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Strategie umstellen: Herbizideinsatz im Spargel

Mit dem Wegfall von Buctril muss die Herbizidstrategie im Spargel überdacht und umgestellt werden. Auch durch andere Entwicklungen wird die chemische Unkrautbekämpfung im Spargel zukünftig wohl nicht einfacher. 

Auch wenn Biodiversität auf den Flächen momentan gefordert wird, ist die Unkrautbekämpfung nach wie vor eine Maßnahme, die nicht vernachlässigt werden sollte. Denn wenn der Beikrautbesatz zu hoch und zu dicht wird, steigt die Luftfeuchtigkeit im Bestand. Hierdurch kann es zu Pilzbefall vor allem an der Stängel- und Triebbasis kommen oder an neu durchtreibenden Stangen. Allerdings werden weniger die Pilze Stemphylium und Rost gefördert, als vielmehr der Grauschimmel Botrytis cinerea.

Zulassungsstand beachten

Die größte Veränderung bei den zugelassenen Herbiziden ergibt sich in diesem Jahr durch den Wegfall des Mittels Buctril. Restmengen des Mittels dürfen noch bis zum 17.09.2021 aufgebraucht werden. Hintergrund ist, dass der Wirkstoff Bromoxynil in der EU nicht erneut gelistet wurde. Anwendungen mit Herbiziden, die diesen Wirkstoff enthalten, sind somit ab August dieses Jahres in allen Mitgliedstaaten verboten. Mit Focus Ultra hat im vergangenen Herbst ein weiteres Gräserherbizid eine Zulassungserweiterung im Spargel erhalten. Es kann nun neben Fusilade Max und Select 240 SC eingesetzt werden. 

Der Zulassungsstand der anderen Herbizide ist in dieser Saison im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Eine Liste mit den zugelassenen Herbiziden in Ertragsanlagen nach dem Stechen finden Sie im Anhang zu diesem Artikel. Doch auf welche zukünftigen Entwicklungen muss man sich einstellen?

EU-Prüfung

Die Wirkstoffprüfung wird nun seit mehr als zehn Jahren in der EU gemeinsam für alle EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Nur Mittel mit positiv gelisteten Wirkstoffen dürfen auf nationaler Ebene zugelassen werden. In der Regel wird ein positiv gelisteter Wirkstoff alle zehn Jahre erneut geprüft. Die ersten Wirkstoffe haben also mittlerweile das zweite Mal das EU-Verfahren durchlaufen oder befinden sich aktuell in der erneuten Prüfung.

Das Zulassungsende der Pflanzenschutzmittel wurde in Deutschland zwischenzeitlich ebenfalls an das EU-Recht angeglichen und richtet sich nun nach dem Ende der EU-Wirkstofflistung. Da die Wirkstoffüberprüfung meist änger dauert als die vorgegebene Frist, wird die Listung der Wirkstoffe häufig um ein Jahr, je nach Bearbeitungsstand auch um zwei Jahre verlängert.

Die Zulassung der entsprechenden Pflanzenschutzmittel wird in Deutschland dann parallel zur kurzfristigen Verlängerung der Wirkstofflistung ebenfalls verlängert. Dies ist der Grund warum bei vielen Herbiziden das Zulassungsende in diesem oder nächsten Jahr liegt.

Bei einigen Wirkstoffen ist eine positive Wirkstofflistung noch sehr ungewiss, z.B. bei Flufenacet, enthalten im Artist, und bei Metribuzin, enthalten im Sencor Liquid. Ein Problem anderer Art hat momentan das Mittel Select 240 SC. Da ein Wirkstoffmetabolit als toxikologisch bedenklich eingestuft wurde und die Datenlage noch nicht ausreichend ist, werden für den Wirkstoff Clethodim in allen Kulturen die Rückstandshöchstgehalte auf 0,02 mg/kg abgesenkt werden.

Die entsprechende Verordnung wird noch in diesem Sommer erwartet. Alle Anwendungen, auch die im Spargel, werden dann vom BVL überprüft und gegebenenfalls widerrufen. Der Ausgang der Prüfung ist derzeit noch offen. 

Reduzierte Aufwandmengen

Bei der Wirkstoffprüfung werden neuste wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt und mögliche Auswirkungen auf die Umwelt, das Grundwasser und Nicht-Zielorganismen neu bewertet. Ein Ausgang dieser Prüfungen kann es deshalb sein, dass die maximale Wirkstoffmenge, die bei einer Anwendung ausgebracht werden darf, reduziert wird. Ebenfalls werden mittlerweile Zulassungen, bei denen Auflagen zur Regelung der maximalen Wirkstoffmenge in einem gewissen Zeitraum (z.B. pro Kalenderjahr oder alle drei Jahre) erteilt werden, immer häufiger.

Auch der Spargel wird von dieser Entwicklung betroffen sein. So ist z.B. bei der Neuzulassung von Stomp Aqua und Spectrum davon auszugehen, dass nur reduzierte Aufwandmengen zugelassen werden.

Neue Strategie

Auch wenn die oben erwähnten möglichen Zulassungsänderungen in dieser Saison noch nicht zum Tragen kommen werden, ist der Wegfall von Buctril momentan das aktuellste Problem. Vor allem in Betrieben, auf denen kein Buctril mehr für den Aufbrauch vorhanden ist.

Versuche der Landwirtschaftskammer in den zurückliegenden zwei Jahre haben sehr deutlich gezeigt, dass Buctril nicht einfach durch einen anderen Wirkstoff oder ein anderes Herbizid ersetzt werden kann. Lentagran WP ist das einzige noch zugelassene Herbizid im Spargel, das voll über das Blatt wirksam ist. Im Vergleich zu Buctril ist es allerdings deutlich schwächer.

Durch den Zusatz von Sencor Liquid kann die Wirkung zwar verstärkt werden, dabei ist jedoch der Einsatzzeitpunkt entscheidend: Das Unkraut darf nicht zu groß sein.

In einem Versuch des Pflanzenschutzamtes 2020 wurde bewusst die Unterblattbehandlung erst zu dem Termin durchgeführt, zu dem sonst die Mischung mit Buctril eingesetzt worden wäre. Es konnte demonstriert werden, dass die Wirkung zu diesem späten Zeitpunkt vermindert und nicht ausreichend ist. Getroffener Weißer Gänsefuß wuchs wieder durch.

Der Einsatz von Bodenherbiziden nach dem Stechende wird deshalb in Zukunft an Bedeutung zunehmen und sehr wahrscheinlich die Grundlage der Strategie bilden. Nachauflaufende Unkräuter können dann mit einer Mischung aus Lentagran WP und Sencor Liquid, ggf. in Mischung mit Spectrum im kleinen Stadium erfasst werden. Die Unkräuter sollten dabei nicht höher sein als ca. 8 cm.

Auch Vorox F kann eingesetzt werden, wenn die Bodenherbizide nicht richtig gegriffen haben. Das Mittel darf jedoch nicht verwendet werden, wenn sich noch Stangen im Durchtrieb befinden. Diese würden empfindlich geschädigt.

Neue Mittel? 

Wir haben in unseren Versuchen mehrere Herbizide auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet, wie im Versuch von 2020 z.B. die Mittel Goltix Gold oder Oblix 500. Sofern die Mittel keine phytotoxischen Schäden verursachen, sind sie schon einmal interessant. Ob daraus dann aber eine Zulassung im Spargel entstehen kann, hängt von vielen Faktoren, unter anderem von den oben erwähnten Wirkstoffeigenschaften ab.

Momentan wären alle geprüften Alternativen jedoch nur weitere Bausteine in einer Strategie. Wenn die Zulassungssituation aber enger wird, werden diese Bausteine in Zukunft wahrscheinlich nötig werden. 

Mechanische Bekämpfung

Vor dem Hintergrund der skizzierten Entwicklung sollte sich jeder Betrieb ernsthaft mit den Möglichkeiten einer mechanischen Unkrautbekämpfung auseinandersetzen. Dabei sollte schon bei der Pflanzung einer Neuanlage durch die Wahl eines ausreichend großen Reihenabstandes die Möglichkeit für eine mechanische Bearbeitung vorgesehen werden, auch wenn eine entsprechende Technik noch nicht auf dem Hof ist. 

Momentan ist das Unkraut aufgrund der Dämme zwar nicht vollständig mechanisch erfassbar, der Druck in der Anlage kann aber auch durch die Bekämpfung in der Zwischenreihe schon deutlich gesenkt werden. 

Fazit:
-    Buctril bis zum 17.09.2021 aufbrauchen
-    In Strategie zukünftig verstärkt Bodenherbizide einplanen
-    Unterblattbehandlungen rechtzeitig durchführen
-    für die Zukunft die Möglichkeit zur mechanischen Unkrautbekämpfung schaffen.

Bitte beachten Sie, dass die Aufbrauchfrist für Buctril in einer früheren Version des Artikels mit dem 31.07.2021 versehentlich falsch angegeben worden war.


Kontakt:
Dr. Alexandra Wichura
Leiterin Sachgebiet Gemüse- und Obstbau
Telefon: 0511 4005-2173
Telefax: 0511 4005-3173
E-Mail:


Stand: 11.06.2021