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Saures Wasser im Hähnchenstall: altes Verfahren mit neuem Wasserprodukt

Kann durch Elektrophorese aufbereitetes Wasser Biofilme in Tränkeleitungen reduzieren und können hierdurch biologische Leistungen gefördert werden?

 

Anforderungen an das Tränkewasser

Grundsätzlich soll Tränkewasser frisch, rein, unbelastet und absolut sauber sein. Es soll Trinkwasserqualität besitzen, d.h. hygienisch unbedenklich sein. Hähnchenställe sind lang und die Temperatur im Stall ist bei der Einstallung relativ hoch. Da das Wasser in den Tränkelinien eine niedrige Fließgeschwindigkeit aufweist, teilweise in der Dunkelphase von den Tieren nicht verbraucht wird und in den Leitungen steht, bildet sich ein sogenannter Biofilm im Rohrleitungssystem. Dieser Biofilm bedingt eine Vermehrung unterschiedlicher Bakterien im Tränkewasser. Einige Bakterien (z.B. Clostridien oder coliforme Keime) sind mehr oder weniger pathogen und verursachen Magen-Darm-Störungen.

Seit einigen Jahren werden Landwirte in Niedersachsen über die Tränkewasserqualitäten in ihren Hähnchenställen und über Verbesserungsmöglichkeiten sensibilisiert. Es wurde vor allem mit Zitronensäure oder anderen organischen Futtersäuren versucht, das Wasser „ keim- ärmer“ zu gestalten. Neben organischen Futtersäuren wurden zusätzlich auch Laugen, bevorzugt die Chlorbleichlauge verwendet, weil diese Chlorbleichlauge eine stark desinfizierende Eigenschaft besitzt und pathogene Keime abtötet. Neben Säuren und Laugen sind zudem Edelmetallverbindungen wie z.B. Kupfer, Zink und Silber eingesetzt worden, die ähnliche keimtötende Eigenschaften besitzen.

Was ist heutzutage neu?

In heutiger Zeit werden „Redoxanlagen“ zur Trinkwasseraufbereitung im Handel verkauft. Diese Anlagen kosten je nach Hersteller und Kapazität zwischen 4.000 € und 25.000 €. Das Grundprinzip dieser Anlagen ist eine Wasseraufspaltung (Wasser-Ionen) über Elektrophorese mittels elektrischem Strom und Kochsalz (NaCl). Dieses Verfahren wurde bereits in der russischen Raumfahrttechnik angewandt und ist momentan in vielen Krankenhäusern zur Wasseraufbereiterung / Wasserdesinfektion vorhanden.

Ionisiertes Wasser ist das Produkt einer speziellen elektrolytischen Reaktion, wobei das normale Leistungswasser in einen basischen Teil mit Elektronenüberschuss (OH-; das sogenannte Basenwasser oder Katholyt) und einen sauren Teil mit Elektronenmangel (saures Oxidwasser H3O+, H+, Anolyt) getrennt wird.

Mit Hilfe von Kochsalz werden die sauren Eigenschaften des Wassers und seine desinfizierende Wirkung verstärkt. Durch diesen Elektrolyseprozess werden alle Wassermoleküle in Ionen aufgespalten. Das entstehende saure H+-Wasser hat einen Überschuss an Ionen, einen starken Mangel an Elektronen und ist ein ausgezeichnetes Oxidations- und Desinfektionsmittel. Es ist für Tiere und Menschen trinkbar.
Dieses Ionen-Wasser hat aber einen wesentlichen Nachteil: Es ist nur kurzzeitig stabil und nach wenigen Stunden wieder „normales“ Wasser.

Es geht aber auch anders

Das Phänomen, was uns (als Angehörige der Landwirtschaftskammer) beschäftigte, war, dass ein neues „Ionenwasser“ sowohl über Wochen stabil ist und dass nicht die produzierende Anlage sondern nur das Wasserprodukt verkauft wird.

In zwei Hähnchenställen eines Landwirtes aus Peine wurde dieses Wasser in mehreren Durchgängen getestet. Dabei hat der Hähnchenmäster dieses Wasserprodukt angeliefert bekommen und sowohl das saure Waser als auch das basische Wasser, 1:500 verdünnt, den Hähnchen im 7-tägigem Wechsel täglich verabreicht. Dabei scheint das saure chlorhaltige Wasser eine höhere desinfizierende Affinität zu besitzen, als das basische Wasser. Der Grund des Wechsels und die Gabe beider Wasserfraktionen ist der, dass sich Keime an bestimmte pH-Mileus gewöhnen. Durch einen krassen pH-Wert-Wechsel wird jedoch die Ansiedlung der Keime und damit des Biofilms minimiert.

Der Hähnchenmäster aus Peine kommt zu dem Ergebnis, dass der Biofilm in den Tränkeleitungen deutlich und nachhaltig dezimiert wurde. Darüber hinaus ist die Einstreu bei Verabreichung des Wassers trockener und die Fußballengesundheit hat sich dadurch deutlich verbessert. Ob sich der Einsatz dieses Wassers bei einem Kostenaufwand von 1 ct je Hähnchen lohnt und ob sich die biologischen Leistungen dadurch bessert haben, zeigt eine ökonomische Betrachtung der Betriebszweigauswertung mit den dazugehörigen biologischen Leistungen.

Die vollständigen Versuchsergebnisse entnehmen Sie bitte der angehängten Datei.

 

 

Kontakte

Dr. Peter Hiller

Fachreferent Tierzucht, Tierhaltung

 0441 801-696

  peter.hiller~lwk-niedersachsen.de


Henning Pieper

 05151 9843-13

  henning.pieper~lwk-niedersachsen.de


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