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Pferdefütterung – welches Futter soll es sein?

Alljährlich wird die Vielfalt der auf dem Markt angebotenen Futtermittel für Pferde größer und verwirrender. Für jede nur erdenkliche Konstellation werden Futtermittel angeboten, teilweise mit abenteuerlichen Garantien. Viele Pferdehalter sind mit diesem Angebot überfordert. Was braucht mein Pferd für eine bedarfsgerechte Ernährung? Diese Frage stellt sich vielen Haltern, aber nicht jeder geht dieser Frage nach und sucht nach einer Antwort.

Viele verlassen sich auf Hochglanzprospekte und die Werbung, die gesunde und leistungsfähige Pferde verspricht. Wer sich näher mit der Materie der Fütterung beschäftigen will, sollte zuerst wissen, welche Inhaltsstoffe die ihm angebotenen Futtermittel enthalten. Für die Ermittlung des Nährstoffgehaltes bietet es sich an, Grundfuttermittel, z. B. Heu und Grassilage/Heulage, oder auch Getreide bei einer LUFA (z. B. www.lufa-nord-west.de, Futtermittel - Untersuchungsaufträge) untersuchen zu lassen. Nicht jeder Ballen Silage oder Heu wird entsprechend untersucht werden können, aber selbst eine Durchschnittsprobe von einer Fläche gibt zumindest Hinweise auf den Energie-, den verd. Rohprotein- und Rohfasergehalt. Auch Getreide kann insbesondere im Rohprotein-, Energie- und Mineralstoffgehalt erheblichen Schwankungen unterworfen sein.

Tabelle 1: Gehalte von MJ verdaulicher Energie, verdaulichem Rohprotein, Calcium (Ca) und Phosphor (P) (% in der Trockensubstanz) im Heu 2018, Auswertung der LUFA Nordwest

Mineralstoff

Mindestgehalt in der Trocken-substanz in %

Maximaler Gehalt in der Trockensubstanz in %

Menge in g bei
8 kg Heu-fütterung/Tag

1 kg Heu mit
860 g Trocken-substanz

Bedarf Pferd in g, 600 kg Lebendgewicht, leichte Arbeit

verd. Energie MJ

7,4

10,4

50,9 – 71,5

73 - 91

verd. Rohprotein

31

110

213 - 757

365 - 455

Ca

0,21

1,26

14,5 – 86,7

31

P

0,09

0,42

6,2 – 28,9

18

Die Rasse, die Nutzung des Pferdes, das Alter und Gewicht eines Pferdes spielen bei der Rationsberechnung ebenfalls eine Rolle. Gerade bei Ponys und Kleinpferden reicht häufig die Versorgung mit Heu, Stroh und einem vitaminierten Mineralfutter für eine ausreichende Ernährung aus. Die sogenannten Grundfuttermittel z. B. Heu, Grassilage/Heulage, Stroh, benötigt das Pferd auf jeden Fall. Sie können den Nährstoffbedarf zu einem wesentlichen Anteil decken, fördern das Kauverhalten des Pferdes und erhöhen die Speichelbildung, die wichtig ist für die Verdauung im Magen und Darm.
Zu den bekanntesten Kraftfuttermitteln gehören Hafer, Gerste und Mais sowie industriell hergestellte Mischfuttermittel, die z. B. aus verschiedenen Getreidearten (häufig thermisch aufbereitet), aus Erzeugnissen der Getreide-, Zucker- und Ölsaatenverarbeitung, Mineralstoffen und Vitaminen bestehen und meistens in pelletierter Form oder als Müsli vorliegen.
In fast jedem Pensionspferdestall lassen sich neben den Getreidearten Hafer und Gerste mehrere Typen von fertigem Mischfutter finden. Diese Mischfutter weisen eine gleichbleibende Qualität auf. Die Staubbelastung ist gering, die Schmackhaftigkeit hoch. Auf dem Sackanhänger ist vermerkt, aus welchen Einzelfuttermitteln das Mischfutter besteht (das Futtermittel, das am meisten enthalten ist, steht an erster Stelle, manchmal ergänzt durch %-Angaben), welche Inhaltsstoffe enthalten sind und bis zu welcher Menge das Mischfutter pro Tag gefüttert werden kann. Eine grobe Unterscheidung der Mischfuttermittel kann der Pferdehalter anhand einiger Kennzahlen vornehmen.

Tabelle 2: ausgewählte Werte von Mischfuttermitteln und Hafer

 

Kraftfutter für Freizeitpferde mit max. leichter Arbeit
g/kg Futtermittel (FM)

Kraftfutter für alle Leistungsgruppen
g/kg FM

Kraftfutter für hochtragende und laktierende Stuten
g/kg FM

Hafer,
g/kg FM

Verdauliches Rohprotein

68

125

125

85

Rohfaser

260

80

89

102

Rohfett

24

55

42

47

Ca

6

10

12

1,1

P

3

5

6

3,3

Verdauliche Energie MJ DE

7,8

13,3

11,4

12,1

Auch anhand der einzelnen Komponenten erkennt man tendenziell, für welche Pferdegruppe das Futter gedacht ist. Im Leistungsbereich verwendet die Futtermittelindustrie häufig Getreide wie Hafer, Gerste oder Mais in Verbindung mit Ölen, Luzerne, Leinsamen oder auch Sojaextraktionsschrot. Für den Freizeitsektor mit geringer Leistung der Pferde kommen u. a. Kleien, getrocknete Gräser, Trester, Trockenschnitzel, Getreide- oder Sojaschalen zum Einsatz. Ergänzt werden alle Futtermittel mit Mineralstoffen und Vitaminen. Vor dem Einsatz von Kraftfutter, egal ob Getreide oder industriell hergestelltes Mischfutter, muss der Pferdehalter wissen, welche Nährstoffergänzung für die Leistung seines Pferdes notwendig ist. Beim normalen Sportpferd, das ca. eine Stunde pro Tag geritten wird, bietet sich ein Ergänzungsfuttermittel mit ca. 7 % verd. Rohprotein und 12 MJ verdaulicher Energie an. Höhere Proteingehalte sind nicht erforderlich, da die Rationen mit Heu oder Grassilage/Heulage und Getreide eine ausreichende Menge dieses Nährstoffes enthalten.

Bei den Deklarationen der Futtermittel finden wir häufig schon die neue Energiebewertung (MJ ME [umsetzbare Energie]) sowie die neue Rohproteinbewertung (dvRp, dünndarmverdauliches Rohprotein). Für das bessere Verständnis werden in diesem Artikel noch die alten Bewertungen verwendet, MJ DE [verdauliche Energie] sowie das verdauliche Rohprotein (verd. RPr). Grundsätzlich gilt, dass die Deklarationen der Ergänzungsfuttermittel u. a. ebenfalls Werte für die Rohfaser (je mehr Rohfaser, tendenziell niedriger Energiegehalt) und den Rohfettgehalt (je mehr Rohfett, tendenziell höherer Energiegehalt) aufweisen. In manchen Futtermitteln wird auch der Gehalt an Stärke/Zucker angegeben.

Wer ein fertiges Mischfutter verfüttern will, sollte zuerst überlegen, zu welchem Zweck das Futter dienen soll. Eine Ernährung mit Hafer (evtl. ergänzt durch Gerste), Heu bzw. Grassilage/Heulage, Stroh und einem vitaminierten Mineralfutter kann die Wünsche eines Pferdes nach vollwertiger Ernährung voll befriedigen. Auch die Weide (je nach Weidedauer) kann zumindest einen Teil der Nährstoffversorgung des Pferdes übernehmen. In vielen Rationen fällt die Rohproteinversorgung sehr reichlich aus. Der Bedarf an verdaulicher Energie (DE) wird gerade erreicht und die Mineralstoffversorgung ist zumindest bei Calcium und Phosphor gut ausreichend. Wird statt Hafer ein Mischfutter gegeben, so kann im Normalfall auf das vit. Mineralfutter verzichtet werden, da diese Futtermittel sowohl Vitamine (mind. A, D, E) als auch Mineralstoffe (z. B. Calcium, Phosphor, Natrium, Eisen, Selen) enthalten. Der Einsatz von Mash bietet sich an, wenn Pferde nach einer Krankheit geschwächt sind, sich im Fellwechsel befinden oder nicht mehr so recht kauen können. Heutzutage muss Mash nicht mehr gekocht werden, die fertige Mischung wird nur mit heißem Wasser angerührt und nach ca. 20 Minuten verfüttert.

Hochtragende oder laktierende Stuten und Fohlen gehören zu den Kategorien, die mit einem Ergänzungsfuttermittel besser versorgt werden können. Ab dem 8. Trächtigkeitsmonat erhöhen sich der verd. Rohprotein-, der Energie- sowie der Mineral- und Vitaminbedarf um das 1,25 bis 1,5fache des Erhaltungsbedarfs. Ergänzer mit mind. 15 % Rohprotein und über 12 MJ verd. Energie, den essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Cystein, Mengen- und Spurenelementen (s. o.) und Vitaminen (neben A, D, E z. B. auch der B-Komplex) können die Ration aufwerten. Die Firmen bieten für jeden Typ Pferd mit unterschiedlichen Leistungen entsprechende Futtermittel an.


Kontakt:
Ulrike Struck
Fachreferentin Pferdezucht und -haltung
Telefon: 0581 8073-300
Telefax: 0581 8073-160
E-Mail:


Stand: 25.04.2019