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Flexibel bleiben mit Getreide-Ganzpflanzensilage - Ergebnisse der Getreide-GPS Versuche 2019

Nach 2018 hätten wohl die wenigsten mit einem erneut zu trockenen Jahr gerechnet. Zunehmende Wetterkapriolen und sich ändernde politische Rahmenbedingungen erfordern eine Umgestaltung von Fruchtfolgen mit größerer Vielfalt, bei gleichzeitig hoher Flexibilität.

 

Neben Mais, der nicht immer und nicht auf allen Standorten die beste Biogaskultur ist, zählt Getreide-GPS zu den bedeutenden Substraten in der Biogasproduktion. Auch in der Fütterung ist GPS-Getreide z.B. für Milchkühe und Bullen in Kombination mit Gras- und Maissilage gut geeignet.

Besonders vorteilhaft ist die Möglichkeit, noch bis Mitte Juni flexibel reagieren zu können und eventuell kalkuliertes Mähdruschgetreide noch zu silieren. Neben den speziellen Silonutzungs- Sorten prüfen wir in unseren Versuchen daher auch Sorten, die für eine Doppelnutzung geeignet sind.

Aufgrund seiner Robustheit und Trockentoleranz wird der Roggen wohl in einigen Regionen wieder vermehrt Einzug in die Fruchtfolgen finden. Ein weiterer wichtiger Vorteil einer GPS-Nutzung ist die frühzeitige Räumung. Anschließend bietet sich z.B. die Aussaat einer Zwischenfrucht oder dort, wo es die Wasserversorgung hergibt, auch einer (Getreide-) Zweitfrucht an. Noch effizienter kann die Anlage einer Grasuntersaat im Getreide-GPS Bestand für die kommende Vegetationsperiode sein, um die Grundfutterlücken möglichst zügig wieder zu füllen.

Auf leichten Sandstandorten ist der Roggen gegenüber Triticale ertraglich meist im Vorteil. Auf besseren Standorten können mit GPS-Triticale durchaus konkurrenzfähige Erträge zum Mais erzielt werden. Insbesondere unser Marschstandort Otterham (Schoonorth) zeigt die ertragliche Überlegenheit dieser Kultur gegenüber dem Mais unter den dortigen Gegebenheiten.

LSV Getreide- GPS 2018/ 19

Im Herbst 2018 wurden die Versuche zu Winterroggen und –triticale an insgesamt 3 Standorten angelegt, wobei in Schonoorth nur die Wintertriticale geprüft wird. Der langjährig genutzte Standort Poppenburg stand in diesem Jahr leider nicht für die Anlage eines Exaktversuches zur Verfügung. Um eine bessere Ergebnisdichte für die unterschiedlichen Bodenartengruppen zu erzielen, haben wir die Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zusätzlich zu der rein niedersächsischen Auswertung noch einmal zusammengefasst (Tabelle 6). Hierbei wurde jeweils das Ertragsmittel über die beiden Kulturaten Roggen und Triticale an einem Standort als Bezugsbasis (=100) gesetzt.

Die Versuche wurden unter guten Witterungsverhältnissen gedrillt. Die außergewöhnlich hohen Herbsttemperaturen sorgten für einen zügigen Pflanzenaufgang. Wie auch in den meisten anderen Regionen, blieb es im weiteren Verlauf der Vegetation viel zu trocken. Die Versuche wurden nicht beregnet. Trotzdem konnten insgesamt sehr gute Erträge erzielt werden.

Von einer differenzierten Beerntung wurde aufgrund der sehr zügigen Abreife abgesehen. Am Standort Holtorfsloh wurden die optimalen TS-Gehalte von 30 bis maximal 35 %, die für eine problemlose Silierung und vor allem ausreichende Verdichtung erforderlich wären, leicht überschritten. Besonders unter sehr trockenen und heißen Bedingungen, wie es in diesem Jahr der Fall war, schritt die Abreife sehr zügig voran. So wurden bereits in der Milchreife recht hohe TS-Gehalte von >40 % erreicht.

 

Versuchsergebnisse und Empfehlungen 2019

Winterroggen-GPS

In 2019 standen insgesamt 5 Sorten, davon 1 in Silonutzung (KWS Progas) sowie 4 in Körnernutzung zugelassene Sorten (KWS Binntto, KWS Eterno, SU Performer und SU Nasri) in den Versuchen (siehe Tabellen 2,4 und 6).

Obwohl ein Pilzbefall die Methanproduktion nicht stört, erweisen sich nicht nekrotisierte, möglichst gesunde GPS- Pflanzenbestände als optimal für Silierung und Fütterung. In 2019 waren beim Roggen nach frühem Mehltaubefall insbesondere der Braunrost und bei der Triticale der Gelbrost die dominierenden und zum Teil hartnäckigen Krankheitserreger. In Zeiten abnehmender Wirkstoffvielfalt im Pflanzenschutzbereich gewinnt die genetisch bedingte Sortengesundheit an Bedeutung. Die Blattgesundheit der Sorten in unseren Versuchen präsentierte sich analog der Einstufungen des Bundessortenamtes (Tabelle 2), wobei der höhere Braunrostbefall in den Sorten KWS Progas und SU Nasri insbesondere am Standort Werlte auffiel.

Im Winterroggen ist der Braunrost die bedeutendste Krankheit, während das Auftreten der anderen Krankheiten jahresabhängig unterschiedlich relevant ist.

Ertraglich zeigte sich im Mittel aller Standorte die Sorte KWS Progas, als mittlerweile langjährig geprüfte Standardsorte, mit 196 dt TM / ha in der niedersächsischen Auswertung an der Spitze. Lediglich auf den nordrhein-westfälischen Lehm- und Löss-Standorten wird sie in diesem Jahr von der Sorte SU Nasri noch leicht überboten. Die reine Silonutzungssorte KWS Progas ist aufgrund ihrer sehr guten und stabilen Leistungen an allen Standorten für den GPS-Anbau zu empfehlen. Die Anfälligkeit gegenüber Braunrost und Lager gilt es zu beachten und entsprechend zu behandeln.

An zweiter Stelle rangiert, sowohl in der Gesamtauswertung über alle Standorte und Regionen (Tabelle 6) als auch in der niedersächsischen Auswertung mit 185 dt / ha, die bereits 3-jährig geprüfte Doppelnutzungs-Sorte SU Nasri. Aufgrund der mehrjährig stabilen Ertragsleistungen ist SU Nasri als Doppelnutzungssorte für den Anbau auf allen Standorten zu empfehlen. Charakteristisch für die Sorte ist neben der ebenfalls mittleren – starken Anfälligkeit gegenüber Braunrost ihre im Vergleich überdurchschnittlich starke Reaktion auf den Einsatz von Wachstumsreglern.

An dritter Stelle rangiert die erst einjährig geprüfte Doppelnutzungs- Sorte KWS Eterno, sowohl in der niedersächsischen als auch in der Gesamtauswertung. Positiv zu erwähnen ist ihre geringe Anfälligkeit gegenüber Braunrost. KWS Eterno wird für den Probenanbau als Doppelnutzungssorte für alle Standorte empfohlen.

Die bereits 4-jährig geprüfte Doppelnutzungssorte SU Performer liefert stabil hohe Erträge bei guter Blattgesundheit. SU Performer kann als Doppelnutzungssorte weiterhin für alle Standorte empfohlen werden. Besonders auf den Lehm- und Löss-Standorten Nordrhein-Westfalens konnte er seine Vorteile ausspielen.

Wintertriticale-GPS

Auch die GPS-Triticaleprüfungen konnten in 2019 das sehr hohe Ertragspotential dieser Kultur unter Beweis stellen (s. Tabellen 3, 5 und 6). Sowohl in der Fläche als auch in den Versuchen zeigt sich, dass die Triticale insbesondere auf den besseren Böden mit ausreichender Wasserverfügbarkeit in der Lage ist, ihre Vorteile zu zeigen.

In der Prüfung standen in diesem Jahr mit Tender PZO, Borowik sowie der in 2018 neu zugelassenen Sorte Trimasso 3 vom BSA in der Silonutzung geprüfte Sorten. Mit Lombardo und der in diesem Jahr neu zugelassenen Sorte Ramdam wurden 2 ertragreiche Körnernutzungstypen mit getestet. Insbesondere die beiden letztgenannten und laut Züchterangaben auch die Sorte Trimasso sind damit geeignete Doppelnutzungssorten.

Absolute Spitzenerträge Erträge konnten an unserem Marschsstandort in Otterham (Schoonorth) erzielt werden, die niedrigsten am leichtesten Standort Holtorfsloh.

Die bereits 4-jährig geprüfte Sorte Tender PZO rangiert wie in den Vorjahren im Mittel über alle Standorte deutlich an erster Stelle. In der Gesamtauswertung über Niedersachsen und NRW zeigt sich die besondere Leistungsfähigkeit auf den Sandstandorten. Positiv hervorzuheben ist neben dem Ertragspotential die sehr gute Standfestigkeit der Sorte und die sehr geringe Anfälligkeit für Mehltau, Braunrost und Blattseptoria. Einziges nicht ganz unerhebliches Manko der Sorte ist ihre mittlere Anfälligkeit gegenüber Gelbrost, die sich auch in Schoonorth zeigte. In den vergangenen Jahren hat die Gelbrostproblematik zugenommen. Starker und früher Befall machten z.T. schon einen ungewohnt frühzeitigen Fungizideinsatz erforderlich.

Aufgrund der langjährig überragenden Ertragsleistung wird die Sorte Tender PZO weiter uneingeschränkt für alle Standorte empfohlen.

Eine deutliche Verbesserung im Hinblick auf die Blattgesundheit mit gleichzeitig sehr guter Ertragsleistung, insbesondere auf den schwereren Standorten, bringt die 2-jährig geprüfte Sorte Trimasso. Sie wird daher uneingeschränkt für den Anbau empfohlen.

Die neuzugelassene und erst 1-jährig geprüfte Sorte Ramdam präsentiert sich ertraglich an 3. Stelle und ist bei hervorragender Blattgesundheit und als Doppelnutzungstyp eine sehr vielversprechende neue Sorte. Die Sorte Ramdam wird für den Probeanbau empfohlen. Da sich die Sorte aber im ersten Zulassungsjahr befindet und auch insgesamt sehr gut abgeschnitten hat, dürfte Saatgut nur in begrenztem Maße zur Verfügung stehen.

Ersatzweise kann auf die bereits 4-jährig geprüfte Sorte Borowik oder die 3-jährig geprüfte, für die Doppelnutzung geeignete Sorte Lombardo zurückgegriffen werden, die jedoch in diesem Jahr ertraglich das Schlusslicht bildet.

Fazit

  • Getreide- Ganzpflanzensilage ist ein flexibel und vielseitig einsetzbares Substrat
  • Es bietet die Möglichkeit der Auflockerung von Fruchtfolgen
  • Vorteilhaft ist das große Zeitfenster für die anschließende Nutzung mit einer Zwischen- oder Zweitfrucht
  • Speziell für die GPS-Nutzung gezüchtete Sorten haben insbesondere bei Triticale Vorteile
  • Beim Roggen gibt es sehr gut geeignete Doppelnutzungssorten, bei Triticale vielversprechende neue Kandidaten
  • Auf schwereren Standorten mit ausreichender Wasserverfügbarkeit ist Triticale dem Roggen ertraglich überlegen
  • Neben dem Ertragspotential spielt die Sortengesundheit eine zunehmend wichtige Rolle

 


Getreide-Ganzpflanzensilage in der Fütterung

Getreide-GPS besteht aus stärkereichen Körnern und Stroh, ist folglich eiweiß- und mineralstoffarm und weist eine mittlere Verdaulichkeit auf. Die geringe Stärkebeständigkeit von 10 % liegt auf dem Niveau von Maissilage. Aufgrund des engen Korn:Stroh-Verhältnisses sind Weizen, Gerste und Triticale etwas besser als Roggen geeignet. Die DLG-Tabelle (1997) weist für Weizen- und Gerste-GPS mit einem Körneranteil von ca. 50 % mittlere Energiegehalte von 5,5 bis 5,7 MJ NEL/kg Trockenmasse (9,3 bzw. 9,6 MJ ME/kg TM) aus. In aktuellen Verdauungsversuchen in Haus Riswick wurden im Vergleich zu den DLG-Werten höhere Verdaulichkeiten festgestellt. Der Energiegehalt wurde durch die Schätzgleichung bei allen GPS-Arten unterschätzt, beim Weizen um rund 0,7 MJ ME/Kg TM. Wir benötigen also dringend eine angepasste Formel für die exakte Schätzung des Energiegehalts!

GPS kann an Milchkühe und Bullen gut in Kombination mit Grassilage verfüttert werden. Wegen der niedrigen Gehalte an Kalium und DCAB (Kationen-Anionen-Bilanz/Milchfieberprophylaxe) ist GPS auch für die Fütterung der Trockensteher gut geeignet. Je Kuh und Tag können etwa 4 bis 6 kg GPS-TM eingesetzt werden, wobei die schnell abbaubare Stärke besonders in der Hochleistungsphase zu berücksichtigen ist.

Die ersten Analysenbefunde der Ernte 2019 weisen große Schwankungen auf, insbesondere im TM-Gehalt, aber auch im Stärkegehalt oder in den Faserwerten. Folglich variiert der Energiegehalt beträchtlich. Wegen fehlender Angabe der Getreidearten auf den Untersuchungsaufträgen war eine differenzierte Auswertung nicht möglich.

 

Tabelle: Getreide-GPS Analysen der Ernte 2019 (Quelle: LUFA Nord-West)

 

 

GPS

n = 82

Min.- Max.

Trockenmasse

%

37,3

 

19,1 - 93,8

Rohprotein

% i. TM

9,2

 

4,6 - 18,6

nXP

g/kg TM

115

 

100 - 141

RNB

g/kg TM

- 3,7

 

- 8,9 - 7,5

Rohfaser

% i. TM

26,6

 

19,0 - 37,6

ADFom

% i. TM

32,3

 

22,0 - 43,9

aNDFom

% i. TM

51,5

 

35,3 - 64,2

Stärke

% i. TM

11,4

 

4,9 - 24,8

NEL

MJ/kg TM

5,3

 

4,5 - 5,9

ME

MJ/kg TM

9,1

 

7,8 - 9,9

Rohasche

 

% i. TM

6,4

1,8 - 23,7

pH-Wert

 

 

4,5

3,7 - 5,8

Calcium

% i. TM

0,28

 

0,20 - 0,41

Phosphor

% i. TM

0,33

 

0,21 - 0,47

Kalium

% i. TM

2,08

 

1,33 - 3,37

   Andrea Meyer, LWK Niedersachsen                                                                         Stand: 31.7.2019


 


Kontakt:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 26.08.2019



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