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Wieviel Wachstumsregler ist notwendig?

Empfehlungen zum Wachstumsreglereinsatz in Wintergerste, -roggen, -triticale

 

Der Einsatz von Wachstumsreglern in Getreide ist ein wichtiger Baustein zur Sicherung von Ertrag und Qualität. Unterschiedliche Parameter muss der Landwirt zur richtigen Dosierung der Aufwandmengen beachten. Die größte Unbekannte ist dabei die Witterung, welche der Landwirt nicht beeinflussen kann und die sich in den vergangenen zwei Jahren in zwei Extremen darstellte. Im Jahr 2017 gingen durch massive Niederschläge vielerorts die Getreidebestände trotz eines hohen Wachstumsreglereinsatzes ins Lager. Ein Jahr später war eine komplett gegensätzliche Situation durch die extreme Trockenheit und Hitze. Gerade auf den leichteren Standorten, wo frühzeitig Wasser fehlte, konnten sich überzogene Aufwandmengen negativ auf den Ertrag auswirken.

Neue Produkte auf dem Markt beinhalten nur bekannte Wirkstoffe. Eine Schwierigkeit entsteht dabei, dass die einzelnen Produkte unterschiedliche Zulassungen haben. Hier muss der Landwirt bei der Anwendung und Dokumentation genau hinschauen. Eine Auswahl von Wachstumsreglern zum Frühjahr 2019 zeigt die Tabelle 1. 

Wintergerste

Bei der Wintergerste muss neben der Sortenlänge und der Lagerneigung zusätzlich auf die unterschiedliche Neigung der Sorten zum Ährenknicken geachtet werden. In der Abbildung 1 ist das Gemeinschaftsprogramm Wachstumsreglereinsatz in  Wintergerste auf Böden mit sicherer Wasserversorgung aus dem Jahr 2018 dargestellt. Es wurde insgesamt auf drei Standorten in den Sorten Joker, KWS Higgins und KWS Keeper durchgeführt. Hauptanwendungstermine waren in BBCH 32 und BBCH 49. In Variante 2 wurde die Nachlage weggelassen und in Variante 9 und 10 wurde eine Dreifachbehandlung durchgeführt. Auf keinem der Standorte konnte Lager bonitiert werden, dies war häufig auch in der Praxis nicht zu beobachten. Ertraglich unterschieden sich die Varianten nicht signifikant, sodass sich daraus ableiten lässt, dass in diesem Jahr auf solchen Standorten zumindest in BBCH 32 die Aufwandmenge nicht zu sehr reduziert werden sollte, um eine Grundabsicherung gegen Lagergetreide zu haben. Danach sollte situationsbedingt, auch mit Hilfe eines Spritzfensters, das weitere Vorgehen überlegt werden. Somit hat sich an der Standardempfehlung in der Wintergerste mit der Mischung aus 0,3 – 0,4 l/ha Calma (oder ein vergleichbares „Trinexapac“) + 0,3 – 0,5 l/ha Cerone 660 (siehe Abb. 2) zusammen in BBCH 31/32 nichts geändert. Alternativ kann bei kühleren Temperaturen auf den besseren Standorten 0,4 + 0,4 l/ha Medax Top + Turbo oder 0,3 – 0,5 kg/ha Prodax anstelle von Camposan Extra in einer Mischung mit z.B. Calma verwendet werden, die Einkürzung ist dann etwas stärker. Eine Nachbehandlung in BBCH 49 ist bei wüchsigen Beständen und bei Sorten, die stark zum Ährenknicken neigen, wie z.B. Wootan, notwendig. Hier kann eine Anwendung von Camposan Extra mit 0,3 – 0,5 l/ha eingeplant werden. Diese Behandlung sollte vor dem Ährenschieben abgeschlossen sein, da sonst das Risiko des Steckenbleibens der Ähren in den Blattscheiden besteht. Auf guten Standorten mit ausreichend Wasser und hoher Stickstoffnachlieferung ist in der Regel eine Doppelbehandlung notwendig. Nach einem milden Winter sind in diesem Jahr viele Gerstenbestände bereits sehr üppig entwicklt. Auf leichteren Standorten und unsicherer Wasserverfügbarkeit sollten die Aufwandmengen in BBCH 31 etwas reduziert werden und ggf. reicht hier eine Maßnahme aus.

 Winterroggen

Winterroggen steht oftmals auf ertragsschwachen und trockenen Böden. Hier ist mit Wachstumsreglern sehr vorsichtig umzugehen. Wenn es die Bedingungen erlauben, kann auf eine Wachstumsregulierung verzichtet werden. Bei längeren Sorten und besserer Wasserversorgung kann ein Einsatz von 0,3 l/ha CCC 720 + 0,2 l/ha Calma (oder einem vergleichbaren „Trinexapac“) bzw. Prodax 0,3 kg/ha in BBCH 31 die Standfestigkeit absichern. Je nach Situation ist ggf. eine Nachkürzung einzuplanen, auf den ertragsschwachen Standorten aber oft nicht nötig. Wenn Roggen auf Standorten steht, wo die Wasserversorgung sichergestellt ist, erzielen Prodax mit einer Aufwandmenge von 0,5 kg/ha oder eine Kombination aus 0,5 l/ha CCC 720 + 0,3 kg/ha Prodax gute Einkürzungsleistungen. Eine Auswahl an Möglichkeiten, je nach der vorherrschenden Situation, zeigt die Abbildung 3.

Wintertriticale

Bei der Triticale ist die Strategie ähnlich wie im Winterroggen. Da Triticale oft dort angebaut wird, wo organische Dünger eingesetzt werden, ist eine erste Maßnahme in BBCH 31 mit 0,4 l/ha CCC 720 + 0,2 l/ha Calma (oder einem vergleichbaren „Trinexapac“) anzuraten um die Standfestigkeit abzusichern, zumal man noch nicht einschätzen kann, wie die Organik wirkt und die Nachlieferung im Vegetationsverlauf sein wird. Ist eine Einmalbehandlung in BBCH 31/32 nicht ausreichend, kann bis BBCH 39 mit 0,3 – 0,5 l/ha Camposan Extra eine Nachkürzung erfolgen. Möglichkeiten der Wuchsregulierung sind ebenfalls in der Abbildung 3 dargestellt.

Fazit

Die Wachstumsregulierung muss jedes Jahr auf ein Neues genau überlegt werden. Anwendungsbedingungen wie Temperatur und Strahlung am Tag der Behandlung und den Folgetagen sind oftmals wichtiger als die eigentliche Produktwahl. Die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und die aktuelle Situation muss der Landwirt bei der Auswahl berücksichtigen. Bei einer Behandlung ist es von Vorteil, wenn man ein Auslassungsfenster anlegt, um die Maßnahme später beurteilen und ggf. nochmal richtig korrigieren zu können. In extrem trockenen Jahren wie 2018 ist insbesondere auf den leichten Standorten bei allen Getreidekulturen der Einsatz der Wachstumsregler mit Bedacht einzusetzen, um mögliche Ertragsverslute dadurch zu minimieren.

 

                                    

 Ährenknicken im Winterweizen                                                                                                        Lager im Gerstenbestand


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Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
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Stand: 28.03.2019