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Erste Erkenntnisse zum Demonstrationsvorhaben: "Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)"

Die Kirschessigfliege (KEF) hat sich deutschlandweit ausgebreitet und ist inzwischen auch in Niedersachsen etabliert. Ihre Fähigkeit intakte Früchte zu befallen sowie sich durch kurze Generationszyklen und hohe Reproduktionsraten massiv zu vermehren, verursacht im Kirsch- und Beerenobstanbau zum Teil erhebliche Schäden. Die Anbauer stehen somit bei der Regulierung des Schaderregers vor einer besonderen Herausforderung. In der Bekämpfungsstrategie spielen neben chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen vor allem nichtchemische Maßnahmen eine wichtige Rolle. Das Einnetzen von Obstkulturen mit engmaschigen Netzen stellt eine praktikable, technische Schutzmaßnahme dar, die jedoch mit einem finanziellen und arbeitstechnischen Mehraufwand verbunden ist.


Seit Anfang 2017 läuft begleitend zu diesem Thema das Demonstrationsvorhaben: „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege“ in Niedersachsen. Das Projekt ist Teil eines bundesweiten Vorhabens, das im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von der Bundesanstalt für Ernährung (BLE) gefördert wird.

Das Ziel des Gesamtprojektes ist die Bewertung des Einnetzungsverfahrens in enger Kooperation mit Praxisbetrieben und die Kommunikation der Ergebnisse in die Praxis. Die Bewertung erfolgt hinsichtlich des Auftretens der KEF und weiterer ausgewählter Schaderreger und Nützlinge. Zudem werden abiotische Faktoren wie Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit erfasst und betriebswirtschaftliche Daten erhoben und ausgewertet. Die Bearbeitung des beim Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angesiedelten Teilprojektes erfolgt durch Jan-Henrik Wiebusch in enger Zusammenarbeit mit sieben Praxisbetrieben im Alten Land, der Obstbauversuchsanstalt Jork (OVA) und dem Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. (OVR).

Bundesweit sind neben der LWK Niedersachsen auch das LTZ Augustenberg in Baden-Württemberg und die LWK Nordrhein-Westfalen an dem Projekt beteiligt. Die bundesweite Koordination erfolgt durch das Institut für Obstbau des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dossenheim.

Aktueller Stand nach den ersten beiden Projektjahren

Die erste Pflanzenschutzsaison (2017) bestätigte die positiven Erfahrungen zur Schutzfunktion einer engmaschig eingenetzten Dachanlage. Trotz des gebietsweit niedrigen Befallsdruckes wurden in diesen Anlagen weniger Eiablagen festgestellt und weniger KEF gefangen als in den Vergleichsanlagen. Aufgrund der langen Frostperiode ab Anfang Februar bis Mitte März mit Tiefsttemperaturen bis -12 °C und einem eisigen Ostwind haben viele Weibchen der KEF den Winter in ihren Überwinterungsquartieren nicht überlebt. Folgend war der Populationsdruck in der Saison 2018 gegenüber dem Vorjahr noch niedriger, sodass nur zum Ende der Kirschsaison in zwei Freilandanlagen vereinzelte Eiablagen gefunden wurden. In den Kirschanlagen mit Insektenschutznetz wurde über den gesamten Boniturzeitraum kein Befall festgestellt. Auch auf dem seit 2018 teilnehmenden Himbeerbetrieb konnte kein nennenswerter Befall verzeichnet werden. Hier findet ein Vergleich zwischen Himbeeren im Freiland und in Tunnelanlagen mit seitlicher Einnetzung statt

Das Risiko des Eindringens von KEF besteht hauptsächlich während der Öffnung der Einnetzung für Ernte- bzw. Pflanzenschutzmaßnahmen. Aber auch Defekte im Netz wie z.B. durch Scheuerstellen an Pfählen bzw. Seilklemmen ermöglichen den Eintritt des Schaderregers und müssen konsequent repariert werden. Darüber hinaus ist vor allem der Bodenabschluss des Netzes problematisch. Hier sollte unbedingt ein langer Überstand des Netzes (ca. 1 m) am Boden gegeben sein, um das Eindringen der KEF effektiv zu verhindern.

Die Temperatur und die relative Luftfeuchte (2 m über Bodenniveau) zeigten auf den Kirschbetrieben keine messbaren Unterschiede zwischen eng- und weitmaschig eingenetzten Dachanlagen. Wie erwartet, zeigte der Vergleich, dass der Temperaturanstieg ausschließlich durch die Überdachung und nicht durch die Einnetzung verursacht wird. Die Temperaturmessungen in den Himbeertunneln zeigten, dass insbesondere bei einer heißen Witterungsphase die Temperatur gegenüber dem Freiland um etwa 3 °C erhöht werden kann, wobei der größte Einfluss der Folienüberdachung durch die Anstauung der heißen Luft im Firstbereich zugeschrieben wird.

Die Schutzfunktion der Netze bei niedrigem Befallsdruck kann nach den ersten beiden Vegetationsjahren bestätigt werden. Ob dies auch in einem Jahr mit hohem Befallsdruck gegeben ist, muss sich jedoch in den folgenden Jahren zeigen.

 

 

Weitere Informationen zu dem Projekt erhalten Sie mit diesem Link (öffnet ein neues Fenster). Des Weiteren wurde im Rahmen des Projektes ein Erklärfilm über die Einnetzung gegen die KEF erstellt. Den Film können Sie mit diesem Link (öffnet neues Fenster) herunterladen.

 

 


Kontakt:
Jan-Henrik Wiebusch
Projektbetreuer
Telefon: 04162 6016-146
Telefax: 04162 6016-600
E-Mail:


Stand: 01.04.2019