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Die Thuja wird braun

Die Thuja (Thuja occidentalis), auch Lebensbaum genannt, ist ein beliebtes Nadelgehölz aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Sie eignet sich dank ihrer Wuchseigenschaften, Robustheit und Schnittverträglichkeit sehr gut zur Verwendung in dichten, immergrünen Hecken.

In den letzten Jahren jedoch zeigen viele Lebensbäume verbräunte Nadelschuppen und Triebe sowie Absterbeerscheinungen, was oft dazu führt, dass die gesamte Pflanze unansehnlich wird und ihre Funktion in einer dichten Hecke nicht mehr erfüllen kann. Weil Thuja im Gegensatz zu Eibe (Taxus) oder Buchsbaum (Buxus) kaum aus dem älteren Holz austreibt, sind einmal geschädigte Bereiche sehr lange sichtbar.

Schadbild

Es kommt zur Braunfärbung einzelner Nadelschuppen, Triebabschnitte oder ganzer Triebe. Die Verbräunung kann langsam voranschreiten oder rasch verlaufen und letztlich die gesamte Pflanze erfassen. Teilweise geht der Braunfärbung eine fahlgrüne Färbung voraus, teilweise vergraut letztlich das geschädigte Gewebe.

Ursachen

Thuja reagieren auf verschiedene Ursachen mit Verfärben, Vertrocknen oder Triebsterben. Dabei ist es egal, ob ungünstige Umweltfaktoren (auch Schadstoffe), pilzliche Krankheitserreger oder tierische Schädlinge als Auslöser vorliegen – das Ergebnis ist immer gleich: Die Thuja wird braun. Auch mit einer Laboruntersuchung lässt sich nicht immer die eigentliche Ursache dingfest machen.

Trockenheit: In vielen Fällen liegt als Hauptursache oder wenigstens als stressauslösender Faktor Trockenheit vor. Diese kann im Moment der Beobachtung bereits durch Bewässerung oder Niederschlag abgemildert sein, allerdings reagieren viele Gehölze, insbesondere Nadelgehölze, relativ langsam auf ungünstige Bedingungen. Es kommt nicht nur auf den Wassergehalt des Oberbodens an, sondern auch auf das Wasser in tieferen Schichten. So können Symptome im Spätfrühling durchaus auf Trockenheit im Vorjahr zurückzuführen sein.

Thuja occidentalis wächst in ihrer Heimat (borealer Nadelwald in Nordostamerika) auf kühlen, frischen bis nassen, teils sumpfigen Böden in feucht-humidem Klima. Sie ist zwar recht anpassungsfähig, doch nun scheint es bei uns etwas zu trocken und zu warm zu werden.

Weitere trockenheitsfördernde Faktoren – neben nicht ausreichenden Niederschlägen und hohen Temperaturen (auch im Winterhalbjahr!) – sind:

  • Wind: Auch im Winter verdunsten immergrüne Pflanzen Wasser, besonders bei Wind trocknen die Pflanzen den Boden entsprechend aus.
  • Strahlung: Hohe Sonnenscheinraten, Abstrahlung von Wärme von Glasfronten, dunklen Oberflächen oder Motorhauben führen zu hohen Temperaturen auf den Nadelschuppen, fördern die Verdunstung und gleichzeitig auch das Auftreten von Trockenschäden.
  • Konkurrenz: konkurrenzstarke Pflanzen wie Großbäume entziehen dem Boden viel Wasser. Auch die Konkurrenz innerhalb der Hecke ist zu beachten. Insbesondere wenn bereits große Pflanzen aus Töpfen (Containern) dicht gepflanzt werden, ist auf ausreichende Bewässerung auch über die Anwachsphase hinaus zu denken. Das Wurzel-Spross-Verhältnis ist bei solchen Pflanzen oftmals ungünstig (viel verdunstende Oberfläche, relativ kleiner Wurzelballen) – in der Baumschule, unter optimaler Versorgung, ist das kein Problem, aber nach der Pflanzung muss sich erst das notwendige Gleichgewicht einstellen.
  • Salz: Als Taumittel auf Gehwegen und Straßen eingesetzt, hat es einen negativen Effekt auf die Wasseraufnahme.

Pilzliche Krankheitserreger: Zwar können verschiedene Pilze an grünen Pflanzenteilen von Thuja infizieren (Kabatina, Didymascella u. a.), jedoch ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens im Garten sehr gering, zumal unter trockenen, warmen Witterungsverhältnissen.

An geschwächten, absterbenden oder abgestorbenen Thuja-Trieben wird häufiger Pestalotiopsis nachgewiesen. Die Arten dieser Pilzgattung sind allerdings als schwache Parasiten bekannt, die eine Vorschädigung der Wirtspflanze benötigen, um erfolgreich infizieren zu können. Typisch für diese Erreger sind die letztlich vergrauenden Triebe, auf denen bei hoher Feuchtigkeit dunkle Sporenranken zu sehen sind (Lupe!).

Häufiger als die sprossinfizierenden Pilze wird ein Befall mit Hallimasch (Armillaria sp.) festgestellt. Der Pilz ist im Boden weit verbreitet anzutreffen und infiziert Laub- und Nadelgehölze. Er ist ein Schwächeparasit und besiedelt vor allem geschädigte oder bereits geschwächte Pflanzen (vor allem durch Trockenstress). Hallimasch infiziert die Pflanzen von der Wurzel her und wächst von dort aus zwischen Holzkörper und Rinde aufwärts. Hier sind ein weißes, flächiges Myzel und/oder dunkle, kabelartige Stränge zu erkennen. Der Pilz tötet befallenes Gewebe ab und bewirkt eine Weißfäule. Zum Herbst hin können sich gelegentlich die Fruchtkörper am Stammfuß oder an Baumstubben bilden. Diese haben einen beringten Stiel und einen 5 bis 15 cm großen, gelblichen bis rotbräunlichen Hut.

Auch Infektionen durch Phytophthora, einen pilzähnlichen Erreger, der über die Wurzel angreift, sind möglich. Im Gegensatz zu Scheinzypressen (Chamaecyparis) sind Thujen aber relativ widerstandsfähig und die Krankheit tritt vergleichsweise selten auf. Nach erfolgter Infektion zerstört Phytophthora das Leitgewebe und die Pflanzen zeigen eine fahlgrüne bis gräuliche, zuletzt bräunliche Verfärbung.

Tierische Schädlinge: Durch erhöhte Temperaturen und Trockenheit werden verschiedene Schädlinge gefördert, die gestresste Thujen befallen und Symptome hervorrufen oder verstärken können. Oftmals ist das oberflächlich betrachtete Schadbild diffus und lässt keinen unmittelbaren Rückschluss auf den Schaderreger zu.

Vor allem an windgeschützten, sonnigen Standorten mit Wärmestau, beispielsweise in der Nähe von Hauswänden, fühlen sich Nadelholz-Spinnmilben (Oligonychus ununguis) besonders wohl. Die Triebe vergilben und verbräunen zunächst nesterweise. Bei genauer Betrachtung sind auf den Nadelschuppen die typischen hellen Sprenkel erkennbar, an denen das grüne Chlorophyll der Zellen entzogen wurde. Spinnmilben sind kleine (0,4-0,5 mm), achtbeinige Spinnentiere, die erst mit der Lupe gut erkannt werden. Ihr krümeliger Kot und lockeres Gespinst können als weitere Anzeichen für einen Befall ebenfalls festgestellt werden.

Durch ihre Saugtätigkeit an den Trieben verursachen Rindenläuse (Baumläuse, Lachniden) Vergilbungen und Triebsterben, das mit Verbräunen und schließlich Abfallen der Blattschuppen einhergeht. Durch ihre Tarnfärbung und die versteckte Lebensweise sind diese Blattläuse trotz der stattlichen Größe (2–4 mm) kaum zu finden. Auffällig ist oft ein schwarzer Belag, der aus Rußtaupilzen besteht. Diese leben auf den zuckerhaltigen Ausscheidungen (Honigtau) der Rindenläuse und schädigen die Pflanzen nicht direkt. Andere Quellen für Honigtau sind auf Thuja sehr selten, sodass Rußtau ein recht sicheres Zeichen für einen Befall mit Rindenläusen ist.

Bei einem Befall durch Borkenkäfer (Phloeosinus thujae, P. aubei, P. rudis) werden manchmal Einzelpflanzen in einer ansonsten gesund erscheinenden Hecke innerhalb kurzer Zeit braun und vertrocknen. Es gibt sehr viele verschiedene Borkenkäferarten, von denen viele recht stark auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert sind. So treten die an Thuja vorkommenden Borkenkäfer sonst nur an anderen Zypressengewächsen auf, von denen bei uns insbesondere Scheinzypressen (Chamaecyparis) und Wacholder (Juniperus) relevant sind.

Die Larven und die kleinen, nur 1,5–2,8 mm großen, dunkel gefärbten Käfer verbringen fast den gesamten Lebenszyklus gut geschützt unter der Rinde und im Holz der Thuja.

Die Weibchen bohren sich in Stamm und Äste ein und legen in einer kleinen Kammer Eier unter der Rinde ab. Durch den Larvenfraß im Holz werden die Leitungsbahnen zerstört und die Wasserversorgung der Triebe wird unterbunden. Nach erfolgter Puppenruhe bohren sich die Jungkäfer später nach außen, sodass viele kleine Löcher am Holz entstehen und Bohrmehl in den Astgabeln zu finden ist.

Betroffen sind vor allem durch Trockenstress bereits geschwächte Thuja. Vitale Pflanzen hingegen können sich durch „Ausharzen“ vor einem Befall von sich einbohrenden Käfern wehren. Vor der Eiablage ist ein Reifungsfraß an jungen Trieben möglich, die Käfer fressen sich dabei in die dünnen Triebenden ein, die dann abknicken. Der Befall kann von einer Pflanze auf Nachbarpflanzen übergehen, wenn diese ebenfalls geschwächt sind.

Die Larven von Maikäfern (Melolontha melolontha, Merkblatt: Engerlinge) und von Dickmaulrüsslern (Otiorhynchus sp., Merkblatt: Dickmaulrüssler) fressen an Wurzeln verschiedener Pflanzen, auch an Thuja.

Die Feinwurzeln werden komplett verzehrt, von den stärkeren Wurzeln wird die Rinde angenagt. Durch den Wurzelverlust können die Pflanzen kein Wasser mehr aufnehmen und es kommt, je nach Anzahl fressender Larven und Umweltbedingungen, zur Vertrocknung des Sprosses.

Die Käfer des Dickmaulrüsslers fressen mitunter auch an den Triebspitzen, der Schaden ist im Hausgarten aber zumeist vernachlässigbar.

Ein etwas abweichendes Schadbild wird von der Thuja-Miniermotte (Argyresthia thuiella) verursacht: Scharf abgesetzte, graubräunliche, abgestorbene Triebspitzen brechen leicht ab. Bei genauerem Hinsehen (Lupe!) erkennt man darin leergefressene Miniergänge mit Kotkrümeln und kreisrundem Ausschlupfloch an der Basis.

Die unauffälligen, kleinen Motten legen im Sommer (etwa Juli) ihre Eier an den Triebspitzen ab. Die bald daraus schlüpfenden winzigen Larven fressen in der Folgezeit (z. T. bis Mai des Folgejahres) Minen in die Triebspitzen.

Der Minierfraß beeinträchtigt die Pflanzen nur unerheblich und verursacht somit eher ästhetischen Schaden, der aber für den Fortbestand der Thuja nicht relevant ist.

Vorbeugung

Die häufigsten Schäden sind auf ungünstige Wachstumsbedingungen zurückzuführen. Sie sind Hauptursache (abiotische Schäden) oder mindestens fördernd für Schaderreger. So lange die Wachstumsbedingungen nicht optimiert werden, kann jede weitere Maßnahme nur kurzfristig Besserung bringen.

Zunächst ist die Frage, was Thujen brauchen: Thuja occidentalis stammt aus dem Nordosten Nordamerikas, T. plicata aus Südalaska bis Nordkalifornien, also aus kühl-gemäßigten, niederschlagsreichen Zonen, wo sie feuchte bis nasse Standorte besiedeln. Daraus lässt sich ableiten, dass trocken-warme Standorte nicht gut geeignet sind – Stadt- und Weinbauklima sind den Thujen genauso abträglich wie mangelnde Bodenfeuchte. Die schon erfolgte und weiter prognostizierte Veränderung des Klimas in unseren Breiten ist für Thuja nicht zuträglich.

Nach der Pflanzung, die fachgerecht, nicht zu dicht („grüne Wand“) und in gut vorbereitetem Boden (tiefgründiges Lockern, ausreichend breite Pflanzgrube) erfolgt, ist entsprechende Pflege notwendig. In Trockenphasen ist ausreichendes Bewässern unabdingbar. Dabei sollte sachte, aber durchdringend gegossen werden (20–30 l/m², ein- bis zweimal pro Woche), damit das Wasser in die Wurzeltiefe (30–60 cm) einsickern kann. Auch in der kühlen Jahreszeit kann gelegentliches Wässern nötig sein – denn auch dann verdunsten Immergrüne!

Weitere Maßnahmen, die zur Vitalisierung beitragen – z. B. angepasste Düngung und sachgerechter Schnitt – können unterstützend den Stress reduzieren.

Direkte Gegenmaßnahmen

Pflanzenschutzmittel anzuwenden ist bei auftretenden Problemen an Thuja nur selten sinnvoll:

Gegen die am Spross infizierenden, ohnehin selten auftretenden Pilze ist es zu spät, wenn der Schaden schon sichtbar ist. Zur Behandlung von Hallimasch gibt es keine Pflanzenschutzmittel und gegen Phytophthora ist kein Fungizid zugelassen.

Zu Beginn eines Befalls eingesetzt, kann ein wirksames Akarizid gegen Spinnmilben helfen, aber solange es warm und trocken ist, werden sie immer wieder auftreten.

Den Schaden von Rindenläusen erkennt man zu spät und hat auch kaum die Möglichkeit, die Tiere zu treffen, da sie dort, wo sie sitzen kaum erreicht werden können. Auch der Einsatz systemisch wirksamer Insektizide ist sinnlos! Dasselbe gilt für etwaige Behandlungen gegen Borkenkäfer, gegen die nur das Entfernen der befallenen Gehölze hilft.

Engerlinge können theoretisch durch Ausgraben und Absammeln reduziert werden. DickmaulrüsslerLarven lassen sich sehr gut mit insektenpathogenen Nematoden (Fadenwürmern) bekämpfen. Etwa ab Mitte August bis Mitte September ist der beste Einsatzzeitraum. Die Miniermotte ist in den meisten Fällen nicht bekämpfungswürdig und die im Trieb minierende Raupe ist gut geschützt. Ist der Befall erkannt, hilft es, die Triebspitzen abzuschneiden (Heckenschnitt) – am besten im Spätsommer oder Herbst.


Kontakt:
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Leiter Sachgebiet Zierpflanzenbau, Baumschulen, öffentliches Grün
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Stand: 02.03.2021



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