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Herbizideinsatz zum Herbst 2020 planen

Die Planung des Herbizideinsatzes im Getreide steht an, und es stellt sich die Frage, wie in dieser Saison mit Ackerfuchsschwanz oder Windhalm umzugehen ist. Die EU-Genehmigung des Wirkstoffs Flurtamone wurde nicht mehr erneuert, und im vergangenen Herbst ist die Aufbrauchfrist von Cadou forte und Bacara forte abgelaufen; Restmengen beider Herbizide dürfen daher in diesem Herbst nicht mehr aufgebraucht werden! Welche Alternativen sind möglich?

Tabelle "Packs in Getreide - Herbst 2020" siehe Anhang.

In diesem Jahr wird das Herold-SC-Boxer-Pack angeboten, die bekannten Komponenten bieten sich in dieser Kombination für den Einsatz auf Ackerfuchsschwanz-Problemstandorten mit einer hohen Besatzdichte sowie auf Standorten mit ALS-Hemmer- oder ACCase-Hemmer-resistenten Biotypen an. Durch den in Boxer enthaltenen Wirkstoff Prosulfocarb werden die in Herold SC bewährte Wirkstoffkombination aus Flufenacet und Diflufenican um einen weiteren effektiven Wirkstoff mit Dauerwirkung ergänzt. Die größte Wirkung wird bei einem möglichst frühen Einsatzstadium (BBCH 00–10) erreicht. Zusätzlich wird diese verbessert, wenn auf eine optimale Einarbeitung von Ernteresten, eine gut eingestellte Saattiefe (ca. 2–3 cm) sowie ein feinkrümeliges Saatbett geachtet wird. Damit die enthaltenen Wirkstoffe die maximale Wirksamkeit entfalten können, ist zusätzlich auf eine ausreichende Bodenfeuchte zu achten.

Agolin Forte (0,24 l/ha Cadou SC + 1,5 l/ha Agolin) gegen Windhalm, Jährige Rispe und Unkräuter und das Cadou Pro Pack (0,5 l/ha Cadou SC + 1,5 l/ha Agolin) gegen Ackerfuchsschwanz und Unkräuter sind zwei neue Packs für die Herbstbehandlung im Getreide. Beide Packs beinhalten die Wirkstoffe Flufenacet, Diflufenican und Pendimethalin. Pendimethalin und Diflufenican werden in beiden Packs mit derselben Wirkstoffmenge je Hektar ausgebracht. Der Wirkstoff Flufenacet wird entsprechend der Gräserbehandlung mit 120 g/ha gegen Windhalm oder 250 g/ha gegen Ackerfuchsschwanz eingesetzt. Die Wirkstoffe werden in die HRAC-Klassen K1, K3 und F1 eingestuft. Somit steht für die Herbizidbehandlung in Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und in der Wintertriticale eine neue Wirkstoffkombination zur Verfügung, die eine breite dikotyle Wirkung ermöglicht, ohne im Herbst Sulfonylharnstoffe einsetzen zu müssen. Die dikotyle Wirkung umfasst Ackerstiefmütterchen, Ausfallraps, Kamillearten, Efeublättrigen und Persischen Ehrenpreis, Hirtentäschel, Klatschmohn, Klettenlabkraut, Taubnessel und Vogelmiere.

Carpatus SC ist ein weiteres neues bodenwirksames und sulfonylharnstofffreies Herbizid für den Vor- und Nachauflauf in Wintergetreidearten. Die Wirkstoffe Flufenacet (HRAC‑Gruppe K3) und Diflufenican (HRAC‑Gruppe F1) besitzen eine mehrwöchige Wirkung und erfassen so auch später keimende Unkräuter (Acker-Hellerkraut, Ackerhohlzahn, Ackersenf, Ackerspörgel, Ackerstiefmütterchen, Acker-Vergissmeinnicht, Ausfallraps (bis Keimblatt), Ehrenpreis-Arten, Frauenmantel, Gemeiner Erdrauch, Hederich, Hirtentäschelkraut, Kamille-Arten (bis Keimblatt), Klatsch-Mohn, Kletten-Labkraut, Knöterich-Arten, Kreuzkraut, Melde-Arten, Rainkohl, Saatwucherblume, Storchschnabel-Arten, Taubnessel-Arten, Vogelmiere) und Ungräser (Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Einjährige Rispe) gut. Carpatus CS ist zur Anwendung im Vorauflauf zugelassen gegen Gemeiner Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter im Vorauflauf mit 0,3-0,4 l/ha in Winterweichweizen, Winterroggen, Wintergerste, Wintertriticale. Bei der Aufwandmenge von 0,3 l/ha beträgt der Abstand zu den Gewässern 5 m für 90 % Abdriftvermeidung und 15 m bei 75 % Abdriftvermeidung. Weiterhin ist Carpatus SC gegen Ackerfuchsschwanz, Gemeinen Windhalm, Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter im Vorauflauf mit 0,4-0,6 l/ha in Winterweichweizen, Winterroggen, Wintergerste, Wintertriticale zugelassen, hier beträgt der NW-Abstand 15 m bei 90 % Abdriftvermeidung. Im Nachauflauf kann Carpatus SC gegen Gemeinen Windhalm, Einjähriges Rispengras, Kletten-Labkraut, Vogelmiere, Echte Kamille im Nachauflauf mit 0,6 l/ha in Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale und Dinkel eingesetzt werden, hier beträgt der NW-Abstand ebenfalls 15 m bei 90 % Abdriftvermeidung. Broadcast und Naceto sind praktisch baugleich wie das Carpatus SC und entsprechen daher in Wirkung, Zulassung und Anwendung dem Carpatus SC gleichgestellt. Die zunächst ausgesprochene Anwendungsbestimmung NG 356 wurde für Carpatus SC, Broadcast und Naceto im letzten Monat wieder zurückgenommen.

Vulcanus enthält 600 g/l Flufenacet und kann in Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen, Wintertriticale mit 0,4 l/ha in BBCH 00-13 gegen Ackerfuchsschwanz und mit 0,2 l/ha von BBCH 00-13 gegen Gemeinen Windhalm und Einjähriges Rispengras eingesetzt werden.

Sunfire enthält 500 g/l Flufenacet und kann in Winterweichweizen, Winterhartweizen, Wintergerste, Wintertriticale und Winterroggen mit 0,24-0,36 l/ha (=120-180 g Flufenacet/ha) gegen Windhalm und einjähriges Rispengras und mit 0,48 l/ha (=240 g Flufenacet/ha) gegen Ackerfuchsschwanz im Herbst ab dem Vorauflauf bis BBCH 23 eingesetzt werden. Sunfire wird auch im Pack mit Viper Compact angeboten.

Jura ist ein Herbizid zur Bekämpfung von Windhalm, Einjähriger Rispe und Unkräutern in Winterweichweizen, -gerste, -roggen, -triticale und –hafer. Jura ist damit das einzige prosulfucarbhaltige Herbizid in Wintertriticale. Das Produkt setzt sich aus den beiden sich ergänzenden Wirkstoffen Prosulfocarb (HRAC-Gruppe: N) und Diflufenican (HRAC-Gruppe: F1) zusammen. Prosulfocarb gehört zur Gruppe der Thiocarbamate und Diflufenican zu der Gruppe der Pyridin-Carboxamide. Somit sind in dem Produkt Jura zwei unterschiedliche Wirkmechanismen miteinander kombiniert, was im Rahmen eines Anti-Resistenz-Managements unterstützend ist. Die Wirkung von Jura erfolgt über die Wurzel, das Hypokotyl und das Blatt und bietet dadurch eine Flexibilität in der Anwendung. Gut erfasst werden Einjähriges Rispengras, Gemeiner Windhalm, Vogelmiere (incl. ALS-resistent), Persischer Ehrenpreis, Ackerstiefmütterchen, Echte Kamille (incl. ALS-Resistent), Ausfallraps (incl. Clearfieldraps), Ackerhellerkraut, Gemeines Kreuzkraut, Weißer Gänsefuß, Melde und Hirtentäschelkraut. Gegenüber Mohn und Kornblume sind nur Teilwirkungen festzustellen.

Battle Delta ist ein bodenwirksames Herbizid und enthält die Wirkstoffe Diflufenican 200 g/l und Flufenacet 400 g/l als Suspensionskonzentrat. Battle Delta wird im Stadium BBCH 00 bis 24 mit einer Aufwandmenge von 0,4-0,6 l/ha in Winterweichweizen, Wintergerste, Winterroggen und Triticale eingesetzt.

Saracen Delta kombiniert als Suspensionskonzentrat (SC) die Wirkstoffe Diflufenican (DFF) mit 500 g/l und Florasulam mit 50 g/l. Saracen Delta ist daher boden- und blattaktiv und erfasst Kamille, Klettenlabkraut, Kornblume, Ausfallraps sowie Klatschmohn und ist mit allen Gräserherbiziden mischbar. Unter den zugelassenen DFF-Herbiziden ist Saracen Delta das einzige Herbizid mit einem Mindestabstand (länderspezifisch) zu Gewässern, in Niedersachsen 1,0 m. In diesem Herbst wird das neue Saracen Delta solo und in Kombination mit Franzi (Flufenacet 480 g/l) als Saracen-Delta-Pack angeboten. Diese Kombination rundet auch die Wirkung gegen Schadgräser ab.

Cleanshot enthält neben dem blattaktiven Florasulam (40 g/kg, Triazolpyrimidin, ALS-Hemmer, HRAC-Gruppe B) den Bodenwirkstoff Isoxaben (610 g/kg Benzamide, Zellulose-Synthese-Hemmer, HRAC Gruppe L). Isoxaben sorgt für nachhaltige Wirkung gegen Ausfallraps, inklusive Clearfield-tolerante Sorten und ALS-resistente Unkräuter (Kamille, Klatschmohn, Kornblume und Vogelmiere). Die Formulierung erfolgte als wasserlösliches Granulat (WG). Cleanshot ist in den Kulturen Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen und Triticale zur Anwendung im Nachauflauf Herbst (BBCH 10 – 13) mit der Aufwandmenge von 95 g/ha zugelassen. Seitens der BSL wird in diesem Jahr auch ein Cleanshot-Sunfire-Pack angeboten.

Sumimax enthält den Wirkstoff Flumioxazin (500 g/kg, PPO-Hemmer, HRAC-Gruppe E). Es handelt sich um den einzigen „Brenner im Herbsteinsatz“ (einziger Vertreter der Wirkstoffgruppe „E“) der Ungräser und /-kräuter zum Zeitpunkt des Durchstoßens bekämpft und ein wichtigen Resistenzbaustein bildet. Neben der direkten Gräserwirkung, vornehmlich auf Windhalm und Jährige Rispe, lassen sich besonders gut Kamille, Ehrenpreis und Vogelmiere bekämpfen. Hervorzuheben ist nach dem Wegfall von Flurtamone die gute Wirkung auf Erdrauch, so dass hier noch ein Produkt im Vorauflauf zur Verfügung steht. Sumimax ist im Winterweizen zur Anwendung von BBCH 00-14 mit 60 g/ha zugelassen, hat keine Nachbaubeschränkung und nur einen länderspezifischen Abstand zu Gewässern. Besonders die Kombination von Sumimax plus Boxer oder Sunfire oder Herold SC ist aus Sicht des Resistenzmanagements sehr interessant. Allerdings kostet eine Resistenzvorsorge durch Wirkstoffkombination und Wirkstoffwechsel in der Fruchtfolge sicherlich mehr als eine Minimalmaßnahme. Diese Mehrkosten sind aber relativ zu sehen und eine Investition in die Zukunft, denn ist erstmal eine Herbizidresistenz von Bodenwirkstoffen bei der Gräserbekämpfung auf einem Standort etabliert, wird der Aufwand für die Unkrautbekämpfung über die Fruchtfolge gesehen deutlich weiter steigen.

Für Herbizide mit dem Wirkstoff Prosulfocarb und Pendimethalin sind besondere Anwendungsbestimmungen zu beachten. Die NT 145 bestimmt, dass mindestens mit 300 l/ha Wasser und nur noch mit abdriftreduzierender Technik (90 %) appliziert werden darf. Bei der Anwendung darf zusätzlich eine Windgeschwindigkeit von 3 m/sec. nicht überschritten werden (NT 170). Diese Anwendungsbestimmungen gehen somit über die üblichen Forderungen der „Guten fachlichen Praxis“ hinaus und sind unbedingt auf der ganzen Fläche einzuhalten, bei Nichtbeachtung drohen empfindliche Bußgeldsanktionen!

Neben Oberflächengewässern (ausgenommen nur gelegentlich wasserführender, einschließlich periodisch wasserführender Oberflächengewässer) ist eine abdriftreduzierende Technik für den Einsatz zahlreiche Herbizide durch die Anwendungsbestimmungen NW 607 und NW 607-1 gefordert, dies betrifft Activus SC, Addition, Agolin, Alliance (nur im Frühjahr), Battle Delta, Boxer, Broadcast, Carpatus SC, Diflanil 500 SC, Filon, Herold SC, Jura, Lyskamm, Malibu, Mertil, Picona, Sempra, Stomp Aqua, Trinity, Viper Compact und weitere zugelassene Herbizide, die momentan nicht vertrieben werden. Welche verlustmindernde Technik einzusetzen ist, wird nur in Verbindung mit der NT 145 (90 %) für die pendimethalin- und prosulfocarbhaltigen Herbizide gefordert.

Tabelle "Empfehlungen zur Windhalmbekämpfung" siehe Anhang.

Die Herbstbehandlungen mit Bodenherbiziden gegen Windhalm sind wirkungssicherer als Frühjahrsbehandlungen, daher hat die Herbstbehandlung bundesweit an Bedeutung zugenommen. Der Wirkstoff Flufenacet ist mittlerweile in mehreren Herbiziden enthalten, neben dem Cadou SC, das in diesem Jahr nur im Boxer-Cadou-SC-Pack oder Picona-Cadou-Pack erhältlich war, ist nun auch als Fence, Franzi, Vulcanus und Sunfire verfügbar und somit auch als Einzelkomponente mit anderen Herbiziden mischbar. Die Zulassung von Cadou SC, Vulcanus und Sunfire umfasst neben Winterweizen und Wintergerste auch Winterroggen und Triticale. Zur Erfassung von dikotylen Unkräutern ist ein Partner erforderlich. Franzi wird in einer Kombination mit Alliance als Franzi-Complett-Pack mit deutlichem Preisvorteil gegenüber den Einzelkomponenten angeboten. Dabei handelt es sich um die boden- und blattwirksame Kombination aus den beiden Herbiziden Franzi (Flufenacet 480 g/l) und Alliance (Diflufenican 600 g/l und Metsulfuron-Methyl 60 g/l), die Ackerfuchsschwanz und Windhalm sowie alle wichtigen Unkräuter wie Ausfallraps, Ehrenpreis, Hundskerbel, Kamille-Arten, Klatschmohn, Storchschnabel, Vogelmiere, Acker-Stiefmütterchen u.a. erfasst.

Die Wirkungssicherheit der Bodenwirkstoffe nehmen zu, je besser die Bodenfeuchtigkeit ausgenutzt werden kann. Die Anwendung sollte daher so früh wie möglich (z.B. BBCH 0-11) erfolgen, möglichst vor Auflauf bis spätestens, wenn die Fahrgassen zu „erahnen“ sind! Herold SC und Battle Delta sollten mit einer Aufwandmenge von 0,4 l/ha, Carpatus SC bzw. Broadcoast mit 0,3 l/ha und Malibu mit 2,5 l/ha gegen Windhalm verwendet werden, in der Praxis fallen die Wirkungsgrade bei reduzierten Aufwandmengen ab, teilweise könnte Kamille und Kornblume nicht mehr ausreichend bekämpft werden. Das Franzi-Complett-Pack hat mit dem ALS-Hemmer Alliance leichte Wirkungsvorteile gegen sensitive Kamille. Ist ein starker Besatz mit Ehrenpreis bekannt, könnte ein Zusatz des Wirkstoff Diflufenican (Diflanil 500 SC) die Wirkung des Franzi-Complett-Packs absichern.

Bei der Windhalmbekämpfung in Winterroggen sind bei zu flacher Ablage (unter 2 cm) in der Vergangenheit Verträglichkeitsprobleme in Verbindung mit dem Einsatz von Flufenacet aufgetreten. Wenn eine verspätete Saat oder Behandlungen nach dem 15.10. notwendig wird, sollte Flufenacet daher im zu flach abgelegten Roggen nicht mehr zum Einsatz kommen. Es bietet sich an, stattdessen Viper Compact 1,0 l/ha im frühen Nachauflauf zu verwenden. Alternativ wären auch Empfehlungen mit Filon bzw. Boxer 2,0 l/ha oder Carmina Complett 1,5 l/ha jeweils in Kombination mit Alliance bzw. Acupro 0,065 kg/ha möglich. Carmina 640 kombiniert die Wirkstoffe Chlortoluron 600 g/l und Diflufenican 40 g/l, bis zu einer Wirkstoffmenge von 900 g/ha Chlortoluron gibt es keine Verträglichkeitsprobleme im Weizen, hier sind alle Weizensorten freigegeben.  Bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit bleibt Chlortoluron wie auch Diflufenican über längere Zeit im Boden wirksam und erfassen auch Kornblumen und andere später keimende Unkräuter. Alliance 0,065 kg plus Filon bzw. Boxer 2,0 l/ha l/ha erreicht auf leichten Böden eine gute Windhalmwirkung. Auf Standorten mit einer ALS-Resistenz können Alliance wie auch das Viper Compact nicht eingesetzt werden.

Tabelle "Empfehlungen zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung" siehe Anhang.

Die Erfahrungen der letzten Vegetationen zeigten, dass Vorlagen mit Bodenherbiziden im Herbst die Basis einer Herbizidempfehlung zur Ackerfuchsschwanzbekämpfung sind. Die Kombinationspräparate Herold SC oder Malibu oder Franzi-Complett-Pack sind bewährte Maßnahmen gegen Ackerfuchsschwanz, allerdings nur bei voller zugelassener Aufwandmenge! Reduktionen der Aufwandmengen sind unbedingt zu vermeiden und erhöhen nur unnötig die Resistenzgefährdung. Diese Empfehlungen sollten daher in Weizen oder Roggen durch den Zusatz von Boxer 3,0 l/ha (z.B. Boxer-Cadou-Pack) abgesichert werden, wenn die Wirkung in der Vergangenheit nicht mehr ausreichte.

Je mehr Schadgräser auf einer Fläche verbleiben, umso mehr erhöht sich die Gefahr, dass sich resistente Pflanzen bilden und vermehren können. Diese Erkenntnis gilt gleichermaßen für Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Hohe Wirkungsgrade der Bodenherbizide sind nur dann möglich, wenn sie zu optimalen Bedingungen eingesetzt werden. Bei geringen Niederschlägen und weitgehend trockenen Bedingungen ist es mit reinen Bodenherbiziden schwer, ausreichende Wirkungsgrade zu erreichen. Allerdings sind Aufhellungen durch den Zusatz von Boxer kaum zu vermeiden. Auch sind die weiteren Hinweise zum Einsatz von Boxer wie bei der Windhalmbekämpfung zu beachten. Nachbehandlungen mit einem ALS-Hemmer benötigen mindestens 14 Tage Restvegetation und sollten im Zweifelsfall ins zeitige Frühjahr verschoben werden, meist sind die Wirkungsgrade dann etwas höher.

Bei schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz sind mittlerweile in einer Vegetation deutlich mehr Maßnahmen notwendig als noch vor wenigen Jahren. Besonders bei sehr frühen Saatterminen, extensiver Bodenbearbeitung oder Verzicht auf Glyphosat kann es zu nicht ausreichender Bodenherbizidwirkung (z.B. bei Trockenheit etc.) der Flufenacet-Vorlage kommen, hier wäre eine Nachbehandlung mit Trinity 2,0 l/ha bzw. in aktuellen Versuchen sehr erfolgreich auch Trinity 2,0 l/ha + Jura 3,0 l/ha ab BBCH 10 möglich. Alternativ bietet sich im Spätherbst (auch bei erstem Frost) zur Nachbehandlung Traxos 1,2 l/ha oder SWORD 0,25 l/ha an, wenn noch keine Herbizidresistenzen gegen die Wirkstoffgruppe der ACCase-Hemmer vorliegen. Die Entscheidung, ob Traxos bzw. SWORD nachgelegt werden muss, kann allerdings bis in das Dreiblattstadium bzw. bis zu Beginn der Vegetationsruhe hinausgezögert werden. In Wintergerste ist bei Bedarf eine Nachlage mit Axial 50 im Herbst 0,9 l/ha und im Frühjahr mit 1,2 l/ha möglich.

Bekämpfungsmöglichkeiten gegen Trespen und Weidelgräser

Trespen sind besonders auf Standorten nach mehrjährigem Pflugverzicht immer häufiger anzutreffen. Eine erfolgreiche Trespenbekämpfung beginnt bereits im Herbst und ist nur in den Kulturen Winterweizen und Triticale möglich. Roggentrespe ist meistens leichter zu bekämpfen als die Taube Trespe. Wenn gleichzeitig Ackerfuchsschwanz auf der Fläche anzutreffen ist, wäre vorrangig das Bodenherbizid im Herbst einzusetzen. Mehrjährige Versuchsergebnisse zeigen, dass im Frühjahr häufig eine gezielte Nachbehandlung notwendig werden. Hier bietet sich eine Splittinganwendung von Atlantis flex oder Broadway plus BNM, Avoxa oder von Attribut plus Netzmittel und AHL an. Eine Splittinganwendung teilt die volle Aufwandmenge der möglichen Empfehlungen auf zwei kurz aufeinander folgende Termine auf, dabei darf die zulässige Aufwandmenge nicht überschritten werden. Der Nachbau von Raps oder Kreuzblütlern im Herbst ist nach Anwendungen von Attribut auf der gleichen Fläche nicht möglich.

Auch die Weidelgräsern sind immer häufiger anzutreffen, hier sind das Deutsche (Lolium perenne) und das Welsche Weidelgras (Lolium multiflorum) zu unterscheiden. Deutsches Weidelgras wird in der Regel durch die Anwendung von Traxos, Axial Komplett und Axial 50 sowie auch von Atlantis OD, Atlantis flex, Niantic, Husar OD oder Broadway oder jeweils mit Additiv und in voller Aufwandmenge bekämpft. Das Welsche Weidelgras ist meistens nicht so leicht zu bekämpfen. Bei beiden Weidelgrasarten sind in Deutschland erste Resistenzerscheinungen gegenüber ACCase-Hemmern, ALS-Hemmern und vereinzelt auch Flufenacet zu beobachten. Die Wirkungsgrade gegenüber dem Welschen Weidelgras sind bei den genannten Herbiziden niedriger als bei dem Deutschen Weidelgras, für gesicherte Aussagen sind hier aber noch weitere Versuchserfahrungen erforderlich.  


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Sachgebiet Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
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Stand: 01.09.2020