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Landessortenversuche 2020: Winterroggen

Der Winterroggen konnte im Jahr 2020 im Gegensatz zu anderen Getreidearten seine Anbaufläche steigern, da er mit den in den letzten Jahren zunehmend trockenen Anbaubedingungen besser zurechtkam als viele andere Kulturen. Die Landessortenversuche Winterroggen bestätigen dies auch 2020. Sie werden hier vorgestellt.

Die Zunahme der Roggenanbaufläche setzte sich auch für dieses Jahr weiter fort, da insbesondere unter den trockenen Bedingungen der letzten zwei Jahre der Roggen seine Robustheit ausspielen konnte. Davon profitierte er auch dieses Jahr. Beleg dafür sind die parallel angelegten Landessortenversuche, wo er gegenüber Weizen und Triticale deutliche Ertragsvorteile hatte.

Leider sind die Marktpreise pro Tonne bei Roggen im Vergleich zu den übrigen Brotgetreidearten, aber auch gegenüber der Futtergerste sehr schwach, was vom Futterwert her gesehen eigentlich nicht gerechtfertigt ist. Inwiefern die knapp 140.000 ha (2020) für 2021 gehalten werden können oder möglicherweise noch weiter ausgebaut werden, orientiert sich sicherlich auch an den Marktchancen der anderen Kulturen, wie beispielsweise der in der typischen nordhannoverschen Roggenregion weit verbreiteten Braugerste.

Obwohl in diesem Frühjahr wieder eine ausgeprägte Trockenperiode vorhanden war, wovon auch die westlichen Sandstandorte betroffen waren, blieben drastische Mindererträge in der Regel aus, sodass sich der prognostizierte Ertrag mit 61 dt/ha gegenüber 2019 leicht erhöhte. Dank der zumeist beständigen Erntebedingungen konnte der Roggen nach Erreichen der Reife unproblematisch mit geringen Feuchtegehalten und hohen Fallzahlen geerntet werden.

Ergebnisse der Sorten

In den diesjährigen Prüfungen wurde mit KWS Tayo lediglich eine neu vom Bundessortenamt zugelassene Hybridsorte mit in die Landessortenversuche (LSV) gestellt. Von den beiden Züchterhäusern Hybro/Saaten-Union und KWS Getreide wurden insgesamt 8 Sorten im LSV geprüft.

Die Versuche Winterroggen wurden in den drei Anbauregionen Sandböden West und Nord, sowie auf den leichteren westlichen Lehmstandorten durchgeführt. Standortergebnisse aus NRW fließen für die westlichen Regionen mit ein. Da die Versuchsstandorte durch die Trockenheit nur mäßig, teilweise gar nicht beeinträchtigt wurden, waren alle angelegten Versuche auswertbar.

Die mehrjährigen Ergebnisse werden auf Verrechnungsbasis der 2020 geprüften Sorten dargestellt und schließen auch Versuchsergebnisse aus Wertprüfungen mit ein.

Neben den Erträgen spielen sicherlich auch die weiteren Sorteneigenschaften, wie Standfestigkeit und die Empfindlichkeit gegenüber Krankheitsbefall, bei der Sortenwahl eine wichtige Rolle.

Die Leistungen der Sorten in den drei Anbauregionen:

In der Anbauregion der Sandböden West erzielte die neue Sorte KWS Tayo die höchsten Erträge, gefolgt von SU Performer, KWS Eterno, KWS Serafino und SU Forsetti. Piano und KWS Trebiano konnten nicht überzeugen. Unter Einbeziehung der mehrjährigen Ergebnisse werden KWS Eterno, KWS Serafino sowie SU Forsetti für den Anbau empfohlen. Da von KWS Binntto kein Saatgut mehr produziert wird, kann sie trotz guter Leistungen nicht weiter empfohlen werden. Aufgrund der hohen Erträge auf allen Standorten bietet sich KWS Tayo klar für den Probeanbau an.

Auf den Sandböden Nordhannover konnte die mehrjährig geprüfte Sorte KWS Eterno wie in den Vorjahren mit überdurchschnittlichen Erträgen überzeugen und erreicht mehrjährig das beste Ergebnis. Etwas schwankender fielen die Einzeljahresergebnisse bei KWS Serafino aus, insgesamt lieferte sie ein leicht überdurchschnittliches Ergebnis. Von den drei SU Sorten schnitt aktuell und mehrjährig SU Forsetti am besten ab. Piano konnte auch hier die guten Vorjahresergebnisse nicht bestätigen, während SU Performer wie in den Vorjahren knapp unter dem Durchschnittsertrag blieb. KWS Trebiano enttäuschte auch in dieser Anbauregion mit gleichmäßig schwachen Erträgen. Die neue Sorte KWS Tayo hingegen überzeugte hier im ersten Jahr mit auf jedem Prüfstandort überdurchschnittlichen Erträgen und empfiehlt sich damit klar für den Probeanbau. Von den mehrjährig geprüften Sorten werden KWS Erterno und KWS Serafino empfohlen. Eine Anbauempfehlung wird für KWS Binntto aufgrund fehlenden Saatgutes nicht gegeben.

Auf den Lehmböden lieferten in diesem Jahr die beiden Sorten SU Forsetti und SU Performer die besten Ergebnisse. Von den KWS Sorten erreichten KWS Tayo, KWS Eterno und KWS Serafino überdurchschnittliche und über die Orte recht gleichmäßige Erträge. Leicht unterdurchschnittlich waren die Leistungen bei KWS Binntto und Piano, während auch in dieser Region KWS Trebiano ertraglich enttäuschte.

Empfohlen werden hier ebenfalls in erster Linie KWS Eterno und KWS Serafino sowie SU Forsetti. Aufgrund der höheren Mutterkornanfälligkeit kann für SU Performer nur eine eingeschränkte Empfehlung ausgesprochen werden. Bei KWS Binntto ist auch hier die fehlende Saatgutverfügbarkeit der Grund für ein Nichtempfehlung. Dank sehr guter Vorprüfungsergebnisse erreichte KWS Tayo bereits nach einem LSV-Jahr insgesamt überdurchschnittliche Erträge und wird wie in den anderen Anbauregionen klar für den Probeanbau empfohlen.

Wie sieht es mit Populationssorten aus?

In parallel laufenden Wertprüfungen wird am Beispiel der dort nach wie vor mitgeprüften Populationssorte Conduct der drastische Ertragsunterschied zwischen Hybrid- und Populationssorten auch in diesem Jahr wieder verdeutlicht und bestätigt die Vorjahresergebnisse. Für den Roggenanbau auf Grenzstandorten unter Low-input Bedingungen könnte hier am ehesten noch die Wahl einer Populationssorte sinnvoll sein.

Qualitätsergebnisse

Um als Brotroggen verkauft werden zu können, ist eine hohe Fallzahl als Qualitätskriterium ein wichtiger Aspekt. Dank der günstigen Erntebedingungen konnten mit einer durchschnittlichen Fallzahl von 300 sec. alle Sorten Werte deutlich über der geforderten Norm erzielen. Gleichwohl sind die Sortenunterschiede auch bei hohen Werten insgesamt wieder erkennbar (siehe Tabelle Qualitätsmerkmale). Die besten Werte von 311 sec. erreichte SU Performer und bestätigte die hohen Werte der Vorjahre. Mit Ausnahme von SU Forsetti und KWS Binntto lagen die Werte der übrigen Sorten ebenfalls über 300 sec.. Solange es noch keine Schnellbestimmungsmethode für den Amylogrammwert gibt, der die tatsächliche Beschreibung des Backverhaltens von Roggen beschreibt, muss mit Hilfe der Fallzahl ein indirektes Maß für die Backfähigkeit genutzt werden.

Die Hektolitergewichte lagen 2020 mit durchschnittlich 77,1 kg auf einem hohen Niveau. Es zeigten sich jedoch standortbedingte Unterschiede mit einer Schwankungsbreite von 75 bis 81 kg. Sie lagen damit deutlich über den Werten der trockenheitsbeeinflussten Standorte des Vorjahres. Die höchsten Gewichte erreichten wie in den Vorjahren SU Forsetti und SU Performer.

Fungizid- und Wachstumsreglereinsätze 2020

Braunrostbefall trat in diesem Jahr tendenziell auf den westlichen Standorten auf, während Rhynchosporium eher im östlichen Bereich erkennbar war. Gravierende Sortendifferenzierungen konnten nicht bonitiert werden. Da der Krankheitsbefall erst relativ spät in den Beständen auftrat, waren die negativen Ertragsbeeinflussungen im Vergleich zu den Vorjahren eher gering. Der gezielte Einsatz von Wachstumsregulatoren führte auf den Hochertragsstandorten zu einer spürbaren Einkürzung der Halmlänge und verbesserte damit die Standfestigkeit und erleichterte die Beerntung deutlich. Auf den ertragsschwächeren Standorten war eine Behandlungsmaßnahme oftmals nicht erforderlich.

Problematik Mutterkorn

Das Thema Mutterkornbesatz wird vom Erfassungshandel und den Mühlen sehr sensibel betrachtet und sollte bei der Sortenwahl entsprechend berücksichtigt werden.

Ein Befall mit diesem Pilz ist wegen der im Mutterkorn enthaltenen Alkaloide und deren Toxizität für Mensch und Tier von Bedeutung für Nahrungs- und Futtergetreide. Roggen ist aufgrund seines offenen Abblühverhaltens besonders gefährdet, doch auch andere Getreidearten wie Weizen, Triticale u. a. können betroffen sein.

In den LSV Versuchen konnten kein wesentlicher Befall durch Mutterkorn festgestellt werden, sodass auch keine sortenspezifischen Unterschiede ablesbar waren. In der Praxis wurde jedoch auch in diesem Jahr wieder von stärker belasteten Partien berichtet, die teilweise auch nur noch für den Einsatz in Biogasanlagen verwendet werden konnten.

Neben der Sortenwahl sind auch produktionstechnische Möglichkeiten, wie z. B. ausreichend breite Fahrgassen, wichtige Punkte zur Vermeidung von Mutterkorn. Die im LSV geprüften Sorten aus dem Hause KWS Lochow sind alle vom Bundessortenamt mit der Boniturnote 4 oder 3 eingestuft und werden ohne Beimischung von Populationssorten gehandelt. Die aus dem Hause Saaten-Union vertriebenen Sorten werden hingegen mit einer 10 %igen Zumischung von Populationssortensaatgut zur Verbesserung des Pollenschüttungsvermögens vermarktet. Hierdurch soll die Gefahr des Mutterkornbesatzes gemindert werden. Mit KWS Trebiano wurde im zweiten Prüfungsjahr eine Sorte mit der derzeit besten Einstufung (Boniturnote 3) geprüft. Aber auch KWS Serafino wurde mit der gleichen Note beurteilt. Beide Sorten kommen daher insbesondere für Mutterkorn-gefährdete Flächen in Frage.

Sortenbeschreibung und -empfehlungen

KWS Eterno zählt in allen Regionen zu den ertragsstärksten Sorten und wird von daher generell empfohlen. Dabei weist sie die konstantesten Leistungen in den Regionen und Jahren auf. Zu beachten ist die schwächere Einstufung gegenüber Mehltau und ihre mittlere Lagerneigung sollte nicht außer Acht gelassen werden.

KWS Serafino zählt nach dem dritten LSV-Jahr zu den ertragsstärksten Sorten. Sie zeichnet sich darüber hinaus durch eine gute Blattgesundheit und eine sehr geringe Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn aus. Eine nur mittlere Standfestigkeit sollte beim Wachstumsreglereinsatz berücksichtigt werden.

SU Forsetti erreichte in allen drei Anbauregionen sehr gleichmäßige Erträge und wird aufgrund der etwas stärkeren Ergebnisse auf den Sandböden West und den Lehmböden dort empfohlen. Die Anfälligkeit gegenüber Braunrost und die mittlere Standfestigkeit gilt es zu beachten.

Die blattgesunde Sorte SU Performer zeigte in der Ertragsleistung etwas schwankende Ergebnisse und wird dank insgesamt guter Leistungen für die Lehmböden empfohlen, wobei aufgrund der Schwächen gegenüber Mutterkornbefall diese Empfehlung nur eingeschränkt erfolgt.

Piano konnte die guten Ergebnisse des ersten LSV-Jahres leider aktuell nicht bestätigen. Bei leicht unterdurchschnittlichen Erträgen punktet die Sorte durch eine gute Standfestigkeit und Blattgesundheit.

KWS Trebiano konnte auch im zweiten Jahr nicht an die Leistungen der ertragsstärksten Sorten anknüpfen. Hauptargument für den Anbau wäre die sehr gute Einstufung gegenüber Mutterkornbefall. Darüber hinaus sind die Blattgesundheit und gute Fallzahleinstufung hervorzuheben. In Regionen mit der Gefahr einer erhöhten Mutterkornproblematik wäre sie eine Alternative zu den übrigen empfohlenen Sorten.

Die im vergangenen Jahr von Züchterseite bereits intensiv beworbene Sorte KWS Tayo konnte ihre Vorschusslorbeeren eindrucksvoll bestätigen und wird dank bester Erträge und guter Blattgesundheit klar für den Probeanbau empfohlen.

KWS Binntto wird von Züchterseite nicht weiter verfolgt, sodass auch für dieses Jahr kein Saatgut mehr zur Verfügung stehen wird. Die konstanten Ertragsleistungen hätten einen Praxisanbau sicherlich weiterhin gerechtfertigt.

Zusammenfassung

Die Anbaubedeutung von Roggen hat insbesondere auf den leichteren, trockenheitsbeeinflussten Sandstandorten wieder zugenommen. Beim direkten Ertragsvergleich mit Triticale und vor allem Weizen auf gleichen Standorten wird die höhere Leistungsfähigkeit erkennbar. Auch auf höher bonitierten Standorten nehmen die Überlegungen zu einem Einstieg in den Roggenanbau zu, da er mit geringerem Dünge- und Pflanzenschutzaufwand gefahren werden kann. Bei einem relativ eng begrenzten Brotgetreidemarkt müssten bei einer Anbauausdehnung entsprechend höhere Erntemengen für die Fütterung verwendet werden, was die Marktpreise beeinflussen könnte. Auch in diesem Jahr liegen die Erzeugerpreise für Brotroggen signifikant unter den Futtergerstenpreisen. Um den Anbau wirtschaftlich zu gestalten, muss der sichere Anbau als Brotroggen im Vordergrund stehen. Dazu ist es erforderlich, Sorten mit guten Fallzahlen und geringer Anfälligkeit gegenüber Mutterkornbesatz anzubauen.

 


Kontakt:
Carsten Rieckmann
Pflanzenbau; Leiter Sachgebiet Mähdruschfrüchte, Nutzungssysteme u. Qualitätserzeugung
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Stand: 21.09.2020