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Hinweise für die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Nutzflächen nach Überschwemmung

Im Herbst/ Winter 2017/ 2018 sind vielerorts im Bereich der Elbe aber auch in anderen Flussgebieten Niedersachsens Vordeichflächen und Flussauen überschwemmt worden.

In diesen Bereichen können anorganische Schadstoffe (Schwermetalle wie Cadmium, Blei, Quecksilber und Arsen) und besonders im Überschwemmungsgebiet der Elbe auch organische Schadstoffe wie Dioxine (PCDD/PCDF) und dl-PCB’s auf die Flächen gelangt und zu schädlichen Bodenveränderungen und verschmutzten Pflanzenaufwüchsen geführt haben. Durch Ernte und Verfütterung des verunreinigten Pflanzenmaterials bzw. durch Beweidung verschmutzter Areale besteht die Gefahr einer Schadstoffbelastung von Futter- und Lebensmitteln (Milch, Leber, Fleisch).

Da der Landwirt als Futter- und Lebensmittelproduzent gesetzlich verpflichtet ist, eigenverantwortlich die Einhaltung der Schadstoffhöchstgehalte nach Futtermittel- und Lebensmittelrecht sicherzustellen, werden nachfolgend Hinweise zur Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Nutzflächen nach einem Überschwemmungsereignis gegeben. Diese gilt es im Sinne einer Vermeidung von Schadstoffeinträgen in Futtermittel und im weiteren Verlauf in Lebensmittel zu beachten.

Darüber hinaus sind die grundlegenden Anforderungen an die Bewirtschaftung von Grünlandflächen im Deichvorland der Elbe in Niedersachsen und in weiteren niedersächsischen Überschwemmungsgebieten (Merkblätter unter www.lwk-niedersachsen.de; webcode: 01015250) gültig und zu beachten.

 

Vermeidung von Futtermittel-/ Lebensmittelverschmutzungen

Um eine Schadstoffbelastung nach Überschwemmungsereignissen (ganzjährig) zu vermeiden/ zu minimieren, ist

  1. Treibgut (natürliche und anthropogene Materialien) und
  2. abgestorbener oder/ und mit Sedimenten verschmutzter, verdorbener Grünlandaufwuchs
    zu entfernen,
  3. abgestorbener, verschmutzter Getreidebestand zu mulchen und einzuarbeiten sowie
  4. die Beweidung einzuschränken.

Bei der Entsorgung von Treibgut und verschmutztem Grünlandaufwuchs sind u.a. die nachfolgend aufgeführten Vorgaben/ Auflagen zu beachten. Betroffene Landwirte sollen sich mit den zuständigen unteren Abfallbehörden zwecks Entsorgung in Verbindung setzen.

Zu 1)
Treibgut, in Form von Zivilisationsabfällen, ist auf dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsweg zu entsorgen.
Bei Einhaltung der Schadstoffhöchstwerte nach Düngemittelverordnung und Bioabfallverordnung darf Treibgut natürlichen Ursprungs (organische Substanz, pflanzliche Abfälle) zum Zwecke der Düngung auf Ackerland verwertet werden. Eine Verwertung auf Grünland ist zur Vorsorge für eine unbedenkliche Futtermittel- und Lebensmittelerzeugung zu unterlassen. Bis zur Aufbringung kann das Material ortsnah auf den für die Düngung vorgesehenen Flächen zwischengelagert werden. Im Zweifelsfall ist das Verfahren jedoch mit der unteren Wasserbehörde oder der unteren Abfallbehörde beim Landkreis bzw. mit der Spezialberatung der Landwirtschaftskammer abzustimmen.

Zu 2)
Bei sichtbaren Verschmutzungen des Aufwuchses ist dieser nach Entfernung des Treibgutes aus Vorsorgegründen durch einen Reinigungsschnitt (kurzrasig, etwa 6 cm Aufwuchshöhe) von der Fläche zu entfernen.

Werden die Schadstoffhöchstwerte nach Düngemittelverordnung und Bioabfallverordnung eingehalten (Untersuchung erforderlich), darf das Material zum Zwecke der Düngung auf Ackerland verwertet werden (Abbildung 1). Es ist auf der Fläche (maximale Ausbringmenge: 200 bis 300 dt ha-1 Frischmasse) gleichmäßig auszubringen und flach einzuarbeiten. Die ausgebrachten Nährstoffmengen sind bei der Ermittlung des Düngebedarfs der Folgekultur (in der Vegetationsperiode: Zwischenfrucht, Wintergetreide oder Raps) zu berücksichtigen.

Eine Verwertung auf Grünland ist zur Vorsorge für eine unbedenkliche Futtermittel- und Lebensmittelerzeugung zu unterlassen. Bis zur Aufbringung kann das Material ortsnah auf den für die Düngung vorgesehenen Flächen zwischengelagert werden (Maßnahmen zum Schutz des Grund- und Oberflächenwassers sind ggf. zu treffen).

Der Verbleib von verschmutztem Aufwuchs ist mit der Spezialberatung abzusprechen.

Nach dem Entfernen des Grünlandaufwuchses sollte die Fläche auf Kleintierkadaver (Vergiftungsgefahr mit Chlostridium botulinum) kontrolliert werden.

Wegen der Gefahr der Kontamination mit Krankheitskeimen sollte die Fläche nach dem Säuberungsschnitt mindestens vier Wochen nicht geerntet werden.

Zu 3)
Nach dem Mulchen und der Einarbeitung des Getreideaufwuchses sind die üblichen Pflanzenbaumaßnahmen durchzuführen. Eine anderweitige Verwertung des Aufwuchses (Einstreu, Futtermaterial) sollte unterbleiben.

Zu 4)
Eine Beweidung auf geschädigten, lückigen und aufgeweichten Böden hat zu unterbleiben. Nassstellen, offene Wasserstellen und Uferränder (Zugang zu Bracks) sind auszuzäunen. Auch hier gilt: nach dem Säuberungsschnitt sollte die Fläche mindestens vier Wochen nicht genutzt (beweidet) werden (Gefahr der Kontamination mit Krankheitskeimen).

 

Im Sinne einer sicheren Futter- und Lebensmittelproduktion sind diese oben genannten Bewirtschaftungsmaßnahmen und die grundlegenden Anforderungen an die Bewirtschaftung von Überschwemmungsflächen (Merkblätter unter www.lwk-niedersachsen.de;  webcode: 01015250) zu beachten.

Bei bestehenden Fragen, wenden Sie sich gerne an die Berater der Spezialberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.  Die Spezialberatung bietet allen landwirtschaftlichen Betrieben bei der Umsetzung der Bewirtschaftungsauflagen eine individuelle Beratung an.

 

Spezialberatung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Bezirksstelle Uelzen, Wilhelm-Seedorf-Straße 3, 29525 Uelzen
Sekretariat, Telefon: 0581 8073-129

Wilhelm Struck
Spezielle Betriebsberatung, Produktionsberatung, Hilfe bei Höchstwertüberschreitung
Telefon: 0581 8073-193
E-Mail: wilhelm.struck@lwk-niedersachsen.de

Matthias Gutfleisch
Futterberatung, Spezialberatung Rind
Telefon: 0581 8073-121
E-Mail: matthias.gutfleisch@lwk-niedersachsen.de

 

Koordination Spezialberatung
Dr. Kirsten Madena
Telefon: 0441 801-173, E-Mail: kirsten.madena@lwk-niedersachsen.de
Onno Seitz
Telefon: 0441 801-334, E-Mail: onno.seitz@lwk-niedersachsen.de

Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Mars-la-Tour-Str. 6, 26121 Oldenburg

 

 

Kontakte

Onno Seitz
Dipl.-Ing. agr.
Onno Seitz

Leiter Sachgebiet Düngemittelrecht und Abfallrecht

 0441 801-334

  onno.seitz~lwk-niedersachsen.de


Dipl.-Geoökol.
Dr. Kirsten Madena

Leiterin Sachgebiet Wasserschutz und Wasserwirtschaft

 0441 801-173

  kirsten.madena~lwk-niedersachsen.de


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