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Neuer Gesamtzuchtwert RZG | Neue Zuchtwerte

Die neuen Zuchtwerte für Deutsche Holstein Schwarzbunt und Rotbunt sind Anfang April veröffentlicht worden. Im Rahmen dieser Zuchtwertschätzung ist neben der routinemäßigen Anpassung der Basis auch die Zusammensetzung des deutschen Gesamtzuchtwertes RZG für Schwarz- und Rotbunte geändert worden.

Neuerungen in Zuchtwertschätzung

Jährliche Basisanpassung für alle Merkmale 
Durch die bekannte jährliche Basisanpassung der Zuchtwerte hat sich entsprechend des Zuchtfortschritts in den letzten 12 Monaten das Niveau der Zuchtwerte verändert. Die Basis für alle Merkmale bilden 4-6 Jahre alte Kühe der jeweiligen Rasse mit Eigenleistung. Diese repräsentieren die aktuell lebende Kuhpopulation. Die aktuelle Basis bilden nun die Kühe der Geburtsjahrgänge 2015-2017 mit Eigenleistung im jeweiligen Merkmal (vorher Kühe geb. 2014-2016). 

Neuer Gesamtzuchtwert RZG

Ab April 2021 gilt für Schwarz- und Rotbunt ein neu zusammengesetzter Gesamtzuchtwert (RZG). Die Überarbeitung dient sowohl der Neuausrichtung des Zuchtwertes als auch der Aufnahme neu eingeführter Zuchtwerte in den Gesamtindex: So finden die vor zwei Jahren erstmals veröffentlichten Gesundheitszuchtwerte RZGesund und RZKälberfit sowie auch die direkten Kalbemerkmale RZKd nun Berücksichtigung im RZG. Außerdem wird im Exterieur neben der Fundament- und Euterbewertung auch der Merkmalskomplex Körper im RZG aufgenommen. In der Gewichtung des RZG verlieren die Milchleistung RZM, die Nutzungsdauer RZN und die Fruchtbarkeit RZR zugunsten der Gesundheitszuchtwerte an Gewicht. Die Eutergesundheit RZS fällt zugunsten des Mastitis-Zuchtwertes im RZGesund, durch den die Eutergesundheit direkter abgebildet werden kann, weg. 
Die Zusammensetzung des neuen RZG für Schwarz- und Rotbunt zeigt die folgende Abbildung:


Die Gewichtung der Milchleistungsmerkmale zur Summe der Gesundheitsmerkmale entspricht im neuen RZG der Gewichtung im rein ökonomischen RZ€. Beide Gesamtzuchtwerte verfolgen das Ziel einer kompletten und leistungsstarken Milchkuh. Dabei beinhaltet der RZG weiterhin 15 % Exterieurmerkmale und ist eher der traditioneller Zuchtwert, der sich am Zuchtziel der Deutschen Holsteins orientiert. Der RZ€ hingegen enthält nur bzw. alle Zuchtwertmerkmale mit direkter ökonomischer Bedeutung und legt den Fokus mehr auf die Wirtschaftlichkeit. In der Darstellung wird der RZG auf der Relativ-Skala ausgedrückt. Der RZ€ gibt den Gewinn-Unterschied in Euro durch genetisch bedingte Leistungsunterschiede im Vergleich zu einer durchschnittlichen Kuh an.

Die Gewinner dieser Neuerung im RZG sind die Vererber, die starke Gesundheit mit sehr guten Fitness- und Management-Merkmalen im Verhältnis zu einer moderaten Milchleistung vererben. Bullen, die ihre Position hauptsächlich auf eine hohe Milchleistung bei mittlerer Gesundheit fußen, verlieren hingegen. 
Insgesamt führt die Neuausrichtung zu einer höheren Streuung im RZG, die besonders bei den töchtergeprüften Bullen stärker ins Gewicht fällt, da diese noch nicht nach Gesundheit selektiert wurden. Gerade hier ist es schwieriger fehlerlose töchtergeprüfte Bullen auszumachen.

Durch die Neuerungen im RZG lassen sich die Auswirkungen der Basisverschiebung und der Neuerungen nicht voneinander trennen. Die Dezember- und April-Zuchtwerte sind somit wegen neuer Merkmale und Gewichtung nicht direkt vergleichbar.

 

Besamungsbullen mit töchtergeprüftem Zuchtwert
Die beiden Silver-Söhne Semino und Sinus hatten bei den letzten beiden Schätzterminen die Nase vorn. Nach der neuen Merkmalsgewichtung führt nun Semino nach RZG und nach RZ€ mit Abstand die töchtergeprüfte Liste der schwarzbunten Vererber an. Entgegen dem Trend kann Semino trotz Basisabschreibung und neuem Gesamtzuchtwert 4 RZG-Punkte zulegen. Bei moderater Milchleistung mit positiven Prozenten verbessert er besonders die Nutzungsdauer und Gesundheit bei sehr guter Melkbarkeit und besonderer Empfehlung für Roboterbetriebe. Semino sollte nicht für Färsenbesamungen eingesetzt werden. 


Mit jetzt 3.860 Töchtern ist Bonum auf Rang 2 mit einem RZG von 149 sehr sicher geprüft. Stronghold schiebt sich mit einem RZG von 147 auf den dritten Platz vor. Er kann mit Schwächen in der Melkbarkeit mit RZD 86 sowie im Exterieur nicht überzeugen. Supercup von der Masterrind kann sich nach seinem Debüt im Dezember mit einem RZG von 145 auf den vierten Platz vorschieben. Nach RZ€ mit + 2.121 ist er nach Semino der zweithöchste Vererber. Supercup lässt eine sehr hohe Nutzungsdauer bei hoher Milchleistung mit positiven Prozenten sowie sehr guten Gesundheitswerten erwarten. Wermutstropfen bleibt die knappe Fundamentbewertung mit 86. Komplettiert wird die TOP-5 durch den im Dezember neu eingestiegenen Jetset-Sohn Jameson von der Masterrind mit einem RZG von 145. Jameson überzeugt mit einer Exterieurvererbung von RZE 131 mit besonderem Augenmerk auf Euter (135) in Kombination mit langer Nutzungsdauer und sehr guten Gesundheitswerten. Er vererbt eine knappere Milchleistung mit hoch positiven Inhaltsstoffen.


Interessante Vererber aus Niedersachsen

Der bisherige Listenführer Sinus von der OHG rutscht mit einem RZG von 145 auf Platz 7. Glanzpunkt seiner Vererbung sind die Kombination einer hohen Fett- und Eiweißmenge (+ 137 kg) mit sehr guter Eutervererbung (125). Zudem überzeugt Sinus mit sehr guten Robotereigenschaften (125). Der Famous-Sohn Falstaff von der Masterrind schiebt sich mit einem RZG von 144 auf Platz 8 vor. Er gehört mit + 2.337 kg Milch mit zu den höchsten Milchmengenvererbern bei sehr guter Fundamentvererbung mit 127. Aufgrund seiner Strichplatzierung ist Falstaff besonders für AMS-Betriebe (RZRobot 131) geeignet. Neu ist der Bestboss-Sohn Bendino von der Masterrind, der mit einem ersten RZG von 143 auf Platz 17 landet. Bendino verkörpert eine sehr hohe Milchleistung bei guten Gesundheitswerten und ordentlichem Exterieur. Mit Ausnahme der Kälberfitness ist er in den Einzelmerkmalen positiv bewertet. 


Einen ersten töchtergeprüften Zuchtwert hat auch der Heffner-Sohn Hellas vom VOSt bekommen. Mit RZG von 142 steigt er auf Platz 20 ein. Bei knapper Milchmenge vererbt Hellas deutlich positive Inhaltsstoffe bei insgesamt sehr guten Gesundheits- und Fitnessmerkmalen sowie sehr guten Eutern. Hellas kann besonders für AMS-Betriebe empfohlen werden, beachtet werden sollte die Konzeptionsrate seiner Töchter.


Der Missouri-Sohn Monte verliert etwas, er kann sich aber mit einem RZG von 141 auf Platz 24 behaupten. Der Vererber des VOSt verbessert besonders die Milchleistung sowie die Fundamente (129). Mit einem RZRobot von 133 ist er besonders für AMS-Betriebe zu empfehlen. Der AltaSpring-Sohn Alamo von der OHG rutscht auf einen RZG von 140. Alamo vererbt eine gute Milchleistung bei langer Nutzungsdauer. Hervorzuheben sind die Fundamente sowie die Robotereignung seiner Töchter. 
 

Rotbunte töchtergeprüfte Besamungsbullen
Bei den Rotbuntvererbern wurden die oberen Platzierungen durcheinandergewirbelt. Listenführer ist nun der Effort-Sohl Effektiv, der sich entgegen dem Trend in dieser Zuchtwertschätzung verbessert und mit einem RZG von 145 die Liste anführt. Effektiv glänzt mit einer tadellosen Exterieurvererbung von 133 bei sehr langer Nutzungsdauer sowie sehr guter Gesundheitsbewertung. Die Melkbarkeit sollte beachtet werden. Eloped Red von Masterrind kann sich auf den zweiten Rang vorschieben. Der Sympatico-Sohn lässt eine hohe Milchleistung und lange Nutzungsdauer erwarten. Die Gesundheitsmerkmale sind sehr gut bewertet, die Kälberfitness mit 93 sollte beachtet werden. Der bisherige Listenführer Power wird auf den dritten Rang verdrängt. 


Der höchste reinerbig hornlos Vererber in Rotbunt-Segment ist Apo Red PP, der mit einem RZG von 136 auf Rang 6 vorrückt. 


Besamungsbullen mit genomischem Zuchtwert
Die genomische Topliste wird mit großen Vorsprung und mit einem außerordentlich hohen Gesamtzuchtwert von gRZG 171 von dem Freemax-Sohn Foreman angeführt, der gleichzeitig auch mit RZ€ von + 2.961 deutlich die Spitze markiert. Foreman lässt kaum Wünsche offen und ist ein insgesamt kompletter Vererber auf höchstem Niveau. Unverändert auf Rang 2 mit einem gRZG von 166 liegt der Solitair P-Sohn Star P RDC, der nicht nur das Hornlosgen, sondern auch den Rotfaktor vererbt. Star P RDC glänzt mit hervorragenden Gesundheits- und Fitnesswerten (gRZGesund 130), die Melkbarkeit mit gRZD 91 muss Berücksichtigung finden. Einen deutlichen Sprung auf den dritten Platz mach der Bali-Sohn Bender, der besonders in der Gesundheit deutlich zulegen konnte. Er überzeugt zudem durch sehr gute Nutzungsdauer und Fundament- und Euterbewertung bei etwas knapperem Körper. Die bisherige Nummer 1 und der absolute Leistungsvererber Gladius verliert leicht und rutscht sowohl nach gRZG als auch nach gRZ€ auf Platz 4. Komplettiert wird die TOP-5 der genomischen Top-Bullen von Beachboy, der sich besonders durch seine exzellenten Gesundheitszuchtwerte verbessert und nach gRZ€ auf Platz 3 vorrückt. Er kombiniert eine hohe Milchleistung und mit langer Nutzungsdauer. Bei der Anpaarung sollten die Beckenlage und Strichlänge beachtet werden. 


Interessante Vererber aus Niedersachsen
Die beiden Newcomer Crusader und Clooney, VH Crown-Söhne von der Masterrind, sichern sich mit einem jeweils ersten gRZG von 162 bzw. 161 die Plätze 12 und 14. Crusader kombiniert hervorragendes Exterieur von gRZE 136 mit Gesundheit und Nutzungsdauer sowie guter Leistung. Clooney ist etwas höher im gRZ€ bewertet und lässt etwas mehr Milch bei hervorragenden Gesundheitsmerkmalen und besonders positiven Kalbeeigenschaften erwarten. 


Samuel P ist der zweithöchste hornlos-Vererber bei den Genomics, der sich nach seinem Debüt weiter festigt und auf einen gRZG von 160 verbessert. Der Solitair P-Sohn von der OHG vererbt eine gute Milchleistung mit leicht positiven Prozenten im Kombination mit sehr guten Gesundheitsmerkmalen. Die Exterieurvererbung ist mit gRZE 126 sehr gut und insgesamt ausgeglichen. Die Beckenlage und Strichlänge sind zu beachten. Der Gigabyte-Sohn Gigaliner liegt gleichauf bei einem gRZG von 160. Er verspricht eine hohe Milchmenge mit nahezu neutralen Inhaltsstoffen sowie sehr guter Bewertung für Nutzungsdauer. Im Exterieur zeigt er sich insgesamt gut und sehr ausgeglichen mit besonderem Augenmerk auf das Fundament.


Der Mick-Sohn Mirco von der OHG verbessert sich deutlich und schiebt sich mit einem gRZG von 159 auf Rang 36 vor. Mirco überzeugt durch eine positive Bewertung aller Einzelmerkmale. Er punktet vor allem mit seinen Gesundheitsmerkmalen, dem ausgeglichenen und kompletten Exterieur sowie seinen sehr guten funktionalen Merkmalen. Gleichauf bei einem gRZG von 159 liegt der höchste Newcomer vom VOSt, der Garido-Sohn Golf, von dem aktuell noch kein Sperma verfügbar ist. Er glänzt mit einem Exterieurzuchtwert von 146 und kombiniert diesen mit hochpositiven Inhaltsstoffen und guten Gesundheits- und funktionalen Merkmalen. Sein Stallgenosse Bacardi liegt gleichauf bei gRZG 159, er ist in der gRZ€-Bewertung mit + 2.443 etwas besser als Golf. Bacardi kombiniert die wünschenswerten Eigenschaften der positiven Sekundärmerkmale mit einem RZGesund von 128 und sehr gutem Linearprofil (gRZE 127) bei knapperer Milchleistung mit sehr hohen Inhaltsstoffen. Neu beim VOSt ist Sanchez P, ein Solitair P-Sohn mit Rotfaktor und rezessiver Hornlosvererbung (gRZG 156). Besonderes Augenmerk liegt auf seinem Exterieur mit gRZE 142, dabei ragen besonders die Zuchtwerte für Euter und Fundament heraus. Bei guter Milchleistung ist er deutlich positiv in den Gesundheitsmerkmalen (RZGesund 121) und ist zudem für Roboterbetriebe zu empfehlen. Als weiterer Exterieurvererber (gRZE 145) ist der populäre Gywer RDC-Sohn Genius von der OHG zu empfehlen, der sich auf einen gRZG 155 verbessert. Sein Exterieurprofil ist tadellos mit besonderem Augenmerk auf der Verbesserung der Euterqualität. Aber auch in den Gesundheitsmerkmalen (127) und den funktionalen Merkmalen kann er durchweg überzeugen. 


Rotbunte Genomics
Bei den Rotbunten genomischen Vererbern ist Solitair P der führende Bullenvater – allein unter den TOP-10 befinden sich 8 seiner Söhne. Mit Flight Red übernimmt jedoch ein Rubels Red-Sohn als Newcomer die Listenführung. Er markiert mit gRZG 165 die Spitze und rangiert nach gRZ€ von + 2.637 und gRZGesund von 132 jeweils auf Platz 3. Der noch sehr junge Bulle überzeugt gleichzeitig mit sehr gutem Exterieur und langer Nutzungsdauer bei jedoch unterdurchschnittlicher Melkbarkeit. Auf den weiteren beiden Rängen folgen mit Simply Red und Sponsor P zwei Solitair P-Söhne jeweils mit einem gRZG von 162. Simply Red überzeugt mit sehr gutem Exterieurprofil und langer Nutzungsdauer sowie sehr guten Gesundheitsmerkmalen. Seine Melkbarkeit ist mit 89 jedoch zu beachten. Sponsor P ist dagegen ist im gRZ€ deutlich höher bewertet (#1 mit + 2.815), was auf seine überragende Milchleistung mit + 170 kg Fett und Eiweiß zurückzuführen ist. 


Die vollständigen Listen der mit allen verfügbaren Einzelzuchtwerten können in der Bullendatenbank des vit unter www.vit.de abgerufen werden. Hier sind die Zuchtwerte aller geprüften Besamungsbullen, von denen Sperma abgegeben wird, verfügbar. Die Listen sind unterteilt in genomische Bullen, die keine Töchter bzw. Töchter in weniger als 10 Herden für Milch oder Exterieur haben, aktiv vermarktete töchtergeprüfte Bullen sowie sicher geprüfte Vererber mit mindestens 500 Töchtern für Milchleistung jeweils sortiert nach RZG und RZ€.
Weitere Informationen über die Zuchtwerte erhalten Sie bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie über die Internetdatenbank des VIT und seitens der Rinderzuchtverbände. Die nächste Zuchtwertschätzung ist für den 10. August 2021 geplant. 
 


Kontakt:
Dr. Ludwig Diekmann
Leiter Fachbereich Tierzucht, Tierhaltung, Versuchswesen Tier, Tiergesundheitsdienste
Telefon: 0441 801-635
Telefax: 0441 801-634
E-Mail:
Yvonne Konersmann
Organisation und Koordination der Weiterbildung
Telefon: 0541 56008-127
Telefax: 0541 56008-150
E-Mail:


Stand: 16.04.2021