Webcode: 01036879

Mit Getreide-GPS die Futterversorgung sichern

Die letzten beiden Trockenjahre haben ihre Spuren hinterlassen, die Futtervorräte sind in vielen Betrieben aufgebraucht. Schäden in den Grünlandbeständen durch Mäuse, Tipula oder Gänsefraß verschärfen die brenzlige Situation noch. Erträge wie in „normalen“ Jahren sind hier nicht zu erwarten, deshalb sollten Betriebe rechtzeitig vorplanen, um Engpässe in der Grobfutterversorgung zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist die Erzeugung von Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS). Die Entscheidung muss frühzeitig getroffen werden, denn das Erntezeitfenster ist eng, da bei trockenen Bedingungen die Abreife schnell voranschreitet.

Das Image der GPS hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Sie ist nicht nur ein Notfutter, das hilft, Versorgungslücken zu füllen. Das Grobfutter bringt auch Struktur in die Ration und hat aus Gründen der Fruchtfolge, der Greening-Auflagen oder der Pflanzengesundheit an Bedeutung gewonnen. Vorteile liegen z. B. in der Auflockerung enger Maisfruchtfolgen und der höheren Ertragssicherheit auf Maisgrenzstandorten. 

Korn und Stroh = GPS
Getreide-GPS besteht aus stärkereichen Körnern und Stroh, ist folglich eiweiß- und mineralstoffarm und weist eine mittlere Verdaulichkeit auf. Die geringe Stärkebeständigkeit von 10 % liegt auf dem Niveau von Maissilage. Alle Getreidearten lassen sich als Ganzpflanze silieren, aufgrund des engen Korn:Stroh-Verhältnisses sind Weizen, Triticale und Gerste etwas besser als Roggen geeignet. Oft fällt die Entscheidung für die Ernte als GPS erst kurz vor der Getreideernte, um mögliche Futterlücken zu schließen. In diesen Fällen entsprechen dann Ertrag und Qualität des Getreides häufig nicht den Erwartungen. Hier liegt ein Grund für die unterschiedlichen Futterwerte von GPS.  Die DLG-Tabelle (1997) weist für Weizen- und Gerste-GPS mit einem Körneranteil von ca. 50 % mittlere Energiegehalte von 5,5 bis 5,7 MJ NEL/kg Trockenmasse (9,3 bzw. 9,6 MJ ME/kg TM) aus. Diese Werte deuten auf einen verspäteten Erntetermin hin, denn es werden auch höhere Energiekonzentrationen erreicht, wie holsteinische Auswertungen zeigen. Dort wurden über mehrere Jahre im Mittel 6,1 MJ NEL/kg TM erzielt. Für Weizen-GPS werden dort bei einem Korn-Stroh-Verhältnis von 1:0,8 bis 1,2 und einem TM-Ertrag von 190 bis 230 dt/ha 6,2 MJ NEL/kg TM angegeben.

Energiegehalte unterschätzt
In Haus Riswick wurden Verdaulichkeitsmessungen (Hammeltest) mit GPS aus Weizen (n=10), Roggen (n=10), Triticale (n=8) und Gerste (n=2) durchgeführt. Die beiden Gersten wurden zu einem späteren Zeitpunkt geerntet, was am deutlich höheren TM-Gehalt von über 50 % zu sehen ist. Folglich liegt der Stärkegehalt wesentlich höher als in den anderen Silagen.  Die Nährstoffgehalte und die Verdaulichkeiten in den jeweiligen GPS-Arten schwanken deutlich, was z.T. durch die Stoppelhöhe zu erklären ist. Roggen-GPS weist mit 66 % die geringste Verdaulichkeit der organischen Masse auf.

Tabelle 1: GPS im Hammeltest, Ernte 2013 bis 2017 (Angaben je kg TM)

 

GPS-Weizen
n = 10

GPS-Roggen
n = 10

GPS-Triticale
n = 8

GPS-Gerste
n = 2

Trockenmasse    g

339 (294 - 474)

335 (316 - 377)

328 (288 - 342)

538

Rohprotein          g       

93 (65 - 109)

81 (69 - 100)

85 (69 - 104)

91

Rohfaser             g

226 (204 - 249)

262 (223 - 316)

242 (210 - 280)

162

Stärke                 g

171 (61 - 303)

169 (114 - 228)

162 (80 - 233)

420

NEL                                  MJ

6,1 (5,8 - 6,4)

5,6 (4,9 - 6,0)

6,1 (5,5 - 6,3)

6,9

ME                                   MJ

10,3 (9,8 - 10,7)

9,6 (8,5 – 10,0)

10,2 (9,4 - 10,5)

11,3

Ca                                       g

1,9 (1,3 - 2,5)

2,1 (1,8 - 2,4)

1,9 (1,5 - 2,2)

2,0

P                                         g

2,4 (1,6 - 3,0)

2,2 (1,9 - 2,7)

2,1 (1,8 - 2,6)

2,3

Verdaulichkeit der OM       %

72 (69 - 74)

66 (59 - 69)

70 (65 - 73)

77

pH-Wert

3,7 (3,5 - 4,0)

4,1 (3,4 - 4,6)

4,1 (3,5 - 4,8)

4,8

Im Vergleich zu den DLG-Werten in Tabelle 2 sind die Verdaulichkeiten höher. In den Riswicker Untersuchungen wird der Energiegehalt durch die Schätzgleichung bei allen GPS-Arten unterschätzt, beim Weizen um rund 0,7 MJ ME/Kg TM. Um den Futterwert von GPS sicher beschreiben zu können, sind weitere Messungen dringend erforderlich. Auf Basis der neuen Ergebnisse kann dann die Schätzgleichung angepasst werden.

Tabelle 2: Nährstoffgehalte von Ganzpflanzensilage (DLG, 1997)

                Gehalte je kg Trockenmasse (TM = 45 %, Körneranteil ca. 50 %)

 

Rohprotein
g

nXP
g

RNB
g

Stärke
g

Rohfaser
g

NEL
MJ

Verdaulichkeit
%

GPS-Gerste

GPS-Weizen

97

93

124

118

-4

-4

268

279

227

227

5,65

5,45

67

65

 

Beim Vergleich von Futterwerten ist entscheidend, dass von vergleichbaren Reifestadien und Schnitthöhen ausgegangen wird. Für die Rationsberechnungen sind eigene Analysen grundsätzlich zu empfehlen. Eine LUFA-Auswertung von 82 GPS-Proben der Ernte 2019 zeigt eine große Streubreite. Im Mittel wurden bei 37 %TS  9,2 % Rohprotein, 26,6 % Rohfaser, 11,4 % Stärke, 5,3 MJ NEL, 0,28 % Calcium, 0,33 % Phosphor und 2,1 % Kalium ermittelt (Basis 100 % TS).

Lange Stoppeln – weniger Energie
Hohe Kornerträge bzw. niedrige Strohanteile sind erforderlich, wenn GPS den Ansprüchen von Hochleistungstieren genügen soll. Entscheidend ist in erster Linie das Korn-Stroh-Verhältnis, das bei Roggen ungünstiger als bei Weizen und Gerste ist. Kurzstrohige Sorten sind gut geeignet. Der Energiegehalt kann je nach Korn-Stroh-Verhältnis, Erntezeitpunkt und Art des Getreides stark variieren.

Tabelle 3: Energiekonzentration von Wintergerste-Ganzpflanzensilage in Abhängigkeit vom Kornanteil (nach Peterhänsel, 1996)

 

Kornanteil in % der Trockenmasse

30

40

50

60

70

Rohfaser                          g/kg TM

Energie                  MJ NEL/kg TM

330

4,9

295

5,4

255

5,9

215

6,4

175

6,9

Um Energiegehalte von mindestens 6,0 MJ NEL/kg TM zu erreichen, sollte der Kornanteil mehr als 50 % betragen. Energiegehalt und Massenertrag sind u. a. über die Höhe der Stoppeln zu beeinflussen. Je 10 cm höherer Schnitt nimmt der Energieertrag/ha um etwa 10 % ab, die TM-Gehalte steigen jeweils um ca. 2 %.

Tabelle 4: Veränderungen der Energiedichte von Gerste-Ganzpflanzen in Abhängigkeit von der Schnitthöhe (zwei Versuche, nach Pahl, 1990)

 

Schnitthöhe (cm) (1)

Schnitthöhe (cm) (2)

10

20

30

10

20

30

NEL-Gehalt        MJ /kg TM

5,47

5,57

5,65

5,89

5,97

6,1

NEL-Ertrag               GJ /ha

                                 relativ

75,5

100

67,4

89

66,1

88

73,6

100

63,9

87

58,0

79

 

Tabelle 5: Einfluss der Schnitthöhe (Versuchsstation Otterham, 2016)

Winter-Triticale

Schnitthöhe (cm)

 

10

25

40

NEL                       MJ /kg TM

5,0

5,05

5,25

NEL-Ertrag               GJ /ha

                                 relativ

98

100

88

90

80

82

TM                            dt/ha

196

175

153

Rohfaser                     %

28

26

25

Stärke                         %

16

19

20

In der Literatur sind auch andere Ergebnisse zu finden: Je 10 cm höhere Stoppeln steigt die Energiekonzentration um 0,2 bis 0,3 MJ NEL/kg TM.

Ernte in der Teigreife
Nennenswerte Stärkeeinlagerungen in die Getreidekörner finden allgemein erst zu Beginn der Milchreife statt. Der optimale Erntezeitpunkt in der Teigreife stellt einen Kompromiss zwischen möglichst hohen TM-Erträgen und nicht zu hohen TM-Gehalten dar. Angestrebt werden 35 bis max. 45 % TM, bei Roggen-GPS eher 35 % (Beginn der Teigreife). Dann sind noch genügend leicht lösliche Kohlenhydrate enthalten, die eine gute Vergärung ermöglichen. In diesem Stadium sind die Halmknoten und Grannen noch grün, das Stroh beginnt sich gelb zu färben, und das Korn lässt sich mit dem Fingernagel eindrücken, es spritzt aber nicht mehr. Geschnitten wird also etwa zwei bis drei Wochen vor dem üblichen Druschtermin. Dabei ist die knappe Erntezeitspanne zu beachten. Bei einem späteren Schnitt sinken die Erträge; außerdem lässt sich die GPS schlechter verdichten, so dass das Risiko der Nacherwärmung steigt. Bei einer späteren Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln sind grundsätzlich die Wartezeiten einzuhalten.

Mit einem Häcksler wird das Getreide so exakt geerntet werden, dass ein Aufspleißen der Halme und Knoten gewährleistet ist. Werden nicht alle Körner angeschlagen, passieren heile Körner den Verdauungstrakt und werden unverdaut mit dem Kot ausgeschieden. Dies verursacht erhebliche Körner- und somit Energieverluste. Ein Zerkleinern mittels Cracker ist also vorteilhaft. Die Häcksellänge sollte möglichst unter 8 mm liegen. Verfügen die Exakthäcksler über Vielmessertrommeln, Corn Cracker und Reibeböden, kann die GPS auch etwas später geerntet werden. Vorteil dabei ist der höhere Stärkegehalt, Voraussetzung ist aber, dass alle Körner auch zerschlagen sind. Neben einer exakten Häckseltechnik kommt der sorgfältigen Silierung große Bedeutung zu. Die GPS muss hoch verdichtet und anschließend sofort abgedeckt werden, da sie sich sonst schnell erhitzt. Bei einer GPS mit 35% TM sollte nach Honig (1987) eine Verdichtung von 230 kg TM/m3 erreicht werden, bei 45 % TM liegt der Sollwert bei 260 kg. Empfehlenswert ist der Einsatz von Siliermitteln auf der Basis von Milchsäurebakterien. Zu beachten ist, dass GPS wenig Nitrat enthält, was die Bildung von Buttersäure begünstigen kann. Bei der Siloentnahme neigt GPS zu Instabilität. Um möglichen Risiken von Nacherwärmungen entgegenzuwirken, sollten in diesen Fällen ein ausreichender Vorschub (1,5 m/Woche im Winter bzw. 2,5 im Sommer) gewährleistet und Siliermittel zur Sicherung der aeroben Stabilität eingesetzt werden.

Silierung in Ballen
Neben einer Silierung im Fahrsilo und im Schlauch ist auch eine Silierung in Rund- oder Quaderballen möglich, wobei eine Vorzerkleinerung des Langgutes unbedingt zu empfehlen ist. Da die Körner in den Ballenpressen aufgrund des fehlenden Corn Crackers nicht angeschlagen werden, muss früher geerntet werden (Milchreife). In der Praxis werden die Ballen durchaus achtmal gewickelt. Zu beachten ist, dass das Futter aus dem Schwad aufgenommen werden muss und Getreidekörner ausfallen können. Die Empfehlungen zur Silierdauer sind unterschiedlich und reichen von vier Wochen bis zu 90 Tagen.

Erträge in der Marsch
Die GPS-Sortenversuche für die Biogasproduktion der LWK in der ostfriesischen Versuchsstation Otterham zeigen, welche Spitzenerträge in der Marsch erzielt werden können und wie sich die TS- und Rohfasergehalte bis zur Ernte entwickeln. Die Erträge reichten von 209 bis 270 dt TM/ha. Im folgenden Jahr erzielte GPS-Weizen in Sortenversuchen im Mittel von drei Standorten 195 dt, in 2016 wurden bei GPS-Triticale 164 dt TM/ha und bei GPS-Roggen 151 dt TM/ha geerntet.

Tabelle 6:  TS- und Rohfasergehalte sowie Erträge von GPS

                  (LWK-Sortenversuche für Biogasproduktion 2014, VS Otterham, ausgewählte Daten, Angaben in 100 % TS))

 

Gerste

Roggen

Triticale

Weizen

 

TS

%

Rohf.

%

TS

%

Rohf.

%

TS

%

Rohf.

%

TS

%

Rohf.

%

11.6.

29,2

27,1

27,7

28,5

24,7

29,0

28,5

25,3

30.6 1)

36,8

26,4

32,8

28,3

31,0

31,0

35,5

26,7

7.7.

-

-

36,8

25,5

34,3

23,7

37,5

18,9

Ernte 2):

TS-Ertrag dt/ha

TS-Gehalt    %

 

237

36,5

 

209

36,8

 

270

34,3

 

242

37,5

1)Gerste 25.6., 2) Ernte von Roggen, Triticale, Weizen am 7.7., Gerste am 25.6.

GPS an Rinder verfüttern
GPS kann an Milchkühe und Bullen gut in Kombination mit Grassilage verfüttert werden. Wegen der niedrigen Gehalte an Kalium und DCAB (Kationen-Anionen-Bilanz/Milchfieberprophylaxe) ist GPS auch für die Fütterung der Trockensteher gut geeignet. Je Kuh und Tag können etwa 4 bis 6 kg GPS-TM eingesetzt werden, wobei die schnell abbaubare Stärke besonders in der Hochleistungsphase zu berücksichtigen ist. In den Rationen für höher leistende Kühe ist der erforderliche Anteil beständiger Stärke sicherzustellen. Der Stärkegehalt ist in erster Linie abhängig vom Kornanteil und liegt deutlich unter dem von Maissilage, was in der Bullenmast zu beachten ist. Eigene Analysen geben Aufschluss über den Futterwert.


Kontakt:
Andrea Meyer (Geschäftsbereich Landwirtschaft, Fachbereich 3.5)
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 05.06.2020