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Stark N-/P-reduzierte Mastschweinefütterung im Versuch

Die novellierte Düngeverordnung beinhaltet neue Werte für die Nährstoffausscheidungen. Diese wurden 1:1 vom DLG-Band „Bilanzierung der Nährstoffausscheidungen landwirtschaftlicher Nutztiere“ aus dem Jahr 2014 übernommen. Dort sind die entsprechenden Fütterungsstrategien hinterlegt, die Grundlage für die Berechnung der Nährstoff-ausscheidungen sind.

Für Mastschweine ergeben sich je nach Fütterungsstrategie (Universalfutter, N-/P-reduzierte und stark N-/P-reduzierte Fütterung) und Leistungsniveau (700 g, 750 g, 850 g, 950 g Tageszunahmen) zwölf verschiedene Werte für den Stickstoff- und Phosphoranfall. Da in der Praxis bisweilen in Frage gestellt wird, dass eine stark N- und P-reduzierte Fütterung problemlos möglich ist, hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen überprüft, welche Leistungen mit diesem vierphasigen Fütterungsverfahren zu erzielen sind.

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 113 Ferkel (Pi x Danzucht) nach Gewicht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Einzelbuchten gehalten. Die RAM-Gruppe (Kontrolle, 58 Tiere) erhielt das Anfangsmastfutter RAM 2.1 bis 70 kg LG und danach das Endmastfutter RAM 2.2. Die DLG-Gruppe (55 Tiere) wurde vierphasig entsprechend den Vorgaben des stark N-/P-reduzierten Verfahrens laut Düngeverordnung gefüttert, der Futterwechsel erfolgte bei 40, 65 und 90 kg LG. Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 28 bis 123 kg. Zwischenwägungen wurden bei jedem Futterwechsel vorgenommen.

Tabelle 1: Übersicht über die zwei Futtergruppen

 

 

RAM-Gruppe
zweiphasig

DLG-Gruppe
vierphasig

Mastabschnitt
 


kg

RAM 2.1
28-70

RAM 2.2
70-123

DLG 1
28-40

DLG 2
40-65

DLG 3
65-90

DLG 4
90-123

Rohprotein

Lysin

ME

Phosphor

%

%

MJ/kg

%

17,0

1,10

13,4

0,50

14,0

0,90

13,0

0,45

17,5

1,10

13,4

0,47

16,5

1,00

13,4

0,45

15,5

0,90

13,0

0,42

14,0

0,75

13,0

0,42

Das Aminosäurenverhältnis (Lysin: Methionin+Cystin: Threonin: Tryptophan) wurde auf 1: 0,55:0,65:0,18 eingestellt.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

RAM
2.1

RAM
2.2

DLG
 1

DLG
2

DLG
3

DLG
 4

Rohprotein

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

ME

Lysin/ME   

Phospor

%

%

%

%

MJ/kg

g/MJ

%

17,0

1,04

0,61

0,72

13,5

0,77

0,47

14,0

0,88

0,53

0,57

13,3

0,66

0,45

17,3

1,02

0,59

0,71

13,4

0,76

0,45

16,5

0,99

0,58

0,66

13,7

0,72

0,42

16,3

0,93

0,58

0,63

13,2

0,70

0,45

14,0

0,76

0,52

0,50

13,1

0,58

0,45

Unterschiede in der Mastleistung

In diesem Versuch erreichten die Schweine durchschnittliche Tageszunahmen von 953 g,  der  Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,57 kg. Die RAM-Gruppe erzielte 950 g und die DLG-Gruppe (stark N-/P-reduziert) 956 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs  lag bei 2,52 bzw. 2,61 kg. Die Tiere fraßen pro Tag 2,39 kg (RAM-Gruppe) bzw. 2,49 kg   (DLG-Gruppe). Die Unterschiede im Futteraufwand und im täglichen Futterverbrauch waren statistisch abzusichern. Die Tiere der RAM-Gruppe wiesen in der Endmast ab 70 kg Tageszunahmen von knapp 1000 g und einen Futteraufwand von 2,88 je kg Zuwachs auf. Die Tiere der DLG-Gruppe nahmen in der Endmast ab 90 kg 975 g je Tag zu und benötigten 3,25 kg Futter je kg Zuwachs.

Die Schweine wurden im Vion-Schlachthof in Emstek geschlachtet, die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Im Mittel wurden 1,001 Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht erzielt. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung. In der Gruppe 1 fiel ein Tier wegen Beinschäden, in der Gruppe 2 eines wegen Entwicklungsstörungen vorzeitig aus.

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

RAM-Gruppe
zweiphasig

DLG-Gruppe
vierphasig

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

g

kg

kg

57

27,8

123,1

950

2,52a

2,39a

54

27,8

122,9

956

2,61b

2,49b

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Indexpunkte/kg SG

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

 

96,7

78,5

18,7

7,4

9,1

13,9

57,5

1,009

97,1

78,4

18,5

7,3

9,0

14,0

56,6

0,993

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruht auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs liegen in der RAM-Gruppe bei 58,11 € und in der DLG-Gruppe  bei 58,99 €.

Nährstoffausscheidungen

Je Tier wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:
RAM-Gruppe (zweiphasige Fütterung):                3,37 kg N und 1,47 kg P205
DLG-Gruppe (stark N-/P-reduzierte Fütterung):    3,62 kg N und 1,34 kg P205

Somit schieden die Tiere der stark N-/P-reduzierten Gruppe  7 % mehr N, aber  9 % weniger P205 als die zweiphasig gefütterten Schweine der RAM-Gruppe aus.

Fazit

In einem Mastversuch wurde überprüft, welche Leistungen mit einer stark N-/P-reduzierten Fütterung nach DLG im Vergleich zur zweiphasigen RAM-Fütterung zu erzielen sind. Mit im Durchschnitt 953 g Tageszunahmen und einem Futterverbrauch von 2,57 kg je kg Zuwachs wurde ein hohes Leistungsniveau erreicht. Während die Tageszunahmen der beiden Gruppen gleich waren, gab es gesicherte Unterschiede im Futteraufwand/kg Zuwachs und im täglichen Futterverbrauch zugunsten der RAM-Gruppe. In der Schlachtkörperbewertung waren keine signifikanten Differenzen zu verzeichnen. Die Indexpunkte/kg Schlachtkörpergewicht lagen im Mittel bei 1.001. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs betrugen 58,11 € (RAM) und  58,99 € (DLG). Die stark N-/P-reduzierte Variante führte beim Stickstoff zu höheren Ausscheidungen von 7 % und beim Phosphor zu niedrigeren Ausscheidungen von 9 %.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Andrea Meyer

Rinderfütterung, Schweinefütterung, Futterberatungsdienst e.V.

 0511 3665-4479

  andrea.meyer~lwk-niedersachsen.de


Wolfgang Vogt
Dipl.-Ing. agr.
Wolfgang Vogt

Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein

 05431 90309-12

  wolfgang.vogt~lwk-niedersachsen.de


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