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Agrarumweltmaßnahmen in der Maßnahmenkulisse der EG-Wasserrahmenrichtlinie

In der Zielkulisse Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sowie in Trinkwassergewinnungsgebieten werden seit 2014 spezielle Agrarumweltmaßnahmen angeboten. Diese Maßnahmen können auch im Einzugsgebiet des Dümmers (Obere Hunte) abgeschlossen werden.

Fördervoraussetzung für die auf die Förderkulisse Wasserschutz beschränkten Maßnahmen ist, dass zum Zeitpunkt der Antragstellung mind. 25 % oder 10 ha der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LF) des Betriebes in der Kulisse liegen (Ausnahme BV3 hier gilt nur mind. 25 %, es entfällt der Zusatz "oder 10 ha"). Dann können alle in Niedersachsen und Bremen gelegenen Flächen des Betriebes an der Maßnahme teilnehmen. In welchem Umfang Ihre Betriebsflächen in der WRRL-Kulisse liegt, lässt sich dem Betriebsspiegel des Antrages auf Agrarförderung (ANDI) entnehmen. Daneben werden weitere Maßnahmen angeboten, die z.B. Erosion und Abschwemmung reduzieren können.

Von den Agrarumweltmaßnahmen mit Gewässerschutzaspekt können nach aktuellem Kenntnisstand nicht alle Maßnahmen in 2019 neu abgeschlossen werden (siehe Tabelle 1). Ein Neuantrag für AL22, AL3 und AL5 ist in 2019 wieder möglich.

 

Tabelle 1: Auswahl von Agrarumweltmaßnahmen mit Gewässerschutzaspekt

Maßnahme

€/ha** Maßnahmenkulisse Neuanträge in 2019 möglich keine Neuanträge in 2019
AL21 Anbau von Zwischenfrüchten oder Untersaaten 75,- -   x
AL22 Anbau von winterharten Zwischenfrüchten oder Untersaaten 120,- Wasserschutz x  
AL3 Cultanverfahren zur Ausbringung von Mineraldüngern 34,- Wasserschutz x  
AL5 Verzicht auf Bodenbearbeitung nach Mais 61,- Wasserschutz x  
BV3 Ökologischer Landbau, Zusatzförderung Wasserschutz zusätzlich zu BV 1 115,- Wasserschutz x  
BV2 Emissionsarme Ausbringung von Gülle 25,- €/m³ je GVE*,
max. 40,- €/ha LF
-   x
BS11

Einjährige Blühstreifen - Grundförderung
bei Beteiligung Imkerverein

700,-

plus 100,-

- x  
BS12

Strukturreicher Blühstreifen
bei Beteiligung LPV bzw. UNB*

875,-
plus 100,-

- x  
BS2

Mehrjährige Blühstreifen
bei Beteiligung LPV bzw. UNB*

875,-
plus 100,-

- x  
BS71 Erosionsschutzstreifen 760,- Wassererosion / Tiefenlinien x  
BS72 Gewässerschutzstreifen 540,- an oberirdischen Gewässern x  
BS8 Anlage von Hecken zum Schutz vor Winderosion 2.600,- Winderosion / Windschutz x  

 *GVE: Großvieheinheit, LPV: Landschaftspflegeverband, UNB: untere Naturschutzbehörde;     **Ausgleichsbetrag Stand 2018

Nachfolgend werden einige dieser Maßnahmen näher beschrieben.

AL 2.1 - Zwischenfrüchte oder Untersaaten

Ein Anbau von Zwischenfrüchten oder Untersaaten bietet neben der Konservierung von Restnährstoffen im Pflanzenbestand und damit dem Schutz vor Auswaschung u.a. auch einen positiven Effekt zur Verminderung von Erosion. Bei der Förderung von Zwischenfrüchten oder Untersaaten (AL2.1) ist auf mind. 5 % der Ackerflächen eines Betriebes eine aktive Aussaat notwendig. Die Aussaat muss bis zum 01.10. erfolgen, eine mechanische Beseitigung ist ab dem 15.02. des Folgejahres möglich. Die Verpflichtung beginnt im Jahr nach der Antragsstellung.

AL 2.2 - Winterharte Zwischenfrüchte oder Untersaaten

Die Maßnahme AL 2.2 fördert in der Zielkulisse Wasserschutz die Aussaat von leguminosenfreien und winterharten Zwischenfrüchten oder Untersaaten (Gras, Grünroggen, Markstammkohl, Winterraps, Winterrübsen). Die Aussaat muss bis zum 01.10. des Jahres erfolgen, eine mechanische Beseitigung ist ab dem 01.03. des Folgejahres möglich.

In beiden Verfahren dürfen keine Dünge- sowie Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden.

Eine Startdüngung bleibt zulässig (eingeschränkt bei AL2.2: keine Startdüngung nach der Ernte von Kartoffeln, Mais, Raps, Zuckerrüben, Feldgemüse oder Leguminosen). Dabei muss in dem ersten Verpflichtungsjahr der Anbau von Zwischenfrüchten bzw. Untersaaten im bewilligten Umfang erfolgen; in den weiteren Verpflichtungsjahren kann dieser variieren. Der Umfang darf die die 5%-Grenze jedoch nicht unterschreiten; dieses führt zu einer Rückforderung.

AL 5 - Verzicht auf Bodenbearbeitung nach Mais bei nachfolgendem Anbau einer Sommerung

Zur Reduzierung der Stickstoffmineralisation ist beim Verzicht auf Bodenbearbeitung nach Mais bei nachfolgendem Anbau einer Sommerung (AL5) bis zum 01.03. des Folgejahres auf jegliche Bodenbearbeitung zu verzichten. Die Maisstoppeln sind z.B. durch Walzen, Abschlegeln oder Zünslerschreck (ohne nachfolgende Bodenbearbeitungsgeräte) zu zerstören. Nach der Ernte bis zum 01.03. des Folgejahres sind keine mineralische oder organische Düngung sowie kein Pflanzenschutzmitteleinsatz zulässig.

BV2 - Emissionsarme Ausbringung von Gülle

Die Maßnahme BV2 fördert die emissionsarme und gewässerschonende Ausbringung von selbst erzeugten flüssigen Wirtschaftsdüngern mit Ausbringungsverfahren, die die Verflüchtigung von umweltschädigenden Gasen deutlich reduzieren. Die Ausbringung muss mit Geräten erfolgen, die den Wirtschaftsdünger direkt in den Boden einbringen, mittels gezogener Kufe oder Scheibe unter den Grünland- oder mehrjährigen Ackerfutterpflanzenbestand oder bis zum 1.6. des Jahres unter wachsende Getreidebestände ablegen und in einem Arbeitsgang in den Boden einarbeiten. Die Ausbringung muss im Rahmen der überbetrieblichen Maschinenverwendung durch einen Maschinenring oder einen Lohnunternehmer erfolgen.

Folgende Ausbringungstechnik wird gefördert:

  • Der Wirtschaftsdünger wird direkt in den Boden eingebracht (z. B. Injektionsverfahren).
  • Der Wirtschaftsdünger wird streifenförmig in mittels einer Kufe oder Scheibe gezogenen Schlitz abgelegt. Dieses Verfahren ist nur auf bewachsenen Flächen förderbar, um den Wirtschaftsdünger unter dem Pflanzenbestand, z.B. Grünland- bzw. mehrjährigen Ackerfutterpflanzenbestand oder unter wachsende Gras- bzw. Getreidebestände (ohne Mais) (hier nur bis zum 01.06. des Jahres), einzubringen. Durch die Ablage unter den Bewuchs reduziert sich die Ammoniakemission um mehr als 50%, sodass die Nährstoffverluste (insbesondere des Stickstoffs) vermindert werden.
  • Auf unbewachsenen Flächen haben die bodennahe Ausbringung und die Einarbeitung der Wirtschaftsdünger in einem Arbeitsgang zu erfolgen. Nach dem Ausbringen des Wirtschaftsdüngers muss dieser vollständig mit Boden bedeckt sein (z.B. Güllegrubber, Strip-Till-Verfahren). Nicht förderbar ist das Ablegen des Wirtschaftsdüngers mittels Kufe oder Scheibe ohne weitere Einarbeitung auf unbewachsenen Flächen).

BS 11 - Einjährige Blühstreifen 

Blühstreifen werden in verschiedenen Maßnahmen gefördert. Die einjährigen Blühstreifen (BS11) haben eine Breite von mind. 6 bis max. 30 m Breite oder als Blühfläche eine max. Größe von 2 ha. Die Aussaat einer standortangepassten Saatgutmischung ist bis zum 15.04. durchzuführen (Ausnahmeregelung in 2018: bis 30.04.18). Die Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln ist untersagt. Auf mind. 30 % der Verpflichtungsfläche ist eine Winterruhe bis zum 15.02. einzuhalten. Alle anderen Blühflächen können ab dem 15.10. umgebrochen werden. Bei Beteiligung eines Imkerverbandes erfolgt eine zusätzliche Förderung.

BS 12 - Strukturreichen Blühstreifen

Bei den strukturreichen Blühstreifen (BS12) gilt darüber hinaus, dass nur auf 50 bis 70 % der Fläche eine Aussaat vorzunehmen ist. Auf der restlichen Fläche darf keine Bodenbearbeitung erfolgen, es ist eine Selbstbegrünung zuzulassen. Bei Beteiligung eines Landschaftspflegeverbandes bzw. der Unteren Naturschutzbehörde erfolgt eine zusätzliche Förderung.

BS 2 - Mehrjährige Blühstreifen

Das gilt auch für die mehrjährigen Blühstreifen (BS2). Hier muss zusätzlich ein jährlicher Pflegeschnitt auf 30 bis 70% der Fläche zwischen dem 01.09. und 01.04. erfolgen; eine Nutzung ist nicht erlaubt. Die Aussaat einer vorgegeben Saatgutmischung muss bis spätestens 15.05. erfolgen. Eine Anlage der Blühstreifen entlang von Oberflächengewässern hilft bei der Reduzierung von Nährstoffeinträgen in die Gewässer und wird deshalb besonders empfohlen.

BS 71 Erosionsschutzstreifen / BS 72 Gewässerschutzstreifen

In der Förderkulisse „Wassererosion/Grünstreifen“ (Enat 3-5) bzw. „Wassererosion/Begrünung Tiefenlinien“ können Erosionsschutzstreifen (BS71) auf erosionsgefährdeten Flächen quer zum Verlauf der Hangneigung oder in und unmittelbar entlang von speziell ausgewiesenen Tiefenlinien angelegt werden. Entlang von oberirdischen Gewässern ist die Anlage von Gewässerschutzstreifen (BS72) möglich. Die Maßnahmenförderung erfolgt zum Schutz des Oberflächen- bzw. des Grundwassers sowie zum Schutz des Bodens vor Wassererosion und Nährstoffaustrag.
Informationen zur Erosionskulisse sind auf dem Kartenserver des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) verfügbar. 
Auf Streifen von 6-30 m Breite ist bis zum 30. April des 1. Verpflichtungsjahres mit einer Saatgutmischung mit überwiegendem Grasanteil eine Bestellung vorzunehmen. Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatz  (bis auf Kalkung) sind untersagt. Eine Nutzung des Streifens ist zulässig. Nach bisherigem Kenntnisstand wird die Fläche nach dem fünfjährigen Verpflichtungszeitraum kein Dauergrünland.

Im Agrarumweltprogramm werden auch Maßnahmen auf Dauergrünland angeboten (z.B. extensive Bewirtschaftung, GL1). Die Förderung der fünf Grünlandmaßnahmen erfolgt in einem Baukastensystem.

Es gelten grundsätzlich folgende allgemeine Antragsvoraussetzungen:

  • Verpflichtungszeitraum für die Fördermaßnahmen beträgt mindestens fünf Jahre,
  • Bagatellgrenze für Neuanträge: 250 €,
  • für die betreffenden Flächen sind förderspezifische Aufzeichnungen zu führen.

Detaillierte Informationen, Merkblätter, Übersichten und Antragsformulare sind im Internet unter www.aum.niedersachsen.de und www.lwk-niedersachsen.de/aum zu finden.


Kontakt:
Beate Thomann
Nachhaltige Landnutzung, Ländlicher Raum
Telefon: 0441 801-388
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 12.03.2019