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Den Herbizideinsatz in Zuckerrübe gezielt und verträglich gestalten

Eine angespannte Preissituation für Zucker, gleichzeitig ansteigende Kosten im Zuckerrübenanbau, sowie eine geringer werdende Herbizidpalette erfordern noch mehr eine gezielte und verträgliche Herbizidstrategie.

 

Präparate: Zulassungsstand und Veränderungen

Von besonderer Bedeutung für eine wirkungsvolle Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben ist der Umfang der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe und den daraus formulierten Präparaten. Im Folgenden wird daher die Zulassungssituation an Zuckerrübenherbiziden für das Anbaujahr 2020 beschrieben.

Nach derzeitigem Zulassungsstand ergibt sich für 2020 eine noch entspannte Situation. Die Palette der Metamitron-haltigen Präparate wie Goltix Titan, Goltix Gold, Metafol SC als auch das 2019 neu zugelassene Kezuro sind am Markt verfügbar. Im Vergleich zu ausschließlich Metamitron-haltigen Präparaten verbessert der Quinmerac-Anteil im Goltix Titan oder Kezuro die Wirkung auf Hundspetersilie, Klettenlabkraut sowie Windenknöterich. In 2020 stehen noch zwei weitere Quinmerac-haltige Produkte bereit: Rebell Ultra, welches im Rahmen der Aufbrauchfrist, bis zum 30.06.2020 zur Anwendung kommen darf. Weiterhin kann Tanaris bestehend aus Dimethenamid (333 g/l) plus Quinmerac (167 g/l) als boden- und blattwirksamer Partner in die Spritzfolge eingegliedert werden. Tanaris hat eine zugelassene Aufwandmenge von 1,5 l/ha, die in Teilmengen von 0,3, 0,6 und 0,6 l/ha entsprechend der Zulassung in der Spritzfolge aufgeteilt werden kann. Für Tanaris besteht 2020 auch keine Auflage zur Biodiversität mehr, jedoch gilt aufgrund des Quinmerac-Anteils die Auflage NG 343, nach der nicht mehr als 250 g/ha und Jahr des Wirkstoffes Quinmerac auf einer Fläche aufgebracht werden darf. Daher ist diese Auflage insbesondere für solche Spritzfolgen zu beachten, in denen gleichzeitig Mittel wie Goltix Titan, Kezuro oder auch Restbestände von Rebell Ultra ausgebracht werden. Als weiteres Dimethenamid-haltiges Produkt mit 760 g/l ist Spectrum in 2020 zugelassen. Es unterstützt u.a. die Wirkung auf Hundspetersilie, Kamillearten, Amarant und Ehrenpreis. Beachten Sie, dass Spectrum im Soloeinsatz aufgrund der Kombinationszulassung mit Rebell Ultra erst ab BBCH 16 in Zuckerrüben zum Einsatz kommen darf.

Das Lenacil-haltige Venzar 500 SC wird in diesem Jahr die Mittelpalette erweitern. Der Wirkstoff Lenacil ist auch im Betanal maxxPro als 4. Wirkstoff enthalten. Venzar 500 SC besitzt einen Wirkstoffgehalt von 500 g Lenacil pro Liter. Dieses Mittel ist zu mehr als 80 % bodenwirksam und die zugelassene volle Aufwandmenge beträgt 1,0 l/ha. Entsprechend der Zulassung kann Lenacil in Teilmengen von 2 x 0,5 l/ha oder 3 x 0,33 l/ha oder auch 4 x 0,25 l/ha ausgebracht werden. Nur bei der Splittinganwendung der Teilmenge 0,25 l/ha (bis zu 4 x pro Jahr und Fläche) ist der länderspezifische Mindestabstand bei 90 % Abdriftminderung zu wasserführenden Gewässern möglich.

Die Auflage NG 360 ist zu beachten, nach der innerhalb von 3 Jahren die maximale Aufwandmenge von 500 g Lenacil pro Hektar auf derselben Fläche auch in Kombination mit anderen diesen Wirkstoff enthaltenen Pflanzenschutzmitteln nicht überschritten werden darf. Nach ersten Versuchen zeigt eine Zugabe von 0,25 l/ha Venzar zu Phenmedipham- und Desmedipham-freien Herbizidkombinationen der NAK 1 bis 3 Vorteile bei der Bekämpfung von Gänsefuß, Knötericharten sowie auch Ausfallraps. Venzar 500 SC wird 2020 ausschließlich im Debut Duo Active Pack mit Debut vertrieben.

Für 2020 hat sich für die blattaktiven Clopyralid-haltigen Präparate wie z.B. Vivendi 100 oder Cliophar 600 SL keine Änderungen ergeben. Diese Wirkstoffgruppe besitzt gegen Kamille, Hundspetersilie, Nachtschatten oder Disteln Wirkungsschwerpunkte.

Von großer Tragweite ist hingegen die weitere Entwicklung um die Zulassung der blattaktiven Basiswirkstoffe Phenmedipham und Desmedipham. Diese Wirkstoffe sind in einer Reihe von Kombinationspräparaten wie z.B. Belvedere Extra, Betanal maxxPro, Betasana Trio oder auch im Betasana SC enthalten (Übersicht 1).

  1. Desmedipham: Für Präparate wie z.B. Betanal maxxPro, Belvedere Extra, Betanal Expert oder Betasana Trio gelten aufgrund der Nichtlistung von Desmedipham folgende Fristen in Deutschland:
    Die Zulassung wurde zum 01.01.2020 widerrufen. Die Abverkaufsfrist durch den Handel endet somit am 01.07.2020. Die Aufbrauchfrist beim Landwirt endet auch am 01.07.2020, so dass Desmedipham in der Herbizidsaison 2020 noch eingesetzt werden darf. Bereits für 2020 ist das Herbizid Belvedere Duo der Firma ADAMA verfügbar. Es enthält die Wirkstoffe Phenmedipham mit 200 g/l sowie Ethofumesat mit 200 g/l. Die volle Aufwandmenge beträgt 4,0 l/ha aufgeteilt in entweder 2 x 2,0 l/ha oder 3 x 1,3 l/ha. Damit ist ein Desmedipham-freies Kombinationsprodukt bereits zu aktuellen Saison nutzbar.
  2. Phenmedipham: Der Wirkstoff Phenmedipham befindet sich derzeit in der Bewertung. Die ECHA (Europäische Chemikalienbehörde) hat Phenmedipham als nicht krebserregend und nicht fortpflanzungsschädigend eingestuft. Es werden Nachforderungen der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) erwartet. Mit einer Zulassungsverlängerung ist erst in 2022/2023 zu rechnen. Phenmedipham-haltige Herbizide werden voraussichtlich bis mindestens 2022 für den Landwirt nutzbar sein.

Der Verlust dieser Wirkstoffe Desmedipham und Phenmedipham würde die in Zuckerrüben zugelassene Mittelpalette zukünftig deutlich einengen, sodass die verbleibenden Wirkstoffe auf ihre Wirksamkeit gegenüber der vorhandenen Unkrautzusammensetzung der Standorte intensiv geprüft werden müssen. Dies erfolgte bereits in den Versuchsjahren 2018 und 2019 über mehrere Standorte im Gebiet der LWK Niedersachsen in Kleinparzellenversuchen. In den nachfolgend dargestellten Prüfungen, der auf Standorten der Bezirksstellen Northeim, Braunschweig, Nienburg, Uelzen sowie des Pflanzenschutzamtes Hannover platziert waren, wurde die Wirkung von Phenmedipham- und Desmedipham-freien Herbizidvarianten im Vergleich zum jetzigen Betanal- und Desmedipham-haltigen Standard Betanal maxxPro (Variante 1) geprüft. Die Versuche wurden hierfür systematisch aufgebaut. Der Wirkstoff Metamitron (Goltix Titan) bildet in Variante 2 die Basis der Unkrautbekämpfung. Zur Erhöhung der Blattaktivität unter den trockenen Anwendungsbedingungen wurde Access mit 2,0 l hinzugegeben. In der Variante 3 wurde die Metamitronmenge durch die Zugabe von Metafol SC mit 2 x 0,7 l/ha auf insgesamt 4176 g/ha erhöht. Mit dem Ethofumesat-haltigen Stemat wurde in Variante 4 ein weiterer bodenwirksamer Wirkstoff mit 0,5 l/ha in der NAK 1 bis 3 hinzugeführt, hingegen Metafol SC herausgenommen. Eine Erhöhung der Blattaktivität wurde in der Variante 5 durch die Zugabe von Debut + Formulierungshilfsstoff in der NAK 1 bis 3 erzielt. In Variante 6 ist die Blattaktivität der Mischung über die Zugabe von jeweils 0,4 l/ha Vivendi 100 nochmals angehoben worden. Als weiteres Bodenherbizid wurde das Dimethenamid-haltige Spectrum in den Varianten 7 und 8 zugesetzt. Die Versuchsergebnisse aus den Jahren 2018 und 2019 (Abb. 1) zeigen, dass eine sichere Bekämpfung der auf den Versuchsstandorten auftretenden Unkräutern wie Klettenlabkraut, Gänsefußarten, Kamille oder auch Erdrauch im Vergleich zum alten Standard Variante 1 grundsätzlich möglich war. Eine Ausnahme bildet in dieser Versuchsserie der Windenknöterich, der mit Betanal maxxPro, Goltix Titan, Stemat + Hasten in Variante 1 mit einem Wirkungsgrad von 98 % kontrolliert wurde. Dieser Wirkungsgrad wurde in keiner Phenmedipham- und Desmedipham-freien Variante erreicht, allerdings kann aus den Varianten 6 und 7 abgeleitet werden, dass die Zugabe von Vivendi und Spectrum zu einer Verbesserung der Bekämpfungsleistung geführt hat. Gleiches gilt für die Wirkung gegen Hundspetersilie. Zukünftig sollte auch die Zugabe vom Lenacil-haltigen Venzar geprüft werden, ob dieser Wirkstoff den Wirkungsgrad gegen Windenknöterich verbessert. In der Vergangenheit war durch die Zumischung von Chloridazon im Rebell eine nachhaltige Kontrolle des Windenknöterichs möglich. Die bisherige Versuchsserie 2018 und 2019 wurde in außergewöhnlich trockenen Jahren durchgeführt, die Frage stellt sich daher, ob in Jahren mit höherer Niederschlagsmenge und dem damit verbundenen intensiven Auftreten von mehreren Unkrautwellen die erzielten Versuchsergebnisse 2018/2019 bestätigt werden. Unter den geprüften Versuchsbedingungen war die Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben ohne Phenmedipham und Desmedipham weitgehend beherrschbar, allerdings zu deutlich höheren Kosten (80 – 100 €/ha).

Bereinigung von Mulchsaatflächen

Ein Ausbleiben einer stärkeren Frostphase bis in den Januar hinein, macht auch in diesem Jahr einen Glyphosateinsatz auf Mulchsaatflächen oder in nicht abgestorbener Zwischenfrucht notwendig. Die Behandlung mit Präparaten wie z.B. Taifun forte oder Roundup Powerflex sollte frühzeitig vor der Bodenbearbeitung erfolgen. Dies kann auch bei leichtem Frost stattfinden. Kombinationen mit AHL verschlechtern den Wirkungsgrad. Je nach Verunkrautung sollte eine Glyphosat-Wirkstoffmenge zwischen 1000 g/ha (das Ausfallgetreide) bis 1800 g/ha (Ackerstiefmütterchen oder Klettenlabkraut) gewählt werden. Der Behandlungszeitpunkt sollte bei schwer zu bekämpfbaren Unkräutern und Quecke mindestens 8 bis 12 Tage vor der Bodenbearbeitung liegen. Die Zugabe von SSA mit 10 kg/ha unterstützt die Wirkung einfach formulierter Glyphosate.

Herbizidspritzfolgen der Verunkrautung anpassen

Abbildung 2: Breite Mischverunkrautung aus Kamille, Vogelmiere, Gänsefuß und Klettenlabkraut:

Zuckerrübenflächen mit dieser Unkrautzusammensetzung können in Eigenmischung von Einzelkomponenten wie z.B. das blattaktive Betasana SC oder das bodenwirksame Stemat günstig auf die Zielverunkrautung angepasst werden. Ergänzt werden Phenmedipham und Ethofumesat durch das bodenwirksame Metamitron enthalten im Metafol SC, Goltix Titan oder Kezuro, sowie Dimethenamid im Spectrum oder Tanaris. Im Vergleich zu den vier Basiskombinationen wie Belvedere Extra, Betanal maxxPro, Betasana Trio oder Betanal Expert fällt die Blattaktivität der Eigenmischungen jedoch geringer aus. Aus diesem Grunde sollte bei jeder NAK-Maßnahme ein Additiv wie z.B. Trend, Access oder Hasten zugemischt werden. Zudem ist es sinnvoll, bei vermehrtem Auftreten von Klettenlabkraut, Windenknöterich oder Hundspetersilie statt Metafol SC auf die blattaktiven Goltix Titan oder Kezuro auszuweichen. Der Abstand zwischen der NAK 1 und 2 sollte 10 bis 12 Tage nicht überschreiten. Bei intensivem Unkrautauflauf nach Niederschlägen ist auch ein geringerer Abstand anzusetzen. Dies gilt auch für die NAK 3, da ansonsten die Gefahr von weiter entwickeltem Unkraut besteht. Steuern Sie die Blattaktivität der Mischungen über die Aufwandmenge des Phenmedipham und die Zugabe eines Additives. Weiterhin ist die Hinzunahme von Debut oder auch Vivendi 100 bei stärkerem Auftreten von z.B. Ausfallraps oder Kamille angeraten. Unter trockenen Bedingungen sollte Betasana SC auf 1,5 l/ha erhöht werden. Dies gilt umso mehr, je stärker Weißer Gänsefuß auf der Zielfläche auftritt. Gleichzeitig kann die Ethofumesatmenge angehoben werden, um die Resistenz der Metamitron-haltigen Produkte zu verlangsamen.

Abbildung 3: Tritt stärkerer Besatz an Klettenlabkraut, Weißer Gänsefuß, Kamille oder Windenknöterich auf, kann mit den Fertigmischungen wie Betanal maxxPro, Belvedere Extra, Betanal Expert oder Betasana Trio wirkungsvoll reagiert werden. Kombinationspartner wie Goltix Titan, Kezuro, Tanaris oder Stemat (Auflagen beachten) verbessern die Bekämpfungserfolge gegen Klettenlabkraut oder Windenknöterich. Insbesondere die Wirkung gegen Weißen Gänsefuß wird auch durch die Zugabe eines Phendedipham-haltigen Produktes wie z.B. Betanal SC verbessert. Bei sehr starkem Besatz und weit entwickeltem Klettenlabkraut hat sich der Zusatz von Debut + FHS mit 20 – 25 g/ha zur Standardkombination bewährt.

Abbildung 4: Auf intensiven Zuckerrübenstandorten tritt häufiger stärkerer Besatz an Hundspetersilie vergesellschaftet mit Kamille, Schierling oder Amarant auf. Die Bekämpfung dieser schwer bekämpfbaren Unkräuter erfordert eine saubere Anpassung der Präparateauswahl an die Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der Behandlung. Sind in einer längeren Trockenphase blattaktive Kombinationen gefragt, steht als Basiskombination Betanal maxxPro für 2020 noch im Vordergrund in Tankmischung mit dem Quinmerac-haltigen Goltix Titan oder Kezuro. Als blattaktive Partner bieten sich zur Wirkungsabsicherung Debut + Formulierungshilfsstoff als auch Clopyralid-haltige Mittel wie z.B. Vivendi 100 an. Die letztgenannten Präparate bekämpfen zudem auftretende Große Kamille, aber auch Dreiteiligen Zweizahn. Beachten Sie die Witterungsbedingungen für die Verträglichkeit dieser sehr blattaktiven Maßnahme: Dies gilt insbesondere bei geringer Wachsschicht nach Niederschlägen und anschließend hoher Strahlungsintensität mit begleitend hohem Blattzuwachs der Zuckerrübe

Sind die Böden zur Behandlung ausreichend feucht, können alternativ bodenwirksame Dimethenamid-haltige Präparate die Wirkung gegen Hundspetersilie verstärken. Denkbar ist die Zugabe von Tanaris 0,3 l/ha zur NAK 1 bzw. 0,6 l/ha zur NAK 2 und 3, alternativ wird mit Spectrum 0,6 l/ha ab BBCH 16 die Bodenwirkung gegen Hundspetersilie und Spätverunkrautung bis zum Reihenschluß unterstützt.

Bekämpfungsstrategie gegen Ausfallraps, Bingelkraut, Kamille und Vogelknöterich (Abb. 5)

In blattfruchtreichen Fruchtfolgen mit Winterraps wird eine Strategie gegen Ausfallraps notwendig. Ausfallraps als auch Bingelkraut eilen der Zuckerrübenentwicklung häufig voraus und zeigen nach Durchfeuchtung der Böden bis zum Reihenschluß wiederholte Auflaufwellen. Daher müssen diese Unkräuter unbedingt im Keimblattstadium unter Hinzunahme von Debut + FHS bekämpft werden. Ein Zusatz von Debut mit 15 – 20 g/ha kombiniert mit voller Aufwandmenge FHS zur NAK 1 reduziert den Anteil vom großen nicht ausreichend bekämpften Ausfallraps in der NAK 2. Der Spritzabstand zur Folgebehandlung sollte angepasst zur neuen Unkrautwelle (10 bis 12 Tage) im Keimblattstadium erfolgen. Je weiter die Unkräuter in der Laubblattentwicklung vorangeschritten sind, umso schwerer ist ihre Bekämpfung, da das Wurzelsystem der Unkräuter intensiver entwickelt ist und der Abbau der herbiziden Wirkstoffe schneller erfolgt. Gegen großen Ausfallraps oder Bingelkraut (erstes Laubblattpaar) bringt das Betanal maxxPro über den Lenacil-Anteil und die blattaktive Formulierung Wirkungsvorteile im Vergleich zu anderen Kombinationsherbiziden und insbesondere zur Eigenmischung der Basiswirkstoffe. Achten Sie bei der Bemessung der bodenwirksamen Wirkstoffkomponenten auf eine ausreichende Wirkstoffmenge an Metamitron von 2.800 bis 3.500 g/ha. Im Betanal maxxPro ist der Ethofumesat-Anteil gering, so dass eine Ergänzung über Stemat 0,2 – 0,3 l/ha insbesondere bei Auftreten von Weißem Gänsefuß angeraten ist. Tritt zur NAK 3 unter trockenen Bodenverhältnissen großer Ausfallraps und Bingelkraut auf, kann auch eine Splittinganwendung innerhalb von 2 bis 3 Tagen in Erwägung gezogen werden. Zur Wirkungsabsicherung sollten Sie eine Wasseraufwandmenge von 250 l/ha wählen, um die Benetzung zu verbessern. Beachten Sie, dass die Höchstaufwandmenge von Debut + FHS mit 90 g/ha und Jahr nicht überschritten wird. Dies ist dann relevant, wenn eine NAK 4 aufgrund von Trockenheit oder verpasstem Spritztermin notwendig wird. Ist der Einsatz von Debut nicht mehr möglich, kann alternativ auch Betasana SC mit 1,5 – 2,0 l/ha + Ethofumesat 0,4 + 0,5 l/ha der Tankmischung mit Metamitron-haltigen Produkten hinzugegeben werden. Diese sehr teure Spritzfolge sollte auf jeden Fall durch eine gut wirkende NAK 1 – 3 die Ausnahme bleiben.

Problemunkräuter und Spätverunkrautung

Insbesondere in Zuckerrübenfruchtfolgen mit Mais oder Kartoffeln tritt zunehmend Hirse auf. Auf diesen Flächen empfiehlt sich als Mischungspartner Spectrum, welches eine lange Dauerwirkung und zudem weitere Wirkungsschwerpunkte gegen Hundspetersilie, Storchschnabel und Ehrenpreis besitzt. Das Dimethenamid-haltige Spectrum darf jedoch nicht solo vor BBCH 16 der Zuckerrübe eingesetzt werden. Tritt bereits frühzeitig Hirse zur NAK 1 oder NAK 2 auf, sollten Teilmengen von Gräserspezialisten wie z.B. Focus Ultra oder Agil S der Tankmischung hinzugegeben werden. Ab Sechs-Blattstadium der Zuckerrübe ist auf eine Kombination des Spectrums mit z.B. 0,4 – 0,5 l/ha + Gräserherbizid denkbar, so dass blattaktiv und bodenwirksam über Spectrum behandelt werden kann. Gegen eine typische Spätverunkrautung wie Nachtschatten, Weißem Gänsefuß, Amarant oder auch späte Wellen von Bingelkraut oder Ausfallraps sollte in der gesamten Spritzfolge eine Metamitron-Menge von mindestens 2800 - 3500 g/ha enthalten sein. Noch fehlende Metamitron-Mengen könnten in der NAK 3 bzw. NAK 4 auch in Kombination mit blattaktiven Partnern wie Debut + FHS oder Betasana SC ausgebracht werden.

Problemunkräuter wie Ackerkratzdisteln sollten möglichst in anderen Fruchtfolgegliedern bekämpft werden. Treten dennoch auf Teilflächen Disteln  auf, sollten Clopyralid-haltige Mittel wie z.B. Lontrel 600 oder Vivendi 100 in annähernd voller Aufwandmenge mit Zusatz von Additiven ausgebracht werden. Die Disteln sollten dabei eine Wuchshöhe von 15 bis 20 cm nicht überschreiten. 

In Fruchtfolgen, in denen Zuckerrübe und Kartoffel angebaut wird, tritt insbesondere nach milden Wintern ein intensiver Kartoffeldurchwuchs ab dem 4. Bis 6. Blattstadium auf. Eine wirkungsvolle Bekämpfung über einen Herbizideinsatz durch den wiederholten Einsatz von Präparaten mit dem Wirkstoff Phenmedipham oder Clopyralid ist nicht möglich. Diese Maßnahmen können die Durchwuchskartoffeln nur zeitweise schädigen, jedoch nicht nachhaltig kontrollieren. Wesentlich wirkungsvoller ist die mechanische Bekämpfung über mehrmaliges Hacken bis zum Reihenschluß.

Strategie gegen Ungräser (Abb. 6)

Bei schwachem Ungrasbesatz kann eine Kombination eines Gräserspezialisten wie z.B. Fusilade Max oder Gramfix mit anstehenden NAK-Herbizidmaßnahmen erfolgen (Tab. 1). Bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 60% reicht hier häufig eine reduzierte Graminizidmenge von 50 – 60 % von z.B. Agil S oder Gallant Super aus. Eine Solo-Gräsermaßnahme ist dann empfehlenswert, wenn ein starker Gräserdruck oder Quecke vorhanden ist und die Zuckerrüben durch Vorbehandlung gestresst bzw. sehr blattaktive Mischungspartner wie Spectrum in der Tankmischung enthalten sind. Um das Verträglichkeitsrisiko zu minimieren, sollten Sie die Solo-Gräsermaßnahme im Abstand von ca. 5 Tagen nach der NAK 2 bzw. 2 bis 3 Tage vor der NAK 3 platzieren. Gegen Quecke sollten annähernd volle Aufwandmengen von z.B. Targa Super zur Anwendung kommen. DIM-Produkt wie Focus Ultra als auch Select 240 EC + Radiamix bieten sich bei der Bekämpfung von resistentem Ackerfuchsschwanz an. Letzteres zeigt auch sichere Wirkungsgrade gegen Einjährige Rispe. Gegen bestocktes Weidelgras zeigen Präparate wie z.B. Agil S oder die DIM-Produkte mit mindestens 80 % der vollen Aufwandmenge gute Wirkungsgrade.

Zusammenfassung:

  • Hohe bereinigte Zuckererträge erfordern in der frühen Zuckerrübenentwicklung die sichere Kontrolle von Unkräutern und Ungräsern. Hierfür ist eine ausreichende Wirkstoffpalette notwendig, die gezielte und verträgliche Herbizidmaßnahmen ermöglicht.
  • In der Herbizidsaison 2020 können Desmedipham- und Phenmedipham-haltige Kombinationsherbizide weiter eingesetzt werden.
  • Die Anwendung von Desmedipham ist 2021 nicht mehr möglich, für Phenmedipham ist der Einsatz wahrscheinlich bis 2022 gesichert.
  • Neuere Zulassungen wie Venzar oder Tanaris ergeben zusätzliche Kombinationsmöglichkeiten.
  • Ergebnisse der Herbizidversuche zeigen, dass in den Trockenjahren 2018/2019 ein wirkungsvoller Herbizideinsatz ohne Phenmedipham und Desmedipham weitgehend möglich war, allerdings zu deutlich höheren Kosten.
  • Weitere Versuche unter feuchteren Bodenbedingungen mit stärkeren Unkrautwellen sind notwendig, um evtl. Wirkgrenzen der eingesetzten blatt- und bodenwirksamen Mittel zu detektieren.
  • Die Ausschaltung von Ungräsern sollte bei starkem Ungrasdruck als Solomaßnahme zwischen der NAK 2 und NAK 3 durchgeführt werden, ansonsten in Kombination zu reduzierten Aufwandmengen.

Kontakt:
Dr. Joachim Wendt
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 05021 9740-131
Telefax: 05021 9740-138
E-Mail:


Stand: 30.04.2020



PDF: 33379 - 443.262695312 KB   Abb. ZR 2-5 Spritzfolgen   - 443 KB  
PDF: 33381 - 106.66796875 KB   Tab. 2 Graminizide ZR   - 107 KB  
PDF: 33383 - 14.3759765625 KB   Tab. 1 Wirkstoffgehalte   - 14 KB