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Schietwetter und Kälte- was ist jetzt zu tun für das richtige Schweinestallklima

Im Herbst muss die Lüftungsanlage neu eingestellt werden. Dabei sollte gleichzeitig eine Funktionsüberprüfung aller Teile und eine Reinigung erfolgen. Wie genau im einzelnen Stall die Lüftungseinstellung erfolgen muss, ist individuell vor Ort zu entscheiden.

Deckenventil
DeckenventilKatrin Peperkorn
Der Herbst ist da, zwar sind die Temperaturen noch recht mild, aber die Tage werden wieder kürzer. Die ersten Herbststürme fegen übers Land und mit ihnen die ersten Grippewellen und viel Wasser! Zunächst werden wir es mit erhöhten Luftfeuchtigkeiten und stärkeren Tag- Nachtschwankungen zu tun haben bis die Temperaturen sich einpendeln und mit Nachtfrösten zu rechnen sein wird.

Starke Temperaturschwankungen und damit oft einhergehende erhöhte Zugluftgefahr im Stall, müssen so gut es geht vermieden werden, damit die Grippewelle nicht auch die Schweine erreicht. Bei geringeren Außentemperaturen kann die Lüftungsanlage gegenüber den 100% gen Luftraten im Sommer nun etwas runterfahren. Jetzt liegen die Herausforderungen für die Lüftungsanlage darin, die Tag- Nachtschwankungen optimal auszugleichen, die Luftfeuchtigkeiten aus dem Stall zu bekommen und keine Zugluft oder Kaltduschen zu provozieren. Um gut vorbereitet zu sein heißt es jetzt an folgende Dinge zu denken:

Undichtigkeiten
Durch die geringeren Außentemperaturen und in Teilen geringeren Luftraten im Winter, die aufgrund der Temperaturen im Stall gefahren werden, ist es umso wichtiger, dass die Frischluft nicht überall durchpfeifen kann. Daher sollte mit offenen Augen kontrolliert werden, ob es Durchlässe im Mauerwerk/ an den Wänden gibt, oder sich Schlitze unter Türen oder an Fenstern aufgetan haben. Diese Durchlässe sollten unbedingt verschlossen werden. Denn auch Schadnager zieht es durch die niedriger werdenden Temperaturen wieder in die Ställe und sie können krankmachende Viren und Bakterien mitbringen. 

Funktionssicherheit
Durch die kühle und feuchte Luft im Herbst und Winter kann es im Bereich der Zuluftelemente zu starken Staubablagerungen kommen. Erhebliche Mengen an Staub können sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit im Bereich der Zuluftöffnungen ablagern. Daher ist es wichtig die Klappen an den Zuluft- bzw. Abluftelementen auf ihre Funktionstüchtigkeit zu kontrollieren. Denn bei Seilzug, oder stahlseilgezogenen Klappen dehnen sich die Bänder und die Klappen öffnen und schließen dann nicht mehr akkurat. Alle beweglichen Teile sollten mindesten zweimal im Jahr überprüft und gereinigt werden. Gerade im Hinblick auf mikrobielle Belastungen sind Verschmutzungen und Staubablagerungen kritisch zu sehen. Mikroorganismen wie Salmonellen können sehr oft in Staubablagerungen bzw. Verschmutzungen jeglicher Art, nachgewiesen werden. Darum empfiehlt es sich hier die Ablagerungen bei der Funktionskontrolle zu entfernen.

Umstellung Klappen
Auf Betrieben bei denen die Zuluft im Sommer über Giebelklappen in den Stall kommt, ist es jetzt wieder Zeit auf die Trauf-Dach- Zuluftführung umzustellen. Das setzt allerdings voraus, dass die Traufgitter nicht mit Spinnenweben und Staub zugesetzt sind und die Stellklappen beweglich sind. Ähnliches gilt für Betriebe mit Luft- Luft Wärmetauschern, wenn diese über den Sommer nicht aktiv waren. Wichtig für einen guten Wärmeübertrag ist die Sauberkeit des Wärmetauschers. Bei verschmutzten Wärmetauschern verschlechtert sich die Leistung enorm und der Energieaufwand der Abluftventilatoren steigt stark an. Das verschlechtert nicht nur die Wärmeaustauschkapazität, sondern kann im Extremfall auch die Luftqualität im Abteil beeinflussen. Gleiches gilt für den erhöhten Energieverbrauch bei Verschmutzen Zu- und Abluftbereichen. Auf einigen Betrieben mit der Zuluftführung über Rieselkanäle befinden sich Pendelklappen im Eintrittsbereich der Kanäle. Bei hohen Luftraten im Sommer werden diese teilweise rausgenommen. Jetzt zum Winter hin müssen sie unbedingt wieder eingehängt werden, um die Druckverhältnisse im Kanal bei geringeren Luftraten stabil halten zu können. Das ist wichtig für eine gleichmäßige Verteilung und Ausströmung der Frischluft über den gesamten Rieselkanal. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die kalte Luft im vorderen Bereich des Kanals herunterfällt und im hinteren Bereich kaum noch Frischluft ankommt! Das gleiche Prinzip führt bei der Nasenlüftung zu Fehlströmungen. An kalten Tagen verringert sich die Luftrate, welches bei der Nasenlüftung aber auch bei der Schlitzganglüftung zu einer Umkehr des Luftstroms führen kann. Durch das Rohr der Nasenlüftung entsteht ein Kamineffekt und die Abluft steigt im Rohr auf. Um das zu vermeiden, muss der Querschnitt des Rohrauslasses verringert werden (z.B. durch Schieber oder Reduzierstücke).

Heizung in Schuss bringen
So wie es für den Sommer wichtig ist eine funktionierende Kühlung zu haben, ist es für den Winter wichtig, dass die Heizung funktioniert. Im Frühling wie auch im Herbst habe wir es mit verstärkten Tag- Nachtschwankungen zu tun. In vielen Fällen ist es da für die Lüftung schwierig, alleine durch die Stärke der Ventilation eine konstante Temperatur im Abteil zu fahren bei gleichzeitig ausreichender Frischluftzufuhr und einem ausreichenden Austrag von Luftfeuchtigkeiten. In diesen Phasen ist eine Heizung zum Ausgleichen der Temperaturschwankungen wichtig. Vorraumheizungen oder auch Wärmetauscher können immer nur dazu dienen die Zuluftbereich frostfrei zu halten oder die Zuluft Temperatur zu erhöhen. Sie können jedoch die Heizung im Abteil nicht ersetzten. Sehr vorteilhaft ist bei der Zulufterwärmung die Luftfeuchtigkeitsreduzierung gerade in den feuchten Übergangsmonaten. Bringen sie also am besten rechtzeitig ihr mobilen Heizgeräte in Schuss. Überprüfen Sie auch bei den stationären Heizungen die Pumpen und Ventile, Filter und Brennelemente, damit sie ein reibungsloses zu heizen gewährleisten können.

Klimacomputer
Nicht zuletzt sollte auch die Klimasteuerung an das Winterklima angepasst werden. Wo die Luftraten in den Sommermonaten noch häufig bei 100% lagen, geht es jetzt etwas ruhig zu. Die Herausforderung sind nun der Ausgleich der Tag- Nachtschwankungen, dass aufrechterhalten der Unterdrücke damit die Luft weiterhin gleichmäßig sich im Abteil verteilt, aber auch das Vermeiden von erhöhten Schadgaskonzentrationen durch Undichtigkeiten und zu geringen Luftaustauschen. Während die Tag- Nachtschwankungen noch stark sind sollte der Regelbereich noch weiterhin größer eingestellt bleiben (>4K). Wichtig zu unterscheiden ist der Regelbereich von der Spreizung. Die Spreizung ist die fixe Vorgabe, bei wieviel Grad die nächste Lüftungsstufe geschaltet wird. Der Regelbereich gibt hingegen an, in welchem Temperaturbereich die Lüftung von minimaler Ventilation auf maximale Ventilation geht. Bei Unsicherheit was genau am Klimacomputer eingestellt und angegeben ist, sollte sich unbedingt mit der Lüftungsfirma in Verbindung gesetzt werden. Wenn im Sommer aufgrund der hohen Temperaturen die Solltemperatur hochgesetzt wurde, wird es nun Zeit diese wieder runter zusetzen, um die Tiere nicht unnötig zu belasten. Auch bei der Einstellung der minimalen und maximalen Ventilation können die Bereiche wieder runter gesetzt werden. Ganz wichtig ist jetzt für die Herbst- Winterlüftung die Alarm- und Heizungseinstellungen zu überprüfen. So sollten die Alarmeinstellungen für Übertemperatur reduziert und die für Untertemperatur eventuell erhöht werden. Für die Heizung gilt 1-2°C unterhalb der Solltemperatur aktiv zu werden und auf die Hystereseeinstellung zu achten, damit die Heizung nicht ständig an- und ausgeht. Die Hysterese ist wie der Regelbereich zu sehen. So geht die Heizung nicht sofort an oder aus bei einer Sollwertüber- oder Unterschreitung.

Die hier vorgeschlagenen Lüftungseinstellungen sollen der Orientierung dienen. Ob, wie stark und in welchem Maße die Lüftungseinstellungen vorgenommen werden ist jeweils vor Ort auf dem Betrieb zu entscheiden. Machen sie sich ihren eigenen kleinen Handzettel zum Abhaken und nehmen sie sich die Zeit den Stallklimabereich „Winterfit“ zu machen. Bei Unsicherheit zu Einstellungen am Klimacomputer fragen sie bei Ihrer Lüftungsfirma nach. Zusätzlich kann ein gemeinsames durchgehen mit einem Lüftungsberater sinnvoll sein. Diese finden sie bei der Landwirtschaftskammer wie bei der Ring- oder Schweinespezialberatung.

Fazit
Im Herbst muss die Lüftungsanlage neu eingestellt werden. Dabei sollte gleichzeitig eine Funktionsüberprüfung aller Teile und eine Reinigung erfolgen. Wie genau im einzelnen Stall die Lüftungseinstellung erfolgen muss, ist individuell vor Ort zu entscheiden. Ein Handzettel mit allen Punkten zum Abhaken ist dabei hilfreich. Um die Lüftungsanlage winterfit zu machen, sollte ausreichend Zeit eingeplant werden. Bei Unsicherheit zu Einstellungen am Klimacomputer ist die Lüftungsfirma erster Ansprechpartner. Zusätzlich kann ein gemeinsames Durchgehen mit einem Lüftungsberater von der Landwirtschaftskammer oder dem jeweiligen Beratungsring sinnvoll sein.

Kontakte

Katrin Peperkorn
Katrin Peperkorn

Beraterin

 04271 945-218

  katrin.peperkorn~lwk-niedersachsen.de


Jan Südhoff
Dipl.-Ing. agr. (FH)
Jan Südhoff

Berater Technik Schwein, Stallklima, Lüftung, Mastschweine, Sauen

 0441 801-436

  jan.suedhoff~lwk-niedersachsen.de


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