Webcode: 01038603

Verunkrautungen nehmen deutlich zu (Teil 2)

Auf Standorten, wo aufgrund früher Saattermine des Winterweizens der Ackerfuchsschwanzdruck extrem hoch ist, erreichten die Bodenherbizide im Herbst (Flufenacet mit und ohne Zusatz von Boxer) nur mäßige Bekämpfungserfolge. Was ist zu tun?

In diesem Frühjahr gilt es eine optimale Gräserwirkung zu ermöglichen, die wärmeliebenden dikotylen „Frühjahrskeimer“ wie z.B.  Knöteriche, Storchschnabel, aber auch die im Getreide eher selten anzutreffenden Melden und Gänsefüße lassen sich davon losgelöst, wenn nötig, später und gezielt bekämpfen. Besonders wenn die Maßnahmen gegen Gräser im Herbst nicht ausreichend waren, ist zunächst eine Frühjahrsbehandlung mit z. B. Niantic (500 g/ha) + FHS 1,0 l/ha oder Atlantis flex 330 g g/ha + Biopower 1,0 l/ha ab BBCH 21, nach dem 15.3. (Drainauflage) vorrangig notwendig. Da der Ackerfuchsschwanz vielerorts bereits beträchtliche Größe erlangt haben, ist zur Wirkungsverbessung ein Zusatz 30 l/ha AHL angeraten! Eine Anwendung in AHL pur ist nicht verträglich!

Eine optimierte Anwendung der blattaktiven Pflanzenschutzmittel mit ausreichender Wasseraufwandmenge (> 200 l/ha), angepasster Fahrgeschwindigkeit (6 - 8 km/h) und geeigneter Düsentechnik mit je nach Möglichkeit hohem Feintropfenanteil sichert den Erfolg dieser Maßnahmen ab. Hierzu gehört zudem eine ausreichende Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 %, insbesondere bei der Applikation der Sulfonylharnstoffe im Frühjahr. Um dies zu erreichen, sollten in trockenen Hochdruckwetterlagen Anwendungstermine in den Morgen- oder Abendstunden gewählt werden.

 

 

Klettenlabkraut kann alleine ausreichend mit Tomigan 200 0,4-0,7 l/ha oder Starane XL 0,7-1,0 l/ha oder Pixxaro 0,25-0,5 l/ha bekämpft werden. Gegen Klettenlabkraut, Kamille, Ausfallraps und Vogelmiere kann Primus Perfect 0,2 l/ha oder Zypar 1,0 l/ha, Pointer Plus 0,05 kg/ha (Schwäche bei Ehrenpreis), Ariane C 1,0 l/ha, Omnera LQM 1,0 l/ha oder Biathlon 4D (Fertigformulierung von Biathlon plus Primus) eingesetzt werden. Der Zusatz von Dash verbessert beim Biathlon 4D die Wirkung auch gegen Kornblume, Mohn, Knöterich, Ehrenpreis, Taubnessel, Vergissmeinnicht und Ausfallraps. Stiefmütterchen und Ehrenpreis wird durch Artus 0,04-0,05 kg/ha oder Fox 0,7 l/ha ausreichend erfasst.  Gegenüber Hundskerbel hat im Frühjahr das metsulfuronhaltige Pointer Plus, Artus, Omnera LQM, Ergon bzw. Connex sowie das Dirigent SX und Boudha die Nase vorne.

Die Tabelle im Anhang gibt eine Übersicht über die Einsatzbedingungen der Herbizide und Herbizidmischungen gegen dikotyle Unkräuter im Frühjahr. Die hier gewählten Aufwandmengen sollten aus Gründen der Resistenzvermeidung nicht unterschritten werden. Positive Aspekte, wie Vermeidung von Resistenz von Kamillen durch Wirkstoffkombinationen mit Clopyralid, Florasulam und Halauxifen-Methyl, sind in der Tabelle zu entnehmen.

Eine Resistenz kann vermieden werden, desto mehr Wirkstoffe kombiniert sind.

Ein Sternchen (*) beschreibt den länderspezifischen Mindestabstand zu Gewässern (z.B. in Niedersachsen 1 m) bei Einsatz von Abtriftminderungstechnik (90%). Die Wirkungen der Herbizide sind farblich gekennzeichnet, hilfreich ist in der Beurteilung auch das Ranking nach Wirkungen und Preis. Je breiter die Wirkung ist, desto höher ist die Zahl im Ranking, das erleichtert eine Auswahl.

 

 

 

 


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Sachgebiet Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
E-Mail:


Stand: 16.03.2021