welche Grasmischung gewählt wird. Der Ackergrasanbau wirkt sich darüber hinaus förderlich auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Er belebt die Fruchtfolge, fördert den Humusaufbau, unterliegt keinen Anbaupausen und reduziert durch die intensive Mehrschnittnutzung den Anteil hartnäckiger Ungräser und Unkräuter. Durch Ackergräser lässt sich zudem die im Jahr anfallende Gülle gut verwerten.

In Jahren mit einer guten Niederschlagsverteilung kann man mit mindestens sechs schnittwürdigen Aufwüchsen rechnen.

Zu den typischen Ackergräsern gehören das Welsche Weidelgras, das Bastardweidelgras und das Einjährige Weidelgras. Zudem sind in Ackergrasmischungen häufig auch das Deutsche Weidelgras und der Wiesenschweidel (Festulolium) eingebunden. Beide Grasarten können sowohl auf dem Dauergrünland als auch auf dem Ackerland angebaut werden.

Bei einer Ernte zum optimalen Schnittzeitpunkt (zu Beginn des Ährenschiebens) weisen alle dieser Gräser einen guten Futterwert aus.

Auch die Silierung von Ackergrasbeständen gelingt im Allgemeinen bei raschem Anwelken des Futters und bei Mindesttrockensubstanzgehalten von 30 %.  Hierbei empfiehlt es sich dennoch, den Siliermitteleinsatz zur Verhinderung von Fehlgärungs– oder Nacherwärmungsprozessen als festen Verfahrensbaustein im Ernteprozess einzuplanen.

Im Folgenden sollen vor allem die Ackergräser bzw. Ackergrasmischungen vorgestellt werden, die bis zum Herbst ausgesät werden können. In Tabelle 1 sind diese Mischungen in einer Übersicht zusammengestellt.

A1-Mischung

Die Ackergrasmischung A1 enthält ausschließlich Welsches Weidelgras. Das Welsche Weidelgras ist die ertragreichste Grasart. In Landessortenprüfungen wurden in Niedersachsen durchschnittliche Ertragswerte in den zurückliegenden sechs Jahren von 130 dt TM/ha auf leichten Sandstandorten erzielt und gar über 200 dt TM/ha auf den besseren Standorten. Die Ertragsunterschiede verdeutlichen den Stellenwert der Wasserversorgung.

Diese Ackergrasmischung wird vorzugsweise Anfang bis Mitte September ausgesät. Welsches Weidelgras benötigt den Kältereiz im Winter, um im Folgejahr in die generative Phase und damit zur Strukturbildung zu kommen. Der erste Schnitt, der in aller Regel Ende April bzw. Anfang Mai einzuplanen ist, erbringt Erträge von mindestens 40 bis etwa 70 dt TM/ha, je nach Standort.

Interessierte Futterbauer stellen oft die Frage, ob beim Anbau des Welschen Weidelgrases auch nur eine Sorte anstatt einer Mischung angebaut werden kann.

Im Allgemeinen ist es im Futterbau üblich, Arten- oder Sortenmischungen zu verwenden. Mischungen stellen eine Risikoabsicherung gegenüber den verschiedensten Widrigkeiten im Hinblick auf Umwelt-, Witterungs- und Nutzungseinflüsse dar. Liegen jedoch sowohl mehrjährige Erfahrungen als auch gute Standortbedingungen für den mehrjährigen Ackerfutterbau vor, kann durchaus die Empfehlung zur Aussaat von nur einer Sorte gegeben werden. In diesem Fall ist die Sorte gezielt nach wesentlichen Leistungsbeschreibungen in puncto Ertragsverhalten, Rostresistenz und Auswinterungsneigung auszuwählen. Das Welsche Weidelgras wird im nordwestdeutschen Raum im Rahmen der Landessortenversuche intensiv geprüft. Der Tabelle 2 ist die aktuelle Sortenempfehlung zu entnehmen. Dieses Sortiment ist zugleich für umsichtige regionale Saatgutmischer die Grundlage zur Herstellung leistungsfähiger Mischungen. Das rote Etikett auf der Sackware macht mit einem Blick deutlich, dass ausschließlich empfohlene Sorten verwendet und die Grasartenanteile korrekt eingehalten werden. Das Kontrollsiegel ist damit Beleg für Qualitätsware.

A1-WZ-Mischungen

Eine sehr bewusste Sortenwahl findet im Rahmen der A1-WZ-Mischung statt. Diese Mischung ist stets dann zu bevorzugen, wenn das Welsche Weidelgras als Winterzwischenfrucht angebaut wird nur der erste Aufwuchs geerntet werden soll. Hierfür werden gezielt Sorten mit einem hohen Frühjahresertrag und guter Winterhärte verwendet (Tabelle 2). Hingegen ist bei ganzjähriger Futternutzung eher ein ausgewogenes Ertragsverhalten und eine entsprechende Rostresistenz von Bedeutung. Daher unterscheidet sich in aller Regel die Sortenzusammensetzung der „A1“- von der „A1-WZ“- Mischung.

A3- Mischung

Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung „A3“ setzen sich aus drei Grasarten dem Bastard-, Welschem - und Deutschem Weidelgras zusammen. Für diese mehrjährige Mischung wird ein Nutzungszeitraum von mindestens 2 bis 3 Jahre empfohlen.

Die Aussaat der A3-Mischung erfolgt vorzugsweise noch im August, damit sich alle drei Grasarten gleich gut entwickeln können. Räumt die Vorfrucht allerdings erst Anfang September, sollte die Aussaat so zügig wie möglich und bis spätestens Mitte September vorgenommen werden.

Im ersten Nutzungsjahr wird von der Mischung insbesondere das Welsche Weidelgras dominieren und den Ertrag am meisten beeinflussen. Die Ertragsanteile des Welschen Weidelgrases nehmen bereits im zweiten Nutzungsjahr stark ab, so dass nunmehr sowohl das Bastardweidelgras als auch das Deutsche Weidelgras stärker zur Ausprägung kommen und den Ertrag sichern. 

Die A3-Mischung ist auch für die Beweidung geeignet, denn das in der Mischung enthaltene Deutsche Weidelgras führt im Gegensatz zur A1-Mischung zu einer deutlich dichteren und damit trittfesten Grasnarbe. Zudem beeinflusst das Deutsche Weidelgras als Untergras positiv die Nutzungselastizität des Aufwuchses.

A5-Mischung und A5-spät-Mischung

Zu mehrjährigen Mischungen mit einem Nutzungszeitraum von mindestens 2 Jahren gehören auch die „A5“ und „A5-spät“, welche ausschließlich Sorten des Deutschen Weidelgrases enthalten. Beide Mischungen unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Reifegruppen. Sind von den Weidelgrassorten alle drei Reifegruppen enthalten, so handelt es sich um eine klassische A5-Mischung. Besteht die Mischung jedoch aus Sorten mit je 50 % der mittleren und der späten Reifegruppe, wird diese Mischung als „A5 spät“ bezeichnet.

Für den ersten Eindruck ähneln sich sowohl die A5- als auch die A5-spät-Mischung in ihrer Zusammensetzung mit den beiden Grünland-Nachsaatmischungen GV und GV-spät. Jedoch gibt es einen prinzipiellen Unterschied zwischen den Ackergras- und Grünlandmischungen. Die A5-Mischung enthält vorrangig ertragsstarke Sorten. Die Ausdauerleistung findet hierbei im Gegensatz zu den Grünlandmischungen keine so große Beachtung, da die Nutzungsdauer der Ackergrasmischungen begrenzt ist.

Agronomie für die Saat

Neben der Wahl einer für die Nutzungszwecke gut geeigneten und qualitativ wertvollen Mischung hat die Anfangsentwicklung der jungen Gräser gleichfalls entscheidenden Einfluss, auf die spätere Leistungsfähigkeit der Bestände. Ein gleichmäßiger Aufgang der Feinsämereien gelingt bei flacher Saatgutablage. Vor dem Hintergrund ist ein gut hergerichtetes und rückverfestigtes Saatbett von Bedeutung. Es empfiehlt sich gleichfalls ein Walzgang nach der Saat.

Bei Vorfrucht von Getreide und einer Saat bis zum 15. September dürfte auch eine N-Düngung in den nicht mit Nitrat belasteten Gebieten erfolgen. Die Menge ist dann aber auf 60 kg Gesamt-N/ha und/oder maximal 30 kg Ammonium-N/ha (mineralisch und organisch) zu begrenzen. Des Weiteren ist hierbei zu berücksichtigen, dass die Düngung bis zum 01. Oktober zu erfolgen hat und die N-Gabe in Höhe der N-Ausnutzung im Frühjahr anzurechnen ist.

Auf die N-Startgabe zur Saat ist in den mit Nitrat belasteten (roten) Gebieten gänzlich zu verzichten.

Wir fassen zusammen

Mit dem mehrjährigen Ackergrasbau lässt sich auf tiefgründigen Böden mit guter Wasserversorgung viel und qualitativ hochwertiges Futter produzieren. Die Ackergräser nehmen in der Fruchtfolge eine neutrale Stellung ein und tragen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei.

Wählen Sie die Mischung unter Berücksichtigung des geplanten Nutzungszeitraumes aus und achten Sie auf die Einbindung von regional empfohlenen Sorten.

Eine gute Saatbettvorbereitung ist ein erster Schritt zur Ausschöpfung des Ertragsvermögens

 


QualitätsStandard-Mischungen für den Ackerfutterbau 2020/21

Von den nordwestdeutschen Landwirtschaftskammern wird jährlich ein Faltblatt herausgegeben (auch als Ackerfutterfaltblatt bezeichnet), in welchem sowohl die typischen Ackergrasmischungen als auch die aktuellen Sortenempfehlungen aufgeführt sind. Das Ackerfutterfaltblatt finden Sie auf dieser Seite unter dem Webcode 01037477.


 

 

 


Kontrollsiegel der Freiwilligen Mischungskontrolle - Qualitätshinweis

Mit der Berücksichtigung der regionalen Sortenempfehlungen wird ein hoher Qualitätsstandard in den Mischungen erreicht. Die Sortenechtheit und kontrollierte Qualität der Mischung erkennen Sie durch das rote Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle Niedersachsen auf der Sackware.          


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 03.09.2021



PDF: 36339 - 225.219726562 KB   Tab_Ackergras_Herbst_2021   - 225 KB