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CCM – Eine stärkereiche Komponente für Mastschweine

Die Maisabreife entwickelt sich zügig, was auf eine schnelle Stärkeeinlagerung im Kolben zurückzuführen ist. Der erste Silomais wurde bereits gehäckselt. Ob sich wegen der Dürre jetzt mehr Betriebe dazu entscheiden, statt Körnermais eher Silomais an die Rinderbetriebe zu verkaufen, bleibt abzuwarten. Wer in Kürze CCM ernten möchte, sollte darauf achten, dass es nicht zu trocken siliert wird.

Corn-Cob-Mix (Maiskorn-Spindel-Gemisch) ist eine energie- und stärkereiche Komponente in der Schweinefütterung, die fast schon Körnermaisqualität aufweist, da kaum noch Spindeln mit geerntet werden. Die Bezeichnung „Körnermaissilage“ ist deshalb oftmals zutreffender als CCM. Die Analysen der letzten Jahre zeigen, dass CCM im Mittel mit geringen Rohfasergehalten von 2,6 bis 2,8 % in der Trockensubstanz geerntet wurde, die Stärkegehalte lagen bei über 70 %, und die ME-Gehalte übertrafen mit 16,2 MJ (100 % TS) das Niveau von Weizen. Da nicht nur Getreide anfällig für Fusariumpilze ist, sollten verdächtige CCM-Partien auch auf die Fusariumtoxine DON (Deoxynivalenon) und ZEA (Zearalenon) untersucht werden

Übersicht 1: Nährstoffgehalte von CCM (Angaben je kg TS)

 

 

Ernten 2016 – 2019 (Mittelwerte)

Trockensubstanz

Rohfaser

Rohprotein

Stärke

Lysin

ME Schwein

%

g

g

g

g

MJ

65,0

27

95

702

2,5

16,2

Im Vergleich dazu Körnermais (100 % TS, LUFA Nord-West):

71,7 % TS, 97 g Rohprotein, 25 g Rohfaser, 717 g Stärke, 16,5 MJ ME, 2,6 Lysin

Nicht zu rohfaserarm füttern

Im letzten Jahr wurde CCM mit sehr wenig Rohfaser geerntet, so lag der Rohfasergehalt im Durchschnitt bei nur 2,7 % in 100 % TS. Rohfaserarmes CCM liefert zwar viel Energie, und für energiereiche Schweinefutter sind CCM-Rohfasergehalte von weniger als 4 % (bezogen auf TS) günstig. Bei hohen CCM-Anteilen ist aber darauf zu achten – insbesondere in Verbindung mit Weizen, Roggen oder Triticale –, dass genügend Rohfaser in der Mischung ist. Bei Mastschweinen sollte ein Wert von 4 % nicht unterschritten werden, für die Darmgesundheit sind höhere Werte förderlich. Eine bessere Strukturversorgung der Sauen durch faserreicheres CCM zu erreichen, ist nicht so vielversprechend wie allgemein erhofft, da sich die Rohfaser anderer Faserkomponenten, z. B. Melasseschnitzel oder Sojaschalen, physiologisch deutlich günstiger auswirkt. Auch Gerste kommt für diesen Zweck in Betracht. Was die Faserversorgung anbetrifft, ist vieles in der Diskussion, aber welcher Parameter für die Bewertung am geeignetsten ist, muss wissenschaftlich noch abgestimmt werden.

Bei CCM-reichen Rationen sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Tryptophan geachtet werden, da Mais arm an dieser essenziellen Aminosäure ist.  CCM ist mit rund 5 % Fett (in 100 % TS) wesentlich fettreicher als Weizen oder Roggen. Da das Maisfett hohe Anteile mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Polyensäuren) enthält, wird immer wieder auf den Einfluss auf die Speckkonsistenz (weicher Speck) hingewiesen. Da CCM einen Silierprozess durchlaufen hat, ist allerdings nicht ganz geklärt, ob CCM die gleiche Wirkung auf die Fettkonsistenz wie der Körnermais erzielt. In einem Mastversuch der LWK mit 50 % Körnermais war zwar der Richtwert für den Anteil an Polyensäuren im Nackenspeck überschritten, grob sensorisch betrachtet gab es aber keine Auffälligkeiten. Derzeit läuft ein weiterer Mastversuch mit hohen Maisanteilen.

Wie viele Spindeln?

Früher wurde allgemein ein Spindelanteil von 50 bis 80 % empfohlen. Mehr Spindeln bedeutet mehr Ertrag vom Acker. Zu beachten ist aber, dass bei höheren Spindelanteilen das Mykotoxinrisiko zunimmt. In alten Untersuchungen erbrachte ein um 10 % erhöhter Spindelanteil einen Mehrertrag von etwa 2 bis 3 dt CCM (Basis 53 % TS) je ha, ausgehend von einem Korn:Spindel-Gewichtsverhältnis von 82:18 (auf TS-Basis). Heutige Sorten dürften eher einen Spindelanteil von 16 bis 17 % aufweisen, oder auch darunter. So wurden in österreichischen Untersuchungen Spindelanteile von unter 12 % im Maiskolben ermittelt. Mit größeren Sortenunterschieden ist also zu rechnen. Bei einem unterstellten Rohfasergehalt in der Spindel von 34 % in der TS würde bei einem Korn-Spindel-Verhältnis von 83:17 der Rohfasergehalt im CCM von etwa 32 auf 55 g je kg TS steigen, wenn sich der Spindelanteil im CCM von 10 auf 50 % erhöht. Würden alle Spindeln mitgeerntet, läge der Rohfasergehalt rechnerisch bei rund 80 g/kg TS. Aufgrund der Sortenunterschiede sowohl im Korn:Spindel-Verhältnis als auch im Rohfasergehalt der Spindeln (300 bis 380 g je kg TS in NRW, 1980) können diese Berechnungen nur grobe Anhaltswerte bieten. Entscheidend ist die betriebseigene CCM-Analyse, sie ist für eine exakte Rationsberechnung unabdingbar. Die NIRS-Untersuchung ist für 31 €, die Siebanalyse für 8 € bei der LUFA erhältlich.  Faustzahl zum Vermahlungsgrad: > 80 % der Partikel < 2 mm.

Ausreichend verdichten

Um Probleme beim Verdichten der Silage zu vermeiden, sollten TS-Gehalte > 65 % nicht angestrebt werden. Im Mittel der letzten Jahre lag der TS-Gehalt bei 65 %, was auf eine weit fortgeschrittene Abreife zum Erntetermin hindeutet. Zu hohe TS-Gehalte erschweren eine intensive Milchsäuregärung. Silierzusätze sind bei hohen TS-Gehalten empfehlenswert, so z. B. Säuren oder die weniger korrosiven NC-Produkte bei sehr trockenem CCM. Feuchte Chargen können bei einer Trockenfütterung problematisch sein, da das Futter in den Förderleitungen verklebt und im Automaten schlechter nachrutscht (Schimmelbildung!).

Für die Lagerstabilität ist eine ausreichende Verdichtung ganz entscheidend. Gerade in Betrieben mit ganzjähriger CCM-Fütterung kommt es darauf an, die aerobe Stabilität zu gewährleisten. Ansonsten können sich die Mikroorganismen, insbesondere Hefen, explosionsartig vermehren. Die Folge sind Nacherwärmungen im CCM-Haufen und hohe Nährstoffverluste. Weiterhin sind glatte Anschnittflächen und ein Vorschub von mindestens 15 cm/Tag (im Sommer > 20 cm/Tag) erforderlich. Die Angaben zur empfohlenen Silierdauer reichen von mindestens zwei Wochen bis hin zu sechs bis acht Wochen.

Wie viel CCM ist in der Mischung? Hier wird der Anteil schon einmal überschätzt, da CCM ein feuchtes Futtermittel ist.

Übersicht 2: CCM-Anteile in der Ration

Anteil von CCM in der Ration

 auf Basis Frischsubstanz (60 % TS)

Anteil von CCM in der Ration

 auf Basis 88 % TS

40 %

60 %

80 %

31 %

51 %

73 %

Abschließend ein Beispiel für eine dreiphasige Fütterung mit CCM.

Übersicht 3: Beispiele für eine Flüssigfutterration mit CCM (Angaben in %)

Mastabschnitt  (kg)

 

30 - 60

60 - 90

90 - 120

Gerste

CCM (3,5 % Rohfaser in TS)

Sojaschrot (42 % RP)

Mineralfutter

Wasser

 

9,5

17,2

6,0

0,80

66,5

9,5

18,25

5,0

0,75

66,5

9,5

19,8

3,5

0,70

66,5

TS-Gehalt im Fließfutter

 

24,5

25,0

24,6

 


Kontakt:
Andrea Meyer (Geschäftsbereich Landwirtschaft, Fachbereich 3.5)
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:


Stand: 16.09.2020