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Mit Gelassenheit angehen – Bekämpfung der Spargelfliege im Spargel

Mit dem Wegfall des Wirkstoffs Dimethoat im letzten Jahr, gibt es kein regulär zugelassenes Insektizid zur Bekämpfung der Spargelfliege mehr. Welche Möglichkeiten der Bekämpfung bleiben, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Die Spargelfliege ist in ganz Deutschland verbreitet und neben dem Spargelhähnchen das häufigste Schadinsekt im Spargel. Der Flugzeitraum der Spargelfliege erstreckt sich in der Regel von der ersten Aprildekade bis Mitte Juli, wobei der Hauptflug zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zu beobachten ist. Aufgrund des bisher sehr kühlen Aprils ist der Flugbeginn in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr allerdings deutlich verzögert. Die ersten Fliegen werden erst mit den vorhergesagten wärmeren Temperaturen in der letzten April Woche erwartet, da der Puppenschlupf erst ab 10 °C stattfindet.

Die Fliegen sind aufgrund ihres auffälligen Flügelmusters auf dem Feld einfach zu erkennen (Abb. 1). Der Schaden, den die Spargelfliege vorrangig durch das Absterben der befallenen Triebe verursachen kann, hängt von der Flugintensität auf dem Feld, vor allem aber auch vom Alter der Anlage ab. Junge, dünne Triebe einer Neupflanzung oder Junganlage sterben schneller ab, als dickere Triebe einer etablierten Ertragsanlage.

Notfallzulassung für Benevia

Durch den Wegfall des in den letzten Jahren zur Bekämpfung zugelassenen Insektizides Danadim Progress müssen nun andere Wege der Bekämpfung genutzt werden. Das Mittel Benevia mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole hat zwar auch in diesem Jahr eine Notfallzulassung nach Art. 53 der VO (EU) 1107/2009 zur Bekämpfung der Spargelfliege im Zeitraum vom 14.04. bis 09.08.2021 erhalten, doch es ist nur eine Anwendung erlaubt und diese ist mit Auflagen belegt. Da Benevia als bienengefährlich (B1) eingestuft ist, muss die Anwendung spätestens bis 3 Wochen vor zu erwartendem Blühbeginn ausgebracht worden sein. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Behandlung nur bis ca. 10 Tage nach dem Durchtrieb möglich ist. In dieser Zeit befindet sich der erste Durchtrieb mit ca. 40 bis 50 cm Höhe zwar in einem für die Spargelfliege sehr attraktiven Stadium, die Behandlung macht jedoch nur Sinn, wenn in diesem Zeitraum auch tatsächlich der Flug oder Zuflug von Spargelfliegen erfolgt. Der Flug sollte deshalb mit grünen Stableimfallen überwacht werden. Zur besseren Aufnahme des Wirkstoffes sollte ein ölhaltiger Zusatzstoff zugesetzt werden.

Benevia wirkt auf adulte Tiere

Zur Testung der Wirksamkeit verschiedener Insektizide auf die adulten Fliegen wurden am Pflanzenschutzamt Versuche in Gazekäfigen durchgeführt (Abb. 2). Hierzu wurden jeweils 5 Weibchen und Männchen in einen Gazekäfig gesetzt und zwei Spargelstangen, die mit der Feldaufwandmenge des Insektizides behandelt worden waren, hinzugestellt. Den Spargelfliegen wurde zusätzlich Nahrung angeboten. Die Mortalität der Fliegen wurde über mehrere Tage alle 24 h bonitiert. Es zeigte sich, dass von keinem Insektizid eine vollständige Wirkung auf adulte Fliegen zu erwarten ist, auch wenn die Mortalität im Versuchsverlauf in allen Varianten zunahm (Abb. 3). Durch die Insektizide Karate Zeon und Benevia wurden innerhalb von 2 Tagen jeweils ca. 50% der Fliegen abgetötet, während von Mospilan SG in diesem Zeitraum nur ca. 15% der Tiere starben. Die beobachtete Mortalität innerhalb der ersten 2 Tage in diesen Versuchen wird in etwa vergleichbar mit Freilandbedingungen eingestuft. Auch wenn man bei der Bewertung im Hinterkopf haben muss, dass die Tiere im Käfig nur die beiden sehr gut mit Insektizid benetzten Spargelstangen zur Auswahl hatten, während im Freiland auch nachwachsende und weniger gut benetzte Stangen zum Anflug und zur Eiablage zur Verfügung stehen.

Mäßige Larvenwirkung

Für die Versuche zur Wirksamkeit auf die Spargelfliegenlarven wurden 25 in kleinen Gefäßen stehende Spargeltriebe in einem großen Schlupfkäfig in einer Gewächshauskabine aufgestellt und 20 befruchtete Weibchen zur Eiablage für 72 h hinzugesetzt und dann wieder entfernt. Danach wurden jeweils 5 Stangen aus dem Käfig entnommen und mit der Feldaufwandmenge des jeweils zu testenden Insektizides behandelt. Nach ca. 4 Wochen wurde die Anzahl der Larven in jeder Stange gezählt.

Die Versuchsergebnisse zeigen, dass Danadim Progress eine sehr gute Wirkung auf die Larven der Spargelfliegen hatte, während weder von Karate Zeon noch von Benevia unter den getesteten Bedingungen eine Wirkung auf die Larven zu beobachten war (Abb. 4). Zwar kann die Aufnahme des Wirkstoffs beim Produkt Benevia durch einen ölhaltigen Zusatzstoff verbessert werden. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass durch die Verwendung des Produktes ohne Zusatzstoff, wie hier im Versuch, eine potenzielle Wirkung komplett ausbliebe. Es muss daher tatsächlich angenommen werden, dass die Bekämpfung der Spargelfliegen mit den zur Verfügung stehenden Produkten hauptsächlich über die Kontaktwirkung auf die adulten Insekten erfolgen muss.

Alternative Bekämpfungsmöglichkeiten nutzen

Aufgrund der nur noch beschränkt zur Verfügung stehenden Insektizide müssen alle alternativen Möglichkeiten zur Bekämpfung ausgenutzt werden. Hierzu wurden verschiedene Versuche bei der LWK Niedersachsen in den letzten Jahren durchgeführt. Die mechanische Bearbeitung im Herbst ist eine dieser alternativen Maßnahmen. Besonders angenehm ist, dass sie ohnehin betriebsübliche Praxis ist. Zwar hat das Mulchen des Spargelkrautes keinen negativen Effekt auf die Spargelfliegen, aber das nachfolgende Fräsen und das Formen eines Dammes - auch des Winterdammes. Durch das Anhäufeln werden die Puppen tief vergraben und im nächsten Jahr schaffen es weniger Fliegen an die Erdoberfläche. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass sie die Spargelfliege aktiv zwischen Spargelanlagen bewegt. Die viel beschriebene Standorttreue ist somit deutlich zu relativieren. Junganlagen sollten deshalb möglichst in einem Abstand von mindestens 600 m zu Altanlagen angepflanzt werden. Der Zuflug in Anlagen und die Hauptaktivität der Fliegen spielt sich am Anlagenrand ab. Die komplette Behandlung einer Fläche ist somit in der Regel nicht notwendig. In Ertragsanlagen werden außerdem nur sehr selten starke Schäden beobachtet. Langjährige Beobachtungen haben gezeigt, dass der Anteil befallener Triebe in einer Ertragsanlage bei durchschnittlich max. 40% liegt, wobei es kaum zu Triebausfällen kommt. Nur in Junganlagen und Neupflanzungen mit verhältnismäßig dünnen Stangen wurden regelmäßig Schäden beobachtet, die sich in einem Absterben von Trieben ab Juni äußerten. Auch hier waren die Starkschäden auf den Anlagenrand begrenzt. In den allermeisten Fällen kann man deshalb der Spargelfliege mit Ruhe und Gelassenheit begegnen und muss nur in wenigen Fällen tatsächlich mit Insektiziden eingreifen.

Fazit

  • Die Bekämpfung mit Gelassenheit angehen
  • Befallsreduzierende pflanzenbauliche Maßnahmen einplanen und ausnutzen
  • Augenmerk bei Fliegenüberwachung auf Neu- und Jungpflanzungen, sowie letztjährige Starkbefallsflächen
  • Flug mit drei grünen Stableimfallen kontrollieren
  • Ab durchschnittlich 5 Fliegen pro Falle innerhalb der ersten 10 Tage ab dem Aufwuchs Behandlung mit Benevia (zzgl ölhaltiger Zusatzstoff)
  • Maximal zwei Behandlungen bis zur Blüte mit Karate Zeon (zwangsläufige Nebenwirkung nutzen)
  • Eine Tabelle der aktuell zugelassenen Insektizide finden Sie als Download auf dieser Seite oder unter www.lwkniedersachsen.de Webcode 01039120

Kontakt:
Dr. Alexandra Wichura
Leiterin Sachgebiet Gemüse- und Obstbau
Telefon: 0511 4005-2173
Telefax: 0511 4005-3173
E-Mail:


Stand: 30.04.2021



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