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Digitales Frühwarnsystem mit Vorteilen für Tiere und Umwelt

Start frei für „DigiSchwein“: Landwirtschaftskammer Niedersachsen koordiniert Projekt zur tiergerechten Schweinehaltung – Online-Präsentation am 19. Juni 2020 beim Digitaltag

So soll die Software „DigiSchwein“ funktionieren: Zahlreiche Sensoren im Stall liefern Daten für ein Frühwarnsystem, das den Schweinehalter via Smartphone rund um die Uhr alarmiert, sollte die Gesundheit seiner Tiere in Gefahr geraten.
 Projektdarstellung DigiSchwein Paula Föhr
Oldenburg – Verantwortungsvolle Schweinehalter schauen mehrmals täglich nach, wie es ihren Tieren geht. Die passgenaue Farmmanagement-Software „DigiSchwein“ soll sie künftig dabei unterstützen, Veränderungen im Bestand deutlich früher zu erkennen und damit das Wohlbefinden von Sauen, Ferkeln und Mastschweinen nachhaltig zu verbessern.

Das Frühwarnsystem „DigiSchwein“ soll Tierhalter zum Beispiel in die Lage versetzen, schneller auf Krankheiten, auf aggressives Verhalten sowie auf bevorstehende Geburten zu reagieren. Die digitale Anwendung soll außerdem die Betriebsmitteleffizienz steigern und die Umwelt durch Nährstoffreduktion schonen helfen.

Welche Sensoren dazu im Betrieb einzubauen sind, welche Daten gesammelt werden und wie diese ausgewertet und in der Software eingesetzt werden müssen, will die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in ihrer Versuchsstation für Schweinehaltung in Wehnen (Bad Zwischenahn/ Kreis Ammerland) zusammen mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft in den kommenden drei Jahren klären.

„Im Experimentierfeld ,DigiSchwein‘ verfolgen wir zusammen mit unseren Verbundpartnern das strategische Ziel, die Chancen der Digitalisierung und des Wissenstranfers für die breite landwirtschaftliche Praxis weiterzuentwickeln und praxistauglich zu machen“, sagt Dr. Ludwig Diekmann, als Leiter des LWK-Fachbereichs Tierzucht, Tierhaltung, Versuchswesen Tier, Tiergesundheitsdienste einer der „DigiSchwein“-Projektkoordinatoren. „Dabei setzen wir den Fokus auf die tiergerechte und ressourcenschonende Schweinehaltung – für ökologisch wie für konventionell geführte Betriebe.“

Zu den Partnern der LWK zählen bei „DigiSchwein“ die Carl von Ossietzky Universität zusammen mit dem auf Wissenstransfer spezialisierten Uni-Institut OFFIS (Oldenburg), das Johann Heinrich von Thünen-Institut (Braunschweig), die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie die Georg-August-Universität in Göttingen.

Zu den digitalen Neuerungen, die für das Projekt infrage kommen, zähle zum Beispiel neuartige Kameratechnik mit künstlicher Intelligenz, erläutert Projektkoordinator Stefan Sagkob, bei der LWK Leiter des Sachgebiets Versuchs- und Projektwesen Tier, Agrarsystemtechnik. „Mit Hilfe dieser Kameras wird ein ,Standard-Verhalten‘ der Schweine festgestellt und gespeichert, das mit dem jeweils aktuellen Geschehen verglichen wird.“ Steige die Aktivität über das normale Maß, könne dies ein Hinweis auf beginnendes Schwanzbeißen sein – in diesem Fall erhalte die Betriebsleitung eine entsprechende Alarmmeldung aufs Smartphone und könne vor Ort eingreifen. Ein Ziel von „DigiSchwein“ sei es, die Haltung so zu verbessern, dass Schweine problemlos unkupiert gehalten werden könnten.

Verantwortungsvolle Schweinehalter schauen mehrmals täglich nach, wie es ihren Tieren geht. Die Software „DigiSchwein“ soll sie künftig dabei unterstützen, Veränderungen im Bestand früher zu erkennen und damit das Wohlbefinden der Schweine zu verbessern.
 Schweine in der LWK-Versuchsstation Wehnen Wolfgang Ehrecke
„Bewegen sich die Tiere weniger als üblich, kann das auf Krankheiten hindeuten“, erläutert Prof. Dr. Nicole Kemper, Leiterin des am Projekt beteiligten Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Weitere Sensoren etwa zur Erfassung des Gewichts, der Körpertemperatur und des Wasserverbrauchs gäben weiteren Aufschluss über Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere. 

„Wir wissen, dass viele Unternehmen in diesem Bereich an Entwicklungen dran sind“, berichtet Sagkob. „Deshalb freuen wir uns darauf, möglichst viele Innovationen mit in das Projekt einzubinden und zu testen.“

Nicht nur im Maststall, sondern auch im Sauenstall gibt es wichtige Gründe für eine umfassende digitale Tierbeobachtung: „Für die Zukunft wird über ein Haltungssystem im Abferkelbereich diskutiert, in dem die Sau nicht mehr in einem Ferkelschutzkorb fixiert ist“, sagt Dr. Heiko Janssen, LWK- Fachreferent Schweinezucht, Schweinehaltung. „Um das Risiko, dass Ferkel durch Sauen erdrückt werden, möglichst gering zu halten, müssen wir noch mehr über das Verhalten der Sauen vor, während und nach dem Abferkeln wissen.“

„DigiSchwein“ soll nicht nur den Tieren zugutekommen, sondern auch der Umwelt: So werden in Wehnen künftig auch Daten etwa zu den Nährstoffgehalten der Futtermittel, zum Wasserverbrauch, zur Zahl der ein- und ausgestallten Tiere mit Gewichtsmassen, Daten zu Nährstoffkonzentrationen in der Stall- und Abluft sowie zu Nährstoffgehalten der Gülle gesammelt und ausgewertet. „Durch eine umfassende Digitalisierung und Transparenz der Nährstoffströme in der Schweinehaltung soll deren Präzision erhöht und der erforderliche Dokumentationsaufwand verringert und möglichst automatisiert werden“, fasst Dr. Harm Drücker, Leiter des LWK-Fachbereichs Energien, Bauen, Technik, diesen Projektbereich zusammen.

„Die Menge klimarelevanter Gase wie Ammoniak im Stall hängt stark von der Fütterung ab“, ergänzt Kammer-Vizepräsident Hermann Hermeling. „Wenn die Zusammensetzung des Futters nicht stimmt oder die Schweine krank sind und eine gestörte Verdauung haben, gelangen mehr Nährstoffe als üblich in die Gülle.“ Auch solche Probleme solle die Software „DigiSchwein“ künftig schneller erkennbar und lösbar machen.
 


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