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Ackerfuchsschwanzbekämpfung (ALOMY)

„Ich hatte Ackerfuchsschwanz noch nie, wo kommt der her?“ So oder so ähnlich beginnt momentan jede zweite telefonische Anfrage in der Herbologie des Pflanzenschutzamtes. Und tatsächlich finden wir dieses Jahr in vielen Regionen Niedersachsens und angrenzenden Bundesländern den ALOMY über dem Getreide blühen - und das in einem Umfang wie selten zuvor.

Was ist in diesem Jahr hier passiert?

Betroffen sind hier nicht nur die typischen schweren Ackerfuchsschwanzstandorte, vielmehr auch die milden Lößlehme auf denen bislang nur Windhalm zu finden war. Bodenherbizide mit Flufenacet konnten in diesem Herbst aufgrund der Bodenfeuchtigkeit Wirkungsgrade bis 85-90 % erzielen, ein Ergebnis das in einem trockenen Herbst, zumindest auf tonigen Böden, kaum zu erreichen ist. Umso überraschender ist das momentan zu beobachtende massive Auftreten.

Nach dem warmen Dezember und milden Winter ist ALOMY im Frühjahr erneut frühzeitig aufgelaufen und war zum frühestmöglichen Zeitpunkt am 16. März bereits für den Einsatz von ALS-Hemmern (Mesosulfuron, Propoxycarbazone und Pyroxsulam) dem optimalen Entwicklungsstadium entwachsen. Auch ist ALOMY im Frühjahr nach dem Einsatz der blattaktiven ALS-Hemmern weiterhin aufgelaufen, so lassen sich die deutlichen Wuchsunterschiede derzeit erklären. Erste ALOMYs stehen über der Weizenähre und haben die Blüte in den nächsten Tagen abgeschlossen, andere Ähren sind noch im Bestand versteckt und sind erst in den nächsten Tagen über der Weizenähre sichtbar.

Ein weiteres Problem in diesem Jahr war, dass die eingesetzten ALS-Hemmer aufgrund der kühlen Witterung im März ihre volle Wirkung nicht immer entfalten konnten, die erforderliche Wüchsigkeit fehlte. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit minderte zusätzlich die Wirkstoffaufnahme, auch bei Nutzung von Formulierungshilfen bzw. Additiven.

Nicht selten wurde der ALOMY bei der Begutachtung im Frühjahr übersehen, besonders dort  wo er eher nicht erwartet wurde! Das Problem ist aber schon viel früher entstanden. ALOMY wird seit Jahren mit dem überbetrieblichen Maschineneinsatz im Lande verteilt. Wenn sich die Aufwandmengen der Bodenherbizide im Herbst nur am Windhalm orientieren, führen Unterdosierungen über Jahre zur schleichenden Selektion schwer bekämpfbarer ALOMYs. Eine mögliche Herbizidresistenz wird erst festgestellt, wenn der Ungrasbesatz exorbitant zugenommen hat, wie in diesem Frühsommer.

Vielerorts wurden auch Maßnahmen mit ALS-Hemmer eingespart, weil der ALOMY einfach übersehen wurde. Nur so ist zu erklären, dass regional messerscharfe Bewirtschaftungsgrenzen von Betrieben auch deutliche Unterschiede im Ungrasbesatz aufzeigen. Es gibt aber auch Unterschiede durch die angebauten Sorten, in aktuellen Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt sich in diesem Jahr, dass gut bedeckende Sorten einen erheblichen Einfluss auf den Ackerfuchsschwanzbesatz haben.

Auch der Effekt nach dem Einsatz eines Striegels ist nicht zu unterschätzen. Die Abb. zeigt, dass der Striegel im Herbst und Frühjahr bei optimalen Einsatzbedingungen den Herbizideinsatz unterstützen kann und so die Herbizidmaßnahmen unterstützt.

Welche schleichende Gefahr entwickelt sich?

Jeder Pflanze bildet nun 4-10 Ähren, also bis zu 2000 ALOMY-Samen pro Pflanze. Bei nur 10 Pflanzen pro qm entwickeln sich 20.000 Samen pro qm bzw. 200 Mio Samen pro ha. Ein enormes Samenpotential, dem nun entschieden begegnet werden muss, sonst bleibt das Problem über Jahre bestehen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass ein ALS-resistenter Biotyp dabei ist. Eine rechnerische Wahrscheinlichkeit liegt bei ca. 1:1 Mio.

Unter der Annahme, dass alle Samen keimen könnten, würden pro ha ca. 200 ALOMYs heranwachsen die entweder gegen Flufenacet oder Mesosulfuron resistent sind. Bei einer sicheren Unkrautbekämpfung mit intensiver Bodenbearbeitung, Scheinsaatbett, Glyphosateinsatz und sicherer Unkrautleistung der Herbizide könnte das Problem möglicherweise gelöst sein, liegen die Wirkungsgrade der Bodenherbizide witterungsbedingt zwischen 60-80 %, erscheint die Entwicklung von resistenten Unkrautpopulationen eher wie eine tickende Zeitbombe auf dem Acker.

Was ist jetzt zu tun?

Bei diesem extremen Ungrasbesatz sind auch massive Maßnahmen erforderlich! Noch vor Erreichen der Samenreife besteht die Möglichkeit den Aufwuchs als GPS für die Biogasanlage zu ernten. Nach drei Tagen Verweilen in der Biogasanlage sind die Samen abgestorben. Ist das nicht möglich sollten die Befallsnester gemulcht werden, vor diesen Maßnahmen sollten Sie sich mit Ihrer zuständigen Bewilligungsstelle in Verbindung setzen und den erforderlichen Umfang der Maßnahme beantragen.

Eine neue Möglichkeit zur Reduktion der Ackerfuchsschwanzsamen bietet der TopCut collect der Firma Zürn. Hier werden die über dem Weizen stehenden Ähren entnommen und so das Samenpotetial gemindert, wie effektiv und nachhaltig diese Maßnahme ist, muss erst noch mehrjährig geprüft werden.

Eine weitere Möglichkeit den auflaufenden ALOMY zu mindern, setzen Verfechter der Minimalbodenbearbeitung um. Unmittelbar nach der Ernte wird die restliche Bodenfeuchtigkeit für die Saat von Zwischenfruchtmischungen in den Stoppel genutzt. Erfolgte die Saat der Zwischenfrucht rechtzeitig, besteht eine große Chance den auflaufenden Ackerfuchsschwanz und das Ausfallgetreide effektiv bis zur Direktsaat der nachfolgenden Winterung zu unterdrücken. Das System wird im östlichen Niedersachsen bereits mehrere Jahre umgesetzt, setzt aber voraus, dass das Stroh nicht abgefahren wird und das die Zwischenfrucht wenige Stunden nach der Ernte in den Stoppel geschlitzt ist.

Mit Hilfe einer sauberen Pflugfurche könnten die Ackerfuchsschwanzsamen an der Keimung gehindert werden, allerdings müssen sie 8-12 Jahre bis zum Verlust der Keimfähigkeit im Boden ohne Lichtreiz verbleiben. Eine saubere Pflugfurche setzt voraus, dass das Stroh abgefahren wurde oder mittels Strohstriegel und Mulcher so zerkleinert wurde, dass keine Strohmatten entstehen. Auflaufende Ungräser müssen noch vor der Saat der Winterung abgetötet werden, das gelingt nur wenn der Saattermin der nachfolgenden Winterung ortsüblich etwas hinausgezögert wird. Auf den schweren Marschböden ist eine saubere Pflugfurche nicht möglich, hier kann ein ALOMY-Samenvorrat nur noch durch den mehrjährigen Anbau von Feldfutterbau (Kleegras) reduziert werden.


Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Sachgebiet Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
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Stand: 02.07.2021