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Richtsätze zur Ermittlung von Aufwuchsschäden zum Ausgleich kleinerer Schäden im Erntejahr 2019 (Stand: 15.01.2020)

Kleine Schäden (bis ca. 5.000 m² betroffene Fläche oder bis geschätzten ca. 2.000 € Schadenssumme) an landwirtschaftlichen Kulturen infolge von Baumaßnahmen, Manövern, Verkehrsunfällen, Wildschäden und verschiedenen Umweltbelastungen, insbesondere von Immissionsschäden tauchen in jedem landwirtschaftlichen Betrieb auf. Mit Hilfe von Richtsätzen lässt sich die ungefähre Schadenshöhe schnell und unbürokratisch feststellen, um zwischen den jeweils Beteiligten eine unmittelbare und hoffentlich auch für beide Seiten zufrieden stellende Einigung zu erzielen.

Wildschaden auf Dauergrünland
Wildschaden auf DauergrünlandHermann Alps-Lammers

Ist aufgrund von Lage und/oder Umfang der geschädigten Fläche keine Kosteneinsparung zu erwarten, erfolgt die Ermittlung der Richtsätze für die Aufwuchsschäden über den erwarteten Ertrag (dt/ha) oder bei Grundfutter (teilweise) über die Nährstoffmenge (z. B. MJ NEL/ha) multipliziert mit dem Preis (€/dt oder €/MJ NEL). Die ggf. einsparbaren Aufwendungen sollten erst bei größeren Schadensflächen Berücksichtigung finden.

Bei den Marktfrüchten werden die (zum Teil noch vorläufigen bzw. geschätzten) Erzeugerpreise (inkl. Umsatzsteuer) zur Ernte 2019 (€/dt) und bei der Grünlandnutzung die Herstellungskosten inklusive Umsatzsteuer (€/MJ NEL) aus den Richtwert-Deckungsbeiträgen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zugrunde gelegt. Diese Preise dienen als Richtwerte. Liegen im Einzelfall andere Preise vor, sind die betriebseigenen Werte relevant.

Drei Beispiele für die Ermittlung der Schadenssumme:

1. Wird z.B. eine an einer Landstraße liegende Winterweizenfläche von schweren Baufahrzeugen auf einer Fläche von 1.000 m² zerstört, stehen einem Landwirt bei einem geschätzten Ertrag von 90 dt/ha (Ertragsstufe 5) 0,17 €/m² zu (siehe Übersicht 1). Die Aufwuchsentschädigung ist um den Prämienanteil der Fläche zu erhöhen, wenn es aufgrund des Schadens, wie in diesem Fall angenommen, zu einer Korrektur des Flächenantrages kommt. Bei einer Weizenfläche erhöht sich der Wert damit ggf. um 0,03 €/m² auf 0,20 €/m². Die Aufwuchsentschädigung für diese Teilfläche beträgt somit, sofern keine weiteren Bewirtschaftungserschwernisse finanziell auszugleichen sind, insgesamt 170 bzw. 200 €.

2. Sind z.B. von einer Grünlandfläche in Folge von Grabenarbeiten 2.000 m² über die gesamte Vegetationsperiode nicht zu bewirtschaften, so beträgt der Schadenssatz bei einer Wiese (nur Schnittnutzung) mit Silage und einem Ertrag von 65.000 MJ NEL/ha (Ertragsstufe 5) 0,13 €/m². Die reine Schadenssumme beträgt 260 € und ist hier um den entgangenen Prämienanspruch für Grünland von 0,03 €/m2, also 60 € auf 300 € zu erhöhen.
Entsteht darüber hinaus in diesem Beispiel durch die Beschädigung oder Zerstörung weiterer Aufwand für die Wiederherstellung der Fläche, so sind bei mittleren Schäden, die Einebnen, Nachsäen und Anwalzen erfordern, wegen der geringen Flächengröße durchaus ca. 0,50 €/m² und bei starken Schäden, die zu­sätz­lich noch „Erde aufbringen“ erfordern, ca. 0,80 €/m² in diesem Fall als angemessener zusätzlicher Ausgleich anzusetzen. Hier erhöht sich der Betrag, der dann oft ein Mehrfaches des Aufwuchsschadens ausmacht, um 1.000 bzw. 1.600 € und erreicht damit in der Summe mit dem Aufwuchsschaden die Grenze des Anwendungsbereiches.

3. Haben Wildschweine eine Spur durch einen Silomaisbestand gezogen und dabei insgesamt 1.500 m2 „platt“ gemacht, so kann auch dieser Schaden mittels des Pauschalwertes von 0,23 €-Cent/m2 (Ertragsstufe 4 mit 550 dt/ha) ausgeglichen werden. Daraus ergibt sich somit ein Ausgleichsbetrag von 345 €. Dieser Wert ist gegebenenfalls um den entgehenden Prämienanspruch (0,03 €/m2 bzw. hier 45 €) zu erhöhen.

Ist aufgrund der Struktur des Schadens davon auszugehen, dass keine Kosten einsparbar sind (direkt vor der Ernte oder bei mäandrierendem Verlauf durch den Gesamtbestand), können auch Schadensflächen, die oberhalb der Grenze von 5.000 m2 liegen, nach dieser Methode ausgeglichen werden, sofern keine Schadenminderungsmöglichkeiten durch Kosteneinsparungen gegeben sind.

Weitere Informationen und Kenndaten für eine schnelle Bewertung von Aufwuchsschäden enthält die Broschüre „Berechnungsgrundlagen für die Ermittlung von Schäden an landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen und Grundstücken“, die vom Ausschuss für landwirtschaftliches Sachverständigenwesen im Verband der Landwirtschaftskammern e.V. (info@vlk-agrar.de) veröffentlicht wird.

Der Beitrag im Internet: https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/betriebumwelt/nav/360/article/34559.html webcode: 1035727

Kontakte

Dr. Mathias Schindler

Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft

 0511 3665-1350

  mathias.schindler~lwk-niedersachsen.de


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