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Verunkrautungen nehmen deutlich zu (Teil 1)

Im Herbst 2020 waren vielerorts die Vorlagen mit einem flufenacethaltigen Bodenherbizid nicht immer ausreichend wirksam gegen typische „Herbstkeimer“ wie z.B. Ackerfuchsschwanz, Kamille und Vogelmiere. Wie auch im letzten Frühjahr ist daher mit einer deutlichen Zunahme von Schadgräsern zu rechnen.

Nach mehrjährigen zu trockenen Bodenfeuchtigkeiten hat sich bei Ackerfuchsschwanz vereinzelt ein enormes Samenpotential aufgebaut. Anderseits ist zu beobachten, dass durch den überbetrieblichen Maschineneinsatz der schwer bekämpfbare Ackerfuchsschwanz zunehmend in Mischverunkrautungen mit Windhalm aber auch Jährige Rispe und Trespen auftritt - dieser Trend ist bundesweit festzustellen. Wo früher nur leicht bekämpfbarer Windhalm war ist heute zunehmend auch schwer bekämpfbarer Ackerfuchsschwanz. Der Blumenstrauß wird also bunter und die besondere Herausforderung wird sein, neben den bereits resistenten Unkräutern auch die bereits weit entwickelten Unkräuter ausreichend bekämpfen zu können. Das klingt fast nach der „Quadratur des Kreises“, aber es geht. Gemäß dem Motto „Nur der frühe Vogel fängt den Wurm!“ sollte die Nachbehandlung gegen Ackerfuchsschwanz und Co. möglichst frühzeitig in diesem Frühjahr erfolgen, allerdings setzen die Anwendungsbestimmungen für die Herbizide hier klare Grenzen. Auf drainierten Flächen ist eine Anwendung von Niantic oder Atlantis Flex in voller Aufwandmenge erst ab dem 16.3. erlaubt. Die wärmeliebenden dikotylen „Frühjahrskeimer“ wie z.B.  Knöteriche, Storchschnabel, aber auch die im Getreide eher selten anzutreffenden Melden und Gänsefüße lassen sich davon losgelöst, wenn nötig, später und gezielt bekämpfen.

Tabelle: Angebotene Packs im Frühjahr

Name des Packs Zusammensetzung

Gebindegröße /

Verhältnis der Produktmengen

im Pack

Atlantis Komplett Pack (BAY) Atlantis OD + Husar OD 2 x 5 l Atlantis OD + 2 x 0,4 l Husar OD
Pixie Pack (FMC) Saracen Delta + Duplosan Super 1 l Saracen Delta + 10 l. Duplosan Super
Boudha Plus Pack (ROTAM) Boudha + Upton 500 g Boudha + 2,5 l Upton

 

Empfehlungen zur Bekämpfung von Schadgräsern und dikotylen Unkräutern

Die Beurteilung ob eine Unkrautbekämpfung stattfindet oder nicht ist anhand der bekannten Unkrautbekämpfungsschwellen möglich. Dort wo die nachfolgenden Unkrautdichten nicht erreicht sind, könnte durchaus über einen Verzicht der Herbizidmaßnahme nachgedacht werden, insbesondere dort wo eine Unkrautbekämpfung im Herbst ausreichend gewirkt hat. Sind die Unkrautdichten erreicht und eine Herbizidmaßnahme wurde gezielt durchgeführt, sollte ein kleines Spritzfenster über den Bekämpfungserfolg der Maßnahme Auskunft geben.

ALOMY:                    15-20 Pflanzen/m2

APESV:                       20-25 Pflanzen/m2

Unkräuter allgemein:    5 % DG oder 40-60 Pflanzen/m2

Vor einer Herbizidmaßnahme ist es auch hilfreich, den Herbizidresistenzstatus der zu behandelnden Fläche zu ermitteln, im Zweifelsfall gibt eine Resistenzuntersuchung Auskunft. Auf Flächen, wo in der Vergangenheit stärkere Minderwirkungen mit ALS-Hemmern (Atlantis WG, Cato, Motivell, Maister Power) festgestellt wurden, ist der Einsatz eine ACCase-Hemmers (Axial 50 EC, Traxos, Sword) zielführender. Und dort wo ein Focus Ultra nicht mehr ausreichend wirkt, sollte möglichst der Behandlungsschwerpunkt auf ALS-Hemmern oder chlortoluronhaltige Herbizide (Lentipur 700, CTU 700) verlagert werden. Wenn noch keine Wirkungsminderungen bekannt sind, sollte ein Wechsel von Wirkstoffgruppen über die Fruchtfolge bereits jetzt fest eingeplant sein. Nehmen die Wirkungsminderungen mehrerer Wirkstoffgruppen zu, wäre über einen Einsatz eines Striegels nachzudenken. Mehrmaliges Striegeln bei trockenen Böden kann auch im Frühjahr gegen weit entwickelte Ungräser hilfreich sein. 

Die Tabelle "Empfehlungen gegen Ungräser und Unkräuter in Getreide 2021" entnehmen Sie bitte der angehängten pdf-Datei.

Neue Wirkstoffe gibt es in diesem Frühjahr nicht, allerdings neue Herbizide und Änderungen der Anwendungsbestimmungen. Das bekannte Atlantis WG + FHS wird nicht mehr angeboten, stattdessen wird zur Gräserbekämpfung in Weizen Niantic + FHS empfohlen. Für den Einsatz von Niantic mit mehr als 150 g/ha ist die Drainauflage NW 800 zu beachten, auf gedrainten Flächen darf keine Anwendung zwischen dem 01. November und dem 15. März erfolgen. Bei Aufwandmengen unter 150 g/ha entfällt die NW 800, allerdings gilt diese Indikation nur gegen Windhalm und gegen Ackerfuchsschwanz sind in der Regel 500 g/ha erforderlich. Alternativ gibt es noch das bekannte Atlantis OD, das sich allerdings eher unter süddeutschen Anwendungsbedingungen bewährt hat. Unter den kühlen Anwendungsbedingungen im norddeutschen Raum neigte Atlantis OD in größeren Feldspritzgeräten bei Zugabe von AHL gelegentlich zur „Schlierenbildung“. Atlantis OD erschien daher eher für den süddeutschen Raum geeignet und wird als Atlantis-Komplett-Pack gemeinsam mit Husar OD angeboten.

Atlantis Flex enthält die Wirkstoffe Mesosulfuron, Propoxycarbazone und Mefenpyr-Dietyl, also eine Kombination der bekannten Herbizide Atlantis WG und Attribut, allerdings ohne das dikotyl-wirksame Iodosulfuron. Bei voller Aufwandmenge 330 g/ha enthält Atlantis Flex den Wirkstoff Propoxycarbazone vergleichbar wie ein Drittel der Aufwandmenge von Attribut und Mesusulfuron wie vergleichbar 500 g/ha Niantic. Mit 330 g/ha wird Atlantis Flex (= 500 g/ha Atlantis WG) gegen schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz, Weidelgras- und Trespenarten, Flughafer und einjährig zweikeimblättrige (sensitive) Unkräuter eingesetzt. Wie beim Niantic ist auch beim Atlantis Flex die NW 800 zu beachten ist, da Atlantis flex aber keine Herbstzulassung hat, ist eine Anwendung auch mit reduzierten Aufwandmengen erst ab dem 16. März möglich. Mit 200 g/ha wirkt Atlantis Flex (= 300 g/ha Niantic) im Nachauflauf ausreichend gegen leicht bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz, Windhalm und einjähriges Rispengras sowie sensitive Vogelmiere und bedingt auch gegen sensitive Kamille. Die Wirkung im Frühjahr liegt ohne Bodenherbizidvorlage bei durchschnittlich 75-80 % und mit Bodenherbizidvorlage bei ca. 80-85 %. Das alleine reicht für eine ausreichende Ackerfuchsschwanzbekämpfung nicht, hier müssen flankierende ackerbauliche Maßnahmen helfen, um mindestens 97 % Wirkungsgrad zu ermöglichen. Das langfristige Ziel ist, dass sich der der Bodenvorrat an Ackerfuchsschwanzsamen nicht zusätzlich erhöht.

Um aus Gründen der Resistenzvermeidung einen dringend erforderlichen nachhaltigen Bekämpfungserfolg der ALS-Hemmer besonders gegen Ackerfuchsschwanz zu erzielen, sollte für eine ausreichende Benetzung, Anlagerung und Wirkstoffaufnahme bei blattaktiven Wirkstoffen gesorgt sein. Das ist mit Applikationstechnik, Beobachtungen zum Witterungsgeschehen und durch Nutzung von Formulierungshilfen bzw. Additiven möglich. Bei einer Luftfeuchtigkeit unter 60 % kann sich die Wirkung von blattaktiven Wirkstoffen deutlich verschlechtern, eine Verlegung der Maßnahme in die Morgen- oder Abendstunden ist meist ein tragbarer Kompromiss. Ostwindwetterlagen  lassen Tag/Nacht- Temperaturen stärker schwanken, die Nachtfrostgefahr steigt dann erheblich und damit die Gefahr von Kulturverträglichkeitsproblemen. Besonders geschwächte Bestände sollten Sie in dieser Phase nicht zusätzlich mit Herbiziden belasten.

Die Liste der Additive ist lang, die Wirkung wird aber nicht in allen Kombinationen verstärkt. Gegen schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz wird zur Zeit das Niantic in voller Aufwandmengen mit FHS und mit AHL- Zusätzen verwendet. Untersuchungen zeigen für diese Kombination den höchsten Wirkungsgrad. Das ist für eine sichere Wirkung und Resistenzvermeidung unbedingt einzuhalten, auch wenn bereits im Herbst flufenacethaltige Produkte zum Einsatz kamen. Auch schon geringe Mengen von AHL oder Dash (im Pack bei Biathlon 4D enthalten) beschleunigen die Wirkung von blattaktiven Herbiziden zusätzlich. Besonders bei Niantic ist der Zusatz von 30 l AHL/ha bekanntermaßen das „Zünglein auf der Waage“. Der Zusatz von SSA bringt keinen Zusatznutzen und Kantor kann die Wirkung von Niantic sogar auch verlangsamen bzw. etwas reduzieren. Bis zur Behandlung mit dikotylwirksamen Herbiziden sollte eine Behandlungspause von mindestens 7 Tagen eingehalten werden, nur so lassen sich antagonistische Effekte oder andere Wirkungsminderungen infolge ungünstigen Bedingungen gegen Ackerfuchsschwanz eher vermeiden. Ist die frühe Gräserbekämpfung witterungsbedingt aber nicht möglich, wäre im „Notfall“ eine Tankmischung am ehesten mit Omnera LQM, Saracen Delta, Biathlon 4D, Zypar und Antarktis möglich.

Mit Broadway plus Broadway Netzmittel (130 g/ha + 0,6 l/ha) ist eine Bekämpfung von sensitiven Windhalm möglich, also dort wo noch keine ALS-Resistenz festzustellen ist. Gegen Ackerfuchsschwanz (nicht aber gegen schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz) kann Broadway 220 g/ha plus Netzmittel 1,0 l/ha eingesetzt werden. Mit den Wirkstoffen Pyroxsulam und Florasulam wird in Winterweizen, Winterroggen und Triticale mit 130 g/ha eine sehr breite Wirkung auch gegen Klettenlabkraut, Kamillearten (nur sensitiv, ohne ALS-Resistenz), Vogelmiere, Ehrenpreisarten, Mohn, Knötericharten, Ausfallraps, Storchschnabelarten, Ackerhellerkraut, Ackersenf, Hirtentäschel, Vergissmeinnicht, Frauenmantel und Hundspetersilie ermöglicht. Broadway wird immer in Mischung mit dem Broadway-Netzmittel empfohlen. Eine Zugabe in AHL (pur) ist nur in Triticale und Roggen möglich. Von Tankmischungen von Broadway mit Medax Top wird abgeraten. Broadway plus Broadway Netzmittel könnte bei Bedarf mit dem Partner Pixxaro EC kombiniert werden.

Der im Lentipur enthaltene Wirkstoff Chlortoluron ist nur noch in Ausnahmen wirksam und soll nur in spät gesätem Getreide (Rübenweizen) zum Einsatz kommen, da hier der Windhalm noch nicht weit entwickelt ist. Zu beachten sind die Sortenverträglichkeit und produktspezifischen Anwendungsbestimmungen für drainierte Flächen und Bodenart. Die maximal zugelassenen Aufwandmengen sollten aber ausgeschöpft werden.

Eine effektive Trespenbekämpfung beginnt bereits bei der Bodenbearbeitung im Herbst. Pflugverzicht fördert die Entwicklung von Trespen. Der Herbsteinsatz eines Bodenherbizides sollte einen möglichst hohen Teil der aufgelaufenen Trespen räumen. Leider reicht das Bodenherbizid aber alleine nur selten aus. Die beste Unterdrückung der Trespen wird mit Attribut, Niantic oder Broadway erreicht, aber auch nur wenn die Unkräuter das Stadium 3-Blatt erreicht haben. Da sich mittlerweile auch schon schwer bekämpfbare Trespen entwickelt haben, sollte auf eine Reduktion der Aufwandmenge möglichst verzichtet werden. Empfehlenswert ist besonders die Splittinganwendung im Frühjahr unter Beachtung eines Wirkstoffwechsels zum Beispiel mit einer Vorlage von Attribut 60 g/ha (plus Mero oder Dash) und einer Nachlage mit Broadway 150-275 g/ha (+ Broadway Netzmittel 0,6-1,0 l/ha) oder Niantic 300-400 g/ha (+ FHS 0,8 l/ha).  

Eine Bekämpfung von Weidelgräsern ist mit Traxos 1,2 l/ha oder Axial 50 mit 1,2 l/ha oder Niantic 500 g/ha + FHS 1,0 l/ha oder Husar Plus 0,2 l/ha + Mero 1,0 l/ha oder Broadway 220 g + Broadway Netzmittel 1,0 l/ha möglich. Eine Reduktion der Aufwandmenge ist auch hier nicht mehr angeraten, Traxos und Axial 50 darf in der Vegetationsruhe und die anderen Herbizide nur zu Vegetationsbeginn eingesetzt werden.

 Zusammenfassung

  • Die Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz erfordert einen frühen Einsatz von Atlantis Flex + FHS. Dabei ist die Drainauflage bis zum 15. März zu beachten. 
  • Leicht bekämpfbarer Ackerfuchsschwanz ist zu einem früheren Zeitpunkt auch mit Broadway plus Broadway Netzmittel bekämpfbar. 
  • Gräserbehandlungen sollen möglichst getrennt (7-8 Tage) von der Anwendung gegen dikotyle Unkräuter ausgebracht werden um Wirkungsminderungen zu vermeiden. Zur Tankmischung im „Notfall“ können Omnera LQM, Saracen Delta, Biathlon 4D, Zypar und Antarktis genutzt werden.
  • Das Ziel ist einen guten Bekämpfungserfolg der Herbizide zu erzielen, dazu sollte eine ausreichende Benetzung, eine Luftfeuchtigkeit > 60 %, gleichmäßige Verteilung gesorgt sein, nur so ist eine optimale Wirkstoffaufnahme bei blattaktiven Wirkstoffen möglich.

 


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Sachgebiet Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
E-Mail:


Stand: 15.03.2021



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