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Laubwandfläche als Grundlage zur Berechnung von Aufwandmengen in gemüsebaulichen Raumkulturen

Im Zuge der Harmonisierung der europäischen Pflanzenschutzmittelzulassung wird ab dem 1. Januar 2020 bei neuen Zulassungsanträgen in hochwachsenden Gemüsekulturen die Laubwandfläche (LWF) als Grundlage zur Berechnung der Aufwandmenge verwendet. Dies erfordert ein Umdenken bei der bisherigen Berechnungspraxis.

Bisheriger Bezug: Grundfläche

Im Freilandgemüsebau erfolgt die Angabe für den Mittelaufwand üblicher Weise in Bezug auf die Anbaufläche (Grundfläche) in kg/ha oder in l/ha. Bei den gemüsebaulichen Raumkulturen wurde die unterschiedliche Kulturhöhe bisher durch gestaffelte Aufwandmengen in Abhängigkeit von der Pflanzengröße berücksichtigt. Die Pflanzen wurden dabei in Größen bis 50 cm, 50-125 cm und über 125 cm eingeteilt.

Neuer Bezug: Laubwandfläche

Als Laubwandfläche - LWF - wird die Fläche definiert, die von Düsen vertikal behandelt wird. Die Angaben für den Mittelaufwand erfolgen zukünftig immer in kg oder l/ 10.000 m² LWF.

Eine Staffelung der Aufwandmenge nach Pflanzengröße oder Entwicklungsstadium entfällt damit, da die Größe der Kultur durch den Laubwandflächenbezug adäquat berücksichtigt wird. Um sicherzustellen, dass die Aufwandmenge der Pflanzenschutzmittel nur in dem im Zulassungsverfahren abgeprüften sicheren Bereich liegen, wird die maximale Aufwandmenge durch Angaben zur maximalen Einzelaufwandmenge und der maximalen Aufwandmenge (bezogen auf die Grundfläche) pro Kultur und Jahr begrenzt.

Betroffene Kulturen

Tomaten, Gurken, aufgeleitete Melonen oder Kürbisse, Paprika, etc.

Berechnung der LWF

Die LWF eines Bestandes berechnet sich aus Höhe x Reihenlänge x Anzahl der Reihen x 2 (für beidseitige Behandlung). Nicht zu berücksichtigen ist dabei, ob die Pflanzung als Einfach- oder Doppelreihe erfolgte. Es zählt die Fläche, die behandelt werden soll.



Rechenbeispiel für einen Tomatenbestand mit beidseitiger Behandlung:

Höhe der zu behandelnden Fläche: 3 m (gesamte Kulturhöhe soll behandelt werden)
Reihenlänge: 30 m,
Anzahl Reihen: 20
beidseitige Behandlung: Faktor 2 (∗ 2)
zugelassene Aufwandmenge des Pflanzenschutzmittels: 2 l/10.000 m²

LWF = 3m * 30m * 20 * 2 = 3.600m²

Benötigte Mittelmenge:
2l / 10.000m³ * 3.600m² = 0,72l

Flächenunterteilung

Die LWF enthält neben der belaubten Zone einer Pflanze in der Regal auch die Fruchtzone. Dort, wo es fachlich relevant ist, kann die Behandlung auf Teilflächen der Laubwandfläche beschränkt werden, z.B. die Fruchtzone (bei Tomaten) oder den unteren Stängelbereich. Die behandelte Laubwandfläche ergibt sich somit aus dem Spritzband, das von den geöffneten Düsen erzeugt wird.

Ausnahme: Jungpflanzen

Da bei Jungpflanzen eine LWF-Berechnung nicht möglich ist, wird die zu behandelnde Fläche nicht vertikal, sondern „horizontal gekippt“ berechnet. Bei Jungpflanzen entspricht die zu behandelnde Laubwandfläche der „alten“ Grundfläche, also bei einer Grundfläche von 1ha 10.000 m².

Gültigkeit

Grundsätzlich werden Anträge auf Zulassung eines Pflanzenschutzmittels in hochwachsenden Gemüsekulturen ab dem 01.01.2020 nur noch mit Angaben zur LWF akzeptiert und die Zulassung mit diesen Angaben entsprechend ausgesprochen. Bestehende Zulassungen werden nicht geändert. Das bedeutet, dass die bisherigen Angaben neben den neuen Angaben mehrere Jahre Gültigkeit haben werden. Ebenfalls kann es sein, dass die in nächster Zeit erteilten Zulassungen noch die bisherigen Angaben enthalten. Dies kann dann der Fall sein, wenn die Zulassung vor dem 01.01.2020 beantragt worden war.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der angehängten pdf-Datei.
 


Kontakt:
Dr. Alexandra Wichura
Leiterin Sachgebiet Gemüse- und Obstbau
Telefon: 0511 4005-2173
Telefax: 0511 4005-3173
E-Mail:


Stand: 18.08.2020



PDF: 34339 - 357.87890625 KB   Merkblatt für den Gemüsebau   - 358 KB