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Die Wirkstoffe gehen, das Beikraut bleibt: Herbizideinsatz in Spargel nach der Ernte

Nach dem Stechende ist die Beseitigung des Unkrauts die erste Pflanzenschutzmaßnahme. Anfangs kann zwar noch mechanisch gearbeitet werden, doch ein kompletter Verzicht auf Herbizide ist meist nicht möglich. Was in der Saison 2020 beachtet werden muss, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Die Unkrautbekämpfung gehört in einer Spargelanlage nach dem Stechen zu den wichtigsten Kulturmaßnahmen. Die Zeit des Durchwachsens dient den Pflanzen zur notwendigen Regeneration und dem Sammeln von Reservestoffen für die nächste Stechsaison. Um die Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe zu minimieren, sollten die durchtreibenden Triebe möglichst ungestört aufwachsen können.

Mechanische Unkrautbekämpfung 

Direkt nach dem Stechen können die Laufgassen und Dämme mechanisch bearbeitet werden. Dies dient einerseits der Bodenlockerung, andererseits können die ersten aufgelaufenen Unkräuter entfernt bzw. verschüttet werden.  Mit entsprechender Technik kann dieser Vorgang wiederholt werden, solange der Spargel noch nicht zu groß ist.  Nicht in allen Betrieben sind jedoch die Kapazitäten gegeben und die Durchführung von mechanischen Maßnahmen nur in begrenztem Maße möglich. In diesem Fall müssen Herbizidmaßnahmen durchgeführt werden. 

Kombination aus Boden- und Blattherbiziden

Je nach technischer Ausstattung des Betriebes und gegebenen Unkrautbesatz besteht eine Herbizidstrategie aus dem Einsatz von vorwiegend Bodenherbiziden vor dem Durchstoßen der Triebe oder der Anwendung von vorwiegend blattaktiven Herbiziden im Unterblattverfahren nach dem Aufwuchs der Triebe auf das bereits größere Unkraut oder einer Kombination aus beiden Verfahren. Hierbei muss vor allem auf die richtige Auswahl und Terminierung der Herbizide geachtet werden. Eine Auswahl zugelassener Herbizide ist in der nebenstehenden Tabelle aufgeführt. Eine vollständige Liste der einsetzbaren Herbizide nach dem Stechen finden Sie als Anlage zu diesem Artikel.

Bodenwirkstoffe

Typische über den Boden wirksame Präparate sind Stomp Aqua, Spectrum, Artist, Sencor liquid und Centium 36 CS. Die Wirkstoffe werden vorwiegend über die Wurzeln der Keimlinge aufgenommen. Unter günstigen Bedingungen wird auch das keimblattgroße Unkraut noch erfasst. Gegen größere Unkräuter besteht jedoch keine ausreichende Wirkung mehr. Die Anwendung erfolgt idealer Weise auf den unkrautfreien, feuchten Boden. Während die Zulassung von Centium 36 CS, Stomp Aqua und Artist auf die Anwendung vor dem Durchstoßen beschränkt ist, können Spectrum und Sencor liquid zeitlich etwas flexibler eingesetzt werden. Aufgrund des verzettelten Aufwuchses von Spargel, stellt sich in der Praxis die Frage, inwieweit der Anwendungszeitpunkt hinausgezögert werden kann. Unsere langjährigen Versuche haben gezeigt, dass die Mittel auch bei durchwachsenden Trieben noch verträglich sind, solange die Köpfe schlossen sind und keine Mischung mit Gräserherbiziden oder Zusatzstoffen erfolgt. Das Risiko dieser Terminierung liegt allerdings beim Anwender.  Im letzten Herbst hat das Mittel Fresco eine Zulassung erhalten. Fresco enthält den rein über den Boden wirksamen Wirkstoff Metobromuron. Fresco ist die für die Sonderkulturen entwickelte Formulierung des Mittels Proman, das in Kartoffeln zugelassen ist. Nicht ausreichend bekämpft werden Schwarzer Nachtschatten und Windenknöterich, weswegen das Mittel im Spargelanbau nur als Mischungspartner in Frage kommen wird.  

Sonderfall Vorox F

Im Gegensatz zu den anderen Bodenherbiziden darf die Anwendung von Vorox F nicht vor, sondern erst nach dem Aufwachsen der Triebe erfolgen. Wichtig ist, dass der Großteil der Triebe bereits aufgewachsen ist und die Triebe im unteren Bereich ausgehärtet sind. Da der in Vorox F vorhandene Wirkstoff Flumioxazin auf sich teilendes junges Pflanzengewebe wirkt, werden durchtreibende Spargeltriebe geschädigt, wenn sie getroffen werden, und können auch Absterben.

Blattherbizide

Zur Unterblattbehandlung werden vorwiegend rein blattaktive Präparate eingesetzt. Buctril und Lentragran WP gehören zu den Standardmitteln im Spargel. Häufig werden die Präparate kombiniert und mit Sencor liquid ergänzt, welches neben der Bodenwirkung auch eine ausgeprägte Blattwirkung hat. Hierbei ist zu beachten, dass die Aufwandmenge maximal bei 0,9 l/ha Sencor liquid liegen darf und reduziert werden muss, wenn das Präparat entsprechend der Zulassung bereits vor dem Stechen eingesetzt wurde. 

Lontrel 720 SG nur mit Abschirmung

Clopyralid, der ebenfalls ausschließlich blattaktive Wirkstoff in Lontrel 720 SG, ist – im Gegensatz zu den oben erwähnten Wirkstoffen – ein Wuchsstoff. Das Präparat hat im Spargel speziell zur Bekämpfung von Ackerkratzdisteln eine Zulassungserweiterung erhalten. Es muss mit Abschirmung zielgerichtet auf die Disteln ausgebracht werden. Werden im Wachstum befindliche Stangen getroffen, treten typische Wuchsstoffschäden in Form von Verkrümmungen und Verdrehungen auf. Diese Symptome führen allerdings nicht zu einer nachhaltigen Schädigung des Spargels, wie in einem Versuch des Pflanzenschutz-amts gezeigt werden konnte. Nach der Anwendung durchtreibende Stangen, die nicht vom Mittel getroffen wurden, wachsen wieder normal durch. 

Wegfall von Buctril

In der EU stehen in diesem Jahr die Wirkstoffe Flufenacet (Artist), Metribuzin (Artist und Sencor liquid) und Bromoxynil (Buctril) zu einer Neubewertung an. Dabei werden die Wirk-stoffe komplett neu geprüft. Besonders schlecht scheint es um den Wirkstoff Bromoxynil zu stehen. Der Wirkstoff ist noch bis 31.07.2020 in der EU gelistet. Bis dahin muss entweder eine Entscheidung über die erneute Listung gefallen sein oder die bestehende Listung verlängert werden. Die Verlängerung der Wirkstofflistung wird in der Regel für ein Jahr erteilt. Bis zu diesem Zeitpunkt 31.07.2021 läuft in Deutschland auch die Zulassung des Mittels Buctril. Die Firma schätzt die Chancen auf eine erneute Listung des Wirkstoffs als gering ein und hat die Produktion von Buctril bereits letztes Jahr eingestellt. Aus diesem Grund sind nur noch Restmengen auf dem Markt erhältlich. Vom voraussichtlichen Wegfall des Wirkstoffs sind im Gartenbau die Kulturen Spargel und Zwiebeln besonders betroffen.

Alternativen?

In ersten Versuchen wurden 2019 am Pflanzenschutzamt und an der Bezirksstelle Nienburg mögliche Ersatzwirkstoffe und alternative Strategien zur Kompensation von Buctril getestet. Klar ist, dass der Wegfall von Buctril nicht einfach durch ein im Spargel bereits zugelassenes Herbizid ersetzt werden kann. Lentagran WP wird zukünftig das einzige rein blattaktive Mittel im Spargel sein. Für eine gute Wirkung benötigt es aber Zumischpartner. Die alleinige Mischung mit Sencor liquid, wird in der Regel nicht ausreichend sein. Erste gute Erfolge konnten durch die Zumischung eines neuen Prüfmittels in einem Versuch des Pflanzenschutzamtes erzielt werden. Auch Onyx, die Flüssigformulierung von Lentagran WP zeigte eine leichte Wirkungsverbesserung. Ob dieses Mittel im Spargel allerdings eine Zulassung erhalten wird, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich zeichnet sich jedoch ab, dass die Durchführung der blattaktiven Unterblattbehandlung in Zukunft schwieriger sein wird. Zukünftig dürfte die Verfrühung des Anwendungszeitpunktes auf kleineres Unkraut notwendig sein, um einen ausreichenden Bekämpfungserfolg zu erzielen. Unter Berücksichtigung der Trockenheit, könnte auch die Verschiebung des Anwendungszeitpunktes der Bodenherbizide, wie im Versuch der Bezirksstelle Nienburg demonstriert, eine Alternative darstellen. Ebenfalls könnten im Spargel noch nicht zugelassene Präparate, wie z.B. Oblix 500, das eine gute Wirkung gegen Schwarzen Nachtschatten hat, für den Spargel interessant werden.

Fazit

Der voraussichtliche Wegfall von Buctril wird die Unkrautbekämpfung im Spargel verändern. Vorrangig werden in Zukunft Bodenherbizide eingesetzt werden müssen. Nur noch kleinere Unkrautstadien werden sicher behandelt werden können. Nachbehandlungen und mehrere Überfahrten könnten die Regel werden. Jeder Betrieb sollte sich auf die möglichen verän-derten Bedingungen im nächsten Jahr einstellen und prüfen, ob eine Umstellung der Herbizidstrategie notwendig wird oder ergänzende Alternativen, z.B. Hacktechnik, angeschafft werden sollten.


Kontakt:
Dr. Alexandra Wichura
Leiterin Sachgebiet Gemüse- und Obstbau
Telefon: 0511 4005-2173
Telefax: 0511 4005-3173
E-Mail:


Stand: 28.05.2020



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