Wir bieten Lösungen - regional & praxisnah!

Verträge sichten und überprüfen

Webcode: 01029914

Landwirte sollten regelmäßig ihre Versicherungsverträge prüfen, denn sie spielen für Familie und Betrieb eine große Rolle. Vertragsabschlüsse müssen gründlich durchdacht und auf die individuelle Situation genau zugeschnitten sein, sonst drohen eine schlechte Absicherung und unnütze oder zu hohe  Prämien.

Büro
BüroKatharina von Hahn
So verschieden wie die Lebensumstände bei Familien sind, so unterschiedlich müssen auch einzelne Risiken gewertet und abgesichert werden. Vor dem Abschluss eines Versicherungsvertrages steht daher immer eine gründliche Vorsorgeanalyse,  um zu prüfen, welche Versicherungen in welchem Umfang für die Familienmitglieder erforderlich sind. Da sich Lebensumstände häufig ändern, sollte auch die regelmäßige Überprüfung der vorhandenen Absicherung nicht vergessen werden.

Mindestabsicherung
Eine Grundabsicherung bietet die gesetzliche Sozialversicherung zu der innerhalb der Landwirtschaft unter dem Dach der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau folgende Bereiche gehören: Die Landwirtschaftliche Alterskasse, die  Landwirtschaftliche Krankenkasse, die Landwirtschaftliche Pflegekasse und die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft.
Diese Versicherungen bilden ein soziales Netz: Jede versicherte Person erhält eine Mindestabsicherung. Das bedeutet jedoch auch, dass nicht alle Risiken umfassend abgedeckt sind. Es liegt in der Verantwortung des Einzelnen für seine Familie und sich, die bestehenden Versicherungslücken zu erfassen und mit privaten Personenversicherungen preiswert zu schließen.

Risikolücken aufdecken
Alle Menschen sind von Geburt an bestimmten Risiken ausgesetzt, die sich unter die Begriffe Arbeitsunfähigkeit, gesundheitlicher Dauerschaden, Pflegebedürftigkeit und Tod zusammenfassen lassen. Die Ursachen für diese Risiken können in einem Arbeitsunfall, einem privaten Unfall oder einer Krankheit bestehen.
Der finanzielle Bedarf ist von der Höhe und von der Zeitdauer her unterschiedlich hoch -  je nach Art des Risikofalles, der wirtschaftlichen Bedeutung der geschädigten Person innerhalb der Familie und der erbrechtlichen sowie der bisherigen wirtschaftlichen Lage. Bei Versicherungsanalysen lässt sich regelmäßig feststellen, dass durch Arbeitsunfall oder privaten Unfall ausgelöste Schäden in der Regel besser abgesichert sind als Schäden, die durch eine Krankheit hervorgerufen werden können.
Wenn man bei der Ermittlung der Risikolücke für die einzelnen Familienmitglieder davon ausgeht, dass der Risikofall durch eine Krankheit entsteht und diese Lücke mit entsprechenden privaten Versicherungen schließt, so hat man auch die Ursachen Arbeitsunfall und Freizeitunfall ausreichend abgesichert.

Notwendige Eigenmittel
Bei der Kalkulation der finanziellen Situation nach einem Schadenfall muss zwischen einmaligen Einnahmen und Ausgaben einerseits und laufenden Einnahmen und Ausgaben andererseits unterschieden werden. Einmalige Einnahmen können beispielsweise entstehen durch den Verkauf von Flächen, Gebäuden und Inventar, von denen dann einmalige Ausgaben, wie z.B. die Ablösung der bestehenden Verbindlichkeiten, Erbabfindungen, Steuern und Privathauskauf abgezogen werden müssen. Entsteht bei der Verrechnung ein Fehlbetrag, so ist diese Lücke durch private Versicherungen zu schließen. Ergibt sich ein Überschuss, kann dieser Überschuss unter Umständen zusätzlich verwendet werden um laufende Ausgaben zu bestreiten. Ob der Hof, vor allem im Todesfall eines Betriebsleiters, als Vorsorgequelle genutzt werden kann, entscheidet darüber hinaus auch die erbrechtliche Situation in der Familie des Verstorbenen. Sollte beispielsweise der Mann als Pächter des Hofes versterben und die Schwiegereltern noch Eigentümer des Betriebes sein, kann die hinterbliebene Ehegattin den Betrieb kaum als Vorsorgequelle für sich und die Kinder nutzen. Gleiches gilt, wenn im Hofübergabevertrag eine Rückübertragungsklausel für den Fall getroffen wurde, dass der Hofübernehmer vor dem Hofübergeber verstirbt.
Um die Risikolücken bei den laufenden Einnahmen und Ausgaben zu ermitteln, sollten Berechnungsbögen verwendet werden, anhand derer man den Geldbedarf ermitteln kann. Mit solchen Bögen arbeiten z. B. die sozio-ökonomischen Berater/innen der Landwirtschaftskammer. Es wird empfohlen, bei der Kalkulation mit realistischen und nachhaltigen Werten zu rechnen.

Vermögen als Vorsorge
Neben einem evtl. Überschuss aus der Verwertung des Betriebsvermögens (soweit die Verwertung gewollt und möglich ist) können im Einzelfall auch vorhandene Vermögensanlagen als Vorsorgequelle genutzt werden. Hierzu zählen unter anderem Sparbücher, Bausparverträge, Pfandbriefe, Anleihen, Festgeld, Investmentfonds und Immobilien. Für die Bestreitung laufender Ausgaben nach einem Schadenfall können eventuell Kapitalerträge bzw. Nettopacht- oder Nettomieteinnahmen herangezogen werden. In einzelnen Fällen lassen sich laufende Ausgaben befristet auch durch Kapitalverzehr der o. g. Anlagen bestreiten. Auch vorhandene Versicherungen (z. B. Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen) werden in die Kalkulation aufgenommen, sofern diese Versicherungen von Art, Umfang und Laufzeit her für die persönliche Absicherung geeignet sind. Dabei sollte auch auf die Versicherungsbedingungen und die Preiswürdigkeit der vorhandenen Versicherungen geachtet werden.
Umfragen in landwirtschaftlichen Familien haben ergeben, dass die Art und Höhe der finanziellen Absicherung durch die landwirtschaftlichen Sozialversicherungsträger sehr häufig überschätzt wird. So leistet beispielsweise die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft nur dann, wenn Schäden durch Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten entstanden sind. Sofern keine Höherversicherung bei der Berufsgenossenschaft besteht, ist auch die Höhe der Zahlungen bei Schäden durch Arbeitsunfälle in der Regel nicht ausreichend, um den Lebensunterhalt einer Familie sicherzustellen. Auch die Erwerbsminderungsrenten bzw. Hinterbliebenenrenten der Landwirtschaftlichen Alterskasse reichen nicht aus, um davon zu leben. Wer eine Risikolücke ermittelt, sollte deshalb eine finanzielle Leistung der Berufsgenossenschaft überhaupt nicht berücksichtigen bzw. sollte die möglichen Ansprüche an die Landwirtschaftliche Alterskasse genau erfragen. Auf Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung infolge Erwerbsminderung bzw. auf Hinterbliebenenrenten haben Mitglieder der landwirtschaftlichen Familien keinen Anspruch, es sei denn, dass durch günstige Umstände entsprechende Pflichtbeiträge in den letzten Jahren vor Eintritt des Versicherungsfalles geleistet wurden.

Passgenaue Verträge
Vorsorgelücken, die sich bei der Risikoanalyse ergeben, müssen mit maßgeschneiderten Versicherungsverträgen geschlossen werden. Dabei sollte auf ausreichende Versicherungssummen, angepasste Vertragslaufzeiten, gute Versicherungsbedingungen und preiswerte Beiträge geachtet werden. Wer die Ergebnisse der Vorsorgeanalyse konsequent umsetzt, hat weder zu hohe Versicherungsbeiträge noch Risikolücken.
Eine Vorsorgeanalyse spielt nicht nur dann eine Rolle, wenn bestehende Verträge geprüft werden, sondern auch immer dann,

  • wenn sich die Lebensplanung bzw. -situation bei einem Familienmitglied grundlegend ändert,
  • wenn betriebliche Investitionen oder Umstellungen anstehen,
  • wenn die letzte Analyse schon länger her ist.

Um eine aussagekräftige und unabhängige Vorsorgeanalyse zu erhalten, bedarf es eines umfassenden Hintergrundwissens und auch einer gewissen Übung. Neutrale und sachkundige Berater helfen dort weiter.
Übrigens: Genauso wie die sich ändernden Lebensumstände eine situationsgerechte Anpassung der Personenversicherungen erforderlich machen, bedarf es auch einer regelmäßigen Kontrolle und Anpassung der Betriebs- bzw. Sachversicherungen, vor allem in Wachstumsbetrieben.

                                                                                                                   

Kontakte


Hajo Rothe

Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier

0441 34010-130

hajo.rothe~lwk-niedersachsen.de

Mehr zum Thema

Am Futtertisch des LBZ

Vollkostenauswertung Milch WJ 2020/21 - Wohin geht die Milcherzeugung wirtschaftlich?

Der Blick auf die Vollkostenauswertung Milchwirtschaftsjahr 2020/2021 von 115 niedersächsischen Milchbetrieben zeigt gegenüber dem Vorjahr eine etwas bessere Situation. Im Schnitt konnte allerdings immer noch keine Vollkostendeckung unter …

Mehr lesen...
Sozioökonomische Beratung

Ein Mann ist keine Altersvorsorge!

Das man sich nicht in finanzielle Sicherheit heiratet, ist den meisten Menschen bewusst. Dennoch verlassen sich viele Paare beim Thema Absicherung auf den Partner, so auch Marie Kramer. Sie heiratete 2015 ihren Mann Heiko. Gemeinsam haben sie zwei …

Mehr lesen...
Geld

Berufsunfähigkeit - Sind Sie finanziell abgesichert?

Ein Viertel aller Erwerbspersonen in Deutschland muss aus gesundheitlichen Gründen die Erwerbstätigkeit vor Erreichen des Rentenalters beenden. Hierbei handelt es sich nicht in erster Linie um die Folgen von Unfällen. In mehr als 9 von…

Mehr lesen...
Bescheinigung nach § 92 EStG

Riester-Unterlagen nicht einfach abheften!

Anfang des Jahres erhalten Sie einen Brief zu Ihrer Riester-Rente, falls vorhanden. Dieser enthält die jährliche Bescheinigung nach § 92 EStG. Bitte lesen Sie diese im Detail. Gerade im landwirtschaftlichen Bereich werden Sie dort in …

Mehr lesen...
Sozioökonomie

Sozioökonomische Beratung niedersachsenweit für Sie da!

In ganz Niedersachsen finden Sie für Ihre Fragen rund um Familie und Betrieb Sozioökonomische Berater/innen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Wir informieren und beraten zu Einkommens- und Vermögenssicherung in …

Mehr lesen...
Ordner für Versicherungen

Afrikanische Schweinepest – ein Anlass für einen Versicherungs-Check

Generell sollten alle Versicherungen, betrieblich wie privat, alle paar Jahre auf den Prüfstand. Häufig bedarf es allerdings eines Anlasses, um sich daran zu erinnern. Die ersten bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest in…

Mehr lesen...

Veranstaltungen

/media/media/4ABA8FC2-C9A6-0B5C-7A5715E7750E714F.jpg

Online-Seminar „kurz und knackig“: Milchpreisabsicherung – an der Börse oder lieber mit der Molkerei?

14.12.2022

Der aktuelle Milchmarkt gibt einen Grund zur Freude, endlich Erleichterung. Jedoch sind auch in der Milchproduktion die Kosten u.a. für Betriebsmittel wie Strom, Treibstoffe oder auch Kraftfutter gestiegen und es gilt die Kosten im Blick zu …

Mehr lesen...
Agrarbüromanagerin I

AgrarBüromanagerin I

10.01.2023 - 21.03.2023

Grundkurs Vom Einsteigerwissen zum Insiderwissen – diesen Ansatz verfolgt die Seminarreihe für Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben. Sie erhalten an 10 Seminartagen erste Basiskenntnisse rund um die Schreibtischarbeit und mit …

Mehr lesen...

Bankgespräche vorbereiten und erfolgreich durchführen

16.01.2023 - 30.01.2023

Mehr denn je ist eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bank der entscheidende Faktor für einen zukunftsfähigen, gesunden Betrieb. Dieses zweitätige Seminar zeigt Möglichkeiten auf, wie der Landwirt als Kunde diese …

Mehr lesen...
Notfallordner

Notfallordner - Hilfe im Ernstfall

18.01.2023 - 08.02.2023

Was passiert, wenn der Betriebsleiter plötzlich und unvorhergesehen ausfällt durch Unfall, Krankheit oder Todesfall? Sind Sie und Ihr Betrieb auf diesen Fall vorbereitet? Wird der Betrieb reibungslos weiterlaufen? Wer weiß auf …

Mehr lesen...
Brautpaar im Feld

Vor der Ehe zum Notar

19.01.2023

Die rechtliche Stellung des eingeheirateten Ehepartners ist bei landwirtschaftlichen Betrieben häufig schlecht. An diesem Abend soll geklärt werden: - Was passiert im Fall der Scheidung? - Was bedeutet Zugewinngemeinschaft, …

Mehr lesen...
Notfallordner

Notfallmanagement - Rechtzeitig und richtig!

01.02.2023

Was passiert, wenn der Betriebsleiter plötzlich und unvorhergesehen ausfällt? Sind Sie und Ihr Betrieb auf diesen Fall vorbereitet? Wird der Betrieb reibungslos weiterlaufen? Welche Vollmachten existieren und welche benö…

Mehr lesen...